Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 15

Atomkraft:
1. Russland baut „Atomkraftwerke von morgen“
2. Atomausstieg bis 2015 und Kohleaus bis 2030 ergibt Gewinn von 35 Mrd. Euro
3. Atomkatastrophe in Japan auf höchste Gefahrenstufe hochgestuft
4. Hat Tschernobyl 8.930 oder 1,44 Mio. Todesopfer gefordert?
5. Siemens steigt bei Atom-Joint-Venture mit Areva aus

Erneuerbare Energien und Umwelt:

6. BUND-Maßnahmenkatalog für eine beschleunigte Energiewende
7. Leistungsstärkste Windkraftanlage erhält Zwilling am Lausitzring
8. Japan: Debatte über zukünftige Energiepolitik
9. 700 Plastikteile auf 100 Meter Nordseestrand

Öl und Gas:

10. Katastrophen-Bohrfirma stellt neuen Tiefseerekord auf
11. Ukraine will Multi-Billionenschatz an Gasvorräten schneller fördern
12. Russland profitiert von steigenden Gaspreisen und strengem Winter
13. EU wieder mit Aufwind im Kampf um kaspische Gasfelder

 

Atomkraft:

 

Russland baut „Atomkraftwerke von morgen“
„Wenn man sich die Aufgabe stellt, nach den Unfällen im AKW Fukushima in Japan zu vermuten, was dem Projekt eines Atomkraftwerkes noch hinzuzufügen ist, damit es alle denkbaren Kombinationen – Erdbeben, Tsunamis, Verlust von Wasser, Strom und allem anderen – aushält, so bekommen wir das AKW Kudankulam“, so Sergej Kirijenko, Chef der russischen Atomholding Rosatom anlässlich der kurz bevorstehenden Netzanbindung des neuen Atomkraftwerks im indischen Kudankulam (zwei Wasser-Wasser-Reaktoren russischer Bauart mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW / Baubeginn 2002). Im März 2011 begannen die Erprobungen, der Netzanschluss ist für den laufenden Monat vorgesehen. Ursprünglich war die Erweiterung auf acht Reaktoren an diesem Standort geplant. Der indische Umweltminister Jairam Ramesh zog jedoch eine recht eigenwillige Lehre aus der Atomkatastrophe in Japan: „Vielleicht soll man statt eines großen Atomkraftwerks mehrere kleinere bauen.“

 

Atomausstieg bis 2015 und Kohleaus bis 2030 ergibt Gewinn von 35 Mrd. Euro
35 Milliarden Euro Gewinn durch einen schnellen Atomausstieg und verstärkten Klimaschutz. Grund seien vor allem die vielen neuen Arbeitsplätze, die dezentrale Energieversorgung, bei der sich die Bürger gegenseitig Strom verkaufen und davon profitieren (besonders einkommensschwache Regionen) und das Zurückfahren der jährlichen Milliardenabflüsse an die Ölstaaten des Nahen und Mittleren Ostens. Greenpeace hat nun konkrete Zahlen durchgerechnet und veranschlagt für einen zügigen Atomausstieg bis 2015 und die Abschaltung aller großen Kohlekraftwerke bis 2030 Investitionen in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro. Dem stehen allerdings 145 Milliarden Euro an Einsparungen gegenüber, etwa bei den Ausgaben für Brennstoffe – demnach ein Nettogewinn von 35 Milliarden Euro. Auch ein früherer Atomausstieg bis 2013 sei zu überschaubaren Kosten möglich. Im Vergleich zum Restrisiko der deutschen Atomkraftwerke seien die nötigen Investitionen für den Ausstieg bis 2013 „marginal“. Die Leitstudie 2010 des Bundesumweltministeriums hatte bereits angeführt, dass die deutsche Volkswirtschaft bis zur Jahrhundertmitte insgesamt 670 Milliarden Euro gegenüber der Weiterführung einer fossilen Energieversorgung einsparen kann (im Schnitt ergibt das ab heute gerechnet rund 17 Milliarden Euro pro Jahr).

 

Atomkatastrophe in Japan auf höchste Gefahrenstufe hochgestuft
Die japanische Regierung hat die Atomkatastrophe in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima in die höchste Gefahrenstufe 7 eingestuft (von Stufe 5 „ernster Unfall“ auf Stufe 7 „katastrophalen Unfall“). Damit schwinden auch die Hoffnungen, das Unglück doch noch in den Griff zu bekommen. Bislang war lediglich Tschernobyl 1986 in diese Kategorie eingestuft worden. Nach Angaben der Regierung betrage die freigesetzte Radioaktivität bislang allerdings „nur“ ein Zehntel der Menge, die 1986 in Tschernobyl abgegeben wurde (die Freisetzung in dem graphitmoderierten, wassergekühlten Siedewasser-Druckröhrenreaktor sowjetischer Bauart in Tschernobyl erfolgte damals im Unterschied zu Japan explosionsartig: Bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986 stieg die Anzahl der Kernspaltungen innerhalb von Sekunden aufgrund von Bedienfehlern rapide an, die schnell ansteigende Hitze verbog Metall und Reaktorstäbe und der Kern konnte nicht mehr gekühlt werden. Es kam zur Explosion, die das Reaktorgebäude sprengte und durch die innerhalb des Reaktors 1.500 Tonnen hochbrennbares Graphit in Brand gerieten. Der gewaltige Feuersturm riss radioaktive Materialien kilometerhoch in die Atmosphäre, wo sie dann von starken Winden erfasst und über weite Teile Europas und der Sowjetunion verteilt wurden.) Die Gefahrenstufe 7 bedeutet nun konkret:  „Schwerste Freisetzung: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld." Der Grenzwert für die jährliche Belastung von einem Millisievert sei auch bereits in Regionen außerhalb der 20-km-Evakuierungszone, die mehr als 60 km nordwestlich und bis zu 40 km südwestlich liegen, überschritten worden. Innerhalb der Evakuierungszone variiert die Belastung zwischen einem bis zu 100 Millisievert, in der Zone zwischen 20-30 km würde die Belastung unter 50 Millisievert liegen. Die USA hatten bereits Mitte März ihre Staatsbürger aufgefordert, mindestens 80 km von dem Unglücks-AKW entfernt zu bleiben. Der Konzern Toshiba, der vier der sechs Reaktoren gebaut hat (davon zwei in Lizenz vom US-Konzern General Electrics), geht von mindestens 10 Jahren aus, bis die Gesamtanlage durch den Abbau der Brennstäbe und der Reaktoren sicher gemacht werden kann. Diese Zeitangabe wird als sehr optimistisch eingestuft, die Kosten auf einen hohen Milliardenbetrag geschätzt und die Gesundheit unzähliger Arbeiter beim Rückbau weiter gefährdet. Im Unterschied zu Tschernobyl oder der Kernschmelze in Three Miles Island 1979, wo es sich jeweils nur um einen Reaktor gehandelt hatte, sind hier vier Reaktoren betroffen und ebenso viele Abklingbecken mit Tausenden von Brennstäben.

 

Hat Tschernobyl 8.930 oder 1,44 Mio. Todesopfer gefordert?
Die Frage der Opferzahl durch den Super-Gau im AKW Tschernobyl am 26. April 1986 ist immer noch nicht geklärt. Damals wurden 800.000 Männer als Liquidatoren ins Strahleninferno geschickt, um die Folgen des Unglücks einzudämmen. Das Tschernobyl-Forum – angeführt von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – geht von „weniger als 50 Toten“ aus, die direkt in Verbindung mit dem Unfall stehen. Hinzukämen 3960 Krebstote unter den Liquidatoren, den Evakuierten und den Bewohnern der Kontrollzone. In anderen kontaminierten Gebieten Russlands, Weißrusslands und der Ukraine kämen weitere 4.970 Menschen hinzu, die an Krebs sterben. Das ergibt zusammen 8.930 Krebstote. Alexej Jablokow von der russischen Akademie der Wissenschaften und ehemaliger Umweltberater von Boris Jelzin geht allerdings von weitaus größeren Opferzahlen aus: 1,44 Millionen Toten weltweit, wenn vorgeburtliche Todefälle miteinbezogen werden sogar von 1,6 Millionen. Laut Jablokow könne die WHO bei der Atomkraft zudem nicht unabhängig forschen, da sie durch eine Resolution aus dem Jahr 1959 bei allen Projekten zur Radioaktivität an die IAEA gebunden sei – dies sei eine Lobby-Behörde zur Förderung der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Die Schätzungen würden vor allem so weit auseinander liegen, da es an Informationen fehle, etwa darüber, wie viel Radioaktivität bei dem Super-GAU tatsächlich frei gesetzt wurde. Zudem ist der Nachweis, dass Krebs durch genau diese Strahlenbelastung entstanden ist, fast unmöglich. Zu der aktuellen Nuklearkatastrophe in Japan sagte der Chef der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) Sebastian Pflugbeil, dass aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Japan vermutlich bis zu 40 Mal mehr Menschen an den Auswirkungen der Radioaktivität leiden werden. Allerdings weiß auch Pflugbeil nicht, welche Zahl mit 40 zu multiplizieren sei. Zu Tschernobyl: „Wie viele es tatsächlich sind, wird man nie sagen können.“

 

Siemens steigt bei Atom-Joint-Venture mit Areva aus
Siemens steigt aus dem gemeinsamen Unternehmen Areva NP mit dem Konzern Areva aus. Für seine Beteiligung erhält Siemens vorerst 1,62 Milliarden Euro. Den genauen Preis wird ein Schiedsgericht festlegen. Genauso wie einen weiteren strittigen Punkt: Siemens wehrt sich gegen eine Klausel, wonach man nach der Trennung von Areva acht Jahre lang keine nukleare Kraftwerkstechnik mehr verkaufen darf. Siemens bewertet das als rechtswidriges Wettbewerbsverbot. Die EU-Kommission prüft nun den Fall. Damit verfestigen sich insgesamt jedoch auch die Gerüchte, dass Siemens komplett aus dem Atomgeschäft aussteigen werde. Sein Zukunftsgeschäft sieht Siemens in dem energetischen Umbau der Welt und in dem Geschäft mit den großen Metropolen (Löscher: "Siemens ist der grüne Infrastruktur-Pionier").

 

Erneuerbare Energien und Umwelt:

 

BUND-Maßnahmenkatalog für eine beschleunigte Energiewende
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat anlässlich der für Freitag anberaumten Konferenz des Kabinetts mit den Ministerpräsidenten der Länder einen Maßnahmekatalog für eine beschleunigte Energiewende vorgelegt. Der BUND-Maßnahmenkatalog umfasst folgende sechs Kernpunkte:
1. Atomkraftwerke „wegsparen“: Dazu gehört die Auflegung eines Energiespar-Sofortprogramms inklusive der Installierung eines Energie-Effizienzfonds, der mit einer Milliarde Euro pro Jahr ausgestattet werden sollte. Das Energiespar-Sofortprogramm kann mindestens ein Atomkraftwerk pro Jahr „wegsparen“.
2. Erneuerbare Energien schneller ausbauen: Die genehmigten Offshore-Windparks müssen schnell errichtet werden. Und auf zwei Prozent ihrer jeweiligen Landesfläche müssen die Bundesländer Vorrangflächen für die Windenergie ausweisen.
3. Erneuerbare Energien vernetzen und integrieren: Regenerative Kombikraftwerke anreizen: Ein Stetigkeitsanreiz für das Zusammenschalten verschiedener regenerativer Erzeugungsanlagen mit Speichern und Maßnahmen zum Lastmanagement muss schnell eingeführt werden. Wenn der Netzumbau sich ausschließlich an den Erfordernissen der Erneuerbaren Energien orientiert, sinkt auch der Bedarf an neuen Höchstspannungsleitungen. Eine öffentliche und transparente Netzplanung erhöht zudem die Akzeptanz für den Netzausbau.
4. Den Bau effizienter Gas-Kraftwerke fördern: Als Ergänzung zu den Erneuerbaren Energien und um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, werden neue flexible Gas-Kraftwerke – natürlich mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – benötigt. Dazu sind klare Rahmenbedingungen wie ein Neubauverbot für Kohlekraftwerke und die bessere Förderung für KWK erforderlich.
5. Impulsprogramm für Mikro-KWK: Ein bundesweites Impulsprogramm für dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Förderungen, Fortbildungen und eine gezielte Planung kann kurzfristig 30 Terrawattstunden mehr Strom aus KWK-Anlagen bringen.
6. Effiziente Gebäudeheizungen – Wärmedämmung: Die Vorschriften für die energetische Sanierung müssen schnell verschärft und das Gebäudesanierungsprogramm auf fünf Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt werden. Dann müssen wir trotz neuer Gaskraftwerke nicht mehr Gas importieren.

 

Leistungsstärkste Windkraftanlage erhält Zwilling am Lausitzring
Die Rennstrecke „Lausitzring“ im Süden Brandenburgs wird künftig mit grünem Strom versorgt. Ein einziges 199 Meter hohes Windrad soll ausreichend Strom für die Rennstrecke liefern. Die weltweit größte Windkraftanlage ist ein Zwilling der bereits Anfang 2011 auf dem Firmengelände des Herstellers Enercon in Magdeburg errichteten Rekordwindkraftanlage. Die Leistung beträgt 7,5 Megawatt (Weltrekord), womit jährlich 17 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden sollen, was einem durchschnittlichen Bedarf von 4.800 Haushalten entspricht. Die Investitionskosten liegen bei 14 Millionen Euro. Die Anlage werde die Rennstrecke komplett mit Strom versorgen können, zudem könnten drei Viertel des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist werden.

 

Japan: Debatte über zukünftige Energiepolitik
Pressemitteilung von Germany Trade and Invest: Mit der Kernenergie in eine schadstoffärmere und trotzdem sichere Energiezukunft. So konnte man die japanische Planung für den Energiesektor zusammenfassen, zumindest vor dem Reaktorunglück von Fukushima. Japan beginnt nun über ein neues Energiekonzept und eine stärkere Diversifizierung zu diskutieren; erneuerbare Energien dürften künftig an Bedeutung gewinnen.
So hat das japanische Wirtschaftsministerium (METI) den Einspeisetarif für Solarstrom umstrukturiert. Bisher erhielten private Haushalte 48 Yen pro Kilowattstunde, die sie wieder ins Netz einspeisten. Jetzt sind es 42 Yen (etwa 0,36 Euro; 1 Euro = rund 117 Yen). Die Vergütung für gewerbliche Einrichtungen allerdings wird verdoppelt – von 20 auf 40 Yen: "Mit der Umstellung des Einspeisetarifs will die japanische Regierung vor allem die Verbreitung von Solarstrom im Nicht-Wohnsektor voranbringen", so Detlef Rehn, Analyst von Germany Trade & Invest in Japan. Von den 623 MW, die im Haushaltsjahr 2009 an neuen Solarstromkapazitäten geschaffen wurden, waren nur 12% für Unternehmen bestimmt. Bis 2020 soll diese Quote auf etwa 30% steigen. "Motiv für die Förderung des Solarstroms ist jedoch nicht allein der Umweltgedanke, sondern auch die Absicht, den heimischen Herstellern von PV-Anlagen zu helfen", so Detlef Rehn weiter. Die japanischen Unternehmen haben in den letzten Jahren an internationaler Wettbewerbsfähigkeit etwas eingebüßt. Gemessen an der gesamten installierten Kapazität von 2,6 GW war Japan 2009 weltweit der drittgrößte PV-Markt (Marktanteil 11,5%), hinter Deutschland (9.7 GW, 42.2% Weltmarktanteil) und Spanien (3.4 GW, 14.9%). Der Anteil der Solarenergie an der gesamten Elektrizitätsproduktion in Japan lag 2008 bei gerade einmal 0,2% (Quelle: International Energy Agency). Zum Vergleich: In Deutschland liegt er bei 2%.
"Die erneuerbaren Energien und besonders der Solarstrom werden in Japan wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen, doch trotzdem nur ein Nischendasein führen", so Detlef Rehn von Germany Trade & Invest. Die Bank Sarasin schätzt, dass das durchschnittliche jährliche Wachstum der neu installierten PV-Leistung von 2009 bis 2015 bei etwa 30% liegen wird.

 

700 Plastikteile auf 100 Meter Nordseestrand
Mehr als 20.000 Tonnen Plastikmüll landen jährlich allein in der Nordsee. Dabei werden rund 80 Prozent aus Flüssen in die Meere gespült, der Rest wird geschreddert oder als Ganzes über Bord geworfen worden. Aufgrund der Meeresströmungen haben sich mittlerweile zwei riesige "Inseln" aus Plastikmüll in den Ozeanen gebildet: Der größere in der Mitte des Pazifiks, der etwas kleinere – von der Größe Deutschlands und Polens zusammen – befindet sich im Nordatlantik. Nach einer Untersuchung des Naturschutzvereines Mellumrat finden sich auf 100 Meter Nordseestrand mittlerweile durchschnittlich 700 Plastikteile (Zahnpasta-Tuben, Shampoo-Flaschen, Klobürsten, Plastikgranulat etc.). Von Tieren werden die durch die Erosion und Wellenbewegungen zerkleinerten Plastikteile häufig mit Nahrung verwechselt. Derart mit unverdaulichem Plastik „vollgestopfte“ Tiere verenden häufig qualvoll.

 

Öl und Gas:

 

Katastrophen-Bohrfirma stellt neuen Tiefseerekord auf
Im April hatte die Explosion der Tiefseeölplattform „Deepwater Horizon“ die zweitschlimmste Ölkatastrophe der Geschichte verursacht. Neun der elf getöteten Arbeiter auf der Plattform kamen von dem Betreiber Trancocean. Kürzlich hatte das Unternehmen jedoch ernsthaft behauptet, 2010 statistisch gesehen – bis auf die neun Toten – einen eigenen Sicherheitsrekord aufgestellt zu haben. Zur Belohnung gab es umfangreiche Boni für die Manager. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte hingegen unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung berichtet, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor der Katastrophe nicht erledigt worden, darunter vor allem jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt 136 Plattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee. Nun hat das Bohrunternehmen einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ vor Indien bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Plattform „Deepwater Horizon“ hatte 1.600 Meter unter dem Meeresspiegel gebohrt. Es hatte drei Monate gedauert, bis das Leck geschlossen werden konnte.

 

Ukraine will Multi-Billionenschatz an Gasvorräten schneller fördern
Gegenwärtig deckt die Ukraine mit 15 Atomreaktoren über die Hälfte seiner Stromerzeugung. In dem Land steht auch der Atom-"Sarkophag" des Katastrophen-AKWs Tschernobyl. Die Ukraine ist auch das wichtigste Transitland für Erdgas aus Russland: Über 80 Prozent des nach Europa importierten russischen Gases wird durch die Ukraine geleitet. Dabei fördert das Land selber jährlich rund 20 Milliarden Kubikmeter Gas für den Eigenbedarf und kauft zusätzliche 40 Milliarden in Russland ein. Nun will Kiew verstärkt seine rieseigen Öl- und Gasvorkommen erschließen. In Singapur wurde bereits eine moderne Bohrinsel gekauft, die dann ab Herbst im größten Ölvorkommen im Schwarzmeerschelf eingesetzt werden soll. Insgesamt soll die Förderung vorerst mindestens verdoppelt werden. Dafür werden jedoch fortschrittliche Technologie benötigt (Tiefseeförderung) und daher Joint Venture mit russischen Förderern angestrebt. Die gesamten einheimischen Schiefergasvorräte (unkonventionelle Gaslagerstätte) seien zudem die größten in Europa und werden auf 5.000 Mrd. bis 8.000 Mrd. Kubikmeter geschätzt, die konventionellen Schelfgas-Lagerstätten im Festlandsockel des Schwarzen Meeres noch gar nicht mit eingerechnet. Die Vorräte an Grubenmethan in den Bergbauregionen Donetsk und Luhansk machen insgesamt 7.000 Mrd. bis 8.000 Mrd. Kubikmeter aus, das wären 2,9% der Weltvorräte. Derzeit kosten 1.000 Kubikmeter Erdgas an den Spotmärkten rund 350 Dollar. Die Reserven übersteigen also insgesamt die Billionen-Euro-Grenze um ein Vielfaches.

 

Russland profitiert von steigenden Gaspreisen und strengem Winter
Der russische Staatsmonopolist Gazprom hat seine Gasausfuhren im ersten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 73 Milliarden Kubikmeter gesteigert. Dabei stieg der durchschnittliche Preis von 293 auf 346 Dollar je 1000 Kubikmeter – dieser liege allerdings laut Gazprom-Chef Miller immer noch deutlich unter dem europäischen Spotmarktpreis von rund 400 Dollar aufs Jahr 2010 gerechnet. Im ersten Quartal wurden nun 142,6 Milliarden Kubikmeter gefördert, davon wurden 103 Milliarden Kubikmeter auf dem russischen Binnenmarkt verkauft. Aufgrund der hohen Preise für fossile Energieträger korrigierte nun auch der IWF seine Wachstumsprognose für Russland in dem Jahresbericht „World Economic Outlook“ nach oben: Nach 4 Prozent in 2010 werde das russische BIP in 2011 um weitere 4,8 Prozent (bislang 4,5 Prozent) wachsen, in 2012 dann um 4,5 Prozent (bislang 4,4 Prozent). Das russische Kabinett geht bislang noch von 4,2 Prozent im laufenden Jahr aus.

 

EU wieder mit Aufwind im Kampf um kaspische Gasfelder
Aserbaidschan, zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer gelegen, verfügt über die legendäre Ölstadt Baku und ausgedehnte Gasreserven. Die Regierung versucht nun, dieses Potential noch stärker zu nutzen und wirbt um Investitionen im Umfang von 20 Milliarden Euro. Damit ließe sich die Exportmenge von derzeit 17-18 Milliarden Kubikmeter pro Jahr mindestens verdoppeln. An Europa gewandt sagte Präsident Ilcham Alijew: „Das Beste wäre eine Koordination der Anstrengungen sowie gemeinsame Aktivitäten der Hersteller und der Verbraucher und, wenn notwendig, auch der Transitländer.“ Diese Äußerung Richtung Europa ist insofern bemerkenswert, da bereits seit einigen Jahren Russland, die EU und zuletzt auch das energiehungrige China um die reichen Gasfelder Aserbaidschans konkurrieren. Dieses ist sich seiner Schlüsselrolle und auch der Endlichkeit des Produkts und damit steigender Preise bewusst und konnte sich bislang entsprechend Zeit lassen. (Pipelines verbinden Aserbaidschan mit Russland, über die Öl- und Gasreichen zentralasiatischen Ländern an dem Ostufer des kaspischen Meeres mit China, über Georgien mit türkischen Mittelmeerhäfen und über die geplante Nabucco-Pipeline dann mit Europa unter Ungehung Russlands.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.