Deutschland

Industrie „Made in Germany“: Erfolgsfaktoren und Herausforderungen

Grossaufnahme einer Maschine, hergestellt von der deutschen Industrie

Produkte der deutschen Industrie genießen ein hohes Maß an internationalem Ansehen. Das zeigt unter anderem das Beispiel Maschinenbau. Im folgenden Beitrag geben wir einen kompakten Überblick zu den, aus unserer Sicht, wichtigsten Erfolgsfaktoren. Zudem zeigen wir auf, welche Herausforderungen die deutsche Industrie zu meistern haben wird, will sie ihre herausragende Stellung im internationalen Wettbewerb beibehalten.

Deutsche Industrie glänzt mit Zahlen, die beeindrucken

Es sind beeindruckende Zahlen, mit denen allein der Industriezweig Maschinenbau, glänzt. Einer Studie der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company zufolge, erzielten zirka 6.400 Unternehmen mit ihren gut eine Million Beschäftigen hierzulande einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro. Das entspricht über drei Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung.

Noch beeindruckender, die internationale Per­for­manz. So beträgt der Anteil des deutschen Maschinenbaus am europäischen Gesamtindustrieumsatzes rund 40 Prozent. Hinzu kommen 16 Prozent Anteil am globalen Maschinen- und Anlagenbauexport. Weit vor großen Volkswirtschaften, wie zum Beispiel China oder den Vereinigten Staaten. Mit Zufall ist diese Entwicklung nicht zu erklären. Es gibt da einige Faktoren, die zu diesem Erfolg führten.

Erfolgsfaktor Nr. 1: Präzisionsarbeit

Der oben beschriebene Erfolg der deutschen Industrie wäre ohne die Zuarbeit verschiedener Messgeräte Hersteller wie zum Beispiel der Firma LINSEIS gar nicht denkbar. Das Unternehmen entwickelt und produziert thermoanalytische und thermophysikaische Geräte für Industrie, Forschung und Entwicklung. Dank solcher Dienstleister können Industrieunternehmen der Keramik-, Baustoff- und Automobilbranche, der Luft- und Raumfahrt, aber auch aus dem Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelzweig mit just jener Präzision aufwarten, für die die deutsche Wirtschaft oft gemeinhin gelobt wird.

Erfolgsfaktor Nr. 2: Wachstumsstrategie

Wer sich einen guten Ruf erarbeitet, schafft Begehrlichkeiten. Das ist auch in der Industrie der Fall. Wer mit guten Produkten und Dienstleistungen auf dem Markt für steigende Nachfrage sorgt, muss über die richtige Wachstumsstrategie verfügen. Laut Dr. Reinhold Festge, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) gelingt es den meisten Unternehmen seiner Branche mit zunehmender Größe schrittweise auch profitabler zu arbeiten. Treiber für den Erfolg sei, so Festge, die Internationalisierung, die sich positiver auf das Wachstum auswirke als zum Beispiel Diversifizierung.

Erfolgsfaktor Nr. 3: Branchenzugehörigkeit

Der Industrie spielt ebenfalls in die Karten, dass sie – wie weiter oben bereits erwähnt – inzwischen vielen Wirtschaftszweigen zuzuordnen ist. Ergebnisse der eingangs erwähnten Studie von McKinsey & Company zeigen, dass sich die unterschiedlichen Branchen in puncto Wachstum und Profitabilität teilweise sehr stark voneinander unterscheiden. Hier sind Größenordnungen zwischen drei und neun Prozent zu verzeichnen. So wiesen im Jahr 2014 allen voran Premiumanbieter ein hohes Wachstum auf. Das Einzelmaschinen- und Komponentengeschäft war jedoch profitabler.

Erfolgsfaktor Nr. 4: Innovationen

Innovationen gelten aus Sicht vieler Volkswirte als der wichtigste Erfolgsfaktor der deutschen Industrie. Die DIW-Ökonomen Heike Belitz und Alexander Eickelpasch zitieren aus einem Beitrag ihrer Kollegen Christian Rammer und Bettina Peters, der zeigt, dass die Industrie in Deutschland eine stärkere Innovationsorientierung aufweist als in vielen anderen europäischen Ländern. So bringen deutsche Unternehmen anteilig mehr Weltneuheiten auf den Markt als ihre internationale Konkurrenz.

Erfolgsfaktor Nr. 5: Managementstrukturen

Auch wenn es für Unternehmer und Führungskräfte eine unangenehme Wahrheit ist: Wenn Mitarbeiter nicht motiviert sind, dann sind sie dafür verantwortlich. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Umgekehrt verhält es sich genauso! Ob nun Familienunternehmen oder extern geführter Betrieb, hier scheint der Maschinenbau laut McKinsey seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Erstere charakterisierte, zumindest innerhalb des Untersuchungszeitraumes der bereits mehrfach erwähnten Studie, schnelles Wachstum. Zweit genannte waren profitabler.

Steigender Wettbewerb und andere Herausforderungen

Sich auf den eingangs erwähnten Zahlen auszuruhen, wäre jedoch aus Festges Sicht mehr als nur leichtsinnig. Schließlich hat sich die Industrie unter anderem einem steigenden internationalen Wettbewerb zu stellen. So stellt China eine neue Konkurrenz für den Maschinenbau dar, die versuchen mit hoher Qualität und niedrigen Preisen in die Märkte vorzudringen. Hinzu kommt die vierte Industrielle Revolution, die zurzeit in den Medien viel zitierte „Industrie 4.0“. Hier gilt es, so Festge, Produkte durch Individualisierung und Hybridisierung zu optimieren und Kunden und Geschäftspartner stärker in Geschäftsprozesse einzubinden. Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es – neben den oben genannten fünf Erfolgsfaktoren – hoch qualifizierter Fachkräfte. Und diese sind, aus Sicht vieler Unternehmen sowie Ökonomen, Mangelware.

 

Christoph Schroeder

Ein Kommentar zu “Industrie „Made in Germany“: Erfolgsfaktoren und Herausforderungen

  1. Ich frage mich, ob „Made in Germany“ nicht als Kaufargument überbewertet wird. Ist es nicht in unserer globalisierten Welt viel mehr die Marke und die bisherige Zufriedenheit damit, die den Kunden zum Kauf veranlasst? Wenn ein deutsches Unternehmen seinen Firmensitz zum Beispiel komplett nach China verlegen würde, glaube ich nicht, dass das Kunden von künftigen Käufen abhalten würde.

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