Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 42

1. Österreich widerspricht dpa-Meldungen über Akzeptanz der Laufzeitverlängerung:
2. Klage gegen Endlagerbau in Gorleben eingereicht:
3. Kommunale Wertschöpfung durch EE 8,9 Milliarden Euro in 2011:
4. Forschungsverbund will Biogasausbeute um 40% steigern:
5. Gentechnik für neue Bakterien zur Produktion von Biosprit:
6. Asiatische Züchtung kann als Energiepflanze Silomais den Rang ablaufen:
7. China will 150-230 GW Windenergie bis 2020:
8. Prototyp einer geothermischen Weichenheizung ab Ende 2010 im Test:
9. EU-Moratorium für das Klonen von Tieren zur Lebensmittel-Erzeugung:
10. Siemens steigt verstärkt bei Masdar City ein
11. Living Planet Report 2010 | Menschheit verbraucht 1,5 Erden:
12. Einspruch: Erhöhung der EEG-Umlage rechtfertigt keinen höheren Strompreis:

 

Österreich widerspricht dpa-Meldungen über Akzeptanz der Laufzeitverlängerung:
Nach einem Bereicht der dpa habe Österreich nach einem Expertentreffen in Bonn (am Dienstag) die Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs akzeptiert und keine weiteren Forderungen mehr. Durch die in Deutschland geplante schärfere Gesetzgebung zur Atomsicherheit habe Österreich vorerst auch keine Bedenken mehr gegen den Weiterbetrieb des in die Jahre gekommenen AKWs Isar I. Österreichische Pressemitteilungen widersprechen diesen Angaben jedoch – von einer Akzeptanz Österreichs für die deutsche AKW-Laufzeitverlängerung könne keine Rede sein. Der österreichische Umweltminister Berlakovich: "Ein Erfolg für Österreich ist, dass Deutschland zusätzlich zu den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eine neue gesetzliche Verpflichtung für ergänzende Sicherheitsmaßnahmen plant. (…) Es bleibt bei der vom Ministerrat beschlossenen Forderung, Isar 1 entweder abzuschalten oder sicherheitstechnisch nachzurüsten." Die sicherheitstechnischen Details wurden nicht abschließend behandelt, da die deutsche Bundesregierung noch an den Details für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen arbeite. Derweil organisiert sich in der atomfreien Alpenrepublik eine Bürgerbewegung, die eine grenzübergreifende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nach EU-Recht einfordert. Die deutsche Laufzeitverlängerung widerspreche nicht nur dem deutschen Recht, sondern auch der EU Richtlinie 2001/42/EG, nach der bei Veränderungen von Energiekonzepten zwingend eine strategische UVP vorgeschrieben ist. Ausführlicher hier.

 

Klage gegen Endlagerbau in Gorleben eingereicht:
Greenpeace und die Rechtshilfe Gorleben haben zusammen mit betroffenen Anwohnern Klage gegen die Wiederaufnahme des Endlagerbaus im niedersächsischen Gorleben eingereicht. Im September war der Rahmenbetriebsplan aus dem Jahr 1982 verlängert worden. Die Verlängerung sei rechtswidrig, da sämtliche Voraussetzungen wie Art und Menge der Abfälle, Erkundungsumfang und Sicherheitsanforderungen sich seit 1982 geändert haben. Der Endlagerstandort Gorleben solle aufgegeben und eine ergebnisoffene vergleichende Standortsuche nach internationalen wissenschaftlichen Standards gestartet werden. Im Frühjahr dieses Jahres hatten neu veröffentlichte Dokumente erneut Zweifel an dem Auswahlverfahren für ein Endlager geweckt.

 

Kommunale Wertschöpfung durch EE 8,9 Milliarden Euro in 2011:
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat die kommunalen Wertschöpfungseffekte der Erneuerbaren Energien auf 6,8 Mrd. Euro für 2009 und auf 8,9 Mrd. Euro für das Jahr 2011 beziffert. Davon entfallen im nächsten Jahr auf Ökostrom-Kraftwerke rund 7,5 Mrd. Euro, auf Anlagen zur Wärme- und Kraftstofferzeugung jeweils rund 740 Mio. Euro. Auf den Photovoltaikbereich entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Wertschöpfung (2010: 5,8 Mrd. Euro, 2011: 3,9 Mrd. Euro), gefolgt von der Windenergie mit jeweils rund 2,2 Mrd. Euro, sowie Biogas, Biomasse und Biokraftstoffe mit zusammen 1,8 Mrd. Euro in 2010 und 2 Mrd. Euro in 2011.

 

Forschungsverbund will Biogasausbeute um 40% steigern:
Anfang Oktober ist ein Forschungsverbundvorhaben gestartet, das in den nächsten drei Jahren die Wirkmechanismen von Enzymen für eine effizientere Energieerzeugung in Biogasanlagen untersucht. Erste Laborergebnisse ergeben eine Steigerung der Biogasausbeute um bis zu 40%. Die Enzyme beschleunigen den Aufschluss von Hemicellulosen und Cellulosen und somit die Vergärung strukturreicher Substrate, wie Festmist, Sudangras oder Getreideganzpflanzensilage.

 

Gentechnik für neue Bakterien zur Produktion von Biosprit:
Die Firma Synthetic Genomics des Gentechnik Pioniers Craig Venter, die 05/2010 erstmals ein Bakterium (Lebewesen) künstlich geschaffen hat, will Gene künftig selbst schreiben. Ziel ist es Bakterien auf die Produktion von Biosprit zu trimmen. Der Ölkonzern Exxon Mobil hat dafür über 300 Mio. USD zugesagt. Cyanobakterien und Algen geben sich auch mit Schmutz- oder Salzwasser zufrieden, ihre Tanks sind nicht auf Süßwasser angewiesen und ihre Fotosynthese ist etwa zehn Mal so effizient wie die von Landpflanzen. Dem EU-Projekt DirectFuel stehen im Vergleich für die nächsten vier Jahre 3,7 Mio. EUR zur Verfügung.

 

Asiatische Züchtung kann als Energiepflanze Silomais den Rang ablaufen:
Mais, Ölpalmen und Zuckerrohr sind derzeit die meist kultivierten Energiepflanzen. Für die Vergärung in Biogasanlagen eignen sich jedoch weitaus mehr Pflanzenarten. Eine Neuzüchtung aus Japan weckt große Hoffnungen. Igniscum Candy aus der Familie der Knöterichgewächse ist nicht gentechnisch verändert und nicht invasiv. Nach drei Jahren erreicht sie ihre volle Reife und kann dann 20 Jahre lang geerntet werden, im Sommer bis zu drei Mal. Die Pflanze erzielt auch auf Niedrigertragsböden und Grenzertragsstandorten überdurchschnittlich hohe Biomasseerträge und kommt auch mit Wasserstress sehr gut zurecht. Geerntet wird sie mit konventionellen Maishäckslern. Die Stadtwerke Duisburg AG testet die Pflanze seit Mitte 2009 in Felduntersuchungen.

 

China will 150-230 GW Windenergie bis 2020:
China hatte 2009 mit 13,8 GW neu installierter Windenergieleistung weltweit den ersten Platz belegt. Die Gesamtleistung Chinas beträgt 25,8 GW. In dem Wind Power Outlook 2010 wird angegeben, dass Chinas Potential bei 230 GW Windenergie bis 2020 liege. Das entspricht rund 200 Großkraftwerken (Kohle, Gas oder Atom). Als Mindestleistung gibt der Bericht 150 GW bis 2020 an. China verfügt über ein mit Deutschland vergleichbares EEG zur Förderung regenerativer Energien. Die dezentrale, saubere und nachhaltige Energieversorgung über WEA bietet zudem die Möglichkeit einer effektiven Armutsbekämpfung in ländlichen Regionen.

 

Prototyp einer geothermischen Weichenheizung ab Ende 2010 im Test:
Allein die deutsche Bahn muss bei winterlichen Temperaturen rund 64.000 Weichen mit einem hohen energetischen Aufwand beheizen (230 GWh), um sie vor dem einfrieren zu bewahren. Ende 2010 soll nun ein erster Prototyp einer geothermischen Weichenheizung mit Wärmerohr in Hamburg in Betrieb gehen, die allein mittels Erdwärme funktioniert. Ein mit CO2 gefülltes Wärmerohr entzieht dem Boden sehr effizient Wärme, transportiert sie ohne Hilfsenergien zur Weiche und sorgt für verlässliche Arbeitstemperatur von 6-10 °C. Bezogen auf die gesamte Nutzungszeit liegen die Lebenszykluskosten um mehr als 60% unter den gängigen Systemen. Der Amortisationszeitraum beträgt 8-10 Jahre.

 

EU-Moratorium für das Klonen von Tieren zur Lebensmittel-Erzeugung:
Die EU-Kommission will ein mehrjähriges Moratorium für das Klonen von Tieren zur Lebensmittel-Erzeugung. Das zeitlich befristete Verbot soll auch für den Import von Klonfleisch gelten. Das Europaparlament kritisiert, dass die Einfuhr geklonter Embryonen sowie Samen zur Tierzucht unter strengen Auflagen (Kennzeichnung) erlaubt bleiben soll. Das Klonen ist bei Züchtern beispielsweise in den USA, Kanada und Argentinien bereits relativ weit verbreitet.

 

Siemens steigt verstärkt bei Masdar City ein:
Der Münchner Elektronikkonzern Siemens hat eine langfristige strategische Partnerschaft mit Masdar vereinbart. Siemens wird demnach in der im Bau befindlichen Ökostadt Masdar City, Abu Dhabi, eine Schlüsselrolle bei dem langfristigen Forschungs- und Entwicklungsprogramm für intelligente Stromnetze, intelligente Gebäudetechnik und CCS erhalten. Siemens erhält dadurch die Möglichkeit, neue Technologien wie intelligente Stromnetze (Smart Grids) in der Praxis zu testen. Die Ökostadt Masdar soll einmal zu 100% durch erneuerbare Energien versorgt werden. In der Sonderwirtschaftszone sollen sich dann rund 1.500 Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien aus der ganzen Welt ansiedeln. Auch Siemens plant, sein Hauptquartier für die Region nach Masdar zu verlagern, sobald die Stadt fertig gestellt sein wird.

 

Living Planet Report 2010 | Menschheit verbraucht 1,5 Erden:
Laut dem aktuellen WWF-Umweltbericht "Living Planet Report 2010"
verbraucht die Menschheit derzeit 1,5 Erden. 2008 waren es noch 1,3. Der Wert sei gestiegen, da einerseits die Abholzung immer mehr zunehme, andererseits immer detailliertere Fakten vorliegen. Bereits seit Beginn der 1980er Jahre lebt die Menschheit nicht mehr nachhaltig und verbraucht mehr, als das Ökosystem unseres Planeten jährlich erzeugt bzw. verkraften kann. Der Bericht geht davon aus, dass die Menschheit bereits im Jahr 2030 statt erst 2050 auf einen Verbrauch von zwei Erden kommen wird, 2050 dann sogar auf beinahe drei. Der Bericht gibt auch Empfehlungen, wie dieser Entwicklung entgegenzuwirken sei.


Einspruch: Erhöhung der EEG-Umlage rechtfertigt keinen höheren Strompreis:
Der Dachverband Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat die Darstellung in vielen Medien scharf kritisiert, die Erneuerbaren Energien seien ein Kostentreiber für die Stromkosten. Die Bundesregierung hatte kürzlich beschlossen, die EEG-Umlage im kommenden Jahr von 2,05 Cent auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde Strom zu erhöhen. Die zusätzlichen Kosten wollen die Anbieter angeblich in voller Höhe an die Kunden weiterreichen (knapp 100 Euro pro Haushalt und Jahr). Die Bundesnetzagentur hat dem widersprochen und erklärt, dass die wachsende Menge an Ökostrom auf dem Markt die Großhandelspreise für Strom gesenkt habe, weil dadurch teurere (Groß-)Kraftwerke nicht mehr am Markt bestehen können. Daher sinken an der Strombörse die Strompreise bereits seit längerer Zeit. Auch BEE-Präsident Dietmar Schütz widerspricht: Schon heute würden die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis in einer Größenordnung von 3,6 bis 4 Milliarden Euro senken (Merit-Order-Effekt). Erneuerbaren Energien stehen zudem für rund 340.000 Jobs in Deutschland. Die kommunale Wertschöpfung wird 2011 rund 8,9 Mrd. Euro betragen und sei daher eine unverzichtbare Stütze für strukturschwache Räume und gebe finanzschwachen Kommunen Handlungsspielräume zurück. Außerdem berichtete die Frankfurter Rundschau Anfang der Woche, dass allein die drei größten deutschen Stromkonzerne Eon, RWE und EnBW in 2009 rund 23 Mrd. Euro Gewinn eingefahren haben. Grund sei, dass es auf dem Strommarkt aufgrund der quasi Monopolstellung der Großen keinen wirklichen Wettbewerb gebe.  Darüber hinaus wurde die Atomkraft in Deutschland seit 1950 mit rund 204 Milliarden Euro subventioniert, weitere 100 Milliarden Euro stehen für die Zukunft bereits fest.
Beobachter werten daher die Debatte um die Erhöhung der Strompreise aufgrund des Ausbaus der Solarenergie als Ablenkungsmanöver von der durch die Bevölkerung mehrheitlich abgelehnten Laufzeitverlängerung für deutsche AKWs. Ausführlicher hier.

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