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Hautnah-Interview (32) mit Frau Dr. Walther-Klaus von MINT

Hautnah-Interview (Nr.32) mit Frau Dr. Walther-Klaus, der Geschaftsführerin der Initiative "MINT Zukunft schaffen". (Zum Audio-Podcast hier)

 

Guten Tag Frau Dr. Walther-Klaus. Sie sind Geschäftsführerin der Initiative „MINT – Zukunft schaffen“. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Was hat es damit auf sich? Was sind die genauen Ziele dieser Initiative?

 

Die Initiative „MINT – Zukunft schaffen“ wurde auf dem Höhepunkt der Fachkräftelücke 2007/08 gegründet, um möglichst viele junge Menschen für MINT zu begeistern. Aber auch, um gemeinsam mit all den anderen Initiativen, die es in diesem Bereich in Deutschland schon gibt, gegen die allgemein vorherrschenden Vorurteile gegenüber MINT vorzugehen: trocken, langweilig, keine Dichte an Denkern, nichts für Mädchen. Durch den Vernetzungsgedanken und durch das Schaffen einer Multiplikatorplattform – eines Portals, auf dem alle Initiativen gesammelt werden – soll dabei vor allem die Transparenz erhöht und gezeigt werden, was in diesem Bereich alles passiert. Insgesamt setzen sich viele Menschen dafür ein, dass Deutschland ein Ingenieursland bleibt, weil davon die Zukunft unseres Landes abhängt. So hieß es auch kürzlich auf einem Mittelstandskongress: Wenn es uns in Deutschland nicht gelingt, diese Fachkräftelücke zu schließen, dann sind auch die anderen Probleme, die sich uns stellen, nicht lösbar. Weder die Gesundheitsreform, noch Energieprobleme und sonstige Probleme. Der Fachkräftemangel ist also im Endeffekt die Wurzel von allem. Sowohl im negativen Sinn wie auch im Positiven.

 

Im Fokus der Initiative stehen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das ist ja recht speziell. Wie gestaltet sich da nun Ihr typischer Tagesablauf?

 

Das typische an dem Tagesablauf ist wirklich der Vernetzungsgedanke. Wir bringen Menschen, die MINT-Initiativen machen, egal ob Schulen, Hochschulen, Verbände oder andere Vereinigungen zusammen und stellen den Kontakt her. Ein großes Problem ist nämlich, dass viele Organisationen auch viel tun, aber gar nicht von einander wissen, so dass vieles doppelt gemacht wird und sich überschneidet. Der typische Tagesablauf beginnt dann mit dem Abrufen der Emails, um zu sehen, was läuft bei unseren Mitgliedern, aber auch sonst so im Internet in Bezug auf MINT. So haben wir beispielsweise Mitte Februar einen großen Mentoringkongress – das Mentoring hat sich übrigens als hervorragendes Instrument herausgestellt, die Zahl der Studienabbrecher zu senken. Bei einer anderen Veranstaltung war mir dann kürzlich aufgefallen, dass es ein riesengroßes Mentorinnen-Netzwerk aller bayerischen Hochschulen gibt, das weder mir bekannt war, noch all denen, die sich bereits für den Mentoringtag angemeldet hatten. Das bedeutet dann letztendlich wieder ein großes Potential, was man zusammenbringen kann, um die Synergien besser zu nutzen.

 

Um noch kurz bei dem Thema Öffentlichkeitsarbeit zu bleiben: Welche Marketing- und PR-Instrumente haben sich denn nun allgemein für Sie und für MINT als die erfolgreichsten herausgestellt?

 

Eine ganz wichtige Öffentlichkeitsarbeit ist, was wir Servicekommunikation nennen. Ich hatte ja gerade schon erwähnt, dass wir sehr viele Vereine als Mitglieder gewinnen konnten, z.B. den Verein der Elektrotechniker, die Deutsche Mathematikervereinigung, die Deutsche Physikalische Vereinigung, die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft. Dabei ist es uns gelungen, einen regelmäßigen Informationsaustausch über diese Plattform hinweg zu initialisieren. Das heißt, dass gemeinsame Artikel zu gemeinsamen Tätigkeiten und Aktionen parallel über alle Mitgliedsnetzwerke gestreut werden und dadurch dann über 350.000 Menschen erreichen. Ein anderer großer Schwerpunkt ist, dass unsere Artikel und Pressemitteilungen in den Mitarbeiter- und Kundenzeitschriften unserer Partnern der Initiative erscheinen.

 

Sie hatten vorhin den Fachkräftemangel als einen der Hauptschwerpunkte der Initiative dargestellt. Dieser wird ja ziemlich kontrovers diskutiert. Einige befürworten ein möglichst schnelles Hereinholen von Fachkräften aus dem Ausland. Andere verweisen auf das brachliegende heimische Potential, das man durch verbesserte Förderungs- und Bildungsmöglichkeiten, sowie durch flexiblere Arbeitszeiten für allein erziehende Frauen und ältere Beschäftigte heben könnte. Wie beurteilen Sie die Situation?

 

Das ist ein klassisches Sowohl-als-auch. Das Problem kommt aus einer anderen Richtung. Die Entwicklungs- und Forschungsarbeit der deutschen Firmen mit sehr vielen guten Innovationen war bislang immer unsere Stärke. Wenn die notwenigen Fachkräfte nun nicht gefunden werden, könnten diese Firmen ins Ausland gehen – und das würde uns dann richtig wehtun. Hinzu kommt, dass Deutschland laut einer Studie der „Welt“ als Talentschmiede auf Platz sechs gerückt ist. Das heißt, hier muss man ganz massiv entgegenwirken, dass wir auch im Ausland als attraktive Talentschmiede gesehen werden – und dazu brauchen wir auch junge Menschen aus dem Ausland, die nach Deutschland kommen und ihre Ideen mitbringen. Aber dass wir natürlich auch die heimischen Potentiale heben müssen, ist ganz klar. Wir haben ganz viele junge Menschen, die keinen Hauptschulabschluss haben. Wir haben auch sehr viele junge Frauen, die sich nicht in die MINT-Berufe reintrauen, weil deren Vereinbarkeit mit der Familie in der Regel nicht gut ist. Auch daran muss natürlich gearbeitet werden.

 

Die Neue Züricher Zeitung hat uns kürzlich belächelt, ob unserer alle Jahre wiederkehrender Fachkräfte-Diskussion in Deutschland, die jedes Mal die vorangehenden Ergebnisse ignoriere und voller Hysterie erneut bei null beginne. Ist dem so? Sie hatten ja vorhin schon den Höhepunkt der letzten Fachkräftelücke 2007/08 erwähnt.

 

Dazu muss man zwei Sachen sagen: Wir hatten auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise immer noch eine Fachkräftelücke von 40.000 offenen Stellen gehabt. Diese Lücke kommt dabei allein aus demographischen Gesichtspunkten zustande. Es werden mehr Ingeneure ausscheiden als nachwachsen und die Schülerzahlen sind rückläufig. Das heißt, die Facharbeiterlücke wird bleiben. Der zweite Punkt ist, dass die Firmen und Unternehmen sehr wohl aus dem Vorangegangenen gelernt haben. Das Ausstellen vieler IT-Leute und Ingeneure im Zuge der geplatzten Internetblase zu Beginn des Jahrtausends und die anschließende Mangelerfahrung der Firmen an diesen Fachkräften hat viele Unternehmen dazu bewogen, Vorsoge zu treffen, beispielsweise durch die Einführung von Kurzarbeit. Es gab auch Programme, dass jeder MINT-Absolvent einen Arbeitsplatz bekommt, und sei es ein 18-monatiger Zeitvertrag, der hinterher dann in einen Dauervertrag übergehen kann. Insgesamt waren diesmal nun sowohl die kleinen als auch die großen Unternehmen sehr zurückhaltend bei Ausstellungen.

 

Gibt es bestimmte Persönlichkeiten, die Ihnen als Vorbild dienen? Wenn ja, warum?

 

Es gibt viele Persönlichkeiten, von denen ich eine Eigenschaft als vorbildlich ansehe. Aber ich glaube, es gibt keine Persönlichkeit von der ich denke, genau die ist es.

 

Letzte Frage: Mal angenommen, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Standort Deutschland und die deutsche Wirtschaft von ihm wünschen?

 

Er möge einige Wochen in Südamerika verbringen und auch den Stolz der Menschen kennen lernen, die nicht akzeptieren, von anderen Menschen Geld anzunehmen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen.

 

Frau Dr. Walther-Klaus, vielen Dank für das Gespräch.

 

Danke Ihnen auch.

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