Wirtschaft

Hunderttausende Briten demonstrieren gegen sozialen Kahlschlag

Bei der größten Demonstration in Großbritannien seit der Großveranstaltung gegen den Irakkrieg im Februar 2003 haben in London Hunderttausende gegen die soziale Schieflage des Sparkurses der konservativ-liberalen Koalitionsregierung protestiert. Eine Mehrheit der britischen Bevölkerung lehnt den geplanten sozialen Kahlschlag ab. Dieser sieht die Schließung von Kindergärten und Büchereien vor, Kürzungen bei Schulneubauten, Sparmaßnahmen im Gesundheitsdienst, Lohnkürzungen und Verschlechterungen der Altersversorgung. Die Opposition fordert stattdessen, das Defizit durch Wachstum und faire Steuern zu bewältigen. Großbritannien war als international führender Bankenplatz stark von der Finanzkrise 2007-2009 betroffen: Während in Deutschland die Größe des Finanzsektors relativ zur gesamten Volkswirtschaft knapp 5% des BIP beträgt, liegt der Anteil der britischen Banken an den Gewinnen der britischen Volkswirtschaft bei unglaublichen 15% („Deindustrialisierung“ unter Thatcher). Während jedoch der britische Staat noch mit den Auswirkungen der Krise und der staatlichen Rettungsprogramme kämpft, fahren die britischen Banken bereits wieder Milliardengewinne ein. Der Vorstandschef der Großbank Barclays, der Starinvestmentbanker Bob Diamond, hatte bereits Anfang 2011 die Zurückhaltung bei Banker-Boni für beendet erklärt: „Es gab für uns die Phase des Bedauerns und der Entschuldigungen. Damit muss nun Schluss sein!“ Insgesamt zahlt sich die Londoner City für 2010 wieder 8,4 Mrd. Euro als Boni aus. (Wirtschaftswachstum 2009: -5,0%, Prognose für 2010: 1,0-1,5%; Neuverschuldung 2010/2011 rund 10% des BIP; Anstieg der Staatsverschuldung von 40% im Jahr 2007 auf 80% im laufenden Jahr 2011; Verschuldung der Privathaushalte 2008 mit rund 180% ihres jährlichen Haushaltseinkommens).
 

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