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Gute Gespräche führen (4) – Besser zuhören lernen

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Um sich selbst eine gute Gesprächsführung anzutrainieren, besteht die elementare Grundlage dafür darin, das eigene Zuhören verbessern zu wollen. Mit diesem Beitrag kommen wir zum Abschluss der Reihe „Gute Gespräche führen“. Insofern geht es zunächst um die Bestandsaufnahme, warum es uns heute so schwer fällt, aufmerksam zuzuhören und warum wir es überhaupt verlernen oder verlernt haben. Darauf folgen die Gründe, warum wir dieser Entwicklung gegensteuern sollten – und fünf konkrete Tipps, wie Sie besser zuhören lernen können. Dies soll kein Abgesang auf die Medien unserer Zeit sein, sondern darauf aufmerksam machen, wie wichtig gerade der unmittelbare zwischenmenschliche Umgang ist, und was wir zur Verbesserung tun können. Denn genau betrachtet ist der Ansatz, das eigene Zuhören zu verbessern, unsere große Chance auf ein erfüllteres Leben, beruflich wie privat.

Besser zuhören lernen unter erschwerten Bedingungen

Begonnen bei der Ausgangslage stellt sich zunächst eine simpel anmutende Frage: Wieso müssen wir überhaupt erst besser zuhören lernen? Wo doch in den verschiedenen Formen der Kommunikation das Sprechen und Hören nie abgeschafft wurde; lediglich die Sprachnachricht löste in weiten Teilen den Anrufbeantworter ab. Doch genau hier liegt die Krux. Die Gründe sind die Möglichkeiten zur Aufzeichnung, die wir im Laufe der Menschheitsgeschichte gefunden haben:

  • Schriftlichkeit
  • Klang auf Tonband
  • Videoaufnahmen.

Zwar müssen wir nach wie vor zuhören, doch müssen wir es längst nicht mehr so genau. Schließlich kann alles noch einmal angesehen, noch einmal angehört werden. Doch das ist noch längst nicht alles.

Ungeduld und Abstumpfung verkürzen unsere Aufmerksamkeitsspanne

Hinzu kommt, dass es immer mehr Störfaktoren, ja Störgeräusche gibt, die wir ausblenden müssen. Während die Welt immer lauter und immer mehr akustische und visuelle Signale „auf uns abfeuert“, verstecken wir uns hinter Kopfhörern, leben in eigenen kleinen (Klang-) Blasen, möchten diese kaum für reale Gespräche zerplatzen lassen. Denn in diesen Blasen wissen wir: Hier hört uns niemand zu und wir selbst müssen niemandem zuhören. Was wir in diesen Episoden verlernen, stellt uns vor Herausforderungen, wenn wir denn tatsächlich ein Gespräch führen müssen – und für die doch oft wichtigen Anlässe empfiehlt es sich durchaus, besser zuhören lernen zu wollen. Denn nur so werden wir zu angenehmen Gesprächspartnern, mit denen andere auch gerne sprechen.

Wir portionieren, was wir hören und was wir sagen; dazu leisten insbesondere Messenger-Dienste ihren Beitrag. In unserer mediengeprägten Zeit wimmelt es vor Broadcastern, Followern, Pinnwänden und Nachrichten, die als Einbahnstraße gedacht sind und selbst Beziehungen beenden. Währenddessen bemühen sich Medien, Schlagzeilen, grelle Lichter und eingängige Jingles darum, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen und uns „mit Schlagworten zu erschlagen“.

Warum besser zuhören lernen unsere einzige Chance ist

Indes wird es für die Menschen immer schwieriger, tatsächlich aufmerksam zu sein – besonders für alles, das sich ruhig, subtil und dezent verhält. Darin stellt sich uns ein ernsthaftes Problem, denn das Hören und Zuhören ist das unverzichtbare Fundament um zu verstehen. Genauso kann nur aufmerksames Zuhören Verständnis erzeugen; ohne Zuhören verstehen wir einander nicht. Die Konsequenz der Entwicklungen liegt auf der Hand. Denn das Fehlen von aufmerksamem Zuhören erzeugt Gewalt, die um sich greift und sich weiter ausbreitet.

5 Möglichkeiten, unser Zuhören zu verbessern

Selbstverständlich ist das eine flächendeckende Entwicklung. Die Erkenntnis für jede individuelle Person ist jedoch elementar: Jeder und jede von uns kann einen Unterschied machen, indem wir dazu bereit sind, selbst besser zuhören lernen zu wollen und die ersten Schritte zu tun. Denn wenn wir unser eigenes Zuhören verbessern, führen wir nicht nur bessere Gespräch, sondern zeigen auch anderen, wie es geht.

Um selbst proaktiv tätig werden zu können stellt Julian Treasure in seinem Vortrag (siehe Video unten) insgesamt fünf Tools vor, mit denen Sie Ihre eigene Fähigkeit für bewusstes Zuhören verbessern und gezielt schulen können. Diese sind im Folgenden skizziert.

1. Stille (oder zumindest Ruhe)

Die Faustregel sind drei Minuten Stille am Tag. Das Ziel der Stille – um wirklich wieder besser zuhören lernen zu können – besteht darin, sozusagen die Ohren zurückzusetzen, sie neu zu kalibrieren: Es geht darum, wieder das Ruhige wahrzunehmen. Selbstverständlich ist tatsächliche Stille häufig kaum zu bewerkstelligen. Wenn schon nicht Stille, dann üben Sie sich zumindest in Ruhe.

2. „Mixer“

Sobald Sie sich an geräuschüberladenen oder auch anderen Orten befinden, können Sie überlegen: Wie viele verschiedene Kanäle von Geräuschen können Sie hören? Wie viele unterschiedliche Geräusche können Sie unterscheiden? Wo befinden sich die Geräuschquellen?

3. Den versteckten Chor genießen

Was absurd klingt, ist eine durchaus sinnvolle Übung: Genießen Sie alltägliche und unscheinbare Geräusche. Wenn Sie sich schon einmal gedacht haben, dass dieses oder jenes Geräusch beispielsweise beruhigend wirkt, haben Sie schon einen wichtigen Schritt getan. Zwei Beispiele könnten etwa der laufende Wäschetrockner oder die Kaffeemühle sein.

4. Mit den Positionen spielen

Die für Julian Treasure wichtigste Übung: Bewegen Sie die Hörposition dahin, wo es angemessen ist. Dazu verwenden Sie die Filter, die wir im dritten Teil zur Frage, wie aufmerksames Zuhören funktioniert, erläutert haben. Verändern Sie Ihre eigene Haltung beispielsweise von passiv zu aktiv, von kritisch zu empathisch….

5. RASA (Sanskrit für Saft oder Essenz)

Das fünfte Tool dreht sich um grundsätzliche Gesprächsstrategien. Die Initialen der Begriffe, die sich zum Akronym „RASA“ einreihen, können Sie sich vielleicht so besser merken: Receive (Empfangen, sprich: aufmerksam sein), Appreciate (Wertschätzung, sich positionieren und reagieren), Summarize (Zusammenfassen, „also…“), Ask (Fragen stellen).

Testen Sie die verschiedenen Tools einmal für ein paar Wochen, um gezielt besser zuhören lernen zu können. Sie werden über die Effekte erstaunt sein.

Zuhören verbessern gleich erfüllteres Leben

Julian Treasure zufolge ist aufmerksames Zuhören die essenzielle Voraussetzung um überhaupt in der Lage zu sein, ein erfülltes Leben zu führen. Letztendlich nimmt es seinen positiven Einfluss auf mindestens die folgenden Umstände, wenn wir besser zuhören lernen:

  • Wir situieren uns in einem Gefüge von Raum und Zeit, welches wir viel schärfer wahrnehmen.
  • (Gute) Gespräche zuführen ist die Prämisse dafür, sich mit anderen austauschen, sich selbst mitteilen und verstanden werden zu können.
  • Es entsteht eine spirituelle Verbindung, die auf Zuhören und dementsprechend auf Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Offenheit basiert.
  • Verständnis und gute Gespräche nehmen die Gewaltbereitschaft raus und fragen zunächst nach – auch hier sind Offenheit und Aufmerksamkeit essenziell.
  • Letztendlich bauen die großen Ideale des sozialen Zusammenlebens darauf, (besser zuhören) zu lernen: Vernetzung, gegenseitiges Verständnis, Kommunikation aller Art und schließlich Frieden.

Bei der Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören, geht es also bei Weitem nicht nur um das Zwiegespräch. Die Wirkung ist bemerkenswert größer – und macht einen konkreten Unterschied in Ihrer unmittelbaren Umgebung. Testen Sie es gerne aus, wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Elan!

Video: Besser zuhören lernen – Warum und Wie

Um beispielsweise die verschiedenen Tools nochmals genauer erklärt zu sehen (und zu hören), klicken Sie einfach auf die Aufzeichnung von Julian Treasures Vortrag – in diesem Fall lohnt sich das Abspielen in der Tat:

Die vorangegangen Teile der Reihe finden Sie im Übrigen hier:

Wir hoffen, Sie ein wenig inspiriert zu haben und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung!

Beate Greisel

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