Wirtschaft

Günter Wallraff: Arbeitsbedingungen des Paketdienstes GLS gleichen der Sklaverei

Gestern lief auf dem Privatsender RTL eine Dokumentation mit dem Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, mehr als 2,95 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung. Wallraff hatte sich als Fahrer und Paketbote beim Transportunternehmen GLS verdingt und dabei Zustände aufgedeckt, die an das 19. Jahrhundert erinnern. "Ich habe dort an verschiedenen Standorten mitgearbeitet und recherchiert – und habe Arbeitsbedingungen festgestellt, die körperlich, nervlich und finanziell ruinieren", betonte Wallraff.

Bereits die ersten Stunden des Arbeitstages gestalteten sich illegal, diese werden nämlich nicht bezahlt – die sogenannten vorbereitenden Arbeiten wie Pakete aufladen oder einscannen. "Es konnten oft keine Pausen gemacht werden, nachts waren nur vier oder fünf Stunden Schlaf drin. Das Unfallrisiko ist enorm." Und: "Wir waren in verbeulten Karren und bei Schnee und Eis auch mit Sommerreifen unterwegs", erzählt der Journalist. "Es ist ein System, das eine Form von moderner Sklaverei mitten in Deutschland darstellt." Viele tausend Menschen seien betroffen, vor allem jüngere und männliche Beschäftigte.

Zudem berichtete Wallraff von den Geschichten, die er von seinen kurzzeitigen Kollegen erzählt bekam, die sich allesamt um Existenzangst, Niedrig- und Dumpinglöhne, die aufgezwungene Scheinselbstständigkeit, Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich und finanziellen Ruin drehten. "Was mir die Kollegen in dieser Zeit berichtet haben, welche Zerstörung an Leib und Seele diese Arbeit für sie gebracht hat – ich hatte geglaubt, so etwas gäbe es seit dem Frühkapitalismus nicht mehr“, so Wallraff.

Bei GLS wollte man sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

(sm)

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