Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 10

Energiepolitik:
1. EU-Kommission uneins über Klimaziele – Oettinger bremst
2. EEG-Umlage zu hoch berechnet – Verbraucher zahlen 1,3 Mrd. zu viel
3. Bioethanol-Mekka Brasilien versteht Deutschlands E10 Probleme nicht
4. Wasserkonflikt – Tadschikistans gigantisches Staudammprojekt
5. Russland will Bioverpackungen einführen

Öl und Gas:

6. Pipelineprojekte in Europa – der Gaskrieg
7. Russisch-türkische Energiekooperation
8. Untersuchung zur Korruption bei Öl und Gas
9. Ghana fördert seit 12-2010 Erdöl – Zwischenbericht
10. Siemens bereitet sich auf Ölverarbeitung in der Tiefsee vor

Innovationen:

11. Seiden-Transistoren für kostengünstige, flexible Displays
12. Neuartiges Herstellungsverfahren für Spulen für Elektromotoren

 

Energiepolitik:

 

EU-Kommission uneins über Klimaziele – Oettinger bremst
Die EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard, will kommende Woche Pläne vorstellen, die ein Heraufsetzen der EU-Klimaschutzziele von 20% CO2-Einsparung bis 2020 auf 25-30% erhöhen – und dies auch ohne Zusagen der notorischen Klimabremser USA und China. Dies ist nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll: Kürzlich hatte das Bundesumweltministerium den Entwurf der Leitstudie 2010 „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und Global“ veröffentlicht. Die Studie führt an, dass die deutsche Volkswirtschaft bis zur Jahrhundertmitte (2050) 670 Mrd. Euro gegenüber der Weiterführung einer fossilen Energieversorgung einspart. Laut der Studie „A New Growth Path for Europe“, ebenfalls im Auftrag des Bundesumweltministeriums erschienen, würde eine Erhöhung des europaweiten Emissionseinsparungsziels von 20 auf 30% innerhalb der nächsten zehn Jahren bis zu sechs Millionen Arbeitsplätze schaffen und einen durchschnittlichen jährlichen Wachstumsimpuls von 0,6% generieren kann. Dadurch würde das Bruttoinlandsprodukt in der EU innerhalb dieses Zeitraums um bis zu 620 Mrd. Euro ansteigen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger zeigte sich jedoch davon unbeeindruckt und nun einmal mehr als Blockierer und Verteidiger klimaschädlicher Technologien… (Artikel weiter lesen)

 

EEG-Umlage zu hoch berechnet – Verbraucher zahlen 1,3 Mrd. zu viel
Laut dem Stromportal Verivox beruht der Anstieg der EEG-Umlage für Erneuerbare Energien von 2,05 Cent auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde – der von den Stromkonzernen zur Begründung der Teuerungsrunde zum Jahreswechsel herangezogen wurde – auf einem Rechenfehler. Der Grund ist, dass im Jahr 2010 weniger Solaranlagen neu installiert wurden als ursprünglich angenommen. Laut einem Sprecher des Bundesumweltministeriums hätte die EEG-Umlage somit eigentlich nur auf 2,7 Cent pro Kilowattstunde ansteigen müssen. Für die privaten Haushalte in Deutschland bedeutet das eine Mehrbelastung von über 1,3 Mrd. Euro. Dies soll nun mit der EEG-Umlage des Jahres 2012 verrechnet werden. Bis dahin ist das im Prinzip ein zinsfreier Kredit, den die Verbraucher den Stromkonzernen gewähren. Peter Reese, Leiter der Energiewirtschaft bei Verivox: „Ob es sich bei der Fehlprognose um Absicht oder einen Rechenfehler handelt, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. In beiden Fällen ist das Resultat eine unnötige Milliardenbelastung privater Haushalte zugunsten der Energiewirtschaft.“

 

Bioethanol-Mekka Brasilien versteht Deutschlands E10 Probleme nicht
Brasilien fährt Kraft eines Gesetzes bereits seit Jahren mit E25-Benzin (25% Bioethanol) – und das ohne Probleme mit vielen aus Deutschland importierten Wagen. Kopfschüttelnd begegnet man daher dem Mediendesaster in Deutschland über das neu eingeführte E10-Benzin. Mit einer von Bosch und VW entwickelten "Flex-Fuel"-Technologie ist sogar das Fahren mit 100% Bioethanol möglich. Auch das Argument, der Biosprit führe zum Raubbau am Regenwald, ziehe im Falle Brasiliens nicht: Zuckerrohr wächst nicht in der Regenwaldregion, sondern 2.500 km vom Amazonas entfernt auf insgesamt 1,5% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Dabei wurde der Ertrag kontinuierlich gesteigert: Vor 10 Jahren wurden 3000 Liter Ethanol pro Hektar produziert, mittlerweile sind es bereits 8000 Liter und demnächst sollen es 14.000 Liter pro Hektar sein. In Schweden wird ebenfalls ein so genanntes E85 angeboten (85% Bioethanol). Fahrzeuge, die E85 tanken können, werden von herkömmlichen Ottomotoren angetrieben, bei denen nur ein paar Verschleißteile ausgetauscht werden, damit sie das Ethanol besser verkraften, die oben erwähnten „Flexi Fuel Vehicles“.

 

Wasserkonflikt – Tadschikistans gigantisches Staudammprojekt
Tadschikistans gigantisches Staudammprojekt – ein Statusbericht: Die zentralasiatische autoritär geführte (formale) Republik Tadschikistan (Grenzen zu Usbekistan, Kirgistan, China und Afghanistan) gewinnt derzeit rund 95% seiner Energieversorgung durch Wasserkraftanlagen. Im weltweiten Vergleich der Nutzung von Wasserkraft liegt Tadschikistan nach China, Russland, USA, Brasilien, Zaire, Indien und Kanada auf Platz 8. Das bestehende Wasserkraftwerk beim Nurek-Stausee ist mit 3.000 MW eines der größten der Welt. An dem Fluss Wachsch bei Rogun wurde bereits in sowjetischen Zeiten ein weiteres gigantisches Staudammprojekt (3.600 MW / mit geplanten 335 m Höhe die höchste Talsperre der Welt) begonnen, das zu 80% fertiggestellt wurde, dann gingen allerdings im Zuge des Umbruchs in der Sowjetunion 1991 die finanziellen Mittel aus. 2004 sah ein Vertrag mit Russland die Vollendung der Bauarbeiten sowie den Bau eines energieintensiven Aluminiumwerkes vor… (Artikel weiter lesen)

 

Russland will Bioverpackungen einführen
Der russische Premier Wladimir Putin hat sich für die Einführung von biologisch abbaubaren Verpackungen nach dem Vorbild Italiens ausgesprochen. Italien hat aufgrund seiner Müllproblematik zum Jahreswechsel 2011 die Vermarktung von konventionellen Plastiktüten verboten. Russland ist mit einem zunehmenden Abfallproblem konfrontiert. In den letzten fünf Jahren hat sich die Gesamtmenge von Abfällen in Russland um 50% auf mehr als 3,5 Mrd. Tonnen erhöht. Der Großteil davon landet auf Deponien.

 

Öl und Gas:

 

Pipelineprojekte in Europa – der Gaskrieg
Rund 80% des russischen Gases fließen über Pipelines in der Ukraine nach Westen. Die Ukraine hat daher eine gute Verhandlungsposition gegenüber Russland, die sie in den letzten Jahren öfter ausgespielt hat (Gasstreit). Daher werden derzeit zahlreiche Pipelines gebaut (Überblick), mit denen Russland seine Leitungen diversifizieren will, um von der Ukraine unabhängiger zu werden. Gleichzeitig treibt der Westen Pipelineprojekte voran, um von Russland unabhängiger zu werden… (Artikel weiter lesen)

 

Russisch-türkische Energiekooperation
Die russisch-türkische Regierungskommission führt derzeit weitere Gespräche über die Energiezusammenarbeit, insbesondere über die geplante Ölpipeline Samsun-Ceyhan sowie über den Bau der ersten vier Atomreaktoren der Türkei. Die Ölpipeline Samsun-Ceyhan soll von der türkischen Schwarzmeerstadt Samsun bis zum Mittelmehrhafen Ceyhan führen, 60-70 Mio. t Erdöl pro Jahr befördern und damit die überlasteten Meerengen Bosporus und Dardanellen umgehen. An dem Projekt ist auch die italienische ENI beteiligt. Ein entsprechender Vertrag soll noch bis Mitte März zustande kommen. Weiteres Thema ist die russische Unterstützung bei dem Bau der ersten vier Wasser-Wasser-Reaktoren mit einer Leistung von je 1,2 GW (Gesamtwert rund 20 Mrd. Dollar). Der Bau soll 2013 beginnen, der Netzanschluss ist ab 2018 vorgesehen.

 

Untersuchung zur Korruption bei Öl- und Gasunternehmen
Transparency International hat die Korruption in der Öl- und Gasbranche untersucht und dabei die international tätigen Öl- und Gasunternehmen unter die Lupe genommen. Dabei wurden drei Kriterien gemessen: Welche Angaben sie zu Anti-Korruptions-Programmen machen, wie transparent die Unternehmensstruktur ist und wie offen sie die Geschäftsbeziehungen in einzelnen Ländern darlegen. Fazit: Kein einziges der 44 überprüften Unternehmen schneidet in allen drei Bereichen so gut ab, dass es besonders hervorzuheben wäre. Am Undurchsichtigsten sind dabei die Zahlungen der Firmen an die (meist autokratischen und korrupten) Regierungen in den Förderländern – dies ist jedoch im Sinne der Korruptionsbekämpfung und der Entwicklungspolitik die wichtigste Kategorie. Am besten Schnitt hierbei der norwegische Öl-Konzern Statoil ab. Hintere Plätze belegen British Petroleum (BP), Exxon Mobil und Royal Dutch Shell. Fünf Unternehmen, darunter Petro China, machen dazu überhaupt keine Angaben. Totalverweigerer ist auch Gazprom, das weltweit größte Gasunternehmen. Allerdings hätten Transparenz und Korruptionsbekämpfung bei international tätigen Öl- und Gas-Unternehmen inzwischen einen höheren Stellenwert als noch vor wenigen Jahren. Es gebe jedoch noch sehr viel zu tun, damit auch die Bevölkerung in den rohstoffreichen Entwicklungs- und Schwellenländer von den großen Öl- und Gasvorkommen profitieren können.

 

Ghana fördert seit 12-2010 Erdöl – Zwischenbericht
2007 waren vor der Küste Ghanas reichhaltige Ölfunde (bis zu 4 Mrd. Barrel) entdeckt worden. Damit auch die Bevölkerung von den Einnahmen profitiert (gesellschaftlicher Zusammenhalt, Stabilität) hatte die Regierung ein Gesetz für mehr Transparenz versprochen – 30% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Im regionalen Vergleich ist Ghana jedoch vergleichsweise stabil. Patrik Reuter vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft: „Wenn man sich die Region anschaut, ist Ghana das politisch stabilste Land.“ Seit 20 Jahren gibt es freie Wahlen, zudem ist die Rechtssicherheit höher und die Korruption niedriger als in Nachbarstaaten. Seit Mitte Dezember 2010 fördern US- und britische Unternehmen das Öl, das entsprechende Gesetz ist seit zwei Jahren in Vorbereitung, fehlt jedoch bislang noch. Demnach soll ein Teil der Einnahmen in den allgemeinen Haushalt fließen, der andere in einen Zukunftsfond, wovon Schulen, Krankenhäuser und Straßen gebaut werden sollen. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien ist vorgesehen. Da Ghana jedoch Mitglied der internationalen Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft ist und zudem seine Pläne mehrfach öffentlich bekundet hat, scheint ein Rückschritt davon ausgeschlossen. Patrik Reuter: „Im Moment ist mein Eindruck, dass das Commitment der Regierung schon so groß ist und auch gegenüber internationalen Gebern geäußert wurde, dass man nicht mehr so richtig aus der Sache rauskommt.“

 

Siemens bereitet sich auf Ölverarbeitung in der Tiefsee vor
Der Anteil des offshore gewonnenen Öls ist seit 1977 von 10% auf 38% gestiegen. Rund 10% stammen aus Tiefen von über 1.000 m Wassertiefe. Die Probleme und die Gefahren dabei hat die Explosion der BP-Plattform „Deepwater Horizon“ vor knapp einem Jahr verdeutlicht. Der neue Trend ist nun die Verarbeitung von Öl und Gas direkt am Meeresboden. Anstatt das Gemisch von Öl, Gas, Schlick und Wasser über eine Tausende Meter lange Leitung zu den Bohrinseln an der Oberfläche zu befördern, wird es direkt am Meeresgrund gereinigt und weitergeleitet. Doch dafür benötigt man Trafos, Schaltanlagen und Elektromotoren, die den Wasserdruck aushalten – und die Siemens baut. Um die Fertigungstiefe der eigenen Produktion zu erhöhen hat Siemens nun die Tiefbohrtechnikspezialisten Bennex und Poseidon von deren norwegischer Mutter Subsea Technology Group übernommen. Tom Blades, Chef der Siemens-Sparte Öl und Gas, zu den verschärften Sicherheitsauflagen nach der Ölpest im Golf von Mexiko: „Die neuen Regeln kommen uns entgegen, weil es mehr Kontrollsysteme am Boden geben wird. (…) Wenn man unten am Meeresboden mehr Elektronik sowie Kontroll- und Steuerungstechnik hat, werden Störungen beherrschbarer und eskalieren nicht so leicht zu Unglücken.“ Der Markt für die Verarbeitung von Öl und Gas in der Tiefsee beläuft sich derzeit auf 23 Mrd. Dollar und soll sich bis 2020 weiter verdoppeln.

 

Innovationen:

 

Seiden-Transistoren für kostengünstige, flexible Displays
An der Taiwanesischen National Tsing Hua University haben Forscher aus dem organischen (Textil-)Stoff Seide organische Dünnschicht-Transistoren hergestellt, die sich beispielsweise in E-Reader oder OLED-Displays einsetzen lassen. Das Seidenfibroin, der Hauptbestandteil der Textilfaser, wird dabei als isolierender Bestandteil der Transistoren aus einem gängigen organischen Halbleiter eingesetzt. Die Ladungsträgerbeweglichkeit der Seiden-Transistoren übertrifft dabei bisherige organische Transistoren um den Faktor 20. Zudem sind die Displays auch flexibel und der Grundstoff Seide ist auch deutlich günstiger als bisher verwendete Materialien. Taiwanesische Elektronikhersteller haben bereits konkrete Nutzungsanfragen gestellt. In zwei Jahren dürfte die erste Seiden-Elektronik auf den Markt kommen.

 

Neuartiges Herstellungsverfahren für Spulen für Elektromotoren
Fraunhofer-Forscher haben ein neuartiges Herstellungsverfahren für Spulen für Elektromotoren entwickelt, das auf der Messe in Hannover vom 4. bis 8. April der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Spulen sind ein zentrales Funktionselement eines Elektromotors. Dabei sind sie starken Erschütterungen und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Durch das neue Herstellungsverfahren mittels Gießtechnik ist es möglich, nicht nur kompaktere, sondern auch leistungsfähigere und kostengünstigere Elektromotoren zu produzieren. Dabei kann der für die Drahtwicklung vorgesehenen Raum – die Nut – mit mehr Kupfer ausgefüllt werden als mit der bisherigen konventionellen Wickeltechnik (90% statt 60%). Je mehr Kupfer nun in die Nut eingebracht werden kann, umso mehr spezifische Leistung (Wirkungsgrad) bringt der Elektromotor. Im Ergebnis werden die Elektromotoren kompakter und leichter, auch die Fertigungskosten werden gesenkt.

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