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Hilfe bei der Familienplanung – Bevormundung oder Freiheit?

Vor einigen Wochen machten Facebook und Apple Schlagzeilen mit der Ankündigung, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu ermöglichen. Die Familienplanung kann mit „Social Freezing“ nach hinten verschoben werden: Denn die junge Eizelle wird später befruchtet und in den älteren Körper eingesetzt. In der heutigen Folge ihrer zweiwöchentlich erscheindenden Themenserie „Anders denken“ fragt Nicola Fritze, ob es in Ordnung ist, wenn Unternehmen in diesem Maße in die Familienplanung ihrer Mitarbeiterinnen eingreifen.

 

Social Freezing im Silicon Valley

Schon mal was von Social Freezing, also „Sozialem Einfrieren“, gehört? Ich bis vor kurzem nicht. Social Freezing hat nichts mit frösteligen Gesprächen auf Stehparties zu tun. Es geht um das Einfrieren weiblicher Eizellen. „Social“ steht vor „Freezing“, weil es hier um einen medizinischen Vorgang geht, dem eher soziale denn gesundheitliche Erwägungen zugrunde liegen. Mitarbeiterinnen können mit Blick auf ihre Karriereplanung Eizellen entnehmen und für eine spätere Schwangerschaft aufbewahren lassen.

Mir war Social Freezing bislang keinerlei Begriff. Bis Facebook und Apple vor kurzem entschieden haben, das Verfahren für ihre Mitarbeiterinnen zu bezahlen. Um die 20.000 Dollar wollen die IT-Unternehmen aus Kalifornien pro Angestellter in die Hände nehmen, um ihnen das Einfrieren von Eizellen zu ermöglichen. Das Ziel: Es sollen mehr Frauen gewonnen werden, in der notorisch jungen und viel zu männlich dominierten IT-Branche dabei zu bleiben (bei beiden Unternehmen arbeiten nur

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Statt in die Familienplanung ihrer Mitarbeiterinnen einzugreifen, sollten Arbeitgeber lieber auf Vereinbarkeit abzielen. (Bild: JMG / pixelio.de)

ca. 30 Prozent Frauen). Das Einfrieren der Eizellen soll Frauen Aufschub bei der Familienplanung geben – die gesunde Eizelle kann dann später in den älteren Körper eingepflanzt werden. Eine aufgeschobene Schwangerschaft sozusagen.

Dürfen Unternehmen in die Familienplanung eingreifen?

Die Entscheidung von Apple und Facebook, für die Familienplanung weiblicher Angestellter so viel Geld in die Hand zu nehmen, hat großes Aufsehen erregt. Dürfen Unternehmen so tief in die private Lebensplanung eingreifen? Schließlich kann das Angebot von den Angestellten so verstanden werden, dass die Unternehmen es gut finden, wenn sie ihre Kinder später bekommen. Das kann Druck erzeugen – Druck, dem sich manche Mitarbeiterin vielleicht nicht oder nur schwer entziehen kann.

Tatsächlich haben sich mir die Haare zu Berge gestellt, als ich über die Entscheidung der Firmen aus Silicon Valley gelesen habe. Natürlich sind kinderlose Angestellte viel eher in der Lage, Überstunden zu schieben und die Arbeit immer an erste Stelle zu setzen. Wer keine Kinder hat, ist schlicht flexibler, als Eltern es sind. Doch ändert sich diese Tatsache, wenn man seine Kinder später bekommt? Da sieht die neue Arbeitswelt auf einmal ganz schön alt aus…

Familienplanung und Karriereplanung besser vereinbaren

Der richtige Weg wäre ein anderer. Die Apples und Facebooks dieser Welt sollten ihren Mitarbeiterinnen das Vertrauen geben, dass Kinder keinen Karriereknick bedeuten. Dass ihnen die langfristige Zusammenarbeit wichtig ist – dass man die wilden ersten Jahre nach der Geburt eines Kindes gemeinsam meistert. Dass man Arbeitsmodelle entwickelt, die sich den Bedürfnissen von jungen Eltern anpassen – anstatt darauf zu hoffen, dass Mitarbeiter ihren Kinderwunsch aufschieben, um sich so besser an die Arbeitskultur anzupassen. Und das Geld ist in gute Betreuungsangebote sicher besser investiert. Unternehmen sollten die Familienplanung ihrer Mitarbeiter also respektieren und mittragen. Das gebietet auch die wirtschaftliche Logik – keiner sollte es sich leisten, auf Mitarbeiterinnen mit Kind zu verzichten.

 

Nicola Fritze / Motivation / Stress / Alltag, Egoismus, Aufschieberitis
Deutschlands Motivationsfrau und SHEnote-Speaker (© Bild: Nicola Fritze).

Über Nicola Fritze

Seit 2001 ist Nicola Fritze vielgefragte Rednerin und Trainerin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Ihre erfolgreichen Audio-Podcasts „Abenteuer Motivation“ und „Fritze-Blitz“ inspirieren seit 2006 regelmäßig über 30.000 Abonnenten. Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Hörsendungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Im Februar 2013 erschien ihr neues Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ (SüdWest, 16,99 €) Darin zeigt Nicola Fritze 50 praxisnahe und effektive Methoden auf, wie Lebensfreude und Motivation langfristig zu steigern sind. Weitere Informationen sowie ihre beiden erfolgreichen Hörsendungen finden Sie auf www.nicolafritze.de.

Katja Heumader

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