Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 06

Erneuerbare Energien:
1. Erneuerbare Energien haben 2010 mehr als 15 Mrd. Euro Kosten eingespart:

Innovationen:
2. Neuartiges Meeresströmungskraftwerk im Testlauf:
3. Intelligentes System zum aktiven Steuern der Heizleistung vorgestellt:
4. Neuartiges Lösungsmittel kann zwischen wasserlöslich und -unlöslich wechseln:

Atomkraft:

5. Stromanbieter wollen ältere AKWs zugunsten der neueren vorzeitig abschalten:
6. Gorleben laut BGR-Studie als Endlager ungeeignet:
7. Jordanien will noch im Februar über AKW-Bau entscheiden:
8. Bulgarisches AKW-Projekt steht vor dem aus:

Erdöl und Erdgas:

9. US-Erdölriese ConocoPhillips aus der russischen Nr.2 LUKoil ausgestiegen:
10. Russland übernimmt iranische Erdöllieferungen an Afghanistan:

Agrar- und Landwirtschaft:
11. Russland trotzt mit Exportverbot für Getreide der weltweiten Preisexplosion:
12. Dürre in China bedroht Winterernte 2011:
13. LED-Licht von Osram revolutioniert Gewächshäuser:

Klimawandel:

14. Klimaerwärmung trifft Russland doppelt so stark wie den Rest der Welt:

 

Erneuerbare Energien

 

Erneuerbare Energien haben 2010 mehr als 15 Mrd. Euro Kosten eingespart:
Nach aktuellen Berechnungen des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien (BEE) haben die regenerativen Energiequellen in Deutschland die Einfuhr fossiler Energierohstoffe im Jahr 2010 im Wert von 7,4 Milliarden Euro überflüssig gemacht (2009: 6 Mrd. Euro). Darüber hinaus wurden versteckte Kosten in Höhe von mehr als 8 Mrd. Euro vermieden, also Kosten für Klima-, Umwelt-, Gesundheits- und Materialschäden, die durch die Verwendung fossiler und atomarer Brennstoffe entstehen, aber nicht eingepreist sind. Der Strom aus Erneuerbaren ist derweil 2010 um 6,4 Prozent auf rund 265 Milliarden Kilowattstunden angewachsen und stellt damit rund 17,4% am gesamten Strombedarf in Deutschland, sowie 10,5% am gesamten inländischen Energieverbrauch. Rund die Hälfte der gesamten Energie wird für die Wärmeerzeugung benötigt. Hier stagnierte der Anteil der Erneuerbaren in etwa bei 8,9%.

 

Innovationen

 

Neuartiges Meeresströmungskraftwerk im Testlauf:
Süditalienische Forscher haben ein neuartiges Meeresströmungskraftwerk entwickelt, das nun in der Meerenge von Messina getestet wird (Stazione Sperimentale Permanente). Die Anlage besteht aus einem am Festland montierten bis zu 100 Meter langen beweglichen Tragarm, auf dem mehrere Turbinen untergebracht sind, welche die Meerwasserströmung zur Umwandlung in elektrische Energie nutzen. Der Wirkungsgrad kann bis zu 46% betragen. Mit zudem deutlich niedrigeren Baukosten sei die Anlage damit jedem Windpark überlegen. Zum Vergleich: Für 5,4 Kilowattstunden Strom benötigt das Meeresströmungskraftwerk einen Durchsatz von drei Metern pro Sekunde und ein Quadratmeter Rotorfläche, während bei einer Windturbine dazu zehn Meter pro Sekunde und 48 Quadratmeter benötigt werden.

 

Intelligentes System zum aktiven Steuern der Heizleistung vorgestellt:
Die Deutsche Telekom hat die "Stromboxx" vorgestellt, die das aktive Steuern von funkbasierten Heizungsthermostaten ermöglicht. Damit können sich Verbraucher im Internet Einsparmöglichkeiten aufzeigen lassen, aber auch individuelle Zeit- und Temperaturprofile für einzelne Räume anlegen, so dass diese nur dann und auch nur in dem benötigten Ausmaß beheizt werden. Die Stromboxx lässt sich auch von unterwegs über ein Smartphone steuern.

 

Neuartiges Lösungsmittel kann zwischen wasserlöslich und -unlöslich wechseln:
Lösungsmittel waren bislang entweder wasserlöslich oder nicht. Kanadische Forscher haben nun eine Möglichkeit entwickelt, Lösungsmittel zwischen diesen beiden Zuständen ohne größeren Aufwand wechseln zu lassen. Sie schalten ihr Lösungsmittel in den wasserlöslichen Zustand, indem sie es in Gegenwart von Wasser mit Kohlendioxid begasen, wodurch das wasserlösliche Salz Hydrogencarbonat entsteht. Das ursprüngliche Lösungsmittel wird schließlich zurück gewonnen, indem das Edelgas Argon durch die Lösung des Salzes gepresst wird. Das Edelgas schleppt das Kohlendioxid aus der Lösung, so dass das Salz wieder in das wasserunlösliche Lösungsmittel, Wasser und Kohlendioxid zerfällt. Der Zyklus kann nahezu beliebig oft ablaufen. Ein mögliches Anwendungsfeld liegt im bislang schwer recycelbaren Styropor. Styropor besteht zu bis zu 90 Prozent aus Luft und nimmt extrem viel Platz weg. Gebrauchtes Styropor ließe sich nun in dem Lösungsmittel auflösen. Diese Lösung gibt man dann in kohlensäurehaltiges Wasser, so dass das Lösungsmittel wasserlöslich wird und der wasserunlösliche Kunststoff als kompaktes Pulver entnommen werden kann. Anschließend regeneriert man das Lösungsmittel mit Argon und kann es für die nächste Ladung Styropor verwenden.

 

Atomkraft:

 

Stromanbieter wollen ältere AKWs zugunsten der neueren vorzeitig abschalten:
Laut dem „Handelsblatt“ erwägen die deutschen AKW-Betreiber, die älteren Kernkraftwerke vorzeitig abzuschalten und dafür die neueren länger laufen zu lassen. Grund seien die hohen Kosten für die dringend erforderliche und durch die Laufzeitverlängerung vorgeschriebene Nachrüstung der Sicherheitssysteme. Atomkraftgegnerorganisationen wie „ausgestrahlt“ begrüßen den Vorstoß, da insbesondere die alten AKWs ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen würden. Das Ziel bleibe jedoch weiterhin der vollständige Ausstieg aus dieser Technologie. Gegen die Laufzeitverlängerung wurde erst kürzlich die lange vorbereitete Klage vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht.

 

Gorleben laut BGR-Studie als Endlager ungeeignet:
Aus einem bisher unveröffentlichten Untersuchungsbericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht hervor, dass der für die Endlagerung hochradioaktiven Atommülls vorgesehene Bereich im Salzstock Gorleben offenbar komplett von Gaseinschlüssen durchzogen ist. In sämtlichen Gesteinsproben des Erkundungsbereiches 1 wurden Gas (bis zu 45% Anteil) und flüssige Kohlenwasserstoffe gefunden. Da dabei nachgewiesen wurde, dass Gase auch von außen in den Salzstock eingedrungen sind (durch Risse und Klüfte), ist die notwendige Barrierefunktion des Salzstockes gegenüber der Umwelt nicht gegeben und Gorleben als Endlager daher ungeeignet.

 

Jordanien will noch im Februar über AKW-Bau entscheiden:
Jordanien plant ein erstes Atomkraftwerk. Bereits 2009 wurde mit Russland ein Abkommen über die Kooperation bei der friedlichen Nutzung von Atomkraft unterschrieben. Über den letztendlichen Partner des 4-5 Mrd. Dollar Projekts, dessen Bauphase auf 2014-2019 datiert ist, soll noch diesen Monat entschieden werden. Der strategische Investor werde 50-70% der Anteile an dem Projekt angeboten.

 

Bulgarisches AKW-Projekt steht vor dem aus:
Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom erwägt einen Ausstieg aus dem bulgarischen AKW-Projekt Belene. Grund sei die fehlende Entscheidung der bulgarischen Regierung über die Finanzierung des Projekts aufgrund einer Empörung über die ausufernden Baukosten – der Baupreis ist bislang von vier Milliarden auf 6,4 Milliarden Euro gewachsen. 2009 stieg bereits der deutsche Energieriese RWE aus dem Projekt aus, der 49% der erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen sollte. Laut Rosatom wäre ein Ausstieg lukrativer, da dann die bulgarische Seite bei Vertragsbruch 200 Mio. Euro Entschädigung zahlen müsste, während der Gewinn durch den Bau auf lediglich 150 Mio. Euro beziffert wird. Daher werde überlegt, die Rosatom-Ausrüstungen aus Bulgarien nach Akkuyu in der Türkei zu bringen, wo Russland das erste türkische Atomkraftwerk bauen soll.

 

Erdöl und Erdgas:

 

US-Erdölriese ConocoPhillips aus der russischen Nr.2 LUKoil ausgestiegen:
Der US-Ölkonzern ConocoPhillips ist aus dem Kapital von Russlands zweitgrößtem und zugleich größtem privaten Ölförderer LUKoil ausgestiegen und hat den Verkauf der restlichen Anteile auf dem freien Markt abgeschlossen. Der Beginn des Ausstiegs Begann 03-2010 und sollte sich ursprünglich über drei Jahre hinziehen. Bis dahin war ConocoPhillips mit rund 20% der Anteile Großaktionär bei LUKoil gewesen (rund 8,6 Mrd. Dollar).

 

Russland übernimmt iranische Erdöllieferungen an Afghanistan:
Russlands größter Ölkonzern Rosneft wird künftig 1,8 Millionen Tonnen Erdölprodukte an Afghanistan liefern. Grund ist die seit Herbst 2010 laufende Blockade Irans. Der Iran hatte afghanischen Tanklastwagen die Durchfahrt verboten, da es kritisierte, dass der Treibstoff vor allem dem Nato-Kontingent zulaufen würde. Afghanistan hatte dem widersprochen. An der Grenze hatte sich daraufhin eine Kolonne aus tausenden Tanklastwagen gebildet und der Preis für Treibstoff stieg um rund 30%. Afghanistan benötigt jährlich rund 1,5 Mio. t Erdölprodukte, das Nato-Kontingent ungefähr dieselbe Menge.

 

Agrar- und Landwirtschaft:

 

Russland trotzt mit Exportverbot für Getreide der weltweiten Preisexplosion:
Vergangenen Sommer hatte Russland ein Exportverbot für Getreide verhängt. Hintergrund waren die Ernteausfälle aufgrund des ungewöhnlich heißen Sommers und der verheerenden Waldbrände auf nahezu dem gesamten Territorium. Laut ersten Analysen hat das Exportverbot die Inlandspreise von den exorbitanten spekulationsgetriebenen Preissteigerungen auf dem Weltmarkt geschützt. Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stieg der Nahrungsmittelpreisindex den siebten Monat in Folge und hat derzeit seinen absoluten Höchststand erreicht. Derzeit bunkern viele unverantwortliche Investoren virtuell riesige Mengen Lebensmittel in ihren „Kellern“, um es dann mit Gewinn an die ärmsten und hungrigsten weltweit zu verkaufen. Da diese meist über keinerlei finanziellen Spielraum verfügen, wird international schon vor erneuten Hungerrevolten wie 2008 gewarnt. Rund 50 der ärmsten Länder sind bedroht, das Verbot von Spekulationsgeschäften auf Lebensmittel wird vehement gefordert. Russland hat nun begonnen, aus staatlichen Vorräten am heimischen Markt zu intervenieren und will bis zum 1. Juli jeden Monat bis zu 500.000 Tonnen Getreide verkaufen, um den Preisanstieg zu drücken. Russland fordert die Welt auf, die positiven Erfahrungen dieser Getreide-Interventionen zu nutzen.

 

Dürre in China bedroht Winterernte 2011:
Die Niederschläge in den wichtigsten Agrarregionen Chinas (Shandong, Shanxi, Jiangsu, Henan und Hebei) macht seit dem September 2010 vielfach nur 15% des langjährigen Durchschnitts aus. Dies ist die gravierendste Dürre seit Jahrzehnten. Peking versicherte, dass die Getreidevorräte des Landes rund 40% der Vorjahresernte ausmachen. Dies würde ausreichen, um einen Preisanstieg bei Getreide zu verhindern. Die Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt befinden sich laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) derzeit, getrieben durch weltweite Ernteausfälle 2010 und ausufernder Spekulation, auf dem absoluten Höchststand.

 

LED-Licht von Osram revolutioniert Gewächshäuser:
Die Siemens-Tochter Osram Opto Semiconductors hat eine leistungsstarke tiefrote Leuchtdiode (LED) entwickelt, die mit einer Wellenlänge von 660 Nanometer genau auf die Photosynthese der Pflanzen abgestimmt und mit 37 Prozent Wirkungsgrad eine der effizientesten Lichtquellen in dieser Farbe ist. Das Rotlicht fördert das Pflanzenwachstum, während blaue Lichtanteile vor allem das Knospenwachstum fördern. Durch eine geschickte Kombination lässt somit nicht nur Strom, sondern auch Dünger sparen. Die LED-Lichter erhöhen die Systemlichtausbeute im Vergleich zu herkömmlichen Natriumdampf-Hochdrucklampen um rund 60 Prozent.

 

Klimawandel:

 

Klimaerwärmung trifft Russland doppelt so stark wie den Rest der Welt:
Laut russischen Angaben ist der Anstieg der Durchschnittstemperatur auf seinem Territorium in den vergangenen zehn Jahren mehr als doppelt so hoch wie in der übrigen Welt. In diesem Zeitraum seien die stärksten Anomalien (starke Fröste oder enorme Hitze) bei den erdnahen Lufttemperaturen seit Beginn der wissenschaftlichen Wetterbeobachtungen registriert worden. Weltweit nahmen die Lufttemperaturen in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 0,43 Grad Celsius zu, in Russland hingegen um 1,1 Grad. Die Anzahl der gefährlichen meteorologischen Erscheinungen stieg in demselben Zeitraum um sieben Prozent auf 972 im Jahr 2010. Auch Trockenheit und Dürren haben sich verstärkt. 

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