Regionales

Größtes Solarkraftwerk Berlins am Netz

In Berlin Moabit wurde am Montag das größte Solarkraftwerk auf Berliner Dächern eingeweiht. Fast 40.000 Quadratmeter nimmt die Anlage ein, die auf vier Hallen des Blumengroßmarktes an der Beusselstraße installiert wurde und aus über 5.500 knapp einen Meter großen Modulen besteht. Es ist die 4.400. dezentrale Photovoltaikanlage, die in Berlin ans Netz geht – und die größte noch dazu. Das Solarkraftwerk hat eine Gesamtleistung von 1,6 Megawatt und erzeugt pro Jahr rund 1.400 Megawattstunden Strom. Die hier gewonnene Energie wird in das derzeit noch von Vattenfall Distribution betriebene Berliner Stromnetz eingespeist und kann gut 600 Haushalte versorgen.

Betreiber des Solarkraftwerks ist die Berliner Energieagentur (BAE), deren Anteile vom Land Berlin, der Gasag, Vattenfall und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehalten werden. Die BAE hat insgesamt 2,3 Millionen Euro in die Anlage investiert. Sie soll mindestens 20 Jahre lang laufen, nach 16 Jahren könnten sich die Investitionskosten amortisiert haben. Der Blumengroßmarkt, der Fruchtmarkt, stellt die Dachflächen zur Verfügung und erhält dafür eine Pachtgebühr. Das Solarkraftwerk ist Teil eines auf nachhaltige Energieversorgung und Resourcenschonung ausgerichteten ökologischen Gesamtkonzepts des Großmarktes. Die CO2-Einsparung liegt bei 850 Tonnen pro Jahr gegenüber konventioneller Stromerzeugung.

Die Solarmodule wurden vom Berliner Unternehmen Solon Energy GmbH hergestellt und installiert. Für die Montage der Module wurden drei unterschiedliche innovative Systeme eingesetzt. Auf den Kunststoffdächern kommt ein System mit wannenartiger Unterkonstruktion zum Einsatz, das punktuell mit Folie verklebt wird. Dieses „Plug & Play“-System kann ohne Dachdurchdringung installiert werden und ist sehr leicht. Auf den Metalldächern wurden rahmenlose Module mit einer neuen Klebetechnik auf Schienensystemen installiert. Auf den Trapezdächern wurden Schienen aus glasfaserverstärktem Kunststoff direkt auf das Dach aufgebracht und mit den rahmenlosen Modulen verklebt.

Die Berliner Energieagentur betreibt nun 37 Solarstromanlagen in Berlin mit einer Gesamtleistung von 3,6 Megawatt und außerdem über 50 Blockheizkraftwerke in Mehrfamilienhäusern und Dienstleistungsgebäuden. BEA-Geschäftsführer Michael Geißler sagte, mit dem Solarkraftwerk in der Beusselstraße mache man einen wichtigen Schritt, um die erneuerbaren Energien auch unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen in Berlin weiter voranzubringen. Photovoltaikprojekte ließen sich trotz reduzierter Einspeisevergütung im Rahmen des neuen EEG weiterhin wirtschaftlich realisieren, wenn sie sorgfältig geplant und umgesetzt würden.

Gerade für Stadtstaaten wie Berlin, die über nur wenig freies Land verfügen, ist der Betrieb solcher Anlagen interessant. Nach Angaben des Berliner Solar Network e.V. sind rund 220.000 Dächer in Berlin für Photovoltaikanwendungen gut oder sehr gut geeignet. Bis zu 3.200 Gigawattstunden könne man pro Jahr gewinnen und dadurch 77 Prozent des privaten Berliner Stromverbrauchs decken. Derzeit beträgt das gesamte Solarstromaufkommen nach Angaben der Vattenfall Europe Distribution rund 40 Gigawattstunden, damit lässt sich der Strombedarf von 15.000 bis 20.000 Haushalten decken. Die Nutzung von Photovoltaik ist in Berlin noch sehr gering, bestätigt auch Jochen Dieckmann, stellvertretender Abteilungsleiter für Energie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Berlin nutze gerade einmal 0,5 Prozent seines Potenzials.

 

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