Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 44

1. EU fordert Atom-Endlagerpläne der Mitgliedsländer bis 2015:
2. EU fordert Russland zum Einstieg in die europäische Energiestrategie auf:
3. Roland Berger weist nach: Stromnetze können Solarausbau gut verkraften:
4. Informationsportal zur Kraftwerksforschung eröffnet:
5. NRW will riesige Gasvorkommen ausbeuten:
6. Deutscher Biosprit zu mindestens 35% aus Importen:
7. Verbesserte Sensoren für WEA-Rotoren bringen Effizienzsteigerungen von 10-15%:
8. Optimierte Platinkatalysatoren erlauben künftige Wasserstoff-Massenproduktion aus  Erneuerbaren Energien:
9. Solar-Wechselrichter optimieren Wirkungsgrad von Photovoltaik-Kraftwerken:
10. RWE will sich 2011 rund 280 Mio. Euro Atomsteuer sparen und tauscht Brennstäbe vorab aus:
11. Bundesverband Christlicher Demokraten gegen Atomkraft:

 

EU fordert Atom-Endlagerpläne der Mitgliedsländer bis 2015:
EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat einen Gesetzesvorschlag für die Endlagerung radioaktiver Abfälle vorgelegt, wonach die EU-Staaten bis 2015 konkrete Pläne für Bau, Betrieb und Finanzierung der Endlager nach den „höchsten Sicherheitsstandards der Welt“ vorlegen müssen. Damit sollen die Mitgliedsstaaten zu einer raschen Lösung ihrer Probleme bei der Entsorgung von Atommüll gezwungen werden. In der EU sind derzeit in 14 Ländern 143 Atomkraftwerke in Betrieb, jährlich fallen rund 7000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfälle an. Dennoch gibt es in noch keinem einzigen EU-Staat ein Endlager. Lediglich Finnland, Schweden und Frankreich planen bereits konkreter den Bau der ersten Endlager in den kommenden 15 Jahren. Mitgliedstaaten dürfen sich dem Entwurf zufolge auch zusammentun, um Endlager gemeinsam einzurichten. Ein Export in Staaten außerhalb der EU, wie beispielsweise nach Russland, soll künftig jedoch verboten werden.

 

EU fordert Russland zum Einstieg in die europäische Energiestrategie auf:
Die Europäische Union hat Moskau aufgefordert, aktiv an der Ausarbeitung der europäischen Energiestrategie bis 2050 teilzunehmen. Laut EU-Energiekommissar Günther Oettinger soll die neue Energiestrategie die Interessen aller beteiligten Seiten sowie die langjährigen Erfahrungen Russlands im Energiebereich berücksichtigen.

 

Roland Berger weist nach: Stromnetze können Solarausbau gut verkraften:

Die Beratungsgesellschaft Roland Berger hat im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) untersucht, in wie weit die Stromnetze einen ambitionierten Ausbau der Solarenergie auf 52 GW (entspricht rund 52 Großkraftwerken) bis zum Jahr 2020 verkraften können. Das Ergebnis: Die Stromnetze können den künftigen Ausbau der Solarstrom-Erzeugung gut bewältigen! Die Betreiber sehen weder aktuell noch künftig ernsthafte Probleme. Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft: „Selbst die Betreiber von Stromnetzen mit besonders großem Photovoltaik-Anteil und starken Wachstumsraten sehen im Ergebnis keine fundamentalen Probleme für ihre Netze. Eine Beeinträchtigung der Stromversorgung oder gar ein ,Netzkollaps‘ aufgrund der Einspeisung von Solarstrom ist auf keinen Fall zu befürchten.“ Grund: Solarstrom wird verbrauchernah und zu Zeiten hoher Stromnachfrage erzeugt und ebenso dezentral und regional wieder verbraucht – wodurch sogar die großen Übertragungsnetze auf Hochspannungsebene teilweise entlastet würden. Dichtbesiedelte Gebiete hingegen sind wegen ihrer engmaschigeren Struktur sowie dem hohen regionalen Energiebedarf sehr aufnahmefähig und daher für dezentrale Einspeisung durch Solar-Anlagen sogar prädestiniert. Zudem verringern Innovationen wie neue Wechselrichter-Technologien den Investitionsbedarf erheblich. Neue blindleistungsregelungsfähige Wechselrichter erhöhen die Aufnahmefähigkeit von Stromnetzen wesentlich und können klassische Netzausbaumaßnahmen zum großen Teil ersetzen. Prof. Dr.-Ing. Martin Braun vom Fraunhofer IWES: „Unsere Netzberechnungen zeigen, dass die Photovoltaik-Aufnahmefähigkeit der Niederspannungsnetze durch die Bereitstellung von Blindleistung deutlich erhöht und in einigen Fällen auch mehr als verdoppelt werden kann.“

 

Informationsportal zur Kraftwerksforschung eröffnet:
Unter www.KraftwerkForschung.info werden ab sofort Studienergebnisse, neue Projekte und ihre Bedeutung für das Energiesystem informativ dargestellt. Die Nachrichten und Informationen zur öffentlichen Kraftwerksforschung sollen eine sachliche Diskussion zukünftiger Kraftwerkstechnologien fördern. Zudem wird Ende November das neue BINE-Themeninfo "Neue Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen" auf 20 Seiten aktuelle Themen der Forschung aufgreifen. Beide Medien sind vom BMWi gefördert und kostenlos verfügbar.

 

NRW will riesige Gasvorkommen ausbeuten:
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen will riesige, bislang unerschlossene Erdgas-Lagerstätten ausbeuten. Der US-Ölgigant ExxonMobil sowie neun weitere Energieunternehmen aus Australien, Kanada und Deutschland haben von NRW bereits Genehmigungen für millionenschwere Probebohrungen erhalten. Durch die neue Fördertechnik der „unkonventionellen Gasförderung“ können die dortigen Lagerstätten nun gehoben werden. Bei dem sogenannten „Tight Gas“ ist das Erdgas fest im Gestein eingeschlossen. Mit den neuen Verfahren kann mittels speziell zusammengesetzter Flüssigkeiten das Gestein aufgebrochen und das Gas nutzbar gemacht werden. Unklarheiten herrschen hingegen noch über etwaige Umweltrisiken dieser Technologie. Mehr als 50 Prozent der Gasförderung in den USA basiert inzwischen auf diesen Techniken, wodurch die Staaten nahezu von Gasimporten unabhängig wurden. Laut der Internationalen Energieagentur kann durch unkonventionelle Fördermethoden weltweit Reservoirs mit 921 Billionen Kubikmeter Gas zugänglich gemacht werden – das ist rund fünfmal so viel Gas, wie in klassischen Vorkommen liegt.

 

Deutscher Biosprit zu mindestens 35% aus Importen:

Greenpeace hat Dieselkraftstoff an 55 Tankstellen in sechs Bundesländern nach dem beigemischtem Biosprit untersucht. Demnach stammen im Schnitt 25% des Biosprits aus Sojadiesel und 10% aus Palmöldiesel, der Rest aus Raps. Die Soja- und Palmölprodukte stammen überwiegend aus Indonesien und Lateinamerika, wo großflächig Urwälder gerodet und Plantagen angelegt werden, was die Ökobilanz des Biosprits massiv verschlechtert. Um die heimische Produktion gegen die auf Kosten der Umwelt gehenden Billigimporte zu schützen – und gleichzeitig die hiesigen Landwirte als Energiebauern besser zu positionieren – müssten dringend die vorgeschriebenen Nachhaltigkeitskriterien für Biosprit nachgebessert werden. Noch größer sei das Problem laut dem Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie bei der Nahrungsmittel- und der Kosmetikindustrie, für die es bislang noch keinerlei verpflichtende Nachhaltigkeitsregeln gebe. Ab 2011 ist für Biosprit ein Zertifikat über die nachhaltige Produktion vorgeschrieben, zeitgleich erhöht sich auch der Anteil im Benzin von fünf auf zehn Prozent.

Allerdings scheint hier auch eine Entlastung von internationaler Seite zu kommen. Jüngst haben sich die 193 UN-Unterzeichnerstaaten nach zähen Verhandlungen auf ein Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) geeinigt, um eine verbindliche Regelung zu finden, wie man zukünftig mit den Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf die biologische Vielfalt umgehen will (Konferenz in Nagoya). Ziel 7 des verabschiedeten Strategischen Plans sieht vor, dass bis 2020 die gesamte Landwirtschaft nachhaltig betrieben werden soll – ein ambitionierter Vorsatz. Es bleibt abzuwarten, ob die Neuausrichtung (der Subventionen) an Nachhaltigkeitskriterien bereits in der 2013 anstehende Agrarreform der EU umgesetzt wird.

 

Verbesserte Sensoren für Windenergie-Rotoren bringen Effizienzsteigerungen von 10-15%:
An der TU München wurden neue Glasfasersensoren entwickelt, die Belastungen von Rotorblättern exakt messen können. Dadurch können Windräder künftig auch bei stärkeren Winden aktiv bleiben und so ihren Ertrag steigern. Bislang werden die Rotorblätter von Windrädern bei starkem Wind aufgrund von möglichen Beschädigungen vorsichtshalber "auf Durchzug gestellt". Die sensoroptimierte Blattregelung erlaubt Effizienzsteigerungen von 10-15%. Wobei sich pro Prozentpunkt für große Anlagen ein Netto-Kapitalwert von ca. 30.000 Euro ergibt.

 

Optimierte Platinkatalysatoren erlauben künftige Wasserstoff-Massenproduktion aus Erneuerbaren Energien:
Platin ist ein hoch leistungsfähiger und aktiver Katalysator, der nicht nur im Automobilbereich eingesetzt wird, sonder auch bei der Elektrolyse von Wasserstoff zunehmende Bedeutung erfährt. Allerdings ist Platin mit derzeit rund 55 Dollar pro Gramm sehr teuer und auch von der Verfügbarkeit her stark begrenzt. US-Forscher der University of Delaware haben nun ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Platin-Katalysatoren entwickelt, das hilft, den seltenen Rohstoff einzusparen. Das könnte zugleich auch einen Durchbruch für die Wasserstoff-Massenproduktion, dem „Energieträger der Zukunft“, bedeuten. Die Wasserspaltung per Elektrolyse funktioniert nur effizient, wenn die Elektrode der Zelle mit einem leistungsfähigen Katalysator ausgestattet ist. Bisherige Lösungsansätze, das hierfür benötigte Platin einzusparen, indem kleinste Partikel des Metalls auf ein Trägermaterial aufgebracht werden, warfen bislang noch  deutliche Effizienzprobleme auf. Durch Auftragen einer atomaren Platinschicht auf einen kostengünstigen Träger aus Wolframcarbid wurde dieses Problem nun gelöst. Die Forscher sprechen von einem Durchbruch für die Wasserstoff-Massenproduktion durch Elektrolyse, beispielsweise mittels Solar- und Windenergie. Damit bietet sich der Energieträger Wasserstoff wieder zunehmend als Alternative zu aufwendigen Batteriesystemen bei der Speicherung Erneuerbaren Energien an.

 

Solar-Wechselrichter optimieren Wirkungsgrad von Photovoltaik-Kraftwerken:
Siemens hat neue Zentral-Wechselrichter entwickelt, die den Ertrag und den Wirkungsgrad eines gesamten PV-Kraftwerks optimieren. Die Sinvert-PVS-Wechselrichter (sechs Modellreihen mit 24 unterschiedlichen Konfigurationen) sind mit einem Spitzen-Wirkungsgrad von über 98% die weltweit effizientesten Inverter am Markt. Mittels Symmetriemonitoring erkennen die Wechselrichter frühzeitig Störungen im Photovoltaikfeld und verständigen das Servicepersonal per Internet oder SMS umgehend über aufgetretene Fehler.

 

RWE will sich 2011 rund 280 Mio. Euro Atomsteuer sparen und tauscht Brennstäbe vorab aus:
Der Stromkonzern RWE tauscht noch im November 92 der 193 Brennelemente in seinem Atomkraftwerk Biblis B aus und spart dadurch nach einer Schätzung des hessischen Umweltministeriums 280 Millionen an der ab 1. Januar erhobenen Atomsteuer. RWE erklärte hingegen, der Austausch der Brennstäbe sei aus physikalischen Gründen alle zehn bis 14 Monate notwendig und sei lange angekündigt gewesen.

 

Bundesverband Christlicher Demokraten gegen Atomkraft:
Der Bundesverband Christlicher Demokraten gegen Atomkraft (CDAK), bestehend aus CDU/CSU-Mitgliedern gegen die Atomkraft, sieht die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke als Ausdruck politischer Idiotie. CDAK-Pressesprecherin Petra Pauly: „So wird die körperliche Unversehrtheit von Menschen (Artikel 2 Grundgesetz) auf dem Altar der Profitinteressen einer verschwindend kleinen Minderheit von Betreibern nuklearer Anlagen geopfert. Wir als Atomkraftgegner in der Union wollen die Steuerzahler um sehr hohe Beträge entlasten, indem wir nukleare Schmarotzer dauerhaft kalt stellen. Das funktioniert durch die strikte Anwendung des Verursacherprinzips. Das heißt, wer partout Atomstrom will, der soll auch die vollen Kosten tragen. Die (…) Mittelbadische Energiegenossenschaft hat kaufmännisch gerechnet 5 Euro pro Kilowattstunde ermittelt.“

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