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Happy Life 4.0: Warum Gesellschaft und Unternehmen Glücksmanager brauchen

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Die Themen Glück und Lebensfreude sind in aller Munde und das Interesse und vor allem das Bedürfnis danach scheinen immer weiter zu wachsen. Die zunehmende Komplexität und die ständigen Veränderungen in vielerlei Hinsicht – gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch oder privat – zwingen die Menschen zur Flexibilität und Transformation, ob sie dazu bereit sind oder nicht. Immer mehr Menschen realisieren, dass es nicht nur darum geht, zu funktionieren und das ganze Leben lang im Hamsterrad zu rennen – sie beginnen immer mehr, sich wichtige Fragen zu stellen: Wie geht es uns? Was bedeutet gutes und gelingendes Leben? Und was können wir aktiv tun, um dieses zu fördern? Daher gilt es, die Herausforderungen und Chancen ganz genau anzuschauen und vor allem auch, Dinge in Bewegung zu versetzen, die dabei helfen, damit umzugehen, einigen Gegebenheiten auch Einhalt zu gebieten und etwas zum Positiven hin zu verändern. Mission: Menschlichkeit! Ein achtsamer, nachhaltiger Umgang mit sich selbst, mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt. Marco Englert hat sich hierzu mit der Glücksministerin Gina Schöler ausgetauscht.

Interview zur Lebenswelt 4.0 von Marco Englert und Gina Schöler

Frau Schöler, warum gehören die Konzepte Glück und Nachhaltigkeit zusammen?

Nachhaltigkeit hat viele Facetten und soziale Nachhaltigkeit ist ein großer Teil davon. Bei Glück geht es um das Wohlbefinden der Menschen und nicht nur um das wirtschaftliche Wachstum. Das Höher-Schneller-Weiter-Mehr ist für alle Beteiligten nicht gut – und erst recht nicht nachhaltig. Wir sollten uns viel eher überlegen, was dem Wohl der Menschen und der Umwelt zuträglich ist, sodass uns allen ein gutes Leben ermöglicht werden kann.
Die Idee des Bruttonationalglücks ist es, ganzheitlich zu denken und zu handeln und da spielt die seelische Gesundheit mit rein. Hier sind Kommunikation, Prävention, Inspiration und Motivation gefragt!

Was ist denn Ihre Definition von Glück und was macht Menschen wirklich glücklich?

Ich gebe ungern oder vielmehr gar keine Definition für Glück; zumindest keine allgemeingültige. Da ich der Meinung bin, dass es in Deutschland über 82 Millionen Definitionen davon gibt. Ich vergleiche es immer ganz gerne mit der Metapher des Glücksrezepts: Klar gibt es Grundnahrungsmittel wie Sicherheit, Freiheit, ein Dach über dem Kopf et cetera, die dazu beitragen, dass es uns gut geht. Aber die einzelnen Zutaten sind sehr individuell. Es kommt ja auf den eigenen Geschmack an – mag man es ein bisschen salziger oder braucht es mehr Schärfe? Geschmäcker verändern sich auch im Laufe des Lebens und so sollten wir nie damit aufhören, freudig zu experimentieren und immer wieder neue Zutaten auszuprobieren. Letztlich muss jeder sein eigener Chefkoch des Glücksrezepts werden – und seine Suppe selbst auslöffeln.

Oft stelle ich natürlich die kleine Frage „Was macht dich glücklich?“ und die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Oft kommen aber Antworten, die sich in verschiedenen Themenbereichen rund um „Zeit haben“, „soziales Umfeld“ und „Ruhe und Natur“ zusammenfassen lassen. Meine ganz persönliche Definition verändern sich auch ab und zu. Gerade mag ich die Formel „Glück ist Verbundenheit“ sehr gerne – Verbundenheit mit mir selbst (Selbstfürsorge, Kennenlernen von eigenen Bedürfnissen und Gefühlen), Verbundenheit mit meinen Mitmenschen (Hilfsbereitschaft, Stärkung des sozialen Umfelds, Altruismus) und Verbundenheit mit der Umwelt (Natur, Achtsamkeit, Auszeit, Ruhe).

Was möchten Sie als Glücksministerin und Ihrem Ministerium für Glück und Wohlbefinden erreichen?

Dieses besondere Ministerium dient als Impulsgeber und Glücklichmacher. Mit den unterschiedlichen Aktionen und Angeboten wie Workshops, Vorträge, Veranstaltungen, Coachings und Online-Präsenzen erreiche ich sehr viele Menschen und kann ihnen so auf vielfältige Weise Inspirationen und Motivation schenken, wie sie diese wichtigen Themen wie Zufriedenheit und Glück in ihr Leben integrieren.

Ich möchte als Glücksministerin diese überaus wichtigen Themen in den Fokus setzen, aufklären, darauf aufmerksam machen, zum Gespräch anregen und natürlich zum Handeln motivieren. Glück und Wohlbefinden werden aktiv in die Gesellschaft integriert und es wird auf spielerische und alltagstaugliche Weise aufgezeigt, wie nachhaltig und wichtig Glückswissenschaft und Positive Psychologie ist. So werden wir gemeinsam aktiv und erarbeiten uns das Bruttonationalglück einfach selbst!

Ist ein Bewusstseinswandel nötig beziehungsweise findet dieser bereits statt?

Wenn wir wegkommen möchten vom Konkurrenzdenken, Konsumrausch, Leistungsdruck und Optimierungswahn und hin zu mehr Menschlichkeit uns selbst und anderen gegenüber, dann sollten wir anfangen, uns einige essenzielle Fragen zu stellen und die Antworten darauf zu finden. Damit sich etwas verändern kann, muss man erst einmal realisieren, dass man etwas verändern möchte – und dann zur Tat schreiten. Abwarten und Tee trinken funktioniert da nicht, positiver Aktionismus ist gefragt und dafür braucht es ab und zu einen kleinen Stupser. Das Interesse und der Bedarf in der Gesellschaft und auch in der Wirtschaft wachsen stetig und immer mehr Menschen suchen nach dem Sinn fernab von Konsum und Funktionieren.

Brauchen Menschen mehr Glückskompetenz und sollten Unternehmen Glücksmanager beziehungsweise Happiness Manager einstellen?

Jeder hat die Fähigkeit, das eigene Glück zu steigern. Zu 50 Prozent ist das genetisch vorherbestimmt, zehn Prozent sind äußere Einflüsse wie Einkommen und Gesundheit, aber 40 Prozent haben wir ganz aktiv selbst in der Hand, denn das ist unsere persönliche Haltung, unsere Werte und unser Handeln: Wie gehen wir mit uns und unserem Umfeld um?

Die Aktivitäten innerhalb dieser 40 Prozent können wir aktiv fördern und steigern. Die Kompetenz haben wir also alle irgendwo in uns. Manchmal ist sie etwas versteckt und deshalb braucht es ab und zu einen Mutmacher, der Wege aufzeigt, was man mal ausprobieren könnte, um dem Glück ein Stück näher zu kommen. Im Eifer des Gefechts und vor lauter To-dos, Agendas, Meetings und all der Hamsterradrennerei geht das oftmals unter. Deshalb ist es sehr wichtig, dass dieser Faktor auch in der Unternehmenswelt einen festen Platz bekommt – vielleicht in Form eines Glücksbeauftragten. Glücksmanager scheint mir hier eine passende Bezeichnung zu sein, denn managen im Sinne von „leiten“ beinhaltet ja auch, dass diese Person Wege aufzeigt, Menschen begeistert, motiviert und mitnimmt.

Warum sollte jeder Leader ein Glücksmanager sein?

Jede Führungskraft sollte sich per se die Frage des Sinns stellen: Warum führe ich das Unternehmen? Was möchte ich genau erreichen? Wem diene ich? Letztlich dem Menschen. Es ist die wichtigste Ressource überhaupt. Menschen sind keine Roboter. Und deshalb sollte man sie auch nicht so behandeln, sondern für ein gesundes Miteinander einstehen.

Überwachung und Top-down haben als Führungsmethoden ausgedient. Mitarbeiter möchten mit einbezogen, ernst genommen und auf Augenhöhe wahrgenommen werden. So verbessert sich das interne Klima und es gibt viele Nebenwirkungen wie Gesundheit, Loyalität, Zusammenhalt, Kreativität und Innovationskraft. Wenn man Menschen zusammenbringt, kann Großartiges geschehen. Ein Workshop-Teilnehmer gab einmal als Feedback, dass er begeistert davon war, was bewerkstelligt kann, wenn man anderen Leuten ohne Vorurteile und offen entgegentritt und sich auf Augenhöhe austauscht: Begegnung schafft Wachstum. Und das kann eine Führungskraft aktiv fördern. Wenn ein Leader offen für Menschlichkeit ist und diese aktiv in die Unternehmensführung einbezieht, sind die Mitarbeiter nicht nur resilienter, sondern auch viel produktiver und leistungsstärker.

Der Faktor Glück ist absolut nicht zu unterschätzen! Trauen Sie sich, es lohnt sich!

Welche Aufgabe könnte hier das Personalmanagement übernehmen?

Letztlich zählt, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, wertfrei angenommen und stärkenorientiert eingesetzt wird. Mit allen Ecken und Kanten, Höhen und Tiefen. Es darf keine Tabuthemen geben: Offene Kommunikation sollte selbstverständlich sein. Unwohlsein, zwischenmenschliche Probleme oder auch Krankheitssymptome dürfen offen angesprochen werden, sodass man gemeinsam nach Lösungen suchen kann. Manchmal braucht es inspirierende, wertschätzende Rahmenbedingungen, die den Menschen dazu verhelfen, sich zu öffnen. Manche möchten das in der Arbeitszeit nicht – was absolut in Ordnung ist! Aber die Möglichkeit sollte dennoch gegeben sein. Türen öffnen und das Gespräch anbieten. Gleichzeitig Situationen fördern, in denen es den Mitarbeitern leichter fällt, sich zu öffnen, sich selbst und einander kennenzulernen und miteinander zu sprechen. Das baut Hürden ab und das gegenseitige Verständnis kann Wunder bewirken.

Ob all diese Aufgaben, welche vielumfassend sind, das Personalmanagement übernehmen kann und möchte, muss jedes Unternehmen, je nach Auslastung, selbst entscheiden. Ich bin der Meinung, dass es in dieser Richtung so viel zu tun und unendliche Möglichkeiten gibt, dass es einer separaten Stelle bedarf, damit das essenzielle Thema Wohlbefinden und Zufriedenheit ausreichend und wertschätzend Platz findet.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Glück bedeutet für mich Bewegung; im Sinne von Veränderung. Das ganze Leben ist ständig im Wandel, nichts bleibt wie es ist, alles ist im Fluss. Damit gut klarzukommen, loslassen zu können, anzunehmen, was ist, und gleichzeitig aufkommende Chancen aktiv zu nutzen und Neues zu wagen ist für mich Glück. So ist es auch mit dem Beruf als Glücksministerin. Immer wieder ergeben sich neue Projekte, Ideen kommen auf, ich agiere viel mit Menschen und so lerne ich viel über Bedürfnisse. So tun sich dann neue Wege auf, die ich im Prozess einschlage.

Es ist ein offenes, dynamisches Projekt und ich bin neugierig, wohin die Reise hingeht. Momentan häufen sich die Anfragen zum Coaching. Kreative Begleitung von Entscheidungsfindungen und in Veränderungsprozessen ist ein großes Thema, was ich zunehmend spannender finde und ich freue mich, wenn ich Menschen auch hier in glücklicher Mission unterstützen kann. Zudem möchte ich gerne das Workshop-Portfolio erweitern, denn das macht mir persönlich am meisten Spaß: In Firmen, mit Mitarbeitern, in Schulen und natürlich auch mit Privatpersonen auf kreative Weise Fragen des Lebens bearbeiten und mit unterschiedlichsten Methoden (von Improvisationstheater bis Design Thinking) Lösungen generieren.

Frau Schöler, vielen Dank für das Gespräch.

Über die Autoren

Gina Schöler (MA) ist Expertin für Glück und Wohlbefinden und leitet als Glücksministerin die bundesweite Initiative „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“. Ihr Studium in Kommunikationsdesign an der Hochschule Mannheim hat sie mit ihrer Masterthesis „Ministerium für Glück und Wohlbefinden – Dokumentation einer transmedialen Kommunikationskampagne“ sehr erfolgreich abgeschlossen und ist seitdem als freiberufliche Speakerin, Trainerin und als Coach unterwegs, um mit Menschen gemeinsam zu erarbeiten, wie man das Bruttonationalglück steigern kann. Sie hat als Glücksministerin ihren persönlichen Traumjob gefunden und ist davon überzeugt, dass eine Portion Mut nötig ist, um wirklich glücklich zu sein.

Marco Englert (MBA) ist Manager, Berater und Coach. Er steht für ein Excellence-Mindset, das Menschlichkeit, Balance, Innovation und Nachhaltigkeit fördert. Dabei sieht er die Menschen mit ihren Potenzialen und die damit verbundenen Aspekte als die zentralen Treiber für nachhaltig profitables Wachstum. Im Rahmen von strategischen Managementansätzen beschäftigt er sich mit neuen Methoden zur nachhaltigen Steuerung der zunehmenden Dynaxität und der digitalen Transformation. Er verfügt über exzellentes Research- und Consulting-Know-how, insbesondere in den Bereichen Unternehmensführung, Personalmanagement sowie Wissens-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement.

Beate Greisel

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