Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 43

1. Neue Rohstoffstrategie der Bundesregierung:
2. BMWi unterstützt die Desertec industrial initiative (Dii):
3. Weltmarktführer Siemens prophezeit Offshore-Boom:
4. Verlust an Grundwasser seit 1960 weltweit verdoppelt:
5. Erwärmung der Arktis verändert die Luftzirkulation der Nordhalbkugel:
6. Parlamentarier stimmen für schnelleren Ausbau Erneuerbarer Energien:
7. Kohlesubventionen weiterhin bis 2018 beschlossen:
8. Iranisches AKW soll ab Anfang 2011 Strom produzieren:
9. Ölvorkommen im Norden Alaskas um das 10-fache überschätzt:
10. Ab 2011 darf Benzin 10% Biosprit enthalten
11. Tchibo steigt in Ökostrom ein:
12. 605 Kilometer Weltrekord für alltagstaugliches Elektroauto:
13. WHO hat Malaria in Indien um das 13-fache unterschätzt:

 

Neue Rohstoffstrategie der Bundesregierung:
Die vom BMWi vorgelegte neue Rohstoffstrategie wurde von dem Bundeskabinett gebilligt. Die neue Rohstoffpolitik betrifft den Bereich der nicht-energetischen mineralischen Rohstoffe, wie z. B. die als Seltene Erden bezeichneten Hightech-Metalle. 97% dieser wertvollen Metalle kommen derzeit aus China, das jedoch den Export zugunsten der eigenen Produktion herunterfahren will. Bundesminister Brüderle: "Für die Zukunft des Hochtechnologiestandorts Deutschland ist die Versorgung mit bezahlbaren Industrierohstoffen von entscheidender Bedeutung." Mit der „vorgelegten Rohstoffstrategie (…) stellen wir uns neuen globalen Herausforderungen, insbesondere dem schärfer werdenden internationalen Wettbewerb um wichtige Industrierohstoffe." Bereits am 4. Oktober war die deutsche Rohstoffagentur gegründet worden. Mit dieser Initiative sollen KMUs in vielfältiger Weise unterstützt werden, ihre Rohstoffbezugsquellen zu diversifizieren. Parallel findet eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Auswärtigem Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung statt, um bilaterale Rohstoffpartnerschaften mit rohstoffreichen Partnerländern zu fördern, sowie auch um einen Abbau der Fehlentwicklungen auf den Rohstoffmärkten zu erwirken. Zudem sollen auch die Rohstoffeffizienz und das Recycling gefördert und optimiert werden.

 

BMWi unterstützt die Desertec industrial initiative (Dii):
Am 26./27.10.2010 fand die erste Jahrestagung der Desertec industrial initiative (Dii) in Barcelona statt. Mit Investitionen von rund 400 Mrd. Euro bis 2050 will das Konsortium gewichtiger Unternehmen insgesamt 470.000 MW an Leistung in Nordafrika und dem Nahen Osten zur Versorgung Europas und der Anrainer installieren. Beteiligt sind aus deutscher Sicht unter anderem die Münchner Rück, Siemens, RWE, Eon und die Deutsche Bank. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Jochen Homann, hat die Aufbauarbeit der Industrieinitiative positiv gewürdigt. Nun sollen die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Desertec-Vorhabens identifiziert werden, damit die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen prüfen und schaffen kann. Dabei sei jetzt die Industrieinitiative gefordert, möglichst bald konkrete Planungen und Zahlen für erste Referenzprojekte vorzulegen. Die Desertec industrial initiative hatte bei der Gründung 2009 beschlossen, innerhalb von drei Jahren konkrete und umsetzungsfähige Investitionspläne zu erstellen.

 

Weltmarktführer Siemens prophezeit Offshore-Boom:
Siemens, der Weltmarktführer bei Offshore-Windanlagen, prognostiziert einen Boom der Offshore-Windenergie in Nord- und Ostsee. René Umlauft, Chef der Konzernsparte für erneuerbare Energien: „Wir erwarten, dass Deutschland hinter Großbritannien in naher Zukunft der zweitwichtigste Offshore-Markt Europas werden wird.“ Deutschland liege in diesem Bereich derzeit noch hinter Großbritannien und Dänemark zurück, da die Errichtung von Windparks vor der deutschen Küste vor allem wegen des Wattenmeers vergleichsweise aufwendiger sei. Insgesamt erwartet Siemens für Europa in den nächsten zehn bis 15 Jahren neue Offshore-Anlagen in einer Größenordnung von 70.000 Megawatt, davon 10.000 in Deutschland. Um die Installationszeiten zu verkürzen und die Lieferkette zu optimieren (Kostensenkung) hat sich Siemens im Juni mit 49 Prozent an dem Installationsspezialisten A2SEA des dänischen Energieversorgers Dong beteiligt. Dadurch und weiteren Maßnahmen sollen die Kosten für Offshor-WEA in den nächsten drei bis vier Jahren um 20 Prozent gedrückt werden. Derzeit kostet ein MW onshore rund 1 Mio. Euro, 1 MW offshore hingegen noch 1,3 bis 1,5 Mio. Euro. Weltweit sind mit dem Stand Ende 2009 insgesamt 157.899 MW an Windenergie installiert (Atomenergie weltweit: 374.690 MW). Der Weltmarkt wächst dabei mit rund 12% pro Jahr. Siemens erwartet daher für den weltweiten Windenergiemarkt eine Zunahme von derzeit rund 30 Milliarden Euro pro Jahr auf 86 Milliarden Euro jährlich im Zeitraum von 2015 bis 2019 und bis zu 216 Milliarden Euro pro Jahr im Zeitraum 2025 bis 2030. Für den gesamten Bereich Windenergie (on- und offshore) hat der dänische Windenergiepionier Vestas mit dem Stand Ende 2009 seine weltweite Führungsposition mit einem Marktanteil von 12,5 Prozent noch knapp verteidigen können, gefolgt von General Electric mit 12,4 Prozent. Siemens mit 5,9 Prozent möchte bis 2012 weltweit die Nummer drei sein. Im Bereich Offshore sind Münchner jetzt schon Weltmarktführer. Die Großkonzerne wie Siemens, General Electric und chinesische Anbieter besitzen den großen Vorteil, angesichts immer umfangreicherer Projekte ihre Größe optimal ausspielen und Synergien im gesamten Unternehmen besser nutzen zu können. Diese Tendenz werde sich weiter fortsetzen.

 

Verlust an Grundwasser seit 1960 weltweit verdoppelt:
Niederländischer Forscher der Universität Utrecht haben in einer umfassenden Studie aufgezeigt, dass der weltweite Verlust an Grundwasser sich seit 1960 mehr als verdoppelt hat. Betrug die Verlustrate noch 126 Kubikkilometern pro Jahr, hat sich der Verlust bis zum Jahr 2000 auf 283 Kubikkilometer pro Jahr vervielfacht. Das rasante Abnehmen des Grundwassers bedroht zunehmend die Landwirtschaft in vielen Regionen – allen voran in Indien und Pakistan, aber auch in Nordchina, im Westen der USA und im Iran. Andernorts, wie in Mexiko-Stadt, senkt sich die Landoberfläche. Da dieses Wasser aber auch letztendlich in den Ozeanen landet, wenn mehr Grundwasser entzogen wird, als sich bilden kann, könnte der Studie nach insgesamt rund ein Viertel des globalen Meeresspiegelanstiegs auf diesen Effekt zurückzuführen sein (0,8 von 3,1 Millimetern pro Jahr). Aufgrund des hohen Wasserbedarfs der stetig wachsenden Weltbevölkerung ist eine Wende beim globalen Grundwasserverlust derzeit nicht abzusehen.

 

Erwärmung der Arktis verändert die Luftzirkulation der Nordhalbkugel:

Die Erwärmung der Arktis schreitet weiter voran. In den Jahren 2009/2010 hat das arktische Sommer-Eis den drittniedrigsten Stand seit Beginn der Messungen erreicht. Geringere Werte gab es nur 2007 und 2008. Der Jahresbericht „Artic Report Card“ der amerikanischen Ozeanographie- und Atmosphärenbehörde im Auftrag der US-Regierung hat nun die Auswirkungen auf das Wetter der ganzen Nordhalbkugel ausgerechnet. Die Studie ergab weiter, dass die Dauer, in der Grönland von Schnee bedeckt war, auf ein Rekordminimum sank und die durchschnittliche Eisdicke weiter abnimmt. Dies hat allerdings eine positive Rückkopplung zur Folge: Schnee und Eis reflektieren das Sonnenlicht besser als das dunklere Wasser. Je mehr Wasser also nicht von Eis bedeckt ist, desto schneller wärmt sich die Region auf. Die höheren Lufttemperaturen in der Arktis verändern nun laut der Studie auch die Luftzirkulation in den Süden. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem extrem kalten und schneereichen Wetter der vergangenen Winter auf der Nordhalbkugel und den veränderten Winden in der Arktis. Parallel hierzu haben Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Energiemenge in der Atmosphäre analysiert und deren Auswirkungen auf die Intensität von Stürmen errechnet. Das Ergebnis: Die mittleren Breiten der Nordhalbkugel werden im Winter von besonders heftigen Unwettern heimgesucht, im Sommer droht dagegen häufiger eine Flaute (Smoggefahr für Großstädte). Auf der Südhalbkugel werden hingegen ganzjährig heftige Stürme zunehmen. Hintergrund ist, dass wenn sich eher die untere Luftschicht aufwärmt, so zirkuliert die Luft stärker. Auf der Nordhalbkugel hingegen erwärmen sich im Sommer vor allem die oberen Schichten, was dann die Luftmassen stabilisiert.

 

Parlamentarier stimmen für schnelleren Ausbau Erneuerbarer Energien:
Laut einer Greenpeace-Umfrage von August bis Oktober 2010 wurden alle 622 Bundestagsmitglieder persönlich danach befragt, ob sie dafür sind, „dass die Energieversorgung Deutschlands bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien sichergestellt werden soll“. 397 Abgeordnete aller Fraktionen hätten sich beteiligt. 283 haben sich dafür ausgesprochen, lediglich sieben dagegen gestimmt und 107 haben ausweichend geantwortet. Aus den Kreisen der CDU/CSU und FDP haben laut Greenpeace 27 Abgeordnete mit "Ja" gestimmt und sieben Abgeordnete mit "Nein", 101 Abgeordnete hatten keine klare eigene Meinung zu dem Thema. Aus dem Lager der Oppositionsparteien habe es keine "Nein"-Stimmen gegeben.

 

Kohlesubventionen weiterhin bis 2018 beschlossen:
Die Bundesregierung will an der 2007 beschlossenen Förderung des Kohlebergbaus bis 2018 festhalten. Die für 2012 geplante Überprüfung der Subventionen soll nicht stattfinden. Die EU-Kommission hatte im Sommer entschieden, die Steinkohlebeihilfen innerhalb der EU bereits im Jahr 2014 abzuschaffen. Der Konflikt mit Brüssel ist daher vorprogrammiert. Der zuständige EU-Ministerrat wird sich am 10. Dezember mit dem Kohle-Streit befassen.

 

Iranisches AKW soll ab Anfang 2011 Strom produzieren:
Der Iran hat am Dienstag damit begonnen, sein erstes Atomkraftwerk in Bushehr mit nuklearem Brennstoff zu bestücken. Mit Hilfe Russlands war das AKW im August in Betrieb genommen. Im September wurde es dann das Ziel einer Cyber-Attacke durch den Computer-Schädling Stuxnet. Ursprünglich war geplant, die Brennelemente aus Russland schon im September unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA einzusetzen. Aufgrund technischer Probleme musste dies aber verschoben werden.

 

Ölvorkommen im Norden Alaskas um das 10-fache überschätzt:
US-Wissenschaftler haben die Prognosen über die Ölreserven Alaskas drastisch nach unten korrigiert. Lagen die Vorhersagen über die Vorkommen in dem National Petroleum Reserve-Alaska (NPR-A) 2002 noch bei 10,6 Milliarden Barrel Öl, gehen die Wissenschaftler nunmehr von lediglich von 896 Millionen Barrel aus.

 

Ab 2011 darf Benzin 10% Biosprit enthalten:
Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass Benzin in Deutschland ab Januar 2011 zehn statt bislang fünf Prozent Ethanol enthalten darf. Damit wird eine EU-Richtlinie umgesetzt. Das sogenannte E10 soll bis 2013 zusätzlich zu den bisherigen Benzinsorten angeboten werden. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von Erdölimporten und stärkt zudem die Positionierung heimischer Bauern als Energiebauern.

 

Tchibo steigt in Ökostrom ein:
Der Kaffeeröster Tchibo verkauft künftig in seinen Filialen nun auch Ökostrom. Der Strom stammt aus Wasserkraftwerken aus dem öl-, gas- und wasserreichen Norwegen. Der Preis liege größtenteils unter den Strommixen der lokalen Basistarife der großen Versorger. Mit den Umsätzen soll der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden. Bisher beziehen erst rund sechs Prozent der deutschen Haushalte Strom aus erneuerbaren Energiequellen, obwohl mittlerweile auch der Preis konkurrenzfähig geworden ist.

 

605 Kilometer Weltrekord für alltagstaugliches Elektroauto:
Erstmals hat ein alltagstaugliches Elektroauto, ein mit der neuen Technik ausgestatteter Audi A2, eine Strecke von 605 Kilometern bei einer Richtgeschwindigkeit von 130 km/h ohne Nachladen des Akkus zurückgelegt. Das E-Auto ist eine Gemeinschaftsproduktion des Berliner Technologieunternehmens DBM Energy und des Berliner Energieanbieters lekker Energie. Grundlegend ist die von DMB Energy entwickelte KOLIBRI-Technologie auf einer Lithium-Metall-Polymer-Basis, die deutlich leistungsfähiger und leichter ist als andere Batterien. Die Zellen enthalten keine Schwermetalle, giftige Gase, Flüssigkeiten oder Säuren. Daher sind die Batterien, deren Lebenszyklus rund zehn Jahre beträgt, kein Sondermüll, sondern gehen ins Wertstoffrecycling. Die Ladezeit dieser Akkus ist zudem mit 20 Minuten extrem kurz. Dr. Thomas Mecke, Vorsitzender der Geschäftsführung der lekker Energie GmbH: “Die Fahrt wird der weltweite Durchbruch in der Elektromobilität sein.” Der nationale Entwicklungsplan, dass ein Elektroauto bis zum Jahr 2015 300 Kilometer ohne nachzuladen bewältigen kann, sei damit bereits 2010 übererfüllt.

 

WHO hat Malaria in Indien um das 13-fache unterschätzt:
Laut dem Centre for Global Health Research (CGHR) gibt es in Indien mehr als das 13-fache an Malariatoten pro Jahr, als von der WHO bislang angenommen. Insgesamt 205.000 pro Jahr (55.000 in früher Kindheit, 30.000 im Alter von 5 bis 14, 120.000 im Alter von 15 bis 69). Der Studie nach ereignen sich 90 Prozent der Todesfälle in ländlichen Gebieten, 86 Prozent der Personen wurden dabei nicht von einer Gesundheitseinrichtung betreut. Die Autoren folgern, dass andere entlegene und bevölkerungsreiche Gebiete mit Malariaaufkommen wie in Myanmar, Bangladesh, Pakistan und Indonesien ebenfalls unter einer nicht dokumentierten Malarialast leiden könnten. Durch eine realistischere Einschätzung könnte die Malariebekämpfung optimiert, die Finanzierung von vorbeugenden Maßnahmen verbessert und der Zugang zu wirksamen Malaria-Medikamenten vereinfacht werden.

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