Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 46

1. IEA bestätigt – Peak Oil war 2006:
2. Roland Berger stellt die Leistungsfähigkeit der PV-Technologie eindeutig fest:
3. Österreich weiter wegen Sicherheitsmängel bei Isar-1 besorgt:
4. Recycling und Rohstoffeffizienz können Milliarden einsparen:
5. Erneuerbare Energien verdoppeln sich bis 2015 auf 86.000 Megawatt:
6. Förderprogramm zur „Optimierung der energetischen Biomassenutzung“:
7. Stiftung für Zukunftsfragen belegt, Bundesbürger wollen keinen Atomstrom:
8. Fördergelder für Solarwärme 2010 noch nicht ausgeschöpft:
9. Online-Portal zur Unterstützung der energetischen Sanierung von Gebäuden:
10. Wirkungsgrad von 95% mit Holz möglich:
11. Rekord CO2-Speicher entwickelt:
12. Shell baut größte schwimmende Erdgasförderanlage:

 

IEA bestätigt – Peak Oil war 2006:

Die Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind immer mit Vorsicht zu genießen. Häufig wird ihnen ein größerer politischer oder monetärer Hintergrund nachgesagt, als dass sich die Ergebnisse wissenschaftlich begründen ließen. Beispiel: Die IEA prognostizierte im World Energy Outlook 2002 einen Ölpreis von 22 US-Dollar für das Jahr 2010, derzeit liegt er bei 87 US-Dollar. Im gleichen Report ging die IEA-Windkraftprognose bis 2020 von 100 Gigawatt aus: 2009 lag die weltweite Kapazität jedoch bereits bei 157 Gigawatt. Als Ursache der gravierenden Fehlschätzungen wird vielfach der Einfluss der Ölwirtschaft vermutet.

In dem World Energy Outlook 2010 geht die IEA nun von eine Ölproduktion von 99 Megabarrel in 2035 aus, wobei dann das Barrel Öl 113 US-Dollar kosten soll. Die Glaubwürdigkeit dieser Vorhersagen hat indes auch das Oil Depletion Analysis Centre (ODAC) in London angezweifelt. Dabei hat die IEA erstmals der bereits vor drei Jahren von der Energy Watch Group erfolgten Datierung des oil peaks auf 2006 zugestimmt. Demnach werde die Fördermenge konventionellen Erdöls nie wieder das Niveau von 2006 erreichen. Die Zunahme der Fördermenge bis 2035 beruhe auf der erwarteten gesteigerten Erschließung unkonventioneller Ölressourcen: Erdgaskondensate und Teersande, die sehr aufwändig und umweltbelastend gefördert werden. Internationale Wissenschaftler (ASPO) hatten zuvor bereits den peak oil auf 2008 datiert. Problematisch für die Versorgungssicherheit ist außerdem, dass rund 63% der gesamten nachgewiesenen Erdöl-Reserven im mittleren Osten lagern. Thomas Seltmann, Projektmanager der Energy Watch Group: „Wir empfehlen den Regierungen dringend, den Ausbau erneuerbarer Energien ehrgeizig zu beschleunigen, um den absehbaren Verknappungen und Preissprüngen bei fossilen Energien zu begegnen. Ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien ist insgesamt kostengünstiger als ein langsamer Ausbau. Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran.“


Roland Berger stellt die Leistungsfähigkeit der PV-Technologie eindeutig fest:

 

In der Gemeinschaftsstudie „Wegweiser Solarwirtschaft“ haben die Beratungsunternehmen Roland Berger und Prognos im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) die Leistungsfähigkeit der deutschen Solarstrom-Branche klar herausgestellt. Prof. Dr. Torsten Henzelmann, Partner im Kompetenzzentrum Civil Economics bei Roland Berger Strategy Consultants: „Wir haben in unserer Gemeinschaftsstudie die Leistungsfähigkeit der PV-Technologie eindeutig festgestellt. Nun kommt es darauf an, dass die Solarwirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren ihren potenziellen volkswirtschaftlichen Nutzen voll ausspielt.“ Die deutsche Solarstrom-Branche kann und muss demnach mit gezielten Anstrengungen bis 2020 einen wesentlichen Beitrag zur künftigen Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien leisten. Bis spätestens 2020 soll dann eine wettbewerbsfähige, kostengünstige, sichere und saubere Stromerzeugung aus Sonnenenergie gewährleistet sein. Günther Cramer, BSW-Präsident: „Die nächsten Jahre sind entscheidend für die Zukunft der deutschen PV-Branche und zum Erreichen der Energiewende.“

 

Österreich weiterhin wegen Sicherheitsmängel bei Isar-1 besorgt:

Die neue Studie "Schwachstellenbericht Siedewasserreaktoren Baulinie 69" im Auftrag der Landesregierungen Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg sowie der Umweltanwaltschaft Wien belegt Konstruktionsmängel für Siedewasserreaktoren der Baulinie 69, wie es das bayerische AKW Isar-1 nur 100 Kilometer von Österreichs Grenze entfernt ist. Isar-1 sollte ursprünglich 2011 vom Netz gehen, darf aber aufgrund der (von den Bürgern mehrheitlich abgelehnten) schwarz-gelben Laufzeitverlängerung darüber hinaus am Netz bleiben. Die neue Studie zeige nun laut der Tageszeitung ÖSTERREICH, dass die Sicherheitsmängel gefährlicher sind, als bislang angenommen. Von Anfang an hätten grobe Konstruktionsmängel bestanden: Vor allem der Reaktordruckbehälter weist durch seine Schweißnähte Sollbruchstellen auf. "Durch Nachrüstungsmaßnahmen können diese schwerwiegenden Konstruktionsmängel nicht ausgeglichen werden", so die Studie. Der verwendete Stahl ist ungeeignet: "Insbesondere hat der Stahl eine zu niedrige Zähigkeit." Die Auswirkung der Radioaktivität auf das Material ist nicht ausreichend berücksichtigt: "Sprödbrüche und damit katastrophales Versagen des Reaktordruckgefäßes wären schon bei höheren Betriebstemperaturen möglich."
Risikoforscher Wolfgang Kromp von der Universität für Bodenkultur: "Bei der Genehmigung des baugleichen Reaktors Zwentendorf in Österreich stellte sich heraus, dass das Reaktordruckgefäß nicht einmal den Anforderungen für gewöhnliche Druckgefäße laut Dampfkesselverordnung genügte." Österreich hat keinerlei Atomanlagen und reagierte auf die Laufzeitverlängerung in Deutschland äußerst besorgt. Zur Zeit streben viele Organisationen in der Alpenrepublik eine grenzübergreifende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nach EU-Recht an.

 

Recycling und Rohstoffeffizienz können Milliarden einsparen:
Nach den neuesten Ergebnissen der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes und des Umweltbundesamtes (UBA) "Rohstoffeffizienz – Wirtschaft entlasten, Umwelt schonen" hat Deutschland noch ein hohes ökonomisches Potential beim Ressourcenschutz. Ursprünglich hatte die Bundesregierung das Ziel, die Rohstoffeffizienz bis 2020 im Vergleich zu 1994 zu verdoppeln. Laut den nun vorgelegten Zahlen wird sich dieses Ziel trotz einer Erhöhung der Rohstoffeffizienz in den letzten Jahren nicht erreichen lassen. Jochen Flasbarth, Präsident des Umwelt Bundesamtes (UBA): „Ressourcen sparen ist neben dem Klimaschutz die zentrale umweltpolitische Herausforderung. Dies muss künftig stärker ins Bewusstsein rücken. Es gibt noch Einsparpotenziale bei den Unternehmen oder im Gebäudesektor, die wir dringend erschließen müssen. Dies hilft der Umwelt, spart Kosten und stärkt die Wirtschaft im internationalen Wettbewerb“, sagte. Experten schätzen, dass in der gewerblichen Wirtschaft noch 20 Prozent Einsparpotenziale bei den Materialkosten schlummern. Die Erschließung dieser Potenziale ist dabei sowohl für die Unternehmen als auch für die Gesamtwirtschaft lukrativ. Bei konsequenter Ausnutzung würde dies durch indirekte Effekte das Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 14,2 Prozent steigern bei gleichzeitigem Rückgang der Staatsverschuldung um 226 Milliarden Euro. Allein durch Recycling spart die deutsche Wirtschaft pro Jahr Rohstoffimporte im Wert von rund 3,7 Milliarden Euro. Zudem werden die Umweltfolgen der Rohstoffnutzung verringert (die Wiederverwertung von recyceltem Kupfer spart beispielsweise 50 Prozent Energie).

 

Erneuerbare Energien verdoppeln sich bis 2015 auf 86.000 Megawatt:

Mit dem Stand Ende 2009 war eine installierte Leistung zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Höhe von 43.000 Megawatt installiert. 51% dieser Anlagen wurden von Privatpersonen und Landwirten realisiert. Die daraus resultierende Wertschöpfung für den ländlichen Raum, strukturschwache Regionen und finanzschwache Kommunen ist enorm. So hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) die kommunalen Wertschöpfungseffekte der Erneuerbaren Energien für das Jahr 2011 auf 8,9 Mrd. Euro beziffert. Die gesamte Wertschöpfung der Erneuerbaren (Investitionen und Betrieb) betrug im Jahr 2009 rund 37,5 Milliarden Euro.
Laut aktuellen Berechnungen der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber zur EEG-Mittelfristprognose wird für das Jahr 2015 eine installierte Leistung von rund 86.000 Megawatt aus erneuerbaren Energiequellen erwartet. Davon werden über 90 % (jeweils rund 39 GW) auf Solar- und Windenergie entfallen. Letztendlich werden damit in 2015 dann Vergütungen von mehr als 21 Milliarden Euro an die Anlagenbetreiber fällig.
Die daraus resultierenden positiven Effekte für die kommunale Wertschöpfung und den Bürger als Kraftwerksbetreiber kommentiert Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Die heute noch zentralisierte Energieversorgung verliert zunehmend an Bedeutung. Der Kraftwerkspark der Erneuerbaren Energien ist deutlich dezentraler organisiert. Dabei spielen die Menschen vor Ort, die Kommunen und die mittelständische Wirtschaft eine wichtige Rolle.“ (Weitere Informationen bietet der kostenlose Sammelband Dezentralität „Kraftwerke für Jedermann – Chancen und Herausforderungen einer dezentralen erneuerbaren Energieversorgung“)

 

Förderprogramm zur „Optimierung der energetischen Biomassenutzung“:

Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative die Optimierung der energetischen Biomassenutzung mit rund 2 Mio. Euro. Neben Verfahrensentwicklungen für die Herstellung von synthetischem Erdgas aus Biogas ist auch der Aufbau einer Open-Source-Datenbank, der BioEnergieDat, bis August 2012 vorgesehen. Sie soll Informationen zum Stand der Technik, den ökologischen Effekten sowie ökonomischen Kenngrößen von Produktions-, Bereitstellungs- und Konversionsprozessen bereitstellen und öffentlich zugänglich machen. Im Rahmen des vom Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE) getragenen Vorhabens „BioKommunal“ wiederum soll ein bundesweites kommunales Bioenergie-Netzwerk entstehen. Damit sollen Gemeinden bundesweit motiviert werden, biogene Rückstände und Abfälle in weitaus höherem Maß als bislang energetisch zu verwerten und dadurch zur Minderung von Treibhausgasen beitragen.
Bis Jahresende werden bundesweit rund 6.000 Biogasanlagen eine Gesamtleistung von rund 2.300 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht rund zwei Atomkraftwerken. Allein 2009 wurden 1.000 Anlagen errichtet. Insgesamt schuf die Energieerzeugung aus Gülle und Energiepflanzen rund 19.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Der Exportanteil der deutschen Biogasunternehmen liegt momentan bei rund 23 Prozent des Firmenumsatzes, mit steigender Tendenz.

 

Stiftung für Zukunftsfragen belegt, Bundesbürger wollen keinen Atomstrom:
Eine Studie der Stiftung für Zukunftsfragen belegt, dass rund 61% der Bundesbürger Strom aus regenerativen Energien wünschen, auch wenn dies zunächst eine Erhöhung der Strompreise bedeuten könnte. Demgegenüber sind nur 8% bereit, dem schwarz-gelben Entschluss zur Laufzeitverlängerung entsprechend Strom aus vermeintlich günstigeren Atomkraftwerken zu beziehen.

 

Fördergelder für Solarwärme 2010 noch nicht ausgeschöpft:
Die Fördermittel, die im Jahr 2010 für die Innovationsförderung zur Verfügung stehen, sind noch nicht ausgeschöpft. Solarwärmeanlage zur Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung werden dabei mit 180 Euro pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche vom Bund gefördert. Der Bau der Anlage muss erst innerhalb der kommenden neun Monate nach Antragsstellung erfolgen, der Förderbetrag wird für den Antragsteller jedoch fest reserviert.

 

Online-Portal zur Unterstützung der energetischen Sanierung von Gebäuden:

Die Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) hat ein neues, kostenloses Online-Portal "Vermieten mit Energieeffizienz" eröffnet. Kernpunkt ist die energetische Sanierung des Wohnungsbestands. Private Vermieter, Wohnungsbaugesellschaften, Baugruppen, Genossenschaften und Hausverwaltungen erhalten hier Antworten und Expertenauskünfte zu Themen wie Haustechnik, erneuerbaren Energien, Dämmung, Fenstern, Wirtschaftlichkeit und Mietereinbindung. Zudem geben Wohnungsunternehmen mit bereits abgeschlossenen Effizienzhaus-Sanierungen ihre Erfahrungen weiter. Weiterer Service sind aktuelle Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Baupraxis sowie Arbeitshilfen zu Planungs- und Umsetzungsfragen, zur Portfolioanalyse und zu Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
Gebäude verbrauchen rund 40% der Endenergiemenge in Deutschland. Das Fraunhofer ISE hält dabei Einsparungen von 70 bis 80% in diesem Bereich für möglich. Allerdings ist die schwarz-gelbe Bundesregierung in ihrem jüngsten Energiekonzept von einst ambitionierteren Zielen, die energetische Gebäudesanierung voranzubringen, wieder zurückgetreten.

 

Wirkungsgrad von 95% mit Holz möglich:
Blockheizkraftwerke können einen Wirkungsgrad von 95% erreichen. Voraussetzung ist die optimale Zerkleinerung des Holzes für den Vergaser (Kantenlänge von 40 bis 120 mm). Die Hackschnitzelqualität ist für eine gute Holzvergasung absolut entscheidend. Daher forscht die Fachhochschule Köln zusammen mit einem Maschinenbauer aus dem Westerwald an einer speziellen Aufbereitungsanlage für die Hackschnitzel. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie fördert das Entwicklungsprojekt „Energieeffiziente Aufbereitung spezifizierter Biomasse für dezentrale Holzvergasung“ mit 240.000 Euro. Die Versuchsreihen sollen bis Ende März 2011 abgeschlossen sein, ein Prototyp bis August 2011 stehen.

 

Rekord CO2-Speicher entwickelt:
An der TU Dresden wurde ein nanoporöses Material mit der Bezeichnung DUT-9 entwickelt, das die höchste für poröse Feststoffe je beobachtete Kohlendioxid-Speicherkapazität von 1,64 g/g CO2 aufweist. Die große Speicherfähigkeit beruht auf der hohen spezifischen Oberfläche und der sehr großen Zahl von sehr kleinen Poren. Damit übertrifft es die etablierten porösen Materialien wie Aktivkohle und Zeolithe bei weitem.

 

Shell baut größte schwimmende Erdgasförderanlage:
Vor der Nordwestküste Australiens errichtet der niederländisch-britische Energieriese Shell das größte schwimmende Objekt der Welt. Für 3,7 Milliarden Euro entsteht eine 600.000 Tonnen schwere, 500 Meter lange und 75 Meter breite Plattform zur Erdgasförderung. Von 2016 an soll 20 Jahre lang jährlich 3,5 Millionen Tonnen Erdgas gefördert werden.

 

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