Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umelt: KW 19

Energie:
1. Fraunhofer-Gesellschaft belegt Milliardengewinne durch die Energiewende
2. Nationale Plattform Elektromobilität investiert 17 Mrd. bis 2014
3. Allein Sonnenschutzsysteme können EU-weit 42 AKWs einsparen
4. Sich selbst einfärbendes Glas – kostengünstiges Verschattungssystem entwickelt
5. Kosten der Nabucco-Pipeline könnten sich auf 15 Mrd. Euro verdoppeln
6. Stadtwerke wollen Marktanteil binnen zehn Jahren auf 20% verdoppeln

Atomkraft:
7. Kriterienkatalog für EU-weiten AKW-Stresstest auf nächste Woche verschoben
8. AKW-Betreiber Tepco benötigt Milliarden vom Staat

Umwelt:
9. Geophysiker warnen vor Mega-Beben in Chile und Bolivien
10. Fairtrade auch in der Schweiz um über 10% gewachsen

 

Energie:

 

Fraunhofer-Gesellschaft belegt Milliardengewinne durch die Energiewende
(Presseinformation der Fraunhofer-Gesellschaft vom 10.05.2011.) Die Umstellung auf eine regenerative Energieversorgung rechnet sich künftig auch wirtschaftlich. Verschiedene Studien zeigen, dass eine Energiewende das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden zehn Jahren steigern und neue Arbeitsplätze schaffen kann. Das betont Prof. Eicke Weber, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie. Fraunhofer-Forscher erarbeiten Konzepte und Lösungen für eine Wende zu regenerativen Energien. Die Katastrophe von Fukushima hat das öffentliche Bewusstsein sensibilisiert: Eine Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen gilt nun als äußerst wünschenswert, und auch der politische Wille zum Umdenken und Umsteuern ist vorhanden. In der öffentlichen Diskussion kommt oft die Frage auf, ob der Umstieg auf erneuerbare Energien zu teuer sei, oder den Industriestandort Deutschland gefährde. Derartige Ängste sind unbegründet, das zeigen Studien, die in den vergangenen zwei Jahren erstellt wurden. Ganz im Gegenteil: In den kommenden zehn Jahren können durch die Energiewende zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, so eine EU-Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. Bis 2020 rechnen die Wissenschaftler für Europa mit etwa 2,8 Millionen Beschäftigten im Sektor der erneuerbaren Energien durch Umsetzung der EU-Ziele in diesem Bereich. Nach Berücksichtigung aller negativen Effekte verbleiben positive Nettowirkungen von etwa 400 000 Beschäftigten für die gesamte EU-Volkswirtschaft. Zudem würde das Bruttoinlandsprodukt in Europa um etwa 35 Milliarden Euro steigen (siehe http://ec.europa.eu/energy/renewables/studies/doc/renewables/2009_employ_res_report.pdf). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie für Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU, an der das ISI ebenfalls mitgearbeitet hat. Ein Ergebnis: »Kurz- und langfristige Effekte des Ausbaus erneuerbarer Energien auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben ein positives Vorzeichen … Nach Berücksichtigung aller negativen Effekte und aller wirtschaftlichen Kreislaufeffekte kann der Saldo immer noch in der Größenordnung von mehr als 200 000 zusätzlichen Beschäftigten liegen.« (siehe www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_arbeitsmarkt_bf.pdf) „Deutschland hat die Chance, eine globale Spitzenposition in der Umstellung einer großen Wirtschaft auf regenerative Energien zu erlangen, mit zahlreichen Vorteilen in der weiteren Entwicklung dieser Technologien mit den entsprechenden Arbeitsplätzen. Ich kann mir kein effektiveres, nachhaltigeres Konjunkturförderprogramm vorstellen als diesen Prozess“, betont Eicke Weber. (Vollständige Presseinformation hier.)

 

Nationale Plattform Elektromobilität investiert 17 Mrd. bis 2014
Die deutsche Industrie hat sich im Rahmen der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) auf einen Fahrplan verständigt, wie Deutschland bis zum Jahr 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln werden soll. In den nächsten drei Jahren sollen dafür vier Milliarden Euro in die Forschung investiert werden, vor allem in die Batterieforschung, die Antriebstechnologie, Leichtbauten, die Stromnetze, das Recycling und die Integration all dessen in neue Fahrzeuge. 40 Prozent der Summe soll der Bund investieren, zwei Drittel will die Industrie aufbringen. Insgesamt wollen die Elektro-, die chemische, die Automobilindustrie und die Energiewirtschaft bis 2014 rund 17 Milliarden Euro in diesen Forschungsbereich investieren. Im Gespräch ist auch eine Änderung der Dienstwagenbesteuerung sowie zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, um den Kauf der E-Fahrzeuge zu erleichtern, E-Fahrzeuge könnten zudem für zehn Jahre von der KfZ-Steuer befreit werden. Eine direkte Kaufprämie lehnt die Bundesregierung allerdings weiterhin ab. Die konkreten Förderinstrumente sollen in einem „Aktionsplan Elektromobilität“ gebündelt und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen fahren. Derzeit gibt es rund 10.000.

 

Allein Sonnenschutzsysteme können EU-weit 42 AKWs einsparen
Die Gebäude in Europa verbrauchen rund 40 Prozent der Primärenergie. Die 190 Millionen Gebäude in der EU weisen dabei eine Verglasungsfläche von rund 1 Milliarde m2 auf. Der europäische Dachverband der Sonnenschutzindustrie (ES-SO) hat in seiner ESCORP-Studie errechnet, dass allein durch richtig eingesetzten, flexiblen Sonnenschutz für die Kühlung von Räumen 360.000 GWh pro Jahr eingespart werden können. Bei einer durchschnittlichen Kernkraftwerkleistung von 8.500 GWh pro Jahr entspricht das rund 42 AKWs. Ein flexibler Sonnenschutz schützt aber nicht nur vor übermäßiger Überwärmung im Sommer, sondern wird im Winter weggefahren und gibt somit die Fenster frei, die so zu solaren Heizkörpern werden. Johann Gerstmann, Sprecher des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik: „Es ist unverständlich, dass auf dieses ökologische und ökonomische Potential im Großen und Ganzen schlichtweg verzichtet wird – und zwar sowohl von der Politik als auch von Planern und Betreibern!“ Das entspricht in etwa 43 Mio. Tonnen Öl. Mit einem intelligenten Sonnenschutz kann zudem das Tageslicht gerade in Bürogebäuden sinnvoll gelenkt werden, wodurch ebenfalls eine große Menge Energie vermieden werden kann. Gerstmann weiter: „ In Bürogebäuden entfallen 35 % und mehr des Primärenergiebedarfs auf künstliche Beleuchtung! Durch gezielte Tageslichtnutzung und Lichtmanagement lässt sich dieser Wert um bis zu 80 % senken!“ Insgesamt entspricht das Energie-Einsparpotenzial der Häuser in der EU rund 500.000 GWh pro Jahr.


Sich selbst einfärbendes Glas – kostengünstiges Verschattungssystem entwickelt
EEin Forscherteam um die Universität Jena ein kostengünstiges, automatisches sogenanntes Verschattungssystem für die Fenster von Wohn- und Bürogebäuden entwickelt, das Rollläden ersetzen kann. Das Fensterglas dunkelt sich je nach einfallender UV-Strahlung selbstständig ab. Dem liegt eine hauchdünne Schicht aus Kartoffelstärke und fotosensiblen Farbstoffen zugrunde, die zusammen den biologischen Kleber bilden, der das Verbundglas zusammenhält. Treffen nun UV-Bestandteile der Sonneneinstrahlung auf die Glasscheibe, färbt sie sich blau ein und dunkelt sich damit selbst ab. Verschwinden die Sonnenstrahlen, ist das Glas binnen weniger Minuten wieder transparent. Wie dunkel die Scheibe dabei wird hängt von der Intensität der UV-Strahlen ab. Der Prototyp soll bereits im kommenden Jahr vorliegen und um ein Vielfaches kostengünstiger sein als herkömmliche sogenannte elektrochrome Systeme. Der europäische Dachverband der Sonnenschutzindustrie hat kürzlich in seiner ESCORP-Studie errechnet, dass allein durch richtig eingesetzten, flexiblen Sonnenschutz zur optimalen Klimatisierung von Räumen 360.000 GWh an Energie pro Jahr eingespart werden können, das entspricht rund 42 der 143 europäischen AKWs (auf die Gebäude in Europa entfallen rund 40 Prozent der Primärenergie).


Kosten der Nabucco-Pipeline könnten sich auf 15 Mrd. Euro verdoppeln
Der Bau der geplanten Gaspipeline Nabucco könnte sich laut türkischen Informationen auf bis zu 15 Milliarden Euro verdoppeln. Laut der Machbarkeitsstudie von 2005 waren 7,9 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die Zahlen werden derzeit überprüft und die neu überarbeiteten, auf Fakten basierenden Resultate dann veröffentlicht. Die Nabucco-Pipeline soll Gas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands nach Europa liefern und ist ein Konkurrenzprodukt zu den russischen Gaspipelines Nord, South und Blue Stream, mit denen Russland seinerseits die Abhängigkeit von dem Transferland Ukraine reduzieren will. Die Nabucco soll 3.300 Kilometer quer durch das Kaspische Meer, über den politisch instabilen Kaukasus, durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich verlaufen. Mit 30 Mrd. Kubikmetern pro Jahr würde sie rund fünf Prozent des EU-Bedarfs decken. Die Bauphase ist auf Ende 2012 bis Ende 2015 angesetzt.

 

Stadtwerke wollen Marktanteil binnen zehn Jahren auf 20% verdoppeln
Der Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Stephan Weil, hat für den Fall eines schnellen Atomausstiegs und einer Zurücknahme der Laufzeitverlängerung eine Investitionsoffensive der kommunalen Stadtwerke angekündigt: „Wird die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke zurückgenommen, dann investieren die Stadtwerke bis 2020 zusätzlich sechs Milliarden Euro.“ Damit würde sich der Marktanteil der Stadtwerke von derzeit 9,2 Prozent verdoppeln. Die Leistung werde dann von 13.000 auf 22.000 Megawatt steigen. Die kommunalen Stadtwerke hatten bereits Mitte 2010 die damalige Laufzeitverlängerung für die Atomkraft kritisiert. Durch diese Entscheidung seien viele geplante Investitionen der Stadtwerke infrage gestellt worden. Damals war sogar eine Klage gegen die umstrittene Laufzeitverlängerung im Raum gestanden. Die Deutsche Energie-Agentur Dena geht angesichts des geplanten Atomausstiegs mittlerweile von der Notwendigkeit neuer Gas- und Kohlekraftwerke im Umfang von 10.000 bis 12.000 Megawatt aus. 

 

Atomkraft:


Kriterienkatalog für EU-weiten AKW-Stresstest auf nächste Woche verschoben
Das atomkraftfreie Österreich hatte nach der Havarie des japanischen AKWs Fukushima-1 einen EU-weiten Stresstest der 143 europäischen Atomkraftwerke angestrengt. Dieser Initiative sind die EU-Mitgliedsstaaten Mitte März gefolgt, allerdings musste zunächst ein gemeinsamer Kriterienkatalog für die umfassende Sicherheitsprüfung erarbeitet werden. EU-Energiekommissar Günther Oettinger kommentierte zu diesem Zeitpunkt: „Es geht um eine Neubewertung aller Risiken durch und nach Japan. Erdbeben, Hochwasser-, Tsunamigefahren, Terrorangriffe, die Kühlsysteme – dies und vieles andere mehr wird Gegenstand eines Stresstests, einer umfassenden Sicherheitsprüfung mit gemeinsamen Kriterien in der Europäischen Union sein.“ Anfang Mai widersetzten sich dann jedoch die beiden Atommächte Frankreich und Großbritannien strengeren Kriterien bei der Sicherheitsprüfung. Die beiden Länder mit einer großen Zahl an veralteten und vergleichsweise riskanten AKWs (beispielsweise veraltete graphitmoderierte britische AKWs primär zur Plutoniumproduktion für Kernwaffen) wollten nun mehr die Sicherheitsprüfung ihrer AKWs gegen Flugzeugabstürze, Terroranschläge und menschliches Versagen verhindern. Es sollte dann lediglich auf Erdbeben, Hochwasser sowie extreme Hitze und Kälte getestet werden. Ursprünglich hätte eine Entscheidung über den Maßnahmekatalog und die Prüfkriterien bereits bis zum 12. Mai vorliegen sollen. Aufgrund der Unstimmigkeiten hat EU-Energiekommissar Oettinger die Beratungen mit den Vertretern der 27 EU-Länder nun um eine Woche vertagt. Es habe jedoch zuletzt Fortschritte gegeben: Frankreich sei am Donnerstag von seiner bremsenden Haltung abgerückt und Großbritannien habe zwar erneut „Vorbehalte“ gegen die Prüfung auf menschlicher Risikofaktoren dargelegt, allerdings „keine förmliche Ablehnung“ geäußert. Oettinger gab sich daher optimistisch, dass die Tests so glaubwürdig durchgeführt werden, wie es die Öffentlichkeit erwarte. Dank der Stresstests, kann die EU-Kommission erstmals die Baupläne aller Meiler einsehen und sie erhält einen Überblick über alle Standorte. Die EU-Länder müssen zudem erstmals erklären, welche Sicherheitsstandards sie ihren Bau- und Betriebsgenehmigungen zugrunde gelegt hätten – allein dies sei schon ein großer Fortschritt.

 

AKW-Betreiber Tepco benötigt Milliarden vom Staat
Der Betreiber des Katastrophen-AKWs Fukushima, Tepco, benötigt Milliarden an Staatshilfen, da das Unternehmen am Finanzmarkt nur noch schwer neues Geld erhält. Konkret geht es um Finanzmittel, um die von der Atomkatastrophe Betroffenen zügig zu entschädigen. Tepco muss allein rund 8,75 Milliarden Euro aufbringen, um die ausgefallene Stromproduktion in dem Katastrophen-AKW Fukushima über Öl-Kraftwerke aufzufangen.

 

Umwelt:


Geophysiker warnen vor Mega-Beben in Chile und Bolivien
Ein internationales Team von Geophysikern hat das Starkbeben-Risiko in den Anden neu analysiert und berechnet. Demnach könnte die Andenregion von Bolivien mit den angrenzenden Regionen in Peru, Chile und Argentinien das Risiko von einem über 30-mal stärkeren Erdbeben erschüttert werden als bislang angenommen. In der Region scheint ein Beben von einer Stärke von bis zu 8,9 möglich – bislang war man von bis zu 7,5 ausgegangen (das stärkste je registrierte Erdbeben ereignete sich 1960 vor der Küste Chiles mit einer stärke von 9,5). Das katastrophale Beben in Japan Anfang März hatte etwa die gleiche Stärke. In dieser gefährdeten Region liegen auch die weltweit größten Vorkommen an Kupfer und Lithium. Die Messungen ergaben, dass die Subduktion – also das Abtauchen der pazifischen Platte unter die südamerikanische – im küstennahen Bereich mit etwa 63 Millimeter pro Jahr stattfindet. An der Ostflanke dieses Plateaus rund 500 Kilometer landeinwärts  nimmt diese Geschwindigkeit jedoch auf etwa zwei Millimeter pro Jahr ab. Diese große Diskrepanz verdeutlicht den kontinuierlichen Spannungsaufbau im Untergrund, der sich dann in starken Erdbeben entladen kann. Die Bebenzonen in der Himalaya-Region zeigen ähnliche Geschwindigkeiten.

 

Fairtrade auch in der Schweiz um über 10% gewachsen
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat in der Schweiz im Jahresverlauf 2010 um 10,9 Prozent zugelegt – mehr als die Gastronomie oder der Detailhandel. Allerdings ist der Umsatz mit 303,5 Millionen Franken noch vergleichsweise moderat. Davon sind 59,8 Millionen Franken in die Anbauländer geflossen. In Deutschland hatte der Fairtrade-Markt 2010 im Jahresvergleich um 27 Prozent auf allerdings immer noch ausbaufähige 340 Millionen Euro zugelegt, womit das zweistellige Wachstum bereits im siebten Jahr anhielt. Das Fairtraid-Label setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne in den Entwicklungsländern ein – laut der Stiftung erhalten die Produzenten 13 Prozent mehr als im konventionellen Handel. Damit nehmen die Verbraucher allmählich immer stärker ihre Konsumentenmacht im Sinne einer sozialen Verantwortung war.

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