Energie & Umwelt

IEA wirft 60 Mio. Barrel strategische Ölreserven auf den Markt – die Welt als Spielball im US-Wahlkampf

Ein Kommentar von Marc Brümmer, Redaktion AGITANO:

Experten reagieren mit Unverständnis und die internationale Presse hinterfragt die seltsame Entscheidung der Internationalen Energieagentur IEA, sowie die derjenigen Länder, die ihrem Appell folgen: Die strategischen Ölreserven anzuzapfen und auf den Markt bringen, um den Ölpreis zu drücken. Jetzt, da es derzeit keine Engpässe gibt, der Ölpreis bereits wieder fällt und eine abkühlende Konjunktur in den Ölverbrauchergiganten China und USA auf ein weiteres Absinken schließen lassen. Gerade jetzt sollen täglich 2 Mio. Barrel Öl auf den Markt gebracht werden, insgesamt 60 Millionen Barrel. Um dann im Anschluss alle strategischen Reserven wieder aufzufüllen, wodurch aufgrund des dann eintretenden konzentrierten Nachfrageplus wieder eine starke Preissteigerung kommen wird.

Als einziger logischer Grund bleibt: US-Präsident Obama will Stimmung in seinem US-Wahlkampf machen und da der Großteil der apolitischen US-Wähler bei höheren Wirtschaftsthemen sowieso aussteigt und für das notorische Kriegsführen das Geld ausgeht, bleibt nur ein starkes Signal übrig: Der Ölpreis muss sinken!

Aus Obamas Sicht legitim, vollkommenes Unverständnis bei der OPEC, bei den Republikanern, die stattdessen lieber die heimische Ölindustrie gefördert sehen wollen und ratloses Kopfschütteln bei der internationalen Wirtschaftspresse. Doch die getreuen Regierungen weltweit schließen sich zu einer Herde zusammen und tun Obama den Gefallen. Deutschland ist ebenfalls dabei und verkauft 4,2 Millionen Barrel Öl aus seinen Reserven. Die Blicke richten sich nun gebannt auf die Mineralölkonzerne, ob sich diese dazu genötigt fühlen, nun auch die Spritpreise entsprechend zu senken.

Erfolgreiches Lobbying verhindert derweil jedoch, dass die wirklichen Preistreiber des Erdöls auf ihre Milliardengewinne verzichten müssen: Der OPEC-Generalsekretär Abdullah El-Badri hatte Anfang Juni am Rande des World Economic Forums (WEF) in Wien die Entscheidung, die Ölfördermengen vorerst nicht zu erhöhen, verteidigt und stattdessen die Spekulanten im Ölgeschäft hart attackiert: „Es gibt genug Öl auf dem Markt und die Lager sind gut gefüllt.“ Es werde allerdings täglich 35-mal so viel Öl gehandelt wie verbraucht. So solle laut El-Badri niemand den Tatbestand von sich weisen, es würde keine Spekulation geben. Falls der reale Ölbedarf tatsächlich steigen sollte, würde es auch genug Kapazitäten geben, um die Produktion anzuheben.

Es liege nun daher an den Regierungen der USA und der EU-Länder, Maßnahmen gegen die spekulationsbedingten Preisschwankungen zu ergreifen. Damit war jedoch gemeint, die reale Wirtschaft und die Verbraucher vor den Spekulanten zu sichern, diesen also ihre leistungsunabhängigen Casino-Gewinne auf Kosten der Volkswirtschaften zu erschweren.

 

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