Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 50

1. Klage gegen AKW-Laufzeitverlängerung kommt vermutlich im Februar:
2. Privater CO2-Ausstoß in Deutschland gesunken:
3. Desertec-Projekt wird zunehmend ernst:
4. VDE-Institut zertifiziert erste Ladesteckvorrichtung für Elektroautos:
5. Deutsch-amerikanisches Konformitätsabkommen bei der Zertifizierung von Energieeffizienz:
6. Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zur Sanierung von Mehrfamilienhäusern:
7. dena-Exporthandbücher für Erneuerbare Energien für USA, Lateinamerika und Türkei:
8. Stadtwerkskonsortium kauft Kraftwerksbetreiber Steag:
9. Medwedew verordnet umfassende Modernisierung der RUS-Energiebranche:
10. China sichert sich weiteres Erdöl, diesmal in Norwegen:

 

Klage gegen AKW-Laufzeitverlängerung kommt vermutlich im Februar:
Die Opposition bereitet derzeit nach eigenen Angaben die Klageschriften gegen die umstrittene Laufzeitverlängerung der schwarz-gelben Koalition für Kernkraftwerke vor. Nachdem Bundespräsident Wulff am 08. Dezember das entsprechende Gesetz unterzeichnet hat, haben die SPD-geführten Bundesländer angekündigt, vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Laufzeitverlängerung zu klagen. Auch die Bundestagsopposition bereitet eine Normenkontrollklage vor. Die Fertigstellung der Klageschriften dürfte indes bis Februar 2011 dauern.

 

Privater CO2-Ausstoß in Deutschland gesunken:
Mehr Erneuerbare Energien, sparsamere Autos, effizientere Elektrogeräte: Die deutschen Haushalte konnten laut dem Statistischen Bundesamt ihre CO2-Emissionen im Durchschnitt senken. Demnach hat jeder Deutsche 2009 rund 7,5 Tonnen CO2 freigesetzt (zum Vergleich: Ein Hin- und Rückflug München New York stößt pro Kopf bereits rund 2,6 Tonnen CO2 aus). Im Jahr 2000 setzte jeder Deutsche noch rund 8,0 Tonnen frei – das bedeutet eine Reduktion für die privaten Haushalte von 6,25%. Konkret im Vergleich zum Jahr 2000: Emissionen bei der Herstellung der Konsumgüter: -4,3%, Emissionen durch Heizen: -7,7%, durch den Kraftstoffverbrauch privater Pkws: -5,7%. Von den gesamten Emissionen deutscher Haushalte in Höhe von 618 Millionen Tonnen entfiel der kleinere Teil direkt in den Haushalten: Auf Heizen oder Autofahren entfielen 216 Millionen Tonnen, auf den Konsum, also durch die Herstellung von Gütern im In- und Ausland (Import) 402 Millionen Tonnen. Der private Konsum ist somit für den Großteil des Ausstoßes Deutschlands verantwortlich – besonders chinesische Produkte weisen hier aufgrund der schlechten Energieeffizienz bei der chinesischen Stromerzeugung (noch) einen hohen Wert auf. (Internationale Rangliste bezogen auf das Jahr 2007 für den CO2-Ausstoß pro Einwohner: USA 19,1 t, Australien 18,8 t, Kanada 17,4 t, Saudi-Arabien 14,8 t, Taiwan 12,1 t, Russland 11,2 t, Südkorea 10,1 t, Japan und Deutschland je 9,7 t, Großbritannien 8,6 t, Polen 8,0 t, Spanien 7,7 t, Italien 7,4 t, Südafrika 7,3 t, Ukraine 6,8 t, Iran 6,6 t, Frankreich 5,8 t, China 4,6 t, Mexiko 4,1 t, Brasilien 1,8 t.)

 

Desertec-Projekt wird zunehmend ernst:
Am 09. Dezember haben 20 Unternehmen in Frankreich das Projekt „Medgrid“ gegründet (zuvor unter "Transgreen" bekannt, der Name war allerdings bereits geschützt). Medgrid soll nach eigenen Angaben keine Konkurrenz zu Desertec sein, sondern dieses ergänzen. Vorrangiges Ziel ist es, gemeinsam mit spanischen und nordafrikanischen Unternehmen Hochspannungsleitungen durch das Mittelmeer von Afrika nach Europa zu verlegen (siehe Karte). Für die Hochspannungskabel sind nun Machbarkeitsstudien geplant. Die Zeit drängt: Desertec will bis 2020 eine Leistung von 20 GW an Erneuerbaren Energien in der afrikanischen Wüste installiert haben (zum Vergleich: ein modernes AKW kommt auf 1 bis 1,5 GW).

 

VDE-Institut zertifiziert erste Ladesteckvorrichtung für Elektroautos:
Die dringend gebotene Vereinheitlichung der Elektromobil-Infrastruktur schreitet voran. Die im VDE verankerte Normungsorganisation DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik im DIN und VDE) hat gemeinsam mit der Automobil- und Elektroindustrie sowie den Energieversorgern eine Anwendungsregel entwickelt und bei der internationalen Normungsorganisation IEC (International Electrotechnical Commission) eingereicht. Das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut ist eine national und international akkreditierte Institution auf dem Gebiet der Prüfung und Zertifizierung elektrotechnischer Geräte, Komponenten und Systeme. Erstmals hat das VDE nun in seinem Automotive-Testzentrum eine Ladesteckvorrichtung für Elektroautos zertifiziert. Damit entspricht das Ladesystem der Mennekes Elektrotechnik GmbH den Sicherheitsaspekten und der Kompatibilität für unterschiedliche Ladebetriebsarten und Ladestationen. Die Anwendungsregel ist Grundlage und Voraussetzung für die internationale Standardisierung. Die sogenannte „Typ 2-Steckvorrichtung“ berücksichtigt dabei vor allem auch die Kompatibilität für die unterschiedlichen Ladebetriebsarten und ist bereits für zukünftige Anwendungen wie intelligentes Energiemanagement mit bidirektionaler Energieübertragung im Rahmen von „Smart Grid“ ausgelegt.

 

Deutsch-amerikanisches Konformitätsabkommen bei der Zertifizierung von Energieeffizienz:
Das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut hat eine Kooperationsvereinbarung mit dem amerikanischen Zertifizierungssystem EPEAT unterzeichnet und wird künftig IT-Produkte auf ihre Konformität mit den EPEAT-Kriterien hin prüfen. Dies ist ein US-amerikanisches Bewertungs- und Zertifizierungssystem, das IT-Produkte auf ihre Energieeffizienz hin bewertet. Hersteller, die dem EPEAT-Abkommen beitreten, verpflichten sich, ihre Produkte umweltgerecht und schadstoffarm herzustellen. Dafür erhalten sie Auszeichnungen in den Kategorien Gold, Silber und Bronze. Die Anfrage kam aus den Vereinigten Staaten, da das VDE als eine der weltweit führenden Prüfinstitute gilt und wesentlich an der Standardisierung der entsprechenden Prüfverfahren mitgewirkt hat.

 

Kosten-Studie der Deutschen Energie-Agentur zur Sanierung von Mehrfamilienhäusern:
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat eine Studie herausgegeben, wie Mehrfamilienhäuser warmmietenneutral energetisch saniert werden können. Mit den durchgerechneten Modellen und vorgelegten Zahlen wird belegt, dass sich die energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern sowohl für Vermieter als auch für Mieter rechnet. Es muss zwar die Kaltmiete erhöht werden, aber den Rechenbeispielen zufolge stehen entsprechende Energiekosteneinsparungen gegenüber, so dass sich letztlich die Warmmiete nicht erhöht (zudem stehen umfassende, allerdings intransparente Förderprogramme zur Verfügung). Dies schwarz auf weiß vorzulegen ist insofern von hoher Bedeutung, da die energetische Gebäudesanierung oftmals an dem aus Unkenntnis geborenen Unwillen der Vermieter scheitert – da diese in keinster Weise für die erhöhten Heizkosten und damit den CO2-Ausstos aufkommen, sondern allein der Mieter über die Nebenkosten, entfällt bislang der Druck zur Sanierung (bislang gibt es in diesem Bereich nur Subventionen, aber keine entsprechenden Sanktionen, energetische „Monster“ zu sanieren). Da aber rund 40% des deutschen Energieverbrauchs und 20% des CO2-Ausstoßes auf Gebäude entfallen und die privaten Haushalte rund 85% ihres Energiebedarfs allein für Heizung und Warmwasser verbrauchen (der Löwenanteil entfällt auf das Heizen) ist es von immenser Bedeutung, die "Blockierer und Verweigerer aus Unkenntnis" unter den Vermietern von den nicht zu letzt auch finanziellen Vorteilen auf der Vermieterseite bei der energetischen Gebäudesanierung zu überzeugen. Die Studie basiert auf dem dena-Modellprojekt „Niedrigenergiehaus im Bestand“. Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: "Die Studie zeigt, wie wir schnell und sozialverträglich ein erstes Etappenziel bei der Sanierung der Wohngebäude in Deutschland erreichen können.“ Ein Haken existiert allerdings: „Für die Erreichung der Ziele der Bundesregierung [80% CO2-Einsparung bis 2050; Anm. d. R.] ist die Aufstockung der Fördermittel auf vier bis fünf Milliarden Euro jährlich erforderlich.“ Dem steht die heftig umstrittene Energiepolitik der schwarz-gelben Regierung gegenüber, die sich aller gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz in den niedergelegten Zahlen letztendlich kontraproduktiv erweist. Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB) bereits Ende Oktober: „Die von der Bundesregierung beschlossenen drastischen Kürzungen bei Wohngeld, Städtebauförderung und dem Förderprogramm zur energetischen Gebäudesanierung sind falsch, ungerecht und widersprüchlich.“

 

dena-Exporthandbücher für Erneuerbare Energien für USA, Lateinamerika und Türkei:
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat drei jeweils rund 200 Seiten starke Exporthandbücher herausgegeben, interessierte Unternehmen über die Marktchancen, Energiesituation und politische Rahmenbedingungen der Erneuerbare-Energien-Branche in den USA, Lateinamerika und der Türkei informieren. Auch Entwicklungstrends, Branchenstrukturen und Projektbeispiele werden erörtert. Bei den USA ist zu beachten, dass sich dem Stillstand auf nationaler Ebene eine wachsende Dynamik auf bundesstaatlicher Ebene gegenüberstellt. Für Erneuerbare Energien und nachhaltige Energieeffizienzmaßnahmen interessante US-Bundesstaaten (u.a. rechtlichen Bedingungen und Fördermaßnahmen) sind beispielsweise Arizona, Hawaii, Illinois, Kalifornien, Maryland, Minnesota, Nevada, New Jersey, New York State, Ohio, Pennsylvania, Texas und Wisconsin. Das zweite Buch widmet sich vor dem gleichen Hintergrund den boomenden Staaten Lateinamerikas mit deren rasant wachsendem Energiebedarf. Das dritte Buch widmet sich dem siebtgrößten Strommarkt Europas und einem der aufgrund der in den letzten Jahren beeindruckenden Wirtschaftsentwicklung am schnellsten wachsenden weltweit: dem geostrategisch einmalig gelegenen Brückenland zwischen Europa, Asien und Nahem Osten, der Türkei. Hier sollen beispielsweise bis 2023 30% der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stammen. Die Exporthandbücher werden im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) publiziert und können hier bestellt werden.

 

Stadtwerkskonsortium kauft Kraftwerksbetreiber Steag:
Der Mischkonzern Evonik will seinen Kraftwerksbetreiber Steag (der fünftgrößte Versorger in der Bundesrepublik) an ein Konsortium aus den sechs nordrhein-westfälischen Stadtwerken Dortmund, Duisburg, Dinslaken, Essen, Oberhausen und Bochum verkaufen (zunächst 51% für 650 Mio. Euro / insgesamt mit rund 3,77 Mrd. Euro bewertet, ergibt das um Schulden und Pensionsverpflichtungen bereinigt rund 1,24 Mrd. Euro). Auf dem Strommarkt entsteht dadurch eine fünfte Kraft, die den „echten“ Wettbewerb fördert und damit das Oligopol von E.on, RWE, Vattenfall und EnBW schwächt. Der Chef der Deutschen Monopolkommission Justus Haucap spricht von positiven Auswirkungen auf den Wettbewerb: „Die Konzentration auf dem Erzeugermarkt nimmt ab, und das ist gut so.“ In Deutschland betreibt die Steag neun Steinkohlekraftwerke, außerdem gibt es Kraftwerke in der Türkei, in Kolumbien sowie auf den Philippinen. Aus einer Erklärung der Stadtwerke: „Das Stadtwerke- Konsortium verfolgt mit dem Erwerb die Absicht, mittel- und längerfristig einen ökologischen Umbau vorzunehmen.“

 

Medwedew verordnet umfassende Modernisierung der RUS-Energiebranche:
Die russische Energiebranche ist laut dem russischen Präsidenten Medwedew technologisch rückständig und umweltschädlich, die Abnutzung der Anlagen verursache zudem schwere Unfälle. Es sei insofern notwendig, den Betrieb veralteter und abgenutzter Anlagen zu verbieten. Nach neuesten Zahlen ist die Energiebranche für mehr als 70% des Treibhausgas-Emissionen Russlands verantwortlich. Eine neue Doktrin soll die notwendigen Maßnahmen systematisieren, um nicht nur die Energiebranche zu modernisieren sondern auch „Ordnung zu schaffen“. Der Energiesektor bleibt jedoch Russlands Eckpfeiler der Staatsfinanzen: Das Land hält rund 20,6% des Weltumsatzes am Gashandel, rund 12,6% am weltweiten Ölhandel und etwa 4,7% am Weltkohlehandel (Stand 2007). Das trägt rund ein Drittel zum RUS-BIP bei. Die Energieexporte finanzieren zu rund 40% den Staatshaushalt.

 

China sichert sich weiteres Erdöl, diesmal in Norwegen:
Das ausgeprägte chinesische Bestreben, den eigenen Rohstoffbedarf langfristig zu sichern, hat die staatlichen Energieunternehmen aus dem Reich der Mitte diesmal nach Norwegen geführt. Das staatliche chinesische Unternehmen Oilfield Services hat einen Vertrag mit dem norwegischen Konzern Statoil über Ölbohrungen in der Nordsee unterzeichnet. Die neue Bohrinsel soll bereits im Sommer ihre Arbeit aufnehmen. Laut Statoil trägt das Abkommen zur Stabilisierung der Ölförderung bei, Bohrinseln würden zudem modernisiert werden. Die Ölförderung des an Energieressourcen reichen Norwegen ist seit dem Jahr 2000 rückläufig, allerdings werden laufend neue Gasvorkommen entdeckt.
 

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