Wirtschaft

Inflation steigt im Euroraum spritgetrieben um weitere 0,1% auf 2,8%

Die jährliche Inflationsrate ist im Euroraum im April im Vergleich zum Vormonat März um 0,1 Prozent auf 2,8 Prozent gestiegen. Europaweit kletterte die Teuerungsrate von 3,1 auf 3,2 Prozent. Haupttreiber der Preise waren erneut die Rohstoffe, allen voran Sprit, Heizöl und Strom (allein Shell hatte 2010 seinen Nettogewinn um 61 Prozent auf 20,13 Milliarden Dollar gesteigert – allein in den ersten drei Monaten 2011 steigerte es seinen Nettogewinn erneut um 60 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar. Die Preise für Telekommunikation, Gemüse und Mieten gaben dagegen im April im Jahresvergleich leicht nach. Die Inflationsspanne reichte innerhalb des Euroraums von 1,5 Prozent in Irland, über Tschechien und Schweden mit 1,6 beziehungsweise 1,8 Prozent, 2,7 Prozent in Deutschland, 3,5 Prozent in Spanien, 3,7 Prozent in Griechenland, 4,0 Prozent in Portugal bis zu jeweils 4,4 Prozent in Litauen und Ungarn und 5,4 Prozent in dem Neumitglied Estland. Die höchste Inflation unter den europäischen Nicht-Euroländern verzeichnete Rumänien mit 8,4 Prozent. Damit erreichte die Inflation den höchsten Stand seit 30 Monaten. Damals waren die nervösen Finanzmärkte im Vorfeld der unmittelbaren Finanzkrise massiv in Rohstoffe geflüchtet. Durch die dadurch ausgelöste Rohstoffspekulation hatte unter anderem das Erdöl seinen bisherigen Rekordpreis erreicht. Während die Spekulanten Kasse machten, mussten die reale Volkswirtschaft und die Konsumenten die höheren Preise finanzieren – es fand also eine Umverteilung der Löhne und der Unternehmensgewinne zu den Rohstoffspekulanten statt (Spekulation ist keine Investition). Allerdings verfügt die Europäische Zentralbank über keine geeigneten Mechanismen, der Rohstoffspekulation Schranken aufzuerlegen – und die Politik kommt in diesem Politikfeld über reine Worte bislang kaum hinaus. Daher wird erwartet, dass die EZB auf die rohstoffspekulationsgetriebene Inflation erneut mit einer Leitzinserhöhung antworten wird. Im April hatte die EZB den Leitzins bereits um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent angehoben – dies würde jedoch vor allem die Schuldenstaaten der Eurozone belasten, deren Zinslast dadurch noch weiter ansteigen, sowie alle privaten Kreditnehmer, und zudem auch kreditgestützte Investitionen verteuern , wodurch die Investitionsneigung auf das Sparen verlagert wird, was der Wirtschaft weitere Impulse rauben würde. Das Problem der Rohstoffspekulation als Hauptinflationstreiber bliebe dadurch hingegen weitgehend ungelöst.
 

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