Wirtschaft

Großbritannien druckt weitere 319 Mrd. Euro um die Wirtschaft anzukurbeln

Großbritannien ist mit seiner Finanzmetropole, der City of London, der wichtigste Finanzplatz in Europa und nach New York der bedeutendste weltweit. Die Finanzindustrie weist einen Anteil am BIP von rund 10% auf, so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Dementsprechend stark wurde das Vereinigte Königreich auch von der globalen Finanzkrise 2008 getroffen. Mit Milliardensummen wurden große Finanzinstitute gestützt und die Wirtschaft angekurbelt. So steigen innerhalb nur weniger Jahre die britischen Staatsschulden von moderaten 43% im Haushaltsjahr 2007/08 auf voraussichtlich 87% des BIP bis zum Haushaltsjahr 2013/14 an. Allein im Haushaltsjahr 2009/10 wuchs der Schuldenstand um 11% an, für 2011/12 wird ein Haushaltsdefizit von weiteren 8% erwartet. Der Leitzinssatz der Bank of England steht seit März 2009 auf dem historischen Tiefstand von 0,5%. Mit dem Anwerfen der Notenpresse (Drucken von Geld) und einem Ankaufprogramm im Volumen von 200 Milliarden Pfund, in erster Linie für britische Staatsanleihen („Quantitative Easing“), sollte ferner die Wirtschaftsaktivität stimuliert werden. Die Inflationsrate lag im Februar 2011 bei einem hohen Wert von 4,4%, das Inflationsziel der Zentralbank liegt bei 2%. Das Wachstum stagniert auf einem niedrigen Wert: Mit dem Stand zweites Quartal wurde lediglich ein Plus von 0,7% gegenüber dem Vorjahreswert registriert. Um der am Boden liegenden britischen Wirtschaft zusätzliche Impulse zu verleihen, wurde heuer bereits Ende Juli das früheste Weihnachtsgeschäft aller Zeiten eingeläutet – mit Weihnachtsmusik bei 30 °C Außentemperatur.

Nun pumpt die britische Notenbank weitere Milliarden frisches Geld in die Volkswirtschaft, um das Wachstum zu stimulieren. Die Bank von England gab am Donnerstag bekannt, dass sie ab dem 10. Oktober ihre Staatsanleihenkäufe auf ein Volumen von 275 Milliarden Pfund (319 Milliarden Euro) ausweiten und auf diese Weise die Wirtschaft ankurbeln will. In den Jahren 2009 und 2010 hatte sie bereits 200 Milliarden Pfund neu gedruckt und damit Staatsanleihen gekauft. Das neue Ankaufsprogramm soll in vier Monaten abgeschlossen sein. Analysten waren über das Ausmaß des neuen Programms überrascht.

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