Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 16

Energiepolitik:
1. Ethik-Kommission kündigt „neue industrielle Revolution“ an
2. Baden-Württemberg begrünt den EnBW-Aufsichtsrat
3. Kontroverse über die Förderungskürzung der Kernfusion

Atomkraft:
4. 25 Jahre nach Tschernobyl überschreiten die Folgekosten 235 Milliarden Dollar
5. Italien steigt aus dem Wiedereinstieg in die Atomkraft wieder aus
6. Russland lässt über alte AKWs „Gras wachsen“
7. Beratungsresistenter RWE-Chef Großmann im Kreuzfeuer der Kritik

Öl und Gas:
8. BP verklagt Transocean auf 40 Mrd. Dollar Schadenersatz
9. EU-Kommission zwingt das Gasland Ukraine sich zu entscheiden: EU oder Zentralasien
10. US-Amerikaner beten vor Tankstellen um billigeren Sprit
11. ADAC empfiehlt, immer sonntags zu tanken
12. Nord Stream ist im Juli 2011 fertig

Erneuerbare Energien:
13. Solar Millennium auf Milliarden Zielgerade in den USA
14. Spezialglas mit Mehrfachreflektion erhöht Leistung von PV
15. Chinesisches Gras zum Heizen, Bauen, als Energieträger und Kunststoff

Gentechnik:
16. Lediglich 20-30% der deutschen Eier gentechnikfrei

 

Energiepolitik:

 

Ethik-Kommission kündigt „neue industrielle Revolution“ an
Die Ethik-Kommission unter Leitung von Klaus Töpfer (CDU), ehemaliger Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP und Ex-Umweltminister, setzt sich aus 17 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zusammen. Darunter: der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, der international anerkannte Soziologe und Risikoforscher von der LMU, Professor Ulrich Beck, sowie der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD). Damit wird im Unterschied zu den rein monetären Verhandlungen um die Laufzeitverlängerung, die Mitte 2010 weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des für Reaktorsicherheit zuständigen Ministeriums geführt wurden, diesmal ein breiter gesellschaftlicher Konsens angestrebt. Während sich die zum Umweltministerium gehörende Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) um die technischen Fragen kümmert, soll sich die Ethik-Kommission mit der gesellschaftlichen Dimension der Kernkraft und der regenerativen Energiewende befassen. Für den 28. April ist die erste öffentliche Veranstaltung der Ethik-Kommission angesetzt. Bis Ende Mai soll die Kommission dann ihre Arbeit abgeschlossen haben und der Regierung einen Bericht übergeben, auf dessen Grundlage dann bis Mitte Juni der Atomausstieg gesetzlich geregelt werden soll. Kommissions-Chef Töpfer hat sich unterdessen in einer Zwischenmeldung für einen tiefgreifenden Umbau der Stromversorgung in Deutschland ausgesprochen und unterstrich die Bedeutung der anstehenden Energiewende mit den Worten: „Wir gehen davon aus, dass das, was vor uns steht, so eine Art neue industrielle Revolution ist.“ Es gehe zwar darum, „auf die Kernenergie in Deutschland zu verzichten“, allerdings dürfe die Energiewende die Klimaschutzziele sowie auch doe Sozialverträglichkeit nicht vernachlässigen und den Strompreis nicht über Gebühr erhöhen, um sowohl den Bürger als auch die Industrie nicht zu sehr zu belasten, was im letzteren Fall Arbeitsplätze bedrohen würde. Dies ist allerdings mit den vom Strompreis unabhängigen positiven Beschäftigungs- und Einkommenseffekten durch die regenerative und dezentrale Energiewende extrem schwer gegen zu rechnen. Töpfer betonte zudem, man dürfe sich nicht selbst in die Tasche lügen, indem Atomstrom aus dem Ausland importiert werde. Im Gespräch ist ein Importverbot für Atomstrom. Stattdessen könnte mit den Energiekonzernen ein Passus vertraglich vereinbart werden, nur noch Strom aus regenerativen Energiequellen zu importieren, etwa aus Skandinavien. Aufgabe der Ethik-Kommission ist nicht nur, eine Zeitspanne für den Ausstieg zu empfehlen, sondern auch, den Weg dahin aufzuzeigen.

 

Baden-Württemberg begrünt den EnBW-Aufsichtsrat
Der Energieversorger EnBW bezieht bislang rund die Hälfte seines Stroms aus Atomkraftwerken. Noch unter dem jüngst gescheiterten Ministerpräsidenten Mappus (CDU) hatte das Land im Dezember 2010 für knapp 5 Milliarden Euro den 45-prozentigen Anteil an dem Energieriesen von dem französischen Energiekonzern EdF übernommen. Der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bereits angekündigt, den Versorger stärker auf erneuerbare Energien ausrichten zu wollen. Dafür werden nun die Weichen in Form der Personalien gestellt: In seinen letzten Monaten hatte Mappus noch eine Reihe von Vertrauten in das Aufsichtsratsgremium entsandt: Darunter der CDU-nahe Wolfgang Franz (Vorsitzender der Wirtschaftsweisen), Hubert Lienhard und Rainer Dulger, die ebenfalls von Schwarz-Gelb bestellt wurden, sowie Staatsminister Helmut Rau (CDU) und Justizminister Ulrich Goll (FDP), die vom Land in das Kontrollgremium geschickt wurden. Wolfgang Franz hatte bereits seinen Verzicht erklärt. Als erste Personalie der grünen Landesregierung soll nun die frühere Bundesvorsitzende der Grünen, Gunda Röstel, in den Aufsichtsrat einziehen.

 

Kontroverse über die Förderungskürzung der Kernfusion
In dem geplanten „Internationalen thermonuklearen Experimentalreaktor“ (Iter) soll ab 2018 die Kernfusion erforscht werden. In dem Prozess verschmelzen die Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium zu Helium-Atomen und setzen dabei gigantische Mengen nutzbarer Energie frei: Ein Gramm Brennstoff könnte 90.000 Kilowattstunden Energie erzeugen, das entspricht der Verbrennungswärme von 11 Tonnen KohleDie Reaktion gilt als sicher, da sie sich anders als bei der Kernspaltung nicht verselbstständigen kann. Allerdings sind die Probleme, die Kernreaktion überhaupt am Laufen zu halten, enorm: Das Plasma muss von einem starken Magnetfeld eingeschlossen auf über 100 Millionen Grad Celsius erhitzt werden. Aufgrund dieser Herausforderung dürfte die Technologie erst ab 2050 kommerziell nutzbar sein – zu diesem Zeitpunkt werden die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß allerdings aufgrund der internationalen Klimaabkommen und durch die Weiterentwicklung der Erneuerbaren Energien bereits um 80 bis 95 Prozent reduziert haben. Die Notwendigkeit des Projekts wird damit in Frage gestellt. Zur erneuten Diskussion haben jetzt die ausufernden Kosten beigetragen. Die Kosten für den Experimentalreaktor Iter haben sich mit dem Stand von Mitte 2010 bereits von fünf auf 15 Milliarden Euro verdreifacht (Europa trägt 50 Prozent, den Rest die USA, China, Russland, Japan, Indien und Südkorea). Kritiker argumentieren daher, diese Forschung würde die gegenwärtige Energiewende behindern und den finanziellen Rahmen für andere sinnvolle Vorhaben beschränken. So hatte dann auch die EU (Europäische Atomgemeinschaft) im November 2010 ihr Engagement für Iter bekräftigt, aber gleichzeitig den europäischen Beitrag zur Bauphase des Iter bis 2020 auf 6,6 Milliarden Euro begrenzt und zugleich den anerkannten Bedarf von 1,4 Milliarden Euro in den Jahren 2012-2013 um 100 Millionen Euro zu reduzieren. Der Bundesrat hatte diesem Beschluss zur Beschränkung der Kernfusionsforschung am letzten Freitag zugestimmt. Wiederspruch kommt nun allerdings aus Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan bekräftigten am Rande des Energiegipfels in Berlin das Festhalten an den deutschen Forschungsprojekten zur Kernfusion. Dabei geht es vor allem um den Greifswalder Standort des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, an dem mit dem Experiment „Wendelstein 7-X“ die Grundlagen der extrem Leistungsstarken Magnetfelder für den Einschluss des Plasmas erarbeitet werden. Merkel: Der Bund werde seine Mittel für „Wendelstein 7-X“ nicht kürzen „Wir werden das Forschungsprojekt nicht aufgeben.“


Atomkraft:


25 Jahre nach Tschernobyl überschreiten die Folgekosten 235 Milliarden Dollar
Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, in der Nacht zum 26. April 1986 um 01:24 Uhr, explodierte in der Ukraine der Reaktor 4 des AKW Tschernobyl. Dadurch wurde das Dach des Reaktorgebäudes weggesprengt und über 1.500 Tonnen hoch brennbares Graphit gerieten in Brand. Aufgrund eines konstruktionsbedingt fehlenden inneren Sicherheitsbehälters (Containment) riss der gewaltige Feuersturm die radioaktiven Partikel ungehindert kilometerweit in die Höhe, wo sie von den Winden über weite Teile der Sowjetunion und Europas verteilt wurden. Die bis dato schwerste Katastrophe der zivilen Atomkraft hat gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Folgeschäden von geschätzten 235 Milliarden Dollar verursacht. 5 Prozent des ukrainischen und 23 Prozent des weißrussischen Territoriums wurden mit Casium-137 radioaktiv kontaminiert. Allein Belarus leitet laut dem Vertreter der weißrussischen Botschaft in Berlin, Andrei Schuplak, jährlich 10-25 Prozent der Haushaltsmittel in die Überwindung der Folgeschäden. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat nun die Weltgemeinschaft zu einer gemeinsamen Lösung des Tschernobyl-Problems aufgerufen – denn die weiteren Anstrengungen würden das Land alleine überfordern. Demnach werden erneut 1,6 Milliarden Euro für die Umsetzung weiterer Tschernobyl-Projekte benötigt. Allein für den neuesten Stahlbeton Sarkophag um den zerstörten Reaktorblock fehlen noch 740 Millionen Euro. Der zerstörte Reaktor 4 soll dabei mit einem zusätzlichen 105 Meter hohen, 260 Meter breiten und 250 Meter langen Sarkophag überzogen werden, der über die bisherige Schutzhülle gezogen wird, da diese sich als nicht dicht genug herausgestellt hat. Die Gesamtkosten allein für das Umhüllungsprojekt belaufen sich auf insgesamt 1,54 Milliarden Dollar. Auf der Geberländer-Konferenz in der Ukraine sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nun weitere Hilfen in Höhe von 110 Millionen Euro zu, Russland steuert seinerseits 45 Millionen Euro bei. (Der Block 1 des AKW Tschernobyl ging erst 1996 vom Netz, Block 3 sogar erst im Jahr 2000, 14 Jahre nach dem Super-GAU, bis dahin wurden ganz „normale“ Schichten in dem AKW gefahren.)

 

Italien steigt aus dem Wiedereinstieg in die Atomkraft wieder aus
Italien hatte vor dem Eindruck der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 per Volksentscheid (80 Prozent Zustimmung) den Atomausstieg beschlossen und umgesetzt. Per Dekret hatte Regierungschef Berlusconi jedoch im Juli 2009 den Neubau von AKW angeordnet. 2013 hätte dann mit dem Bau des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) begonnen werden sollen. Nach dem GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima wurden die Pläne dann zunächst für ein Jahr ausgesetzt. Atomkraftgegner hatten allerdings für den 12. Juni ein Referendum erwirkt, um über den umstrittenen Wiedereinstieg abstimmen zu lassen. Da für die Volksbefragung ein deutliches Nein zur Atomkraft prognostiziert wird, hat die Regierung darauf nun im Vorfeld reagiert und eine Gesetzesänderung vorgelegt, mit der die Vorbereitungen und die Suche nach Standorten für neue AKWs gestoppt werden soll. Damit würde der Wiedereinstieg endgültig auf Eis gelegt werden.

 

Russland lässt über alte AKWs „Gras wachsen“
Die russische Staatsholding Rosatom und die Atomaufsicht Rostechnadsor überlegen derzeit, mehrere veraltete Reaktorblöcke stillzulegen. Rostechnadsor-Chef Nikolai Kutjin lapidar: „Die alten Meiler sind stillzulegen und zu demontieren. Auf dem Gelände soll dann Gras wachsen.“ Details wurden zunächst nicht genannt, es werde jedoch keinesfalls zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen. Überdacht werden dabei offenbar zehn Atomkraftwerke. Insgesamt sind in Russland derzeit 32 Reaktoren in Betrieb, die zusammen 22.693 MW Strom erzeugen. Davon sind 15 grafitmoderierte leichtwassergekühlte Druckröhrenreaktoren (LWGR, GLWR oder auch RBMK – Typ „Tschernobyl“, allerdings wurden nach dem Super-GAU in Tschernobyl bei zahlreichen RBMK-Reaktoren Verbesserungen durchgeführt, um einen derartigen Unfall unwahrscheinlicher zu machen), 16 Druckwasserreaktoren russischer Bauart (WWER) und ein schneller Brüter.

 

Beratungsresistenter RWE-Chef Großmann im Kreuzfeuer der Kritik
Jürgen Großmann (59), Chef des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE, sieht sich wegen seines kompromisslosen Pro-Atomkurs wachsender Kritik ausgesetzt – sogar aus den eigenen Reihen: Konzerninterne Spitzenmanager beklagen die mangelnde Wandlungsfähigkeit und wichtige Aktionäre meutern. Nicht nur, dass RWE der einzige Energiekonzern ist, der gegen das Atom-Memorandum der Bundesregierung klagen will, Großmann verweigert sich und seinem Konzern auch eine Strategie für die Zeit nach dem Ausstieg, wann immer dies auch sein mag. Diese fehlende Strategie für die Zeit nach der Atomkraft vermissen insbesondere auch wichtige Investoren. Die kommunalen Investoren halten 25 Prozent an dem Konzern. Genug, um gemeinsam mit den Gewerkschaften jede wichtige Entscheidung im Kontrollgremium blockieren zu können. So hatten beide bereits 2009 gemeinsam dafür gesorgt, dass RWE die Pläne für ein Atomkraftwerk im bulgarischen Erdbeben-Gebiet Belene auf Eis legen musste. Die Stadtverordneten in Dortmund, Mühlheim und Essen haben sich nun bereits offen für einen Wechsel an der Konzernspitze ausgesprochen. Durch das "konservative" Geschäftsmodell und das Zurückhinken in den wichtigen Zukunftsfeldern gefährde Großmann die Zukunft des Unternehmens und damit auch tausende Arbeitsplätze. Auch der Dachverband der Kritischen Aktionäre fordert offen die Entlassung des Vorstandschefs. Die Restlaufzeit von Großmann als Atomboss scheint daher vorzeitig abzulaufen. Am heutigen Mittwoch findet in Essen die Hauptversammlung von RWE statt. Großmann selbst: "Wenn man auf einem Gipfel steht, geht es in jeder Richtung nur bergab." Diese prophetischen Worte sprach Großmann allerdings bereits einen Monat vor Fukushima.

 

Öl und Gas:


BP verklagt Transocean auf 40 Mrd. Dollar Schadenersatz
Am 20. April 2010 war die Tiefseeplattform „Deepwater Horizon“ havariert, mit der Folge, dass sich mehr als 750 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko ergossen. Die Plattform hatte der Mineralölgigant BP von der Betreiberfirma Transocean geleast. Für BP hat das Desaster zu erheblichen wirtschaftlichen als auch zu Imageschäden geführt. Nun verklagt das Unternehmen die damaligen Geschäftspartner: Das betrifft den Plattformbetreiber Transocean (jedes Sicherheitssystem auf der Bohrplattform habe laut BP versagt), sowie Cameron International, den Hersteller des Absperrventils, das damals das unkontrollierte Ausströmen von Öl nicht verhinderte (Blowout-Preventer) und auch den Hersteller des Zements, mit dem das Bohrloch ausgekleidet wurde, das Unternehmen (des Vizepräsidenten Dick Cheney unter George Bush Junior) Halliburton. Diesem wirft BP Betrug, Nachlässigkeit und das Verschweifen von Materialkennziffern vor. Insgesamt belaufen sich die Klagen auf mindestens 40 Milliarden Dollar. In der Klageschrift gegen Transocean heißt es: BP wirft Transocean vor, dass es ohne dessen „Fehlverhalten“ nicht zu der Katastrophe gekommen wäre – nicht zu der Explosion, dem Tod der Arbeiter und nicht zur Ölpest. „Die simple Tatsache ist, dass am 20. April 2010 jedes einzelne Sicherheitssystem und -Gerät sowie Mechanismen zur Quellen-Kontrolle auf der ‚Deepwater Horizon’ versagten.“ Dabei hatte Transocean erst Anfang April einen firmeneigenen Sicherheitsrekord gefeiert.
„Das Jahr 2010 war das Beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Daran ändern auch die neun bei der Explosion getöteten Angestellten sowie die zweitschlimmste Ölkatastrophe der Geschichte nichts: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Zur Belohnung gab es satte Boni für die Manager – und reichlich Kritik von der Öffentlichkeit. Die britische Zeitung "Sunday Times" berichtete allerdings unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter vor allem auch jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt insgesamt 136 Bohrplattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee. Erst letzte Woche hat das Bohrunternehmen einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ vor Indien bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel, beinahe doppelt so tief wie bei der Plattform „Deepwater Horizon“, bei der es drei Monate gedauert hatte, bis das Leck geschlossen werden konnte.

 

EU-Kommission zwingt das Gasland Ukraine sich zu entscheiden: EU oder Zentralasien
Die Ukraine ist in einen nach Europa orientierten westlichen Landesteil und einen traditionell eher nach Russland orientierten östlichen Landesteil gespalten (Schaukelpolitik zwischen der EU und Russland). Das osteuropäische Land ist das wichtigste Gastransitland für die Europäische Union und daher von strategischer Bedeutung im Sinne der Energiesicherheit. Rund 80% des russischen Gases für die europäische Gemeinschaft fließen derzeit (noch) durch das Leitungssystem der Ukraine. Russland versucht sich jedoch genauso von der dem Transitland Ukraine zu diversifizieren (Nord Stream, South Stream, Blue Stream), wie die EU von dem Erzeuger Russland (Nabucco). Zudem lagern auf dem Territorium des osteuropäischen Landes fossile Rohstoffe in Billionen Höhe. Die Ukraine tanzt jedoch derzeit auf zwei Hochzeiten. Anfang April wurde bekannt, dass Kiew noch im laufenden Jahr das Assoziierungsabkommen für eine künftige EU-Mitgliedschaft mit der Europäischen Union festlegen will. Das Assoziierungsabkommen beinhaltet auch ein Abkommen über die Bildung einer Freihandelszone, die noch in 2011 in Kraft treten könnte. Allerdings flirtet Präsident Janukowitsch auch mit der Zollunion Russland-Weißrussland-Kasachstan im postsowjetischen Raum. Dies würde, so heißt es aus Kiew, eine Annäherung des europäischen und des euroasiatischen Wirtschaftsraumes ermöglichen. Ein Beitritt zur Zollunion würde zudem die Schaffung einer Freihandelszone mit der Europäischen Union keinesfalls behindern. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hat dem nun jedoch eine Absage erteilt. Er hält eine solche Doppelmitgliedschaft für nicht möglich. Die Ukraine müsse sich für eine Richtung entscheiden.

 

US-Amerikaner beten vor Tankstellen um billigeren Sprit
In den USA treffen sich Mitglieder der evangelikalen Gemeinde „Beacon of Light“ in Dublin, im Bundesstaat Georgia, um gemeinsam vor Tankstellen um günstigere Spritpreise zu beten. So sollen höhere Mächte als die Politik dem Preisauftrieb Einhalt gebieten, der allein in den letzten zwölf Monaten beim Sprit Mehrausgaben für die US-Autofahrer von rund 121 Milliarden Dollar verursacht hat. An den Altären der Zapfsäulen wird daher der Satz „Gott erlöse uns von den hohen Benzinpreisen!“ angestimmt – angesichts der hohen Verbrauchswerte US-amerikanischer Autos sicherlich eine nachvollziehbare Verzweiflung. Ob die Bewegung „Prayer at the Pump“ (Beten an der Zapfsäule) damit allerdings Erfolg hat bleibt abzuwarten, denn die Bewegung war schon einmal, bei der letzten Rohstoffrally 2008 aktiv. Damals beteten sie den Zusatz: „Diese Preise werden fallen, so wie die Mauern von Jericho.“

 

ADAC empfiehlt, immer sonntags zu tanken
Laut einer Studie des ADAC im Untersuchungszeitraum 2010 ist der Spritpreis für einen Liter Superbenzin sonntags im Durchschnitt um 3,4 Cent billiger als am Freitag, dem teuersten Tag der Woche. Beim Diesel betrug die Differenz sogar 3,7 Cent pro Liter. Damit hat sich das „Billig-Tanken“ um eine Tag nach vorne verschoben: 2008 und 2009 war laut dem ADAC stets der Montag der günstigste Tag zum tanken. Die Preisspanne hat sich dabei deutlich vergrößert. 2007 hatte die Preisdifferenz bei Diesel und Benzin lediglich 2 Cent betragen.

 

Nord Stream ist im Juli 2011 fertig
Der Nordseeabschnitt der Gaspipeline Nord Stream wird im Juli 2011 fertig gestellt. Dann beginnt zunächst die Befüllung mit technischem Gas und ab Oktober 2011 werden dann die europäischen Kunden unter Umgehung der Transitländer direkt mit russischem Gas versorgt. Die Seeverlegung der insgesamt 1.200 km langen Pipeline hatte vor einem Jahr begonnen. Die Durchsatzkapazität liegt bei 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Kunden werden Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Dänemark sein. Die 1200 Kilometer lange Pipeline hat eine Durchsatzkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Beteiligungen: An der Nord Stream AG hält der russische Staatskonzern Gazprom 51 Prozent, die deutschen Unternehmen Wintershall Holding und E.ON Ruhrgas jeweils 15,5 Prozent sowie der niederländische Versorger Gasunie und der französische Energiekonzern GdF Suez jeweils neun Prozent.

 

Erneuerbare Energien:

 

Solar Millennium auf Milliarden Zielgerade in den USA
Das Erlanger Unternehmen Solar Millennium hat sich auf den Bau solarthermischer Kraftwerke konzentriert. Das Prinzip ist recht einfach: Mittels Spiegeln wird die solare Einstrahlung auf einen Turm gebündelt und dadurch ein Medium (spezielle Salze) auf mehrere hundert Grad Celsius erhitzt (damit ist eine Wärmeabgabe auch während der Nachtzeit möglich). Die hohen Temperaturen werden dann zum Antrieb konventioneller Turbinen genutzt, ähnlich wie bei konventionellen Gas- oder auch Atomkraftwerken. In dem sonnenreichen Kalifornien ist bereits seit längerem die weltweit größte dieser Anlagen geplant. Auf einer Fläche von 24 Quadratkilometern sollen vier Kraftwerke mit jeweils 242 (MW) entstehen – was beinahe der Leistung eines modernen Atomkraftwerks entspricht und 300.000 Haushalte versorgen kann. Nun hat die US-Regierung dem Projekt mit einer Kreditgarantie über 2,1 Milliarden Dollar grünes Licht gegeben. Die Aktie von Solar Millennium reagierte mit einem Kurssprung von über zehn Prozent. Die Investitionssumme beläuft sich insgesamt auf 2,8 Milliarden Dollar. Der Preis eines modernen Atomkraftwerkes (EPR) erreicht gerne 5-6 Milliarden Euro – Endlagerung und Rückbau nicht mit eingerechnet.

 

Spezialglas mit Mehrfachreflektion erhöht Leistung von PV
Der niederländische Spezialglashersteller Saint-Gobain hat ein spezielles Glas für Solarmodule entwickelt, dessen Prismenglasoberfläche eine Mehrfachreflektion des Sonnenlichts ermöglicht. Wenn das Sonnenlicht auf das Glas trifft, wird ein Teil davon zurück ins Glas gelenkt und trifft dann erneut auf die darunter liegende Solarzelle. Das deutsche Solarunternehmen Alpinsun hat nun ein entsprechendes Hochleistungsmodul auf den Markt gebracht. Die spezielle Glasoberfläche ermöglicht dabei eine Ertragssteigerung von 3,5 Prozent bei senkrechter Sonneneinstrahlung und sogar bis zu 20 Prozent bei Schrägeinstrahlung.

 

Chinesisches Gras zum Heizen, Bauen, als Energieträger und Kunststoff
Das Chinagras Miscanthus ist enorm vielseitig: Der regenerative Rohstoff dient sowohl als Grundstoff für biologische Kunststoffe, als Baumaterial, zum Heizen und auch zur Herstellung von Wasserstoffgas als Energieträger. Damit hat das leicht kultivierbare Grün das Potential, die fossilen Energieträger Erdöl, Kohle und Ergas nicht nur in der Energieversorgung sondern auch in Industrieprodukten zu ersetzen. Ein wichtiges Augenmerk der an dieser Biomasse forschenden Universität Bonn ist es jedoch, dass die Produktion von Pflanzen zur Energiegewinnung nicht in Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion tritt. Dafür muss die Biomasse möglichst schnell wachsen, möglichst wenig Platz benötigen und einen möglichst hohen Ertrag haben. Das chinesische Gras gilt dabei als Turbo-Gras. Miscanthus wächst im Frühjahr bis zu fünf Zentimeter am Tag und ist mehrjährig. Man pflanzt sie einmal und kann sie dann über zwanzig Jahre lang nutzen. Die Nutzungseffizienz lässt sich an dem Mehrwert an Energie ablesen: Bei Raps, der in Europa am häufigsten als Energieträger genutzt wird, ist das Verhältnis zwischen der Energie, die man hineinstecken muss und der die man hinausbekommt nur eins zu zwei. Bei Miscanthus hingegen ist es eins zu fünfzehn. Gehäckselt und als Pellets gepresst ergibt das pro Jahr und Hektar soviel brennbares Material wie etwa 8.000 Liter Heizöl. Das Chinagras bietet auch den Grundstoff für einen Leichtbeton, als Dämmstoff, zum Dachdecken und sogar für Kunststoffe.

 

Gentechnik:

 

Lediglich 20-30% der deutschen Eier gentechnikfrei 

Laut der Umweltorganisation Greenpeace, die eine einer Umfrage unter 15 Supermarkt-Ketten durchgeführt hat, stammen lediglich 20-30 Prozent der Eier in deutschen Supermärkten von Hühnern, die nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. Klarheit habe der Verbraucher nur bei Eiern aus biologischer Produktion oder speziell gekennzeichneten Eiern. Für tierische Produkte wie Milch, Eier und Fleisch, die mit Gen-Tierfutter erzeugt wurden (beispielsweise Gen-Soja), gibt es keine Kennzeichnungs-Pflicht. Viele Supermarktketten kündigten jedoch an, ihr Angebot an gentechnikfrei erzeugten Eiern bis Ende 2011 deutlich ausweiten zu wollen (Rewe um 70 Prozent, Netto, Tegut und Kaufland auf 100 Prozent). Sandra Blessin, Gentechnik-Expertin von Greenpeace: "Verbraucher benötigen Informationen, um sich für eine gentechnikfreie Lebensmittelproduktion entscheiden zu können." Daher biete Greenpeace einen speziellen Ratgeber hierzu an.

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