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Groupon erlöst bei Börsengang 700 Mio., Börsenwert von 13 Mrd. Dollar

Nach einigen Monaten Verspätung hat die US-Schnäppchenseite Groupon am Donnerstag den Börsengang gewagt. 5% der Anteilsscheine wurden zum Preis von 20 Dollar ausgegeben. Damit erlöste der drei Jahre alte Gutscheindienst insgesamt 700 Millionen Dollar, der Gesamtwert des Unternehmens liegt damit bei 12,7 Milliarden Dollar. Der Börsengang ist damit der zweitgrößte eines Internet-Unternehmens seit dem von Google im Jahr 2004.

Groupon ist nach wie vor defizitär: Im dritten Quartal wurde bei einem Umsatz von 430 Millionen Dollar ein Verlust von zehn Millionen Dollar eingefahren. Ein Gewinn wurde mit dem Geschäftsmodell bislang noch nicht realisiert. Analysten zufolge sei der um zwei Dollar höher angesetzte Ausgabepreis, als noch vor einigen Wochen angekündigt, von 20 Dollar je Anteilsschein auf das knappe Angebot von 5% der Aktien zurückzuführen. Durch das geringe Angebot sei das Unternehmen daher zum jetzigen Zeitpunkt überbewertet. Kritiker warnen daher vor dem Entstehen einer neuen Spekulationsblase.

Der geschätzte Unternehmenswert Groupons hatte sich von 1,3 Milliarden Dollar im April 2010 auf 15-25 Milliarden Dollar im März 2011 vervielfacht. Damals hatte Google-Chef Schmidt bereits vor einer neuen Technologieblase wie die Dotcomblase zur Jahrtausendwende gewarnt.

Die Schnäppchenseite wurde in den letzten Monaten zweimal von der Börsenaufsicht SEC wegen ihrer Buchführung gerügt. Im September war die phantasievolle Buchführung, mit der die nach wie vor defizitären Unternehmenszahlen geschönt wurden, Gegenstand der Kritik. Groupon hatte einfach den gesamten Wert der Rabattgutscheine in die Bücher aufgenommen (Groupon bündelt interessierte Kunden, um ihnen damit Rabatte bei Händlern und Herstellern zu sichern, und kassiert dafür eine Provision von angeblich 30-50%). Jetzt darf nur noch die Kommission, also der Teil in die Bilanz einfließen, der von dem Gesamtwert des Gutscheins auch tatsächlich dem Gutscheindienst zugute kommt. Damit reduzierte sich der Umsatz für 2010 von zunächst ausgewiesenen 713,4 Millionen auf 312,9 Millionen Dollar. Zuvor hatte bereits eine zusätzliche Kennzahlberechnung, bei der die Kosten einfach ausgeklammert wurden, eine Reaktion Seitens der SEC hervorgerufen. Die Berechnungsmethode hatte zur Folge, dass die rasant in die Höhe schnellenden Marketingkosten nicht als Kosten verbucht wurden und bei der Berechnung des Betriebsergebnisses dann folglich nicht mit einflossen. Groupon musste daraufhin seine ergebnisfreundliche Kennzahlendarstellung wieder aufgeben.

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