Panorama

Im Gespräch mit Petra Ledendecker (VDU)

Sie sind Unternehmerin und Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VDU), beruflich und ehrenamtlich stark beansprucht, was motiviert Sie als prominente MINT-Botschafterin, auch noch dieses „dicke Brett“ zu bohren?

Technik und Naturwissenschaften haben mich schon immer sehr interessiert. Ich finde es faszinierend, was zum Beispiel im Bereich der Bionik an innovativen Produkten entsteht. Diese Entwicklungen sind spannend und alles andere als langweilig und dröge- ich möchte mit meinem Engagement einen Beitrag dazu leisten, das Bild der MINT-Fächern positiv zu verändern und die Faszination MINT bei den jungen Menschen zu wecken.

 

Sie fördern in eigenen Projekten junge Frauen, die Sie auf ermutigende Weise in Richtung naturwissenschaftlichem- technischen  Berufsweg persönlich und „anfassbar“ coachen. Warum sind weibliche Vorbilder für die Entscheidungsfindung bei jungen Frauen derartig wichtig?

Junge Frauen haben in den MINT-Bereichen noch zu wenige Vorbilder. Der Physik und Chemie Unterricht spricht junge Menschen und oft gerade auch die Mädchen nicht ausreichend an und weckt keine Neugierde bei den Schülern. Unternehmerinnen, die technische Produkte oder Ideen entwickeln sind auch den wenigsten jungen Frauen persönlich bekannt. Wenn man sich aber mit einer tollen engagierten Lehrerin oder einem Lehrer und einer interessanten Unternehmerin identifizieren kann, haben wir die Chance die zum Teil noch bestehenden Vorurteile in den Köpfen der jungen Menschen zu verändern. 

 

Als Vollblut-Unternehmerin haben Sie ein frauenuntypisches Geschäftsfeld mehr als erfolgreich erschlossen. Was hat Sie daran so gereizt?

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob das, was ich beruflich mache frauentypisch ist, oder nicht. Die Möbelbranche ist ein spannender Bereich in dem ich gute Marktchancen sah- das war meine größte Motivation, als ich mich in diesem Bereich selbstständig gemacht habe. Für mich persönlich gibt es eigentlich keine frauenuntypischen Geschäftsfelder- diese Erfahrungen mache ich auch als Präsidentin des VdU – im VdU sind erfolgreiche Unternehmerinnen aus allen Branchen vertreten.

 

Als Chefin fördern Sie gezielt Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Etwa fünfzig Prozent Ihres Führungspersonals sind Frauen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich arbeite gerne mit Frauen zusammen, weil Frauen in der Zusammenarbeit oft authentischer als Männer sind. Da wird in einer Sitzung nicht lange lamentiert und Selbstdarstellung betrieben. Frauen kommen oft schneller auf den Punkt und geben auch ehrlicher zu, wenn Sie mal etwas nicht verstanden haben. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen die Meinung ihres Teams besser in Entscheidungsprozesse mit einfließen lassen- das führt oft zu besseren Ergebnissen, als Entscheidungen, die einsam am Schreibtisch getroffen werden.

 

Sie hatten bereits in ganz jungen Jahren verantwortungsvolle und leitende Positionen. Wodurch wurde Ihnen Ihre eigene Fähigkeit zur Leadership bewusst?

Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen und ich habe die Lust und den Willen Dinge zu verändern und weiterzuentwickeln-alles andere hat sich immer ergeben.

 

Noch viel zu wenig junge Frauen studieren MINT-Fächer oder machen eine MINT Ausbildung. Doch gerade jetzt sind die Chancen für junge Frauen besonders groß, sich mit  innovativen Ideen zu positionieren. Was raten Sie?

Die beruflichen Karrierechancen in den MINT-Fächern sind enorm gut. MINT- Absolventen werden in der Wirtschaft ganz nötigt gebraucht. Zudem gibt es gute Aufstiegsmöglichkeiten und im Gegensatz zu vielen „frauentypischen“ Berufen sind die Verdienstchancen auch viel besser- dieser Aspekt muss noch stärker als bisher in den Focus von jungen Frauen rücken.

 

Wie sollte man jungen Frauen dann das nötige Selbstbewusstsein vermitteln, sich nun in den ehemaligen Männerdomänen zu etablieren?

Wir kommen in dieser Debatte nicht weiter, wenn wir immer wieder von Männerdomänen sprechen und so den Eindruck erwecken, hier wären unüberfindbare Hürden zu nehmen. Junge Frauen und Mädchen sind heute zum Teil viel selbstbewusster als die jungen Männer. Wir müssen es schaffen, dass sich junge Frauen mehr für die MINT-Berufe interesieren- um ihre Durchsetzungsfähigkeit mache ich mir nicht viel Sorgen. 

 

Sie sind eine grandiose Netzwerkerin. Warum sind Netzwerke so elementar wichtig, insbesondere für den beruflichen Erfolg von Frauen?

Netzwerke sind unbezahlbare Informationsbörsen. Wenn man gut vernetzt ist, sammelt man unzählige wichtige Informationen und trifft zudem mit spannenden Menschen zusammen. Der Austausch über den eigenen Tellerrand hinaus mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern, Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, oder Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik ist unverzichtbar wichtig für mich, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass mich diese Kontakte immer bereichern und helfen meine berufliche und ehrenamtlichen Projekte weiter zu entwickeln.

 

 

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