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Groupon verschläft seinen Hype – Börsengang verschoben, Wert bricht ein

Die Online-Schnäppchenseite Groupon verschiebt aufgrund der turbulenten und eingebrochenen Finanzmärkte seinen Börsengang. Im Juni hatte das Unternehmen noch angekündigt, voraussichtlich Mitte September 750 Millionen Dollar einsammeln zu wollen. Nun werde der Zeitplan überdacht, die Börsenpläne hätten jedoch weiterhin Bestand. Allerdings häuften sich in der jüngsten Vergangenheit Zweifel am Geschäftsmodell: Groupon bündelt interessierte Kunden, um ihnen damit Rabatte bei Händlern und Herstellern zu sichern, und kassiert dafür eine saftige Provision, angeblich in Höhe von 30-50%. Aufgrund der hohen Kosten für die Kundengewinnung schreibt Groupon allerdings nach wie vor Verluste. Und auch die Konkurrenz und Nachahmer gewinnen immer mehr Marktanteile. Damit scheint Groupon nicht von dem Hype von Anfang des Jahres um sich profitieren zu können.

Im April 2010 war Groupon noch auf 1,3 Milliarden Dollar geschätzt worden. Dann begann eine Blasenbewegung ähnlich der Dotcom-Blase zum Jahrtausendwechsel. Im November 2010 wurde der Unternehmenswert bereits auf 3 Milliarden taxiert. Im Dezember 2010 wurde ein Kaufangebot seitens Google über sechs Milliarden Dollar zurückgewiesen. Mit zusätzlichen Investitionen wurden dann Nachahmer weltweit aufgekauft, um sich Entwicklungsarbeiten in den entsprechenden Ländern zu sparen. Das Angebot wuchs daraufhin von 300 auf 500 Städte in 40 Ländern auf, die Zahl der Nutzer stieg auf rund 70 Millionen an. Dadurch stieg auch der Unternehmenswert weiter auf 4,75 Milliarden im Januar 2011. Aufgrund der parallelen exorbitanten Wertsteigerungen bei den aufstrebenden social media Dienstleistern, allen voran Twitter und Facebook, hatte Google-Chef Schmidt dann im Februar vor einer neuen Internetblase mit stark überzogenen Unternehmensbewertungen gewarnt, umgangssprachlich als "Mondpreise" bezeichnet. Dem zum Trotz stiegen die Werte dieser Firmen unaufhörlich weiter. Mitte März war Groupon dann angeblich bereits 15-25 Milliarden Dollar wert, obwohl es immer noch ausschließlich Verluste schrieb. Diesen Zeitpunkt des Hypes für einen Börsengang scheint der Schnäppchenjäger nun wohl verschlafen zu haben, dürfte damit aber seinen potentiellen Anlegern eine Menge Geld beziehungsweise einen großen Verlust erspart haben.

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