Wirtschaft

Griechenland bereitet nun doch die Umschuldung vor

2009 betrug das griechische Haushaltsdefizit 15,4 Prozent, für 2010 waren 7,8 Prozent erwartet worden, 2011 soll es 7,0 Prozent betragen, um dann bereits 2014 auf nur noch 2,6 Prozent gedrückt zu werden. Griechenlands Staatsschulden lagen zum Jahreswechsel 2010/11 bei 340,278 Milliarden Euro, das entspricht 148,35 Prozent des BIP. Angesichts des hohen Schuldenstandes bereitet Athen nun offenbar doch Maßnahmen vor, um die Last des Defizitabbaus nicht nur den Steuerzahlern und Rentnern aufzubürden und mit den Sparmaßnahmen das Wirtschaftswachstum abzuwürgen, sondern nimmt sich auch der bislang heiligen Kühe an: Eine Beteiligung der privaten Investoren (Gläubiger der Staatsanleihen). Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat nun offenbar auch die deutsche Bundesregierung einen Schwenk in ihrer Einschätzung vorgenommen. Demnach schätzen Teile der Regierung, dass Griechenland ohne eine Umschuldung nicht mehr über den Sommer kommen werde. Brisanter noch die Interna aus Athen: Laut Informationen der Welt äußerte ein ungenannter griechischer Minister, dass Griechenland bereits 2010 umschulden wollte, die Europartner sich damals jedoch noch etwas Zeit erbeten hatten, um die Maßnahmen lediglich vorbereiten zu können: „Doch die Kollegen der europäischen Regierungen sagten uns damals: ‚Es geht hier nicht nur um euch. Wir müssen erst einmal Zeit für die Stabilisierung der gesamten Eurozone gewinnen, und Ihr müsst beweisen, dass Ihr sparen und reformieren könnt, bevor wir über eine Umschuldung reden.‘ Das haben wir jetzt getan. Jetzt ist die Frage nicht mehr, ob wir umschulden, sondern nur noch, wann“. Athen soll bereits eine entsprechende Anfrage an die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) gerichtet haben. In der Reaktion der Märkte stiegen die Risikozinsen für griechische Staatsanleihen weiter und erreichten für zehnjährige Staatsanleihen nicht mehr bezahlbare 14 Prozent. Allerdings ist Griechenland derzeit nicht auf die Liquidität der Märkte angewiesen, da die Euro-Partner über den Rettungsschirm eine günstigere Refinanzierung für den Zeitraum der Sanierung anbieten. Das Beispiel Argentinien zeigt zudem, dass wenn durch eine Umschuldung wieder stabile makroökonomische Kennzahlen erreicht werden, auch das Vertrauen der Märkte zurückkehrt. Der betreffende Staat wird zwar im Vorfeld als Paria behandelt, aber wenn die Aussichten wieder stabil sind, findet sich immer ein Investor, der die erneut stabilen Verhältnisse dann für seine Anlagen nutzen will. Die Umschuldung kann zudem sehr sanft erfolgen, indem die Laufzeit der Anleihen lediglich gestreckt wird, so dass die Zinsen fallen, aber die ursprüngliche Summe erhalten bleibt. Allerdings ist auch ein Haircut möglich, bei dem sämtliche Forderungen um einen gewissen Prozentsatz gekürzt werden. Die meisten Investoren haben so wie so schon bereits Teile ihrer Anleihen abgeschrieben.
 

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