Regionales

Hessen: Jeder Euro wird verdreißigfacht – Weltraumforschung in Darmstadt

"Der Frankfurter Flughafen ist das Tor zur Welt, die ESOC in Darmstadt ist das Tor Hessens zum Weltraum“, fasste der stellvertretender Ministerpräsident und Europaminister Jörg-Uwe Hahn bei seinem Besuch des Europäischen Satellitenkontrollzentrums ESOC in Darmstadt zusammen. Hahn wurde vom Leiter des ESOC-Zentrums, Dr. Thomas Reiter, empfangen. Reiter war selbst zweimal als Astronaut im Weltraum. Er ist jetzt Direktor für bemannte Raumfahrt.

Thomas Reiter erläuterte Europaminister Hahn: „Das ESOC-Zentrum übt eine große Anziehung auf Firmen aus, auch dank des vom Land Hessen unterstützten Centrums für Satellitenanwendungen Hessen cesah und des Gründerzentrums ESA Business Incubation Centre BIC. Darmstadt ist damit nicht nur Wissenschaftsstadt, sondern auch ein „Sternenstädtchen“ in Hessen geworden.

Das Budget der ESA für 2012 beträgt rund vier Milliarden Euro. Die ESA funktioniert nach dem Prinzip des geografischen Mittelrückflusses (“Geographic Return“), d.h. sie investiert über Industrieaufträge für Raumfahrtsprogramme in jedem Mitgliedsstaat Beträge, die mehr oder weniger den Beitragsgeldern des jeweiligen Landes entsprechen.

Der deutsche Beitrag zur ESA, der aus dem Haushalt des Bundeswirtschaftsministeriums bestritten wird, beträgt 2012 rund 714 Millionen Euro. Hiervon gehen nach dem Prinzip der geografischen Rückflusses rund 635 Millionen Euro wieder als Industrieaufträge an deutsche Unternehmen, was zu einer Rückflussquote von 89 Prozent nach Deutschland führt.

Dr. Thomas Reiter machte deutlich, welche wirtschaftliche Hebelwirkung von der Raumfahrt und insbesondere von den Bereichen Satellitenkommunikation, Satellitennavigation und Erdbeobachtung ausgehe „Wir gehen aufgrund von Studien davon aus, dass die direkte Wirkung für die Wirtschaft in der Raumfahrt 1:6 beträgt, in der Satellitenkommunikation sogar 1:30. Durch jeden investierten Euro wird somit eine vielfache Wertschöpfung innerhalb unserer Volkswirtschaft erzielt. Jeder Euro löst weitere sechs bzw. 30 Euro Investitionen aus.“

Das ESOC leistet am Standort Darmstadt nicht nur die Unterstützung für alle europäischen unbemannten Missionen, sondern begleitet auch bemannte Missionen der ESA, z.B. zur Internationalen Raumstation ISS. Es empfiehlt geeignete Flug- und Umlaufbahnen und Bodenverbindungen für Weltraummissionen. Zudem observiert das Space Debris Office der ESA in Darmstadt Weltraumschrott. Dr. Thomas Reiter erläuterte die Gefahr, die bereits von kleinsten Trümmern für Satelliten ausgeht „Wenn selbst kleine Fragmente in der Größe von einem oder auch zehn Zentimetern mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometer pro Sekunde auf einen Satelliten treffen, können sie diesen durch die enorme Energie des Aufpralls, die einer Sprengkraft von etlichen Kilogramm TNT entspricht, zerstören. Dadurch entsteht dann wiederum neuer Weltraummüll. Die Gefahr einer Kollision wächst stetig, je mehr Weltraumobjekte ins All gebracht werden. Und außer einer Frühwarnung und Kollisionsvermeidung gibt es derzeit noch keine einsatzreifen technischen Lösungen zum Schutz von Weltraumobjekten.“ erklärte der Leiter des ESOC, Dr. Thomas Reiter.

Europaminister Jörg-Uwe Hahn: „Das ESOC leistet eine hervorragende und zentrale Aufgabe für Europa. Wir sind stolz darauf, eine so wichtige internationale Einrichtung in Hessen zu haben. Aus Sicht der Hessischen Landesregierung muss der Standort des ESOC in Darmstadt in jedem Fall gestärkt werden.“ Da im November 2012 der ESA-Ministerrat, das oberste Gremium der ESA, tagen wird, um vor allem die zukünftige Finanzierung von bestehenden und neuen Programmen zu beschließen, werden hier auch Entscheidungen getroffen, die das ESOC und damit Hessen unmittelbar betreffen. „Mir liegt die nachhaltige Sicherung der beim ESOC geschaffenen, hochqualifizierten Arbeitsplätze sehr am Herzen. Europas Raumfahrt braucht Hessen – und umgekehrt. Nur durch eine so hervorragende Einrichtung wie das ESOC lassen sich Projekte wie Galileo oder das Globale Erdbeobachtungssystem GMES überhaupt realisieren“, so Europaminister Hahn.

 

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