Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 04

Energiepolitik:
1. Sachverständigenrat bestätigt 100% Erneuerbare Energien bis 2050:
2. Österreich will bis 2050 Energieautarkie durch 100% Erneuerbare:

Windenergie:
3. Windenergiemarkt in Deutschland 2010 um 19% geschrumpft:
4. Frankreich schreibt 3.000-MW-Offshore-Projekte für 10 Mrd. Euro aus:

Wasserkraft:
5. China baut Wasserkraft auf 430 GW in 2020 aus:

Solarstrom:
6. Bloomberg errechnet für Solarstrom in Golfstaaten 9,4% Rendite:

Biogas:
7. Neue Kleinkraftwerke erhöhen Wirkungsgrad von Biogasanlagen:

Erdöl und -gas:
8. OPEC weitet Öl-Förderung weiter aus:
9. Venezuela verkauft 50%-Anteil an der Ruhr Oel GmbH an Russland:

Atomkraft:
10. Polen plant Atomkraftwerk bis 2020:

Sonstiges:
11. VW präsentiert 1-Liter-Hybridauto in Katar:
12. Offenburger E-Auto mit neuem 626,6 km Reichweitenrekord:
13. Hongkonger Milliardär will britisches Stromnetz kaufen:

 

Energiepolitik:

 

Sachverständigenrat bestätigt 100% Erneuerbare Energien bis 2050:
In einem Sondergutachten bestätigte der Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) die Machbarkeit eines Ausbaus der Erneuerbaren Energien zur 100%-igen Stromversorgung bis 2050. Prof. Dr. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrates: „Dies ist langfristig realistisch und bezahlbar, wenn die Bundesregierung heute verlässliche Anreize für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, der notwendigen Speicher und der Netze setzt.“ Der Übergang sei auch ohne eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke oder neue Kohlekraftwerke möglich. Allerdings sollte die Förderung der zu schnell wachsenden und vergleichsweise teuren Photovoltaik deutlich reduziert und gedeckelt werden. Insgesamt sollte das Ziel einer nachhaltigen Stromversorgung durch eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2050 fest in der deutschen Energiepolitik verankert werden. Wichtig sei auch, die Anreize für Investitionen in das Stromnetz zu verbessern, auch müsse die Zusammenarbeit mit Norwegen verbessert werden, um dessen „bisher vollkommen unterschätztes großes Potenzial an Speicherenergie“ (Pumpspeicher) zu erschließen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte die Aussagen des Sachverständigenrates für Umweltfragen, dass eine Stromversorgung zu 100% aus Erneuerbaren Energien in Deutschland bereits im Jahr 2030 machbar, spätestens aber bis zum Jahr 2050 sicher und ökonomisch vorteilhaft sei. Dies gelte auch für den Punkt, dass sowohl eine Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke als auch der Bau neuer Kohlekraftwerke für eine sichere Stromversorgung nicht erforderlich wären. Allerdings lehnt der BEE starre Zubaugrenzen (Deckelung) für die Photovoltaik ab.
Zwar sei es nicht das Ziel, dass die derzeit noch teuerste Stromerzeugungs-Technologie der erneuerbaren Energien am schnellsten wachse, eine Deckelung sei aber kontraproduktiv. Der Bundesverband Solarwirtschaft hat hingegen auf den jüngsten Vorschlag des Bundesumweltministers zur wachstumsorientierten Verringerung der Solarstromförderung um bis zu 24% bis zum Jahresende verwiesen. Die Verringerung ist dabei abhängig von der tatsächlich installierten Menge, wodurch sich der Zubau auf rund 3-5 GW einpendeln soll. Dieser Kompromiss wird auch von der Branche mitgetragen.

 

Österreich will bis 2050 Energieautarkie durch 100% Erneuerbare:
Der österreichische Umweltminister Berlakovich hat eine Studie zum Thema "Energieautarkie" vorgelegt, laut der eine Versorgung der Alpenrepublik zu 100% aus eigenen erneuerbaren Energieträgern bis 2050 möglich ist. Angesichts des weltweit steigenden Energiebedarfs, drohenden Energiekonflikten sowie massiven Preissteigerungen für fossile Energieträger müsse Österreich laut dem Minister bis 2050 energieautark werden. In einem ersten Schritt sollen Expertinnen aus dem In- und Ausland eingebunden, dann Investoren mobilisiert und schließlich eine breite Diskussion mit der Bevölkerung geführt werden.

 

Windenergie:

Windenergiemarkt in Deutschland 2010 um 19% geschrumpft:
Nach Angaben des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI) wurden letztes Jahr 1.551 MW an Windleistung in Deutschland neu installiert. Damit erzeugten zum Stand Ende 2010 insgesamt 21.607 Windenergieanlagen eine Gesamtleistung von 27.214 MW. Gegenüber dem Vorjahr ist der Markt um 19% geschrumpft. Ursache war laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ein Einbruch des Onshore-Marktes. Zulegen konnte hingegen das Repowering, also der Austausch alter gegen neue und leistungsstärkere WEA. So wurden auf das Jahr gesehen 116 Anlagen mit einer Leistung von zusammen 56 MW durch 80 WEA mit einer Leistung von 183 MW ersetzt. Bis zum Jahr 2015 wird die Zahl der Anlagen, bei denen sich Repowering lohnt auf über 9.500 anwachsen. Das entspricht einem potenziellen Investitionsvolumen von 40 Milliarden Euro. Der deutsche Offshore-Markt wuchs im zweiten Jahr seines Bestehens um 108 MW. Für 2011 sind 300 MW an Neuinstallationen geplant.

Auf internationaler Ebene ging der Windenergiezubau von 40.000 MW in 2009 auf rund 30.000-35.000 MW zurück. Größter Windenergiemarkt blieb auch 2010 weiterhin China mit einer neu installierten Leistung von 14.000-16.000 MW vor den USA mit 5.115 MW (2009: rund 9.920 MW). Damit hat China mit einer insgesamt installierten Windenergieleistung von 41.800 MW erstmals die USA mit insgesamt 40.180 MW überholt.

 

Frankreich schreibt 3.000-MW-Offshore-Projekte für 10 Mrd. Euro aus:
Frankreich hat seine im Mai 2010 getroffene Entscheidung für den Einstieg in die Offshore-Windenergie konkretisiert. Demnach soll die Ausschreibung für ein erstes Offshore-Kontingent von 600 WEA mit zusammen rund 3.000 MW vor der französischen Küste im zweiten Quartal 2011 starten. Das Kontingent hat ein Investitionsvolumen von 10 Mrd. Euro.

 

Wasserkraft:

 

China baut Wasserkraft auf 430 GW in 2020 aus:
China steht mit über 200 GW an Wasserkraftkapazitäten derzeit weltweit an der Spitze. Bis 2015 sollen weitere Wasserkraftprojekte im Umfang von 120 GW in Angriff genommen und bis 2020 insgesamt 430 GW installiert sein. Viele Projekte sind dabei in den weniger entwickelten Regionen Zentral- und Westchinas geplant. Die beiden Mammutprojekte Daduqia- und Motou-Dämme in Tibet, die sich noch in der Prüfungsphase befinden, würden bei tatsächlicher Realisierung allein Kapazitäten von 43.800 bzw. 38.000 MW aufweisen. Das derzeit größte Wasserkraftwerk der Welt ist der Drei-Schluchten-Staudamm mit einer Leistung von 18.200 MW (zum Vergleich: ein modernes AKW kommt auf 1.000-1.500 MW).

 

Solarstrom:

 

Bloomberg errechnet für Solarstrom in Golfstaaten 9,4% Rendite:
Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung eignet sich arabischen Emirate hervorragend für Solarstromerzeugung. Das Beratungsunternehmen Bloomberg New Energy Finance hat nun auf Grundlage aktueller Kosten und Preise die Photovoltaikstrom für die Golf-Staaten durchgerechnet: Würden PV-Kraftwerke die bisherige Stromproduktion durch das eigene Erdöl ersetzen, das dann auf dem Weltmarkt verkauft werden würde, ergebe sich rechnerisch eine beeindruckende Rendite von 9,4%. Zudem würden Unmengen an CO2 eingespart. Michael Liebreich, der Chef von Bloomberg NE: „Unsere Modellrechung ist ein klares Argument für eine Photovoltaik-Entwicklung in großem Maßstab im Mittleren Osten. Der kontinuierliche Preisrückgang für Photovoltaik wird rasch Strommärkte in der Golfregion erschließen.“

 

Biogas:

 

Neue Kleinkraftwerke erhöhen Wirkungsgrad von Biogasanlagen:
Biogasanlagen haben bislang einen Wirkungsgrad von bis zu 36%. Das Unternehmen ORC energy GmbH hat nun neue Kleinkraftwerke auf den Markt gebracht, die einen Teil der bisher ungenutzten Abwärme ebenfalls in elektrischen Strom umwandeln. Die Kleinkraftwerke lassen sich problemlos in vorhandene Biogasanlagen sowie auch in prozesstechnische Industrieanlagen integrieren. Mit den Kleinkraftwerken lassen sich 130.000 Euro Umsatz pro Jahr zusätzlich erzielen. Damit beträgt die Amortisationszeit für ein ORC-Kleinkraftwerk lediglich rund vier Jahre.

 

Erdöl und -gas:

 

OPEC weitet Öl-Förderung weiter aus:
Die Weltwirtschaft wird 2011 voraussichtlich um 4% wachsen, die weltweite Nachfrage nach Erdöl laut der internationalen Energieagentur (IEA) entsprechend um 2% (1,4 Mio. Barrel) auf 89,1 Mio. Barrel pro Tag steigen. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) hat daher erklärt, 2011 die Erdölförderung und -Exporte zu steigern. Zielgröße sei laut dem saudi-arabischen Ölminister Al-Naimi ein Ölbarrelpreis von ungefähr 90 US-Dollar. Die OPEC verfügt derzeit noch über freie Produktionskapazitäten in Höhe von 6 Mio. Barrel am Tag.

 

Venezuela verkauft 50%-Anteil an der Ruhr Oel GmbH an Russland:
Die Ruhr Oel GmbH ist ein Joint Venture von dem venezolanischen staatlichen Ölunternehmen PDVSA und BP. In Deutschland gehören zu der Ruhr Oel GmbH die Ölraffinerien Gelsenkirchen (100%), MiRO (24%), Bayernoil (25%) und PCK Schwedt (37,5%) – das umfasst 20% der Ölraffinerie-Kapazitäten Deutschlands. PDVSA will nun seinen 50% Anteil für 1,6 Mrd. Dollar an das größte russische Ölunternehmen Rosneft verkaufen. Hauptaktionär von Rosneft ist mit 76,16% das Staatsunternehmen OAO Rosneftegaz.

 

Atomkraft:

 

Polen plant Atomkraftwerk bis 2020:
Polen, das seinen Strom überwiegend aus Kohle erzeugt, plant bis 2020 die Errichtung eines Atomkraftwerkes nordwestlich von Danzig. Bis 2030 soll dann ein zweiter Reaktor folgen. Damit soll sowohl die CO2-Bilanz verbessert wie auch die Abhängigkeit von teuren Energieimporten aus dem Ausland verringert werden.

 

Sonstiges:

 

VW präsentiert 1-Liter-Hybridauto in Katar:
Volkswagen hat auf der Qatar Motor Show die dritte Evolutionsstufe seines 1-Liter-Autos präsentiert. Kennzeichen seien eine ausgezeichnete Aerodynamik, Leichtbau und das Plug-In-Hybridsystem. Der Hybrid XL1 emittiere nur 24 g/km. Mit einem Verbrauch von 0,9 l/100 km sei der XL1 das derzeit sparsamste Hybridauto der Welt.

 

Offenburger E-Auto mit neuem 626,6 km Reichweitenrekord:
Der an der Hochschule Offenburg entwickelte batteriebetriebene „Schluckspecht E“ hat im Rahmen der „South African Solar Challenge“ in Südafrika eine Strecke von 626,6 km mit einer einzigen Batterieladung (Lithium-Ionen-Batterien) zurückgelegt und damit einen neuen Reichweitenrekord auf öffentlichen Straßen aufgestellt. Damit wurde der im Oktober 2010 aufgestellte Rekord des kürzlich bei einem Fabrikbrand zerstörten Prototypen eines umgebauten Audi A2 (lekker-mobil) um 21 km übertroffen. Für den innovativen 42-poligen Radnabenmotor hat das Team bereits den Bosch-Innovationspreis erhalten. Das Fahrzeug sollte rechnerisch sogar in der Lage sein, mit seinen zwölf Lithium-Ionen-Batterien nach einmaligem Aufladen eine Strecke von mehr als 1.200 km zu absolvieren.

 

Hongkonger Milliardär will britisches Stromnetz kaufen:
Der Hongkonger Milliardär Li Ka-shing will das zum Energiekonzern Eon gehörende zweitgrößte britische Stromnetz kaufen. Seine Investmentgruppe Cheung Kong wolle Eon dafür bis zu 3,5 Mrd. Pfund (4,1 Mrd. Euro) bieten. Die Gruppe hatte bereits 2010 für 5,8 Mrd. Pfund das britische Stromnetz von dem französischen Staatsunternehmen EDF gekauft. An Eons britischem Netz haben auch die staatliche Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, der Investor Canada Pension Plan und die australische Bank Macquarie Interesse gezeigt.

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