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In einem Jahr digital (3): Über digitalen Mut und digitale Fehler

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Mut zu Fehlern wird oft gefordert, gar eine „Kultur des Scheiterns“. Aber kann man damit ein Unternehmen erfolgreich machen? Dieser Beitrag zeigt die Praxis: Innovationen, Fehler und wie man damit zum Erfolg kommt. „Der Mann für Digitale Strategie“ Ömer Atiker geht in Teil 3 der Themenserie „In einem Jahr digital“ auf den richtigen Umgang mit Fehlern in Unternehmen ein. Denn das Zugeben von Fehlern ist eine nicht zu unterschätzende Kernkompetenz. Diese macht in unserem weitverbreiteten Umgang mit Fehlern zwar keinen Spaß, sollte jedoch ganz gezielt und positiv gefördert werden.

Fehler sind notwendig

Neue Zeiten erfordern neues Denken, neue Prozesse, neue Ideen. Darüber sind sich alle einig. Was nur leider viele vergessen: Neue Ideen kommen nicht marktreif auf die Welt! Neues müssen wir erst lernen, wir müssen Dinge ausprobieren – und dabei machen wir unweigerlich Fehler. Das ist völlig in Ordnung, durch Fehler lernen wir. Aber in Unternehmen wird das gar nicht gern gesehen. Denn neues bedeutet, etwas erst einmal nur schlecht zu können – und das passt so gar nicht zum Wunsch nach Optimierung.

Ganz oft beobachte ich dabei einen Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In schönen Worten wird „Mut zu Neuem“ gefordert, „wir suchen Querdenker!“ Aber Querdenker sind unbequem. Und kein Mitarbeiter wird Beförderung und Bonus riskieren, wenn er weiter nach alten Kennzahlen beurteilt wird. Ein neues Produkt kostet erst einmal Geld, statt direkt den Umsatz zu steigern.

Ein Kind, das Laufen lernt, fällt immer wieder hin, aber es geht jedes Mal ein kleines bisschen besser. Glücklicherweise kommt kein Controller vorbei und verlangt einen Business Case, bis wann sich denn der Aufwand lohnen wird und wann das Kind bitte den ersten Marathon laufen kann. Auch unseren Ideen sollten wir erst einmal genug Zeit und Raum geben, um wirklich laufen zu lernen.

Vom Umgang mit Fehlern

Neues zu wagen, erfordert immer auch ein wenig Mut: Das Bekannte, Bequeme zu verlassen, ohne zu wissen, ob es sich lohnt. Ganz entscheidend ist dabei, wie Kollegen und Vorgesetzte auf Fehler reagieren. Wer für Fehler verspottet oder bestraft wird, wer Angst hat, sich vor den Kollegen lächerlich zu machen, der wird nichts Neues wagen.

Das ist auch ein denkbar ungünstiges Klima um zu arbeiten. Viel konstruktiver ist es, diese „Fehler“ als etwas zu sehen, das man gelernt hat: Berühmt ist Edison, der über tausend Prototypen einer Glühlampe baute. Er gab nicht auf, weil er wusste, dass diese Fehler ein Teil des Weges sind. Berühmt ist daher sein Zitat „Ich habe über tausend Wege gefunden, wie eine Glühlampe nicht funktioniert!“ Das Amerikanische „Fail Forward“ drückt es gut aus: Gute Fehler sind Schritte auf dem Weg zur Erkenntnis.

Sehr sinnvoll kann es sein, seine Erfahrungen (auch das Scheitern) mit anderen zu teilen. Beliebt sind sogenannte Fuckup Nights, in denen die Redner ausnahmsweise nicht von Erfolgen, sondern von Misserfolgen berichten. Auch ein „Bock des Monats“-Preis kann ein leichter Weg sein um Fehler als etwas Normales zu zeigen, das jedem passieren kann.

Fehler zuzugeben spart Geld

Eine gute Fehlerkultur spart übrigens auch eine Menge Kosten. In zu vielen Organisationen werden Projekte beschlossen, bei denen sich niemand mehr traut, sie stillzulegen, zu sagen „das war doch nicht das Richtige“. Jeder weiß, dass dabei nichts Gutes mehr herauskommen kann, aber keiner riskiert den Gesichtsverlust, keiner will den Chef verärgern. Aber all diese toten Projekte kosten Zeit und Aufmerksamkeit und blockieren den Weg für Neues. Haben Sie den Mut, von einem toten Pferd auch mal abzusteigen!

Der andere Aspekt ist jedem bekannt, wird aber ebenso gerne ignoriert: Je später ein Fehler gefunden wird, desto kostspieliger wird dessen Behebung. Deswegen gilt das Fail fast, fail early. Früh erkannte Fehler sparen Geld – also sorgen Sie dafür, dass die Finder Anerkennung bekommen statt Kritik.

Aber scheitern ist scheußlich

Fehler zu akzeptieren ist richtig und wichtig. Aber Fehler zu glorifizieren, „Erfolg“ an der Menge der Fehler festzumachen, ist schlichtweg dumm. Niemand scheitert gerne. Und wenn ein mit viel Schweiß und Herzblut begonnenes Start-up gegen die Wand fährt, ist das richtig schmerzhaft.

Auch einem Ingenieur können Sie nicht mit Verständnis für Fehler kommen, wenn der ein selbstfahrendes Auto oder die Steuerung eines Kraftwerks baut. Fehler sind gut, wenn man Ideen testet, etwas ausprobiert – aber nicht, wenn man dabei Leib und Leben in Gefahr bringt.

Deswegen tun wir unser Bestes um ernste Fehler zu vermeiden. Stolz auf häufiges Versagen erscheint mir so unsinnig wie pädagogisch gestaltete Wettkämpfe, bei denen jeder eine Medaille bekommt, damit er nicht traurig ist. Unser Job ist nicht, Fehler zu machen und Geld zu verbrennen, sondern Lösungen zu finden, die unsere Kunden begeistern!

Gelungene Experimente

Ein wirklich guter Weg zur Erkenntnis sind Experimente. Dazu brauchen Sie nur eine Annahme, in der Form von „wenn ich A tue, dann passiert B“. Ganz einfach, oder? Dann machen Sie A und schauen, was passiert. Wenn es nicht klappt, dann ist das kein Fehler, sondern eine klare Erkenntnis, ein Schritt weiter. Misslungen ist ein Experiment nur, wenn das Ergebnis nicht brauchbar ist – zum Beispiel, weil sich andere Faktoren eingeschlichen haben und Sie jetzt nicht wissen, was genau die Ursache einer Veränderung war.

Besonders gut sind Experimente, die klein, schnell und preiswert sind. Es gibt das 5×5, bei dem Sie in fünf Wochen fünf Experimente für je 5.000 Euro durchführen. Und es gibt den Sprint, erfunden bei Google, bei dem in nur einer genau geplanten Woche ein Experiment zu Ende gebracht wird. Prototypen werden dabei übrigens erst am Donnerstag gebaut – und am Freitagabend ist dann Zeit für ein Bier, nach einer erfolgreichen Woche.

Fazit: Erfolgreich Fehler machen

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Er ist „der Mann für digitale Strategie“: Ömer Atiker erklärt die Digitalisierung als Transformationsprozess im Unternehmen auf verständliche Weise. (Bild: © Ömer Atiker)

Fehler sind notwendig und wichtig beim Weg zu Neuem: Sie brauchen eine Kultur, die Fehler akzeptiert und aus ihnen lernt, ohne sie zu verklären. Wenn Sie schnell und preiswert aus Fehlern lernen können, dann wird Ihr Unternehmen sehr viel schneller und damit erfolgreicher.

 

Im nächsten Beitrag geht es um die zentrale Frage der Verantwortlichkeit: Wer macht sie eigentlich, die digitale Transformation?

 

Über Ömer Atiker

Ömer Atiker ist „Der Mann für Digitale Strategie“. Der Keynote Speaker, Berater und Autor begleitet Unternehmen auf dem Weg zur Digitalisierung. 1996 gründete er mit ArtWork eine der ersten Webagenturen der Niederlande, 2006 erfolgte die Gründung von Click Effect, einer Agentur für digitales Marketing. Heute begleitet er als Berater Unternehmen bei der digitalen Transformation. In seinen innovativen Keynotes bringt er charmant und eingängig die digitale Zukunft auf die Bühne.

Mehr über Ömer Atiker erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil. Besuchen Sie auch seine Website: http://atiker.com/.

Beate Greisel

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