Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 08

Erneuerbare Energien:
1. Erneuerbare Energien erzielen in der EU Umsatz von 120 Mrd. Euro
2. Rot-grünes NRW will Beschränkungen für Windkraft aufheben
3. Auch BMU errechnet mehr Wachstum durch ehrgeizigere Klimaziele
4. Verfahren zum Aufsprayen von Solarzellen

Energiewirtschaft:
5. BMWi-Plattform zum Ausbau der Stromnetze
6. Bundeskartellamt billigt Steag-Übernahme

Gas und Öl:
7. Statoil und Gazprom drängen auf direkten Eintritt in den deutschen Markt
8. Bergbauriese BHP kauft sich für 4,75 Mrd. Dollar in US-Schiefergas ein

Atomkraft:

9. Ägypten verschiebt Pläne zum Bau von vier AKWs

Innovationen:
10. Plastik aus Kohlenstoffdioxid anstatt Erdöl
11. Weltweit modernste Recyclinganlage in Nürnberg
12. Wasserstoff-Ladegerät für mobiles Aufladen von Akkus

Umwelt:
13. Rekordschmelze des Grönlandeises
14. Menschheit wird 2011 die 7 Mrd. Grenze knacken

 

Erneuerbare Energien:

 

Erneuerbare Energien erzielen in der EU Umsatz von 120 Mrd. Euro
Der alljährlich publizierte Report „The State of Renewable Energies in Europe“, der im Rahmen des Programms Intelligent Energy Europe (IEE) der Europäischen Kommission durch eine Zusammenarbeit eines breiten Netzwerks von Experten entsteht, hat den EU-weiten Stand der Entwicklung der Erneuerbaren Energien wiedergegeben. Demnach hat sich in 2009 die Zahl der in den Erneuerbaren Energien Beschäftigten um weitere 100.000 auf 900.000 erhöht, die zusammen 120 Mrd. Euro Umsatz generierten. Die größten Zuwächse erzielten die Branchen Windenergie, Photovoltaik und die Nutzung fester Biomasse. EE deckten demnach 11,6% des Bruttoendenergieverbrauchs der EU und 18,2% der elektrischen Energieversorgung.

 

Rot-grünes NRW will Beschränkungen für Windkraft aufheben
Die rot-grüne Landesregierung in NRW will die von der schwarz-gelben Vorgängerregierung erlassenen Beschränkungen für Windenergie wieder aufheben und das Bundesland wieder zur Nummer eins bei Binnen-Windkraft machen. So soll der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung von derzeit 3% auf 15% in 2020 steigen. Schwarz-Gelb hatte strenge Beschränkungen für neue Windräder erlassen und den Ausbau der Windkraft deutlich erschwert. Umweltminister Remmel: „Wir werden den Windenergie-Verhinderungserlass der Vorgängerregierung durch einen Windenergie-Ermöglichungserlass ersetzen.“ Die Aufhebung der Restriktionen ist bereits für März geplant. Dann wird beispielsweise die aktuell festgelegte Maximalhöhe der Windräder von 100 Metern aufgehoben und auch der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen WEA gesenkt.

 

Auch BMU errechnet mehr Wachstum durch ehrgeizigere Klimaziele
Das Bundesumweltministerium bestätigt in einer ausführlichen Studie Experten und Wissenschaftler und widerspricht den mächtigen Lobbygruppen: ehrgeizigere Klimaziele bremsen die Wirtschaft nicht, im Gegenteil: sie führen europaweit zu mehr Wachstum und Beschäftigung – lediglich die Pfründe technologisch überholter Industrie- und Energiezweige werden abschmelzen, was den enormen Widerstand gegen die gesamtwirtschaftlich positive Entwicklung erklärt. Die aktuelle Studie „A New Growth Path for Europe“ im Auftrag des Bundesumweltministeriums wurde Anfang der Woche in Brüssel vorgestellt. Demnach würde eine Erhöhung des europaweiten Emissionseinsparungsziels von 20 auf 30 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahren bis zu sechs Millionen Arbeitsplätze schaffen und einen durchschnittlichen jährlichen Wachstumsimpuls von 0,6 Prozent generieren kann. Dadurch würde das Bruttoinlandsprodukt in der EU innerhalb dieses Zeitraums um bis zu 620 Mrd. Euro ansteigen. Deutschland selbst könnte überproportional davon profitieren: In diesen zehn Jahren würden die Effekte ein Absinken der Arbeitslosenquote von 8,5 auf 5,6 Prozent bewirken, das Wachstum könnte von durchschnittlich 1,8 auf 2,4 Prozent stimuliert werden. Wichtiger noch: Die Umwelt würde lebenswerter, unsere Lebensweise nachhaltiger, der Mehrwert käme breiteren Bevölkerungsschichten zugute und die Kaufkraft und damit die Binnenkonjunktur würden somit ansteigen, wovon dann wiederum die Wirtschaft profitiert. Der Nachteil: Es müssen mächtige Widerstände einiger weniger Interessen überwunden werden – sehr zum Leidwesen konservativer Bewahrer etablierter Strukturen. An der Studie hatte die Elite der Wissenschaft mitgewirkt und nicht der Geldbeutel diktiert: das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Universität Oxford, die Sorbonne in Paris, die National Technical University of Athens und des European Climate Forum.

 

Verfahren zum Aufsprayen von Solarzellen
An der University of Texas arbeiten Wissenschaftler an einem Verfahren, mit dem sich künftig Solarzellen auf flexible Trägermaterialen aufsprayen lassen. Dabei werden winzige Partikel von Kupfer, Indium, Gallium und Selenid mit einem Lösungsmittel vermengt, wodurch sich entsprechende Nanokristalle bilden. Diese lassen sich dann auf beinahe beliebige Materialien wie Kunststoffe, Folien, Glas oder Gewebe aufsprühen. Anschließend werden zwei Metallkontakte hinzugefügt, wodurch die Flächen zu Kollektoren werden, die eine elektrische Spannung erzeugen. Der Effizienzgrad liegt derzeit bei ausbaufähigen 3%. Eine Vermarktung sei laut den Wissenschaftlern ab ca. 10% rentabel.

 

Energiewirtschaft:

 

BMWi-Plattform zum Ausbau der Stromnetze
Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Internetplattform eingerichtet, mit der die Genehmigungsverfahren zum Ausbau der Stromnetze verkürzt und die Bürger stärker beteiligt werden sollen. Für den bedarfsgerechten Ausbau der Stromnetze werden Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe veranschlagt. Ein weiteres Problem ergibt sich jedoch durch den Widerstand lokaler Bevölkerungsteile gegen den Ausbau vor der „eigenen Haustür“. Eine Möglichkeit wäre der forcierte Ausbau von allerdings bis zu 8-mal teureren Erdkabeln. Derzeit wird auch untersucht, die Stromleitungen der Eisenbahnstrecken auszubauen und somit bestehende Trassen zu modernisieren und zu nutzen. Dies würde zudem die notwendigen Investitionen von rund 40 Mrd. Euro auf 2-2,5 Mrd. Euro beträchtlich reduzieren. Für die Stromanbieter und Netzbetreiber sollen die Genehmigungsverfahren deutlich vereinfacht und dadurch beschleunigt werden.

 

Bundeskartellamt billigt Steag-Übernahme
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der Evonik-Tochter Steag für 649 Mio. Euro durch ein Konsortium von Stadtwerken gebilligt. Dadurch entsteht eine neue Nummer 5 im deutschen Energiemarkt. Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr ist ein Zusammenschluss der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, der Energieversorgung Oberhausen sowie der Stadtwerke Dortmund, Bochum, Essen, Dinslaken und Duisburg. Das Energieoligopol aus Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, die zusammen über 80% des deutschen Strommarkts kontrollieren (sie sind u.a. auch in vielen Fällen maßgeblich an den insgesamt rund 800 Stadtwerken beteiligt), erhält somit aus wettbewerbsrechtlicher Hinsicht äußerst dringend benötigte Konkurrenz. Kartellamtschef Andreas Mundt: „Die Beteiligung der Ruhrstadtwerke kann dazu beitragen, dass sich die Steag als ein von den großen vier Erzeugungsunternehmen unabhängiger Player am Markt etabliert.“ Auf Druck der Wettbewerbshüter wurden zudem Vertragsklauseln zwischen Steag und dem Energieriesen RWE aufgekündigt, die der Evonik-Tochter den Stromverkauf erschwert hätten.

 

Gas und Öl:

 

Statoil und Gazprom drängen auf direkten Eintritt in den deutschen Markt
Der staatliche norwegische Energiekonzern Statoil (Marktanteil in Deutschland 22%) will sich direkt auf dem deutschen Markt engagieren und an den bisherigen eigenen Kunden wie Eon Ruhrgas vorbei direkt auf Endverbraucher zugehen. Der Statoil-Manager Rune Björnson: „Wir planen, mehr Gas direkt an Industriekunden und andere Endabnehmer zu verkaufen.“ Dadurch würde der Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt weiter gestärkt. Auch der russische Gasriese Gazprom (Marktanteil in Deutschland 27%) drängt mit der Tochter Germania auf den direkten Eintritt in den deutschen Markt.

 

Bergbauriese BHP kauft sich für 4,75 Mrd. Dollar in US-Schiefergas ein
Der australisch-britische Bergbaugigant und Nummer eins des Weltmarktes BHP Billiton hat sich für 4,75 Mrd. Dollar in das Fayetteville-Schiefergasfeld in Arkansas (USA) eingekauft. Mit Investitionen von 800-1.000 Mio. Dollar jährlich innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Förderung verdreifacht werden. Das ist der erste erfolgreiche Zukauf für BHP in der jüngeren Zeit, nachdem der Kauf des kanadischen Düngemittelherstellers Potash und die Übernahme des australisch-britischen Bergbaugiganten Rio Tinto (Nummer zwei der Welt) gescheitert waren.

 

Atomkraft:

 

Ägypten verschiebt Pläne zum Bau von vier AKWs
Ägypten, das bedeutende Vorräte an Uranerz besitzt, verfügt bereits über zwei nukleare Forschungsreaktoren: Einer wurde 1958 von der Sowjetunion geliefert und gebaut, der andere von Argentinien erworben. Ende 2007 hatte der damalige Präsident Mubarak ein Programm zur zivilen energetischen Nutzung der Atomkraft angekündigt und 2008 ein entsprechendes Abkommen über die Zusammenarbeit mit Russland gezeichnet. Demnach sollten bis 2025 vier AKWs entstehen, das erste bis 2020 nahe der Stadt El-Dabaa an der Mittelmeerküste. Die Übergangsregierung hat die Ausschreibung des Projekts vorerst auf Eis gelegt und möchte zunächst eine Beruhigung des Landes abwarten. Diese kann nur gelingen, wie die Repression der Opposition aufhört und der potentielle Wohlstand des Landes, der bislang nur die Oligarchie im engsten Machtzirkel über die Maßen ernährt hat, gerechter verteilt wird und alle Bevölkerungsschichten erreicht. Libyen wiederum hatte 2007 den Bau eines AKWs mit Frankreich beschlossen.

 

Innovationen:

 

Plastik aus Kohlenstoffdioxid anstatt Erdöl
Der Chemiekonzern Bayer hat ein Verfahren vorgestellt, mit dem hochwertiger Kunststoff auf der Basis des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) anstatt auf Erdöl produziert wird. Der genaue chemische Prozess in der Pilotanlage wird allerdings geheim gehalten. Da bei dem Verfahren nicht nur Erdöl vermieden, sondern zugleich das klimaschädliche CO2 gebunden wird, lassen sich im entsprechenden Umfang auch Emissionszertifikate für Kohlendioxid verkaufen. Eine Anlage im industriellen Maßstab soll bis 2015 realisiert werden. Das CO2 kommt derzeit von dem benachbarten Kohlekraftwerk Niederaußen des Stromkonzerns RWE auf der anderen Rheinseite.

 

Weltweit modernste Recyclinganlage in Nürnberg
Die weltweit modernste Recyclinganlage der mittelständischen Adamec Recycling GmbH www.adamec.de für Elektronik- und Elektro-Altgeräteverwertung nimmt in Nürnberg ihren Testbetrieb auf. Mit der selbstentwickelten Anlage können deutlich mehr Metalle und Kunststoffe als bislang üblich zurück gewonnen werden. Das Investitionsvolumen beträgt rund 10 Millionen Euro. Die vollständige Inbetriebnahme ist für Mitte 2011 vorgesehen, die Recyclingquote liegt bei über 95 %, die jährliche Verarbeitungskapazität bei mehr als 35.000 Tonnen Elektroaltgeräte. Auch können zudem erstmals mit halogenhaltigen Flammschutzmitteln belastete Kunststoffe identifiziert und ausgeschleust werden. Das Ergebnis sind unbelastete Kunststoffe, die wieder problemlos stofflich zu verwerten sind.

 

Wasserstoff-Ladegerät für mobiles Aufladen von Akkus
Der Akku von mobilen Geräten wie Mobiltelefonen, Kameras oder MP3-Player müssen regelmäßig an die Steckdose zum Aufladen – was in entlegenen Gegenden oftmals ein Problem darstellt. Einen Ausweg soll das neu entwickelte Brennstoffzellen-Ladegerät des New Yorker Unternehmens Signa Chemistry und die schwedische Firma myFC bieten. Die taschengroße „Power Trekk“-Station greift dabei auf Wasserstoff zur Stromerzeugung zurück: Der Station muss lediglich Wasser zugeführt werden. In der Folge erzeugt das enthaltene Natriumsilicid Wasserstoff, der wiederum in einer Brennstoffzelle zur Stromerzeugung genutzt wird. Die Leistungsfähigkeit reicht dabei auch für das Aufladen von Laptops aus.

 

Umwelt:

 

Rekordschmelze des Grönlandeises
Auch wenn es in Deutschland nicht ankam: 2010 war global gesehen das wärmste Jahr der jüngeren Menschheitsgeschichte. Das hat zu einer außergewöhnlich langen Schmelzperiode des grönländischen Festlandeises geführt. Der Winter war schon mild und trocken, der Frühling begann dann sehr warm und früh. Verglichen mit den vorherigen Jahrzehnten dauerte die Schmelzperiode 2010 durchschnittlich 50-60 Tage länger. Dadurch hat Grönland 2010 schätzungsweise 530 Gigatonnen Eis verloren – das durchschnittliche Mittel der Jahre 1958-2009 beträgt 274 Gigatonnen jährlich.

 

Menschheit wird 2011 die 7 Mrd. Grenze knacken
Auf dem Kongress des Amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS wurde vor den Folgen des unkontrollierten Bevölkerungswachstums gewarnt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden wir noch dieses Jahr die Marke von 7 Mrd. Menschen auf der Erde knacken. In 40 Jahren (2050) könnte die Zahl auf 8-10 Mrd. anwachsen. Die genaue Zahl hängt von der Ernährungslage und dem Erfolg der Geburtenkontrolle in Afrika und Südasien ab. Dabei warnen die Experten, dass wir schon jetzt nicht alle Menschen ernähren können. Es wäre zwar theoretisch möglich, nicht aber mit der extremen Ungleichheit, die die jetzige Art des Wirtschaftens hervorruft (sowohl in den jeweils nationalen, wie auch im internationalen Kontext). Jason Clay vom WWF: „Wir müssen in den kommenden 40 Jahren die gleiche Menge von Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8.000 Jahren.“ Dabei benötigen wir derzeit einen Liter Wasser zur Erzeugung einer einzigen Kalorie an Nahrung; nur die Hälfte der globalen Getreideernte wird zur Ernährung der Menschheit genutzt, die andere wird an Tiere verfüttert und als Treibstoff eingesetzt. Wenn sich dieser Trend fortsetze, so Clay, dann „werden wir unseren Planeten bis 2050 nicht mehr wieder erkennen“.
 

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