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„Happy at work“: Wie man am Arbeitsplatz glücklich ist – Interview mit Alfred Schaider

Happy at work

Wie wir alle wissen, gestalten Führungskräfte im hohen Maße das Arbeitsklima im eigenen Unternehmen. Wenn es gut ist, kommen Mitarbeiter gerne zur Arbeit. Wenn dem nicht so ist, besteht ein dringender Handlungsbedarf. Wir haben dazu mit Alfred Schaider – Speaker, Trainer, Teamentwickler und Coach – zum Thema „happy at work“ gesprochen. Im zweiten Interview zeigt er unter anderem konkrete Ansätze zur Umsetzung von „happy at work“ auf.

Wie „happy at work“ konkret gelingen kann – Interview mit Alfred Schaider

Was genau sind Ihre Vorschläge für Mitarbeiter, um in ein langfristig funktionierendes Gefühl des „happy at work“ einzutauchen? Wie ist hier konkret vorzugehen?

Wie schon gesagt: Gefühle kommen und gehen. Sehen Sie das Arbeitsleben doch einmal als ein ständiges Auftauchen und wieder Eintauchen in ganz unterschiedliche Gefühle.

Auch als zufriedener, dankbarer, stolzer, engagierter, sinnerfüllter Vorzeige-Supermario werden Sie gelegentlich Ärger oder Frust abbekommen. Auch Supermario macht mal einen Fehler und fällt auf die Schnauze. Das ist legitim und passiert jedem. Die Frage ist nur, wie reagieren wir darauf, etwa durch launisches Jammern und Gezeter oder doch auf konstruktivere Art und Weise?

Ich selber ertappe mich durchaus ab und zu dabei, dass ich bei Frustrationen und Rückschlägen wie (m)ein 5-Jähriger denke: Wann sieht „Mama oder Papa“ (der Vorgesetzte oder Kollege) denn endlich, dass ich frustriert bin?! Kommt jetzt bitte endlich jemand, tröstet mich und sagt mir, was ich tun soll? Nun, in der Regel kommt niemand, und wir sind gerade in diesen Momenten im beruflichen Kontext mehr als alleine.

In einem solchen Fall ist es viel hilfreicher, folgende Überlegungen anzustellen: Wie lange erlaube ich mir, in diesen negativen Gefühlen zu schwelgen? Welche Techniken wende ich jetzt an, um negative Gefühle wieder rasch loszulassen zu können? Wie schnell gehe ich vom grüblerischen Selbstmitleid wieder ins aktive Tun über? Auf diese Weise erzeugen Sie rasch innerlich ausreichend positive Gefühle, um die berufliche Situation in Summe doch immer noch „wow!“ zu finden.

Und wenn all das trotzdem nicht funktioniert, sich kein Gefühl der Zufriedenheit oder des Glücks einstellt? Was sind die Alternativen?

Dann stehen Sie vor der Entscheidung, ob Sie ein Goldsucher oder ein Goldfinder sein wollen. Beides halte ich für legitime Wege, für die Sie sich frei entscheiden können. Der Goldsucher denkt: Ok, hier finde ich mein Glück wohl nicht … buddle ich eben da drüben im Sand, vielleicht bin ich dort glücklicher und erfolgreicher.

Der Goldfinder hingegen denkt: Ok, ich gebe diesem Ort noch eine Chance. Ich halte es für möglich, dass es hier doch eine Goldader gibt. Wenn ich durchs Graben mit den Händen nichts gefunden habe, probiere ich es mit einem anderen Werkzeug. Eventuell muss ich auch noch mehrere Werkzeuge ausprobieren, oder mir jemanden suchen, der mir zeigt, wie man sie verwendet.

Niemand kann Sie zwingen, ausgerechnet in Ihrer aktuellen Arbeit, in diesem Team, in diesem Unternehmen Ihr (Arbeits-)Glück zu finden. Suchen Sie sich doch einen neuen Ort, wo Sie Ihre Fähigkeiten zu Geld machen und Freude wie Erfüllung erleben können. Ich schlage allerdings vor: Rüsten Sie sich vorher noch mit möglichst vielen „happy at work“-Werkzeugen aus und trainieren Sie deren Gebrauch in gewohnter Umgebung. Sie können nie wissen, was Sie im neuen Umfeld erwartet. Von der anderen Seite des Zauns wirkt das Gras eben immer grüner … Und wer weiß, vielleicht stoßen Sie beim Training ja doch noch auf eine Goldader und beschließen, zu bleiben. Im Grunde geht es einfach darum, vor einem vielleicht zu harschen Aufbruch zu neuen Ufern ganz genau auszuloten, ob Sie alle Möglichkeiten erschöpft haben. Wenn Sie sich dessen ganz sicher sein können, gelingt auch ein Neustart meist sehr viel besser!

Wann können Mitarbeiter denn mit Sicherheit wissen, dass sie nun wirklich alles versucht haben, um in ihrem bisherigen Unternehmen glücklich zu sein? Bzw. wann ist der wirklich richtige Zeitpunkt für einen Arbeitswechsel gekommen?

„Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“, lautete Michael Schanzes bekannter Spruch aus der Sendung „1, 2 oder 3“. Allerdings müssen sich die Kandidaten immer zuerst für ein Feld entscheiden, und dann geht erst das Licht an. Zuerst kommt die Entscheidung – Bleiben oder Gehen – dann erst folgt die Erkenntnis, ob es die richtige Entscheidung und der richtige Zeitpunkt war. Ich finde es nachvollziehbar, dass Menschen über einen geordneten (!) Wechsel nachdenken, wenn sie schon unter unerträglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, ihnen das 10-fache Gehalt angeboten wird, oder eine andere Arbeit die Erfüllung ihrer Lebensträume verspricht. Wenn dies alles nicht der Fall ist, lohnt es sich auf jeden Fall, noch einmal genauer hinzuschauen.

Geben Sie sich in einem solchen Fall mindestens 3 Monate ernsthafte „Selbsterforschungszeit“. Wenden Sie dabei täglich nach Lust und Laune mehrere „happy at work“-Techniken an, und beobachten Sie den Effekt.

  • Lernen Sie eine bereits bekannte Person im Arbeitsumfeld noch etwas näher kennen, indem Sie sich für Ihre Lebensgeschichte und Ihre Zukunftspläne interessieren. Lassen Sie sich überraschen, wie sich eine etwas tiefergehende Beziehung auf Ihre Arbeitszufriedenheit auswirken kann.
  • Tun Sie, und zwar ohne Aufforderung, jemandem einen Gefallen, eventuell sogar, ohne dass die betroffene Person es bemerkt.
  • Als kleine Challenge mit sich selbst, machen Sie an einem Wochentag Ihrer Wahl mindestens 3 solche netten Dinge.
  • Notieren Sie sich jeden Abend mindestens 3 Ereignisse, die an diesem Tag in der Arbeit positiv waren. Was ist Ihnen gelungen, was war in Ordnung, worüber haben Sie sich freuen können? Es können natürlich auch mehr als 3 Dinge sein, aber hören Sie nicht auf, zu schreiben, bevor Sie mindestens 3 festgehalten haben, das ist nämlich nötig, um Ihrem Unterbewusstsein „mehrere gute Dinge“ zu suggerieren und so langfristig positive Emotionen zu wecken.

Ein Coach, oder eine vertraute Person, mit der Sie offen über Ihre Erlebnisse reden können, ist in dieser Zeit sehr hilfreich zur Entscheidungsfindung.

Wie bringen Sie in Ihrer Rolle als Redner, Trainer oder Coach dieses Wissen in die Unternehmen? Welcher Methoden bedienen Sie sich?

Als Redner werde ich von Unternehmen engagiert, um innerhalb von 30 – 90 Minuten einer größeren Gruppe von 50 bis 500+ Menschen knackige Gedanken und anwendbare Impulse mitzugeben. Provokative Fragen und Geschichten zu erzählen sind meine bevorzugten Methoden, um wissenschaftlich bewiesene Zusammenhänge unterhaltend und inspirierend rüberzubringen. Wenn danach jemand mit dem Gedanken rausgeht „Ok, stimmt ja, ich kann und muss selbst etwas für mein Gutfühlen bei der Arbeit tun … den einen Tipp probiere ich mal aus“ dann habe ich mein Ziel erreicht, denn ein Stein ist ins Rollen gekommen.

Als Trainer in Kleingruppen und als Coach mit Einzelpersonen oder Teams kann ich viel detaillierter auf eine spezielle Zielgruppe, das Team oder die Person eingehen. Gerade bei diesem Thema halte ich viele kurze Impulse über einen längeren Zeitraum, ständiges Anwenden in der Praxis und regelmäßigen Austausch über die Erlebnisse für besonders zielführend. Das klassische 2-Tages-Seminar ohne weitere Begleitung der aktiven Umsetzung halte ich für so sinnvoll, wie eine ganze Geburtstagstorte auf einmal in sich hineinzustopfen. Bissen für Bissen lässt sie sich doch viel besser genießen, ist leichter verdaulich und vor allem nachhaltig.

Waren Sie selber immer „happy at work“? Und welches Umfeld brauchen Sie persönlich, um dies von sich sagen zu können?

„Immer“ happy at work zu sein, halte ich für schlicht unmöglich. Die Zauberworte dabei sind für mich „überwiegend“ und „häufig“.

Die vergangenen 20 Jahre meines Arbeitslebens war ich überwiegend, und damit meine ich im Durchschnitt zu mindestens 80 Prozent, glücklich mit meinen täglichen Tätigkeiten. Über die restlichen 20 Prozent denke ich einfach nicht besonders lange nach, außer, wenn mich der Vergleich einen schönen Moment noch besser genießen lässt.

Ich brauche Menschen und ihre unmittelbaren Reaktionen um mich, um ganz im Flow zu sein. Wenn ich merke, dass mir heute etwas besser gelingt als noch vor einem Monat, dann bin ich stolz auf mich. Wenn ich etwas vermittle, wovon ich überzeugt bin, dass es andere Menschen bei der Arbeit und damit im Leben glücklicher und erfolgreicher macht, dann erfüllt mich das.

Privat wie beruflich schätze ich tiefgehende, persönliche Gespräche mehr als oberflächlichen Spaß und Action. Ich habe jedoch das Glück, einen Beruf gewählt zu haben, in dem ich selber ständig für Spaß und Action sorgen muss, um Menschen zu berühren. Damit sorge ich automatisch auch sehr aktiv für meine eigene gute Laune, Tag für Tag.

Alfred Schaider, happy at work, glücklich am Arbeitsplatz, Arbeit, Speaker, Trainer, Coach,
Alfred Schaider unterstützt Menschen mit „happy at work“ dabei, dass sie in ihrer Arbeit glücklicher und erfolgreicher zu werden.

Herr Schaider, vielen Dank für Ihre Ausführungen rund um glücklich sein am Arbeitsplatz. Ich hoffe, dass möglichst viele Ihre Anregungen zu „happy at work“ im Alltag aufgreifen. Mitarbeiter sind das wichtigste Gut im Unternehmen. Daher sollten möglichst viele Unternehmer und Führungskräfte Ihrem Rat folgen.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

 

Über Alfred Schaider

Mag. Alfred Schaider ist seit dem Jahr 2000 als Speaker, Trainer, Teamentwickler und Coach für Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen tätig. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium hat er Lehrgänge zum Trainer, Coach, Lebensberater, Konfliktmoderator und Teamentwickler absolviert sowie zahlreiche weitere Ausbildungen (zum Beispiel bei Frank Farelly, Dudley Weeks, Arny & Amy Mindell, Martin Seligman, Barbara Fredrickson und Kim Cameron) durchlaufen. Führungserfahrung sammelte er als Teamleiter, im Projektmanagement und in der Veranstaltungsorganisation.

Seine Kernthemen sind die Verbesserung von Führungs-, Kommunikations- und Gesprächsführungsfertigkeiten, die Lösung von Konflikten und die Stärkung von (Arbeits-)Beziehungen sowie das Erkennen und Nutzen der eigenen Stärken. Seine Mission ist es, Menschen nach dem Konzept „happy at work“ dabei zu unterstützen, in ihrer Arbeit glücklicher und erfolgreicher zu werden.

Mehr erfahren Sie unter: http://www.happyatwork.at.

 

Oliver Foitzik

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