Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 51

Öl und Gas:
1. Riesige Gasvorkommen in Deutschland vermutet:
2. Ölplattform über Versorgungskabel von Land aus versorgt:
3. USA verklagen BP wegen  Ölkatastrophe – BP stößt weitere Aktiva ab:

Windenergie:
4. NASA will Windenergie schwebend in großen Höhen nutzen:
5. Windkrafträder mit positivem Effekt auf das Pflanzenwachstum:
6. Weltgrößter Windkraftpark entsteht in der Nordsee:
7. Kfw fördert 200-MW-Windpark in Ägypten:

Solarenergie:
8. Fraunhofer Forschungsanlage für Dünnschichtsolarzellen:
9. Solarunternehmen Conergy einigt sich mit Gläubigern:

Geothermie:
10. Grundwasser kann Heizbedarf der Großstädte decken:

Sonstiges:
11. Hohes Einsparpotential bei kommunaler Straßenbeleuchtung:
12. Online-Zentrum für Klimawissenschaften:
13. Umweltbilanz von Lithium-Akkus verbessert:
14. Absichtserklärung für Nordsee-Stromnetz unterzeichnet:
15. Energieeinsparung bei Hochgeschwindigkeitszügen:
16. Kabelloses (induktives) Aufladen von Elektrofahrzeugen:

 

Öl und Gas:

 

Riesige Gasvorkommen in Deutschland vermutet:
Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen schätzt, dass in den Kohleflözen allein in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen rund 2.200 Milliarden Kubikmeter Erdgas in rund 1.500 Meter Tiefe lagern. Dabei handelt es sich um sogenannte nicht-konventionelle Gasvorkommen, weil der Energieträger sich nicht in einer Falle angereichert hat, sondern fein im gesamten Gestein verteilt sitzt (Schiefer, Kohle, Sandstein). Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schätzt in ihrer jüngsten Energierohstoff-Studie das Potential ebenfalls als sehr hoch ein: Die unkonventionellen Vorkommen könnten gut das Siebenfache der konventionellen Gasvorkommen ausmachen. Die BGR wurde nun von der Bundesregierung aufgefordert, den Wert genau zu ermitteln. Die unkonventionelle Gasförderung wurde in den USA bereits Mitte der 1990er Jahre forciert und macht heute bereits über die Hälfte der US-Gasförderung aus. Die dafür notwendigen Verfahren benötigen jedoch viel Energie und sind teuer. Die eingesetzten Chemikalien gefährden zudem die Umwelt.

 

Ölplattform über Versorgungskabel von Land aus versorgt:
Die schwimmende Offshore-Plattform „Goliat“ (Eni Norge) in der Barentssee nördlich von Norwegen, wird nicht wie sonst üblich von Gasturbinen und Generatoren an Bord mit Strom versorgt, sondern über ein 106 Kilometer langes Seekabel von Land aus. Dadurch sollen die CO2-Emissionen um 50% reduziert werden. Das Landstromversorgungssystem wird von Siemens Energy geliefert.

 

USA verklagen BP wegen  Ölkatastrophe – BP stößt weitere Aktiva ab:
Der britische Ölkonzern BP verkauft weitere Aktiva, um Geld für die Beseitigung der Schäden der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu bekommen. Am 22.04.2010 war die Ölplattform Deepwater Horizon havariert und in den folgenden Wochen in der größten Ölpest der Geschichte rund 4,9 Mio. Barrel Öl ausgelaufen. Die gesamten Kosten stehen noch nicht fest, dürften aber einen zweistelligen Milliardenbetrag ausmachen (die Credit Suisse schätzte noch im Sommer die Kosten auf 37 Mrd. Dollar). Nun haben die USA Klage gegen BP und vier weitere Unternehmen eingereicht. Ihnen werden grobe Fahrlässigkeit und Verstöße gegen die Umweltgesetze der USA vorgeworfen. Sollte das Gericht tatsächlich eine grobe Fahrlässigkeit feststellen, könnte dies die Kosten für BP drastisch erhöhen. Beobachter rechnen dann, inklusive der Klagen von Privatpersonen und Firmen, mit Kosten für BP in Höhe von 80 Mrd. Dollar. Letzte Woche hatte BP bereits seine Aktiva in Pakistan an das chinesische Unternehmen United Energy Group Limited (UEG) für 775 Millionen Dollar abgetreten. Nun sollen die Gasreserven, Werke, Gasspeicher und Anlagen in Kanada im Wert von 1 Mrd. Dollar folgen. Insgesamt hatte BP angekündigt, als Folge der Ölkatastrophe Aktiva im Wert von 30 Mrd. Dollar verkaufen zu wollen.
Für die Katastrophe hat BP bisher 40 Mrd. Dollar abgeschrieben.

 

Windenergie:

 

NASA will Windenergie schwebend in großen Höhen nutzen:
Die NASA untersucht das Potential fliegender Windkraftwerke. Eingesetzt werden könnten Schwärme von Flugdrachen, Luftschiffe oder Ballone. Hintergrund: „Bereits in 600 Meter Höhe ist die Windgeschwindigkeit zwei- bis dreimal höher als am Boden. Da die daraus erzielbare Leistung die dritte Potenz des Windes ist, kann man damit acht bis 27 mal mehr Strom erzeugen. Zudem ist der Wind in diesen Höhen auch gleichmäßiger", so der NASA-Techniker Mark Moore. Die Kraftwerke könnten das ganze Jahr über am Himmel schweben und würden nur im Falle eines Sturmes oder zur Wartung eingeholt. Der erzeugte Strom würde mit Seilen aus Nanoröhren den zur Erde geschickt. Ein erster Prototyp existiert bereits in Italien. Die Firma Kite Gen Research testet derzeit den Prototypen eines Windkraft-Flugdrachens für Höhen bis 10.000 Meter, der mit neun Generatoren 27 Megawatt Spitzenleistung erreicht.

 

Windkrafträder mit positivem Effekt auf das Pflanzenwachstum:
Einer US-Studie zufolge haben Windkraftanlagen einen positiven Effekt auf das Pflanzenwachstum in ihrer Umgebung. Die WEA erhöhen demnach den Luftstrom auf die Pflanzen, gleichen dadurch Temperaturschwankungen aus und reduzieren die Feuchtigkeit, was wiederum die Ausbreitung von Pilzerkrankungen eindämme. Zudem liefert der Luftstrom verstärkt Kohlendioxid nach, das als Pflanzennährstoff eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung durch die Fotosynthese spielt. Die Effekte waren noch bis zu 400 Meter entfernt nachweisbar. Untersuchungen des Einflusses auf die Ernteerträge stehen allerdings noch aus.

 

Weltgrößter Windkraftpark entsteht in der Nordsee:
Die 34 Gesellschafter aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz haben auf der Gesellschafterversammlung des Trianel Windkraftwerks Borkum (TWB) den Baubeschluss für den ersten Bauabschnitt des derzeit weltgrößten Offshore-Windparks gefällt. In diesem ersten Schritt werden rund 45 Kilometer nördlich der Borkumer Küste 40 riesige 5-MW-Windräder mit insgesamt 200 Megawatt Leistung installiert (ausreichend für 200.000 Haushalte). In einem zweiten Bauabschnitt werden dann weitere 40 WEA errichtet. Die Investitionssumme für den ersten Bauabschnitt beträgt rund 700 Mio. Euro. Die EU-Kommission steuert 42,71 Mio. Euro aus dem Europäischen Energieprogramm zur Konjunkturbelebung (EEPR) bei.

 

Kfw fördert 200-MW-Windpark in Ägypten:
In Ägypten entsteht mit dem Windpark "Golf von el Zayt" am Roten Meer (200 Megawatt) der leistungsstärkste Windpark Afrikas. Die KfW Entwicklungsbank gibt dabei im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Darlehen in Höhe von 192 Mio. Euro. Die gesamten Projektkosten liegen bei rund 340 Mio. Euro.

 

Solarenergie:

 

Fraunhofer Forschungsanlage für Dünnschichtsolarzellen:
Das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP in Dresden hat eine Vakuum-Clusteranlage in Betrieb genommen, mit der sich (in Deutschland einmalig) die einzelnen Produktionsschritte bei der Herstellung von Dünnschichtsolarzellen beliebig kombinieren lassen. Die Clusteranlage wurde im Rahmen der Initiative „Solarfabrik 2020“ entwickelt und durch Mittel des Konjunkturprogramms 1 finanziert. Ziel ist es, den Prozess weiter zu optimieren und dadurch die Herstellungskosten drastisch zu senken, sowie auch die Entwicklungen in der Dünnschichtphotovoltaik wesentlich zu beschleunigen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann als Vorlage für industrielle in-line Anlagen zur Massenherstellung von Dünnschichtsolarzellen dienen (Zielgröße: Beschichtungskosten von einigen wenigen Euro pro Quadratmeter).

 

Solarunternehmen Conergy einigt sich mit Gläubigern:
Das kriselnde Solarunternehmen Conergy aus Hamburg hat sich mit seinen Gläubiger-Hedgefonds York Capital und Sothic Capital geeinigt und ist vorerst gerettet. Die beiden Investoren werden ihre Kredite an Conergy, die sie zuvor Banken abgekauft hatten, im Rahmen einer Kapitalerhöhung in eine Kapitalbeteiligung tauschen. Dadurch soll auch die Zinslast sinken. Nach der Fastpleite 2007 war die Zahl der Conergy-Beschäftigten auf rund 1.600 halbiert worden, weil sich das Unternehmen für die Expansion verschuldet und auf Nebenschauplätzen wie der Windenergie verloren hatte. In diesem Jahr ist das Solarunternehmen operativ wieder in die schwarze Zahlen zurückgekehrt (30 bis 40 Millionen Euro Gewinn).

 

Geothermie:

 

Grundwasser kann Heizbedarf der Großstädte decken:
In den großen Ballungszentren steigen aufgrund von Wärmeinseleffekten nicht nur die Oberflächentemperaturen, auch das oberflächennahe Grundwasser hat sich um bis zu 5 Grad Celsius erwärmt. Diese Energie ließe sich mittels Erdwärmepumpen effizient zum Heizen im Winter und zum Kühlen im Sommer nutzen. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die ETH Zürich haben nun das geothermische Potenzial von oberflächennahen Grundwasserschichten in urbanen Ballungsräumen untersucht. Demnach ließe sich beispielsweise in Köln der jährliche Heizbedarf aller Wohngebäude mit Wärme aus dem Grundwasser für mindestens zweieinhalb Jahre decken. Juniorprofessor Philipp Blum: „Diese erwärmten Grundwasserschichten bieten genug Energie, um einen ganz erheblichen Teil des Heizbedarfs ganzer Städte zu decken.“ 

 

Sonstiges:

 

Hohes Einsparpotential bei kommunaler Straßenbeleuchtung:
Ingenieure und Betriebswirtschaftler aus dem Umweltinstitut Neumarkt haben das Potential von Induktionsleuchten beim Einsatz in der Straßenbeleuchtung untersucht und dabei ein erhebliches Einsparpotential gegenüber konventionellen Quecksilberdampflampen errechnet. Nach Auswertung der technischen Aspekte (Lichtstärke, Leistungsaufnahme und Alterungsverhalten der Lampen), der Kosten für Ersatz und Austausch der Leuchtkörper sowie der Kosten für die Betriebsdauer der Lampen und der Einsparung gegenüber dem Einsatz der bisher verwendeten Leuchtmittel ergibt sich ein erheblichen Einsparpotenzial. Die aufzuwendenden Mittel würden sich in kürzester Zeit amortisieren. Allein für die Stadt Neumarkt (rund 40.000 Einwohner) ergibt das jährliche Einsparungen von 62.000 Euro und 536 Tonnen CO2. Zudem ist auch der Quecksilberverbrauch erheblich geringer.

 

Online-Zentrum für Klimawissenschaften:
Bereits 2009 wurde im Auftrag der Bundesregierung und als eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht das „Climate Service Center“ ins Leben gerufen. Der Online-Service bietet Antworten zu Fragen rund ums Klima und ist speziell auf Vertreter von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien zugeschnitten. Behandelte Informationen sind unter anderem notwendige Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft, Stadtplanung und Industrie sowie die Kosten von Klimawandel, Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen. CSC-Direktor Prof. Guy Brasseur: „Das Klimasystem ist sehr komplex und berührt alle Bereiche der Gesellschaft, die sich künftig an die veränderten Bedingungen anpassen müssen.“ Projekt-Koordinatorin Dr. Annegret Thieken: „ Die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft und die wirtschaftlichen Sektoren benötigen hierzu sehr spezielle Informationen. In allgemeinen Berichten zum Klimawandel finden Entscheidungsträger die für sie relevanten Informationen oft nicht oder sie müssen sie mühsam zusammensuchen. Am CSC werden sie Informationen erhalten, die speziell auf ihre Bedarfe zugeschnitten sind."

 

Umweltbilanz von Lithium-Akkus verbessert:
Forscher des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung CNRS
arbeiten an der Entwicklung eines organischen Lithium-Akkus. Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind die derzeit leistungsstärksten Akkus, mit der größten Speicher- und Abgabekapazität von elektrischer Energie. Problematisch sind allerdings die umweltbelastenden Substanzen. Daher wollen die Forscher nicht nachwachsende Rohstoffe durch organische ersetzen, die dann am Ende ihres Lebenszyklus verbrannt werden können, während das wertvolle Lithium vollständig wiederverwertet wird. Dies wäre eine erhebliche Vereinfachung des Recyclingprozesses.

 

Absichtserklärung für Nordsee-Stromnetz unterzeichnet:
Die Nordsee-Anrainerstaaten haben eine Absichtserklärung für den Bau des geplanten Stromnetzes auf dem Grund der Nordsee unterzeichnet (Initiative Seatec). Dafür sind mehrere Tausend Kilometer Hochspannungs-Unterseekabel und Investitionen von insgesamt rund 30 Mrd. Euro notwendig. Beteiligt sind die Länder Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemburg, Schweden, Großbritannien, Norwegen und Niederlande. Das grenzüberschreitende Stromnetz spielt besonders für den Ausbau der Erneuerbaren Energie und den Anschluss der Offshore-Windparks eine zentrale Rolle. Innerhalb von drei Jahren soll nun der Plan zur Umsetzung des Vorhabens erarbeitet werden.

 

Energieeinsparung bei Hochgeschwindigkeitszügen:
Durch innovative Technologien gewinnt Siemens bei seinen Velaro-Hochgeschwindigkeitszügen, einer Weiterentwicklung des ICE 3, allein rund ein Drittel der Energie wieder, indem an jedem Radantrieb die beim Bremsen freiwerdende Energie fast vollständig zurück gewonnen wird. Auch die Aerodynamik wurde weiterentwickelt, dies spart zudem 6-8% Energie, im Zuginneren reduzieren LED den Stromverbrauch. Fahrerassistenzsysteme vermeiden unnötiges Bremsen und Beschleunigen und sparen weitere sechs Prozent Energie. Die Züge haben eine Geschwindigkeit von bis zu 350 km/h und verbrauchen pro Person umgerechnet rund 0,33 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Statt je einer Lok am Zuganfang und –ende besitzt der Velaro Fahrmotoren auf jeder zweiten Achse. Die Folge: Mehr Platz für mehr Passagiere und eine bessere Beschleunigung.

 

Kabelloses (induktives) Aufladen von Elektrofahrzeugen:
Das Bundesumweltministerium (BMU) hat ein Forschungsprojekt zum induktiven, kabellosen Laden von Elektrofahrzeugen gestartet. Projektpartner sind die Daimler AG und das Technologie-Unternehmen Conductix-Wampfler AG. Beim kontaktlosen, induktiven Laden verläuft das Aufladen der Batterie, sobald das entsprechend ausgerüstete Fahrzeug auf einem speziellen Ladepunkt abgestellt wird. Diese induktiven Ladepunkte lassen sich beispielsweise in Parkhäusern und Parkflächen integrieren. Die Elektronik der Bodenspule tauscht dann automatisch über eine Nahfeldkommunikation alle für den Ladevorgang notwendigen Informationen mit dem Fahrzeug aus. Die Energieübertragung erfolgt dann induktiv über den Luftspalt zwischen der fest installierten Bodenspule und der Spule im Fahrzeugunterboden ähnlich wie bei einem Transformator.

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