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„Hört auf zu arbeiten!“ – Interview mit Anja Förster und Peter Kreuz

Förster, Kreuz
Anja Förster und Peter Kreuz

Was ist eigentlich los in dieser Welt? Die meisten Menschen machen die meiste Zeit ihres Lebens nicht das, was ihnen das Gefühl gibt, voll in ihrem Element zu sein! Wie müsste Arbeit aussehen, um nicht länger als Arbeit im Sinne von Last und Anstrengung angesehen zu werden? Das ist eine der Fragen, welcher die beiden Referenten und Bestseller-Autoren Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem neuen Werk „Hört auf zu arbeiten! Eine Anstiftung das zu tun, was wirklich zählt.“ nachgehen.

Nach ihrem letzten Erfolg mit „Nur Tote bleiben liegen“, folgt mit dem neuen Spiegel-Bestseller nun ein Plädoyer für einen neuen Umgang mit unserer Arbeit. AGITANO – Wirtschaftsforum Mittelstand hat nun ein Interview mit Anja Förster und Peter Kreuz über ihr neues Buch, Arbeit und Motivation geführt.

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Was sind die Grundbedingungen dafür, dass uns Arbeit ausfüllt und Spaß macht?

AF: Damit Arbeit mich erfüllt und mir das Gefühl gibt, voll in meinem Element zu sein, braucht es drei Dinge. Erstens: Talent. Die Tätigkeit muss zu mir passen. Tun wir etwas talentfrei, kann es uns zwar Spass machen, aber es lässt uns keine echte Liebe zur Arbeit empfinden. Zweitens: Leidenschaft. Talent allein reicht nicht aus. Wir müssen das, was wir tun, auch von Herzen gerne tun. Und drittens brauchen wir eine positive Resonanz von aussen. Und die erzeugen wir, wenn wir etwas tun, das nicht nur uns selbst, sondern auch die Menschen um uns herum in Schwingung versetzt.

Sind Nachhaltigkeit und unternehmerische Sozialverantwortung (CSR) Voraussetzung für eine Sinnhaftigkeit der Arbeit?

PK: Nachhaltigkeit und unternehmerische Sozialverantwortung sind sehr wichtig, aber keine Vorraussetzung, um Sinn bei der Arbeit erfahren zu können. Sinn ist etwas höchst Individuelles. Viktor Frankl hat gesagt: „Sinn entsteht immer dann, wenn Menschen das, was sie tun, mit dem in Verbindung bringen, was ihnen wichtig ist.“

Haben Moral und eine menschenfreundliche Ideologie überhaupt Platz im knallharten Wettbewerb der Wirtschaft? Oder wird nur der Egozentrismus auf den eigenen Vorteil belohnt?

AF: Es sind Werte wie Kreativität, Leidenschaft, Engagement und Initiative, die dauerhaft über den Erfolg in der Wirtschaft von morgen entscheiden. Und diese Werte entstehen nicht in einem egozentrischen, menschenfeindlichen Umfeld.  Klar, oft sahnen erst einmal Herr Skrupellos und Frau Hintenrum ab. Kurzfristig und zeitweilig. Auf Dauer kommt damit aber niemand durch.

Was müssen Chefs und Führungskräfte bei der Führung ihrer Mitarbeiter künftig stärker beachten?

PK: Führungskräfte müssen sich viel mehr als Spielfeldgestalter verstehen, die ein Umfeld schaffen, in dem die Menschen ihre individuellen Stärken einbringen und Sinn in ihrer Aufgabe finden können. Wir meinen damit keine luftigen, künstlich mit Sinn angereicherten Mission-Statements, sondern echten Sinn. Und das bedeutet: den Menschen zuhören. Aufrichtig und interessiert zuhören. Verstehen, was sie antreibt. Wissen, was sie bewegt. Wer das verstanden hat, hat sich den wichtigsten Wettbewerbsvorteil unserer Zeit erschlossen: leidenschaftliche und engagierte Mitarbeiter, die ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Wie wirkt sich das auf die Hierarchien und die Unternehmensstruktur aus?

AF: Die natürliche Hierarchie wird künftig die formale Hierarchie schlagen. Im Internet kennen wir das heute schon. Auch da gibt es keinen formalen Chef. Entscheidend ist, ob jemand etwas zu sagen hat, einen Wertbeitrag liefert und damit genügend andere Menschen überzeugt. Die Herausforderung der natürlichen Hierarchie ist: Wer einmal einen bestimmten Status hat, kann ihn ganz schnell wieder verlieren. Vererbbare Privilegien oder auch zementierte Machtansprüche wird es so nicht mehr geben.

Sie schreiben, man solle nicht darauf warten, motiviert zu werden, sondern sich vielmehr selbst motivieren. Wie funktioniert dies am besten? Wie geht man da am besten vor?

PK: Wenn Sie darauf warten, dass andere Sie motivieren, dann stellen Sie sich damit auf die Stufe eines Jagdhunds, der darauf hofft, dass man ihm ein Würstchen vor die Nase hält. Das ist letztendlich eine Frage der Selbstachtung, ob ich mich von dem Anreizen, Anspornen, Belohnen und Motivieren anderer abhängig machen will oder nicht. Die von außen kommende Motivation verdrängt immer die intrinsische, die von innen kommende, Motivation. Und diese von innen kommende Motivation finde ich dann, wenn ich – so haben wir sie in unserem Buch genannt – bedeutsame Tätigkeiten mache. Das sind Tätigkeiten, die sich durch einen hohen Grad an Selbstbestimmung auszeichnen, die wir persönlich als sinnvoll wahrnehmen und die einen Wertbeitrag für eine Sache oder andere Menschen liefern. Die findet man wie bereits erwähnt in der Schnittstelle von Talent, Leidenschaft und Resonanz. Also: Erkenne deine Talente und deine Passion und finde ein Spielfeld, wo genau das auch gewünscht und gewollt ist. Viele Menschen haben bei der Arbeit kein Funkeln in den Augen und werden es auch nie bekommen, weil sie sich bei der Wahl ihres Spielfelds vertan haben.

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Christoph Schroeder

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