Energie & Umwelt

Hat Tschernobyl 8.930 oder 1,44 Mio. Todesopfer gefordert?

Die Frage der Opferzahl durch den Super-Gau im AKW Tschernobyl am 26. April 1986 ist immer noch nicht geklärt. Damals wurden 800.000 Männer als Liquidatoren ins Strahleninferno geschickt, um die Folgen des Unglücks einzudämmen. Das Tschernobyl-Forum – angeführt von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – geht von „weniger als 50 Toten“ aus, die direkt in Verbindung mit dem Unfall stehen. Hinzukämen 3960 Krebstote unter den Liquidatoren, den Evakuierten und den Bewohnern der Kontrollzone. In anderen kontaminierten Gebieten Russlands, Weißrusslands und der Ukraine kämen weitere 4.970 Menschen hinzu, die an Krebs sterben. Das ergibt zusammen 8.930 Krebstote. Alexej Jablokow von der russischen Akademie der Wissenschaften und ehemaliger Umweltberater von Boris Jelzin geht allerdings von weitaus größeren Opferzahlen aus: 1,44 Millionen Toten weltweit, wenn vorgeburtliche Todefälle miteinbezogen werden sogar von 1,6 Millionen. Laut Jablokow könne die WHO bei der Atomkraft zudem nicht unabhängig forschen, da sie durch eine Resolution aus dem Jahr 1959 bei allen Projekten zur Radioaktivität an die IAEA gebunden sei – dies sei eine Lobby-Behörde zur Förderung der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Die Schätzungen würden vor allem so weit auseinander liegen, da es an Informationen fehle, etwa darüber, wie viel Radioaktivität bei dem Super-GAU tatsächlich frei gesetzt wurde. Zudem ist der Nachweis, dass Krebs durch genau diese Strahlenbelastung entstanden ist, fast unmöglich. Zu der aktuellen Nuklearkatastrophe in Japan sagte der Chef der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) Sebastian Pflugbeil, dass aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Japan vermutlich bis zu 40 Mal mehr Menschen an den Auswirkungen der Radioaktivität leiden werden. Allerdings weiß auch Pflugbeil nicht, welche Zahl mit 40 zu multiplizieren sei. Zu Tschernobyl: „Wie viele es tatsächlich sind, wird man nie sagen können.“

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