Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 05

Energiepolitik:
1. Österreich erreicht 30,1% Erneuerbare am Gesamtverbrauch:
2. Klage gegen Europas größtes Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel:
3. Klage gegen AKW-Laufzeitverlängerung fertig:

Förderung und Vertrieb:
4. dena-Solardachprogramm zur Auslandsmarkterschließung:
5. Neuer Test beurteilt Solarmodule nach Schulnoten:
6. Weltgrößte Energietechnologiemesse ENERGY In Hannover:

Erdöl- und Gas:

7. Peak Oil-Barometer gestartet:
8. Russland lädt zur internationalen Erdölparty:
9. BP nach 41-Mrd.-Dollar-Ölkatastrophe mit 4,9 Milliarden Verlust:
10. Exxon Mobil verdient über 30 Mrd. Dollar in 2010:

Recycling:
11. Europäisches Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerk:
12. ITS-Solarfabrik zur Aufbereitung aussortierter Solarzellen:
13. Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:

Forschung:

14. Informationsband zur Forschungsförderung der Erneuerbaren Energien:
15. Touchscreen aus alternativen nachwachsenden Rohstoffen entwickelt:
16. Plasmaausgleich als Teilerfolg für energetische Kernfusion:
17. Energieeffizienz von Molybdänit 100.000-mal höher als bei klassischem Silizium:

 

Energiepolitik:

 

Österreich erreicht 30,1% Erneuerbare am Gesamtverbrauch:
Laut aktuellen Zahlen hat Österreich 30,1% erneuerbare Energien am Gesamtverbrauch erreicht. Der Strom wird bereits zu 68,2% aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Dabei liefert die Wasserkraft 43,5% zu den Erneuerbaren, die feste Biomasse 31,6 % sowie die erneuerbaren Anteile in der Fernwärme 7,3 %. Im Straßenverkehr wurden  7,2 % der fossilen Kraftstoffe substituiert.

 

Klage gegen Europas größtes Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel:
Gegen den Bebauungsplan für Europas größtes Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel haben die Deutsche Umwelthilfe e.V (DUH) und der Landesverband Schleswig-Holstein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Antrag auf Normenkontrolle eingereicht. Der Plan verstoße gegen europäische und nationale Umwelt- und Gesundheitsschutzvorgaben, die Realisierung des Kraftwerks sei energie- und klimapolitisch unverantwortlich und baurechtlich zweifelhaft. Das geplante Steinkohle-Doppelblockkraftwerk von SüdWestStrom soll eine Leistung von 1.820 MW haben. Bereits 2009 wurde ein anderes Kohlekraftwerk – Datteln II – gerichtlich gestoppt. Anwohner und Umweltschützer kritisieren die extremen Schadstoffemissionen der Kohlekraftwerke sowie die Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte. Auch werde der Mindestabstand von 1.500 Metern nicht eingehalten.

 

Klage gegen AKW-Laufzeitverlängerung fertig:
Die Opposition aus Grünen und SPD hat ihre Klage gegen die umstrittene Laufzeitverlängerung für AKWs der Bundesregierung fertig ausgearbeitet. Nach abschließenden Beratungen soll sie noch diese Woche beim Bundesverfassungsgericht eingereicht werden. Dabei geht es vor allem um verfassungsrechtliche Bedenken, dass die schwarz-gelbe Koalition dieses weitreichende Gesetz ohne Beteiligung des Bundesrates durchsetzen wollte.

 

Förderung und Vertrieb:

 

dena-Solardachprogramm zur Auslandsmarkterschließung:
Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) hat eine neue Bewerbungsrunde für Unternehmen der Solarbranche ausgelobt, die neue Exportmärkte erschließen möchten. Unter dem Projektnamen Solardachprogramm (Photovoltaik-, Solarthermie, solare Kühlungsanlagen, solare Leuchten usw.) können sich die interessierten Unternehmen vom 07. Februar bis zum 13. März 2011 bewerben. Die dena unterstützt die Unternehmen bei der Projektumsetzung, um die Exportchancen zu steigern. 45% der Projektkosten trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Im Laufe des Projekts können die Unternehmen die landesspezifischen Rahmenbedingungen aus praktischer Erfahrung kennenlernen, da jedes Projekt die Installation einer Solaranlage auf einer repräsentativen Einrichtung umfasst. Hinzu kommen umfangreiche Marketingmaßnahmen und gezielte Schulungen (siehe hier).

 

Neuer Test beurteilt Solarmodule nach Schulnoten:
Der TÜV Rheinland hat gemeinsam mit dem Verlag Solarpraxis AG einen Qualitätstest für Photovoltaik-Module entwickelt. Allerdings ist aber nur ein geringer Teil der auf dem Markt erhältlichen Produkte bewertet (hunderte Hersteller mit tausenden an Modulen). Damit soll Hausbesitzer, Handel, Installationsfirmen oder Banken die Möglichkeit gegeben werden, fundierte Informationen über die Qualität der PV-Module zu erhalten. Der Test soll mittelfristig gängige Zertifikate ergänzen und für mehr Transparenz über die Herkunft und die Qualität von Modulen sorgen.

 

Weltgrößte Energietechnologiemesse ENERGY In Hannover:
Vom 4.-8. April 2011 findet erneut im Rahmen der HANNOVER MESSE 2011 die weltweit größte Energietechnologiemesse ENERGY statt. Die HANNOVER MESSE ist der führende Marktplatz für wegweisende Technologien, Werkstoffe und Ideen. Im Mittelpunkt der ENERGY stehen unter anderem die Märkte für Windenergie in Nordamerika, Geothermie in Südosteuropa und der Türkei sowie erneuerbare Energien in Frankreich, dem diesjährigen Partnerland. Bei den Technologien spielen vor allem Windenergie und Biogaseinspeisung eine hervorgehobene Rolle. Das Forum richtet sich an Interessenten aus allen Bereichen der Erneuerbare-Energien-Branche, von Herstellern, Planern und Projektentwicklern über Investoren, Analysten und Berater bis hin zu Vertretern aus Forschung, Politik und Verbänden. Die Teilnahme ist für Besucher kostenfrei.

 

Erdöl- und Gas:

 

Peak Oil-Barometer gestartet:
Das Büro für postfossile Regionalentwicklung Dresden hat ein Barometer zur Beobachtung der Entwicklung der Ölpreise und Versorgungsengpässe eingerichtet. Es informiert über grundlegende Fragen zu Peak Oil (=Fördermaximum) sowie zu aktuellen Entwicklungen. Mit dem Erreichen des Peak Oil wird Erdöl teurer, gleichzeitig ist dann mit Versorgungsengpässen zu rechnen. Laut der Bundesregierung werde das Fördermaximum erst gegen 2035 erreicht. Andere Experten gehen bereits von wenigen Jahren aus. Daher ist eine Beobachtung der Marktlage wichtig. Das Peak-Oil-Barometer soll dabei helfen, Preisentwicklungen und Versorgungsprobleme vorherzusagen. Aktuelle Entwicklungen werden im Blog auf Peak-Oil.com zusammengefasst.

 

Russland lädt zur internationalen Erdölparty:
Nachdem Russland (der staatliche Ölkonzern Rosneft) erst kürzlich mit BP eine strategische Partnerschaft beschlossen hat, um die gewaltigen, aber schwierig zu fördernden Reserven in der Arktis zu heben, zieht nun der US-Ölkonzern Exxon-Mobil nach. Gemeinsam mit Rosneft will es die Vorkommen im Schwarzen Meer fördern (bis 2.000 m Tiefe). Die Ölkonzerne freuen sich über die Förderkonzessionen, während die russischen Konzerne von dem internationalen Know-how profitieren. Russland verfügt über 24% der weltweiten Gas- und 5,6% der globalen Ölreserven. Verhandlungen über ein Gemeinschaftsprojekt zur Förderung auf dem arktischen Festlandsockel werden derzeit auch mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil geführt.

 

BP nach 41-Mrd.-Dollar-Ölkatastrophe mit 4,9 Milliarden Verlust:
Nachdem der britische Ölriese BP 2009 noch knapp 14 Mrd. Dollar Gewinn realisierte, hat die Ölkatastrophe Mitte 2010 ein tiefes Loch in die Finanzen gerissen. Erstmals seit 1992 wurde somit ein Verlust verzeichnet (4,9 Mrd. Dollar). Die Folgen der Havarie der Ölplattform „Deepwater Horizon“ dürfte wohl insgesamt mit 41 Mrd. Dollar zu Buche schlagen. Der Großteil von 30 Mrd. Dollar soll dabei über den Verkauf von Firmenbeteiligungen erfolgen (22 Mrd. sind realisiert). Im Schlussquartal 2010 sah es für BP aufgrund des gestiegenen Ölpreises wieder gut aus: Der Gewinn für BP betrug 4,6 Mrd. Dollar. 2011 werde laut dem Konzern wieder ein Jahr der Erholung und der Konsolidierung sein.

 

Exxon Mobil verdient über 30 Mrd. Dollar in 2010:
Exxon Mobil, der weltgrößte Ölkonzern, hat allein im Schlussquartal 9,3 Mrd. Dollar verdient. Auf das Jahr gerechnet waren es 30,5 Mrd. Dollar. Zugelegt haben dabei sowohl die Gewinne aus der Förderung von Öl und Gas als auch aus der Weiterverarbeitung in den Raffinerien. Ausschlaggebend waren neben der gestiegenen Nachfrage, einer höheren Produktion (+19%) und höheren Preisen aber auch niedrigere Steuern. Der Jahresumsatz stieg um 23% auf 383,2 Mrd. Dollar.

 

Recycling:

 

Europäisches Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerk:
Wissenschaftler des Öko-Instituts mahnen ein besseres Recycling bei den seltenen und teuren Hightechmetallen Seltene Erden an. Dies reduziere auch de hohe Abhängigkeit von den knappen Rohstoffen. Europa ist einer der weltweit größten Seltenen-Erden-Konsumenten. Daher werden hier auch mittelfristig bedeutende Mengen an Seltenen Erden in den zukünftigen Abfallströmen anfallen. In einer neuen Studie hat das Öko-Institut nun die wichtigsten Schritte für einen Seltene-Erden-Recyclingkreislauf aufgezeigt. Demnach muss ein „Europäisches Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerk“ aufgebaut, eine detaillierte Stoffstromanalyse erstellt und Sammlungs- und Behandlungsanlagen konzipiert werden. Da es einige Jahre dauern wird, bis alle technischen, wirtschaftlichen und juristischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Recyclingsystem geschaffen sind, empfiehlt die Studie, jetzt mit dem Aufbau zu beginnen.

 

ITS-Solarfabrik zur Aufbereitung aussortierter Solarzellen:
In Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) wird derzeit die weltweit erste Anlage errichtet, in der in einem mehrstufigen innovativen Prüf- und Optimierungsverfahren ursprünglich aussortierte Solarzellen ihre Leistungsfähigkeit zurückerhalten. Das Investitionsvolumen für ITS Halle Cell GmbH liegt bei rund 40 Mio. Euro. Ab Mai sollen dann in der Fabrik pro Stunde zunächst bis zu 20.000 Solarzellen verschiedener Hersteller verarbeitet werden. Verunreinigungen der Zellen werden isoliert oder entfernt, so dass sie ihre Leistungsfähigkeit zurückerhalten.

 

Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:
Im Landkreis Stade (Wischhafen) wurde das europaweit erste Recycling-Center für kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK-Verbundwerkstoffe) eröffnet. Die moderne Recyclinganlage verfügt über eine Kapazität von mehr als 1.000 Tonnen im Jahr. Der Prozess der Carbonfaser-Rückgewinnung ist ein mehrstufiges Pyrolyseverfahren, das sämtliche CFK-Materialien wertbeständig recycelt. Zurückgewonnen wird eine qualitativ hochwertige Carbon-Kurzfaser, deren Zugfestigkeitseigenschaften denen von Neufasern entsprechen. Mitte 2008 war eine erste Pilotanlage errichtet worden, an der mit Hochdruck getestet wurde. Die jetzige Recyclinganlage hat Investitionen in Höhe von rund 5 Mio. Euro benötigt. Kohlenstofffaserverstärkte Verbundstoffe gelten als der Leichtbauwerkstoff der Zukunft. Momentan wird er noch vorwiegend in der Luftfahrtbranche genutzt.

 

Forschung:

 

Informationsband zur Forschungsförderung der Erneuerbaren Energien:
Der ForschungsVerbund Erneuerbare Energien hat einen neuen Tagungsband herausgegeben. Unter dem Titel "Forschung für das Zeitalter der erneuerbaren Energien" wird aufgezeigt, welche Aufgaben noch gelöst werden müssen, damit Strom, Wärme sowie Mobilität ökologisch und ökonomisch verträglich bereitgestellt werden können. Dabei geht es neben technologischen Lösungen und Effizienztechnologien auch um wirtschaftliche und politische Fragestellungen. Daneben stellen Vertreter der für Energie zuständigen vor, wie die Regierung die Umsetzung ihres Energiekonzepts auf der Forschungsseite befördern will und wie bei der Forschungsförderung Vorrang für Erneuerbare und Effizienz erreicht werden kann. Ein wirtschaftswissenschaftlicher Beitrag beleuchtet auch die ökonomischen Konsequenzen einer hundertprozentigen Versorgung mit Erneuerbaren Energien bis 2050 für Deutschland.

 

Touchscreen aus alternativen nachwachsenden Rohstoffen entwickelt:
Bislang werden berührungsempfindliche Bildschirme, die immer beliebter werdenden Touchscreens (z.B. für Smartphones), aus seltenen und teuren Rohstoffen hergestellt, wie beispielsweise Indium. Fraunhofer-Forscher gelang nun ein alternatives Herstellungsverfahren für berührungsempfindliche Displays, das auf erneuerbaren, preisgünstigen und weltweit verfügbaren Rohstoffen basiert. Die neuartige Elektrodenfolie kommt ohne die seltenen Metalle aus, sondern basiert stattdessen auf Kohlenstoff-Nanoröhrchen (Carbon-Nanotubes) und preiswerten Polymeren. Eine Pilotfertigung existiert bereits. Nun soll die Folie für die verschiedenen Einsatzgebiete optimiert werden. Mitte Februar werden die ersten Kohlenstoff-Touchscreens auf der Messe „nano tech“ in Tokio präsentiert.

 

Plasmaausgleich als Teilerfolg für energetische Kernfusion:
Für die energetische Nutzung der Kernfusion muss der Brennstoff, ein dünnes ionisiertes Wasserstoffgas (ein so genanntes „Plasma“) berührungsfrei in einem Magnetfeldkäfig eingeschlossen und auf eine Zündtemperatur von über 100 Millionen Grad aufgeheizt werden. Dann verschmelzen die Atomkerne unter der Freigabe einer gewaltigen Menge Energie. Im südfranzösischen Cardache wird bereits seit 2009 der internationale Versuchs-Fusionsreaktor ITER gebaut (500 MW). Er soll der großtechnischen Nutzung der kontrollierten Kernfusion zur Stromerzeugung den Weg bereiten, die Inbetriebnahme ist für 2018 geplant. Forschern an der Garchinger Fusionsanlage ASDEX Upgrade ist nun ein weiterer wichtiger Teilerfolg gelungen: In einer knapp einjährigen Umbauphase waren acht magnetischen Regelspulen an der Wand des Plasmagefäßes der Fusionsanlage installiert worden. Damit konnten nun die störenden Randinstabilitäten des Plasmas ausgleichen werden. Laut den Forschern ist man mit dem Resultat der Lösung eines der wichtigsten ITER-Probleme ein großes Stück näher gekommen.

 

Energieeffizienz von Molybdänit 100.000-mal höher als bei klassischem Silizium:
Forscher am École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) haben das große Potential von Molybdänit (MoS2) als Transistormaterial für effizientere Chips entdeckt. Bislang wurde Molybdänit vor allem als Schmiermittel genutzt. Dabei sind die Halbleitereigenschaften des Materials sogar besser als die des äußert vielseitigen Kohlenstoff-Wundermaterials Graphen und übertrifft die des klassischen Siliziums um ein vielfaches. Bei digitaler Elektronik nutzt man Transistoren in On- und Off-Zustand, um die Nullen und Einsen der digitalen Information darzustellen. Obwohl der Off-Zusatnd eigentlich ein Standby-Zustand ist, verbraucht er bei Silizium-Transistoren dennoch viel Strom. Dieser Stromverbrauch lässt sich mit Molybdänit um den Faktor 100.000 reduzieren. Das Material lässt dabei ebenso wie Graphen als Material in der Nanogröße einatomiger Schichten verarbeiten, ist aber in seinen Halbleitereigenschaften dem Graphen überlegen und auch kostengünstiger zu verarbeiten. Daher wird dem Molybdänit eine wesentliche Zukunftsrolle in der Optoelektronik und der Nanoelektronik zugeschrieben.

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