Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: Wochenrückblick KW 20

Erneuerbare Energien:
1. VW steigt ins Offshore-Windgeschäft ein
2. Umfassende Potentialanalyse der Silicium-Photovoltaik
3. Industrieglas um das 100-fache korrosionsbeständiger gemacht
4. Regierungsprogramm Elektromobilität beschlossen
5. Deutschland will bei Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten
6. Evonik und Daimler vor Serienproduktion von Autobatterien
7. Batterien 15% leistungsstärker und 7% billiger durch Nanomaterialien
8. Toshiba durch 2,3-Mrd.-Übernahme Weltmarktführer bei intelligenten Stromzählern

Öl und Gas:

9. Siemens bricht mit 60% Wirkungsgrad bisherigen Gasturbinen-Rekord
10. Total übergibt 20% seines Bolivienanteils an Gazprom
11. Ahmadinedschad nun auch iranischer Ölminister
12. Auch der libysche Ölminister setzt sich ab

Atomkraft:
13. RWE plant AKW-Neubau in den Niederlanden
14. Iranisches AKW Bushehr hochgefahren
15. Alle chinesischen AKWs haben Sicherheitsüberprüfung bestanden
16. Japan schaltet AKW Hamaoka präventiv ab
17. Russland will Atomanlagen mit modernen Robotern ausrüsten
18. Siemens Atomstrategie beschert 648 Mio. Dollar Strafe

Nachhaltigkeit und Umwelt:
19. Puma setzt auf Nachhaltigkeit und legt erstmals seine Umweltschäden offen
20. Ein Drittel der Lebensmittel wird weltweit verschwendet
21. Ökofelder sind Insektiziden in der Schädlingsbekämpfung überlegen

 

Erneuerbare Energien:

 

VW steigt ins Offshore-Windgeschäft ein
VW und seine Tochter Audi investieren in Erneuerbare Energien, um Strom für Elektroautos zu gewinnen. Zentral ist dabei die Investition in Offshore-Windparks. Audis Projektleiter Reiner Mangold: „Wir werden Strom, Wasserstoff und Methangas erzeugen – die Treibstoffe für unsere Autos.“ Die Kunden von E-Autos sollen so gleichzeitig mit ihrem Wagen ein grünes Stromangebot erhalten. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft sieht sogar die Chance, dass aus der Stromerzeugung ein eigenes Geschäftsfeld erwächst, das mögliche Verluste kompensieren kann, die durch die E-Mobilität entstehen.

 

Umfassende Potentialanalyse der Silicium-Photovoltaik
Ein Forscherteam von 24 Partnern aus Forschung und Industrie erkunden in dem Verbundprojekt „SolarWinS“ die zukünftige Entwicklung der Silicium-Photovoltaik und loten das Wirkungsgrad-Potenzial multikristalliner Silicium-Solarzellen aus. Dieser Solarzellentyp wird derzeit zu über 40 Prozent eingesetzt – er ist vergleichsweise preiswert, jedoch lassen sich mit der gegenwärtigen Technik nur rund 17 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung in elektrische Leistung umwandeln. Solarzellen aus monokristallinem Silicium werden ebenfalls zu rund 40 Prozent eingesetzt und erreichen einen Wirkungsgrad von rund 19 Prozent, allerdings entstehen dafür während der Kristallzüchtung höhere Kosten. Welche Technik sich durchsetzen wird ist gegenwärtig noch offen. Das Verbundprojekt „SolarWinS“ soll nun als „Solar-Forschungscluster zur Ermittlung des maximalen Wirkungsgradniveaus von multikristallinem Silicium“ die jeweiligen Potentiale ermitteln. Dafür wird das Verbundprojekt während der kommenden drei Jahre durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit 5,5 Millionen Euro gefördert. Dabei kann eine Wirkungsgraddifferenz von nur einem Prozent für eine Firma mit einer Produktion von etwa 100 Millionen Solarzellen im Jahr einen jährlichen Zusatzgewinn von mehr als 20 Millionen Euro bedeuten. Informationen über den zukünftigen Weg der Photovoltaik sind daher von strategischer Bedeutung für Investitionen und damit die langfristige Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen.

 

Industrieglas um das 100-fache korrosionsbeständiger gemacht
Glas ist ein recht dauerhafter Werkstoff, dessen Oberfläche allerdings unter schwierigen Bedingungen, wie ungünstigem Klima oder in Kontakt mit auslaugenden Flüssigkeiten wie Wasser, langsam zerstört wird, auch bekannt als Glaskorrosion. Im Ergebnis trübt das Glas ein – besonders für technische Gläser ein Problem. Durch den Einbau von verschiedenen Metalloxiden (z.B. von Aluminium, Zirkon, Zink oder Bor) in die Glasmatrix lässt sich die Beständigkeit zwar erhöhen, allerdings wachsen auch die Herstellungskosten erheblich. Wissenschaftler des INNOVENT Technologieentwicklung e.V. in Jena haben nun eine kostengünstige Variante entwickelt. Anstatt die Metalloxide im gesamten Glaskörper zu verteilen, werden sie nur an der Oberfläche aufgetragen. Dafür nutzten die Forscher eine Weiterentwicklung der etablierten Flammenpyrolyse. Bei diesem auch als „Combustion Chemical Vapour Deposition (CCVD) bekannten Verfahren wird eine Flamme über die zu funktionalisierende Oberfläche geführt. Der Flamme werden dabei geringe Mengen an Chemikalien zugesetzt, die durch eine Vernetzung mit der Oberfläche eine neue Schicht bilden. Das zugesetzte Aluminiumoxid macht nun die Glasoberflächen kostengünstig korrosionsbeständig. Durch diese Oberflächenmodifikation wird eine einhundertfache Verbesserung der Beständigkeit erreicht und die Wasserbeständigkeit von günstigem Kalk-Natron-Glas reicht dann an die des wesentlich teureren Borosilikatglas heran. Für das Verfahren können die meisten der bereits heute eingesetzten Anlagen zur Flammenpyrolyse ohne größere Veränderungen eingesetzt werden, was zudem eine kostengünstige Integration des Verfahrens in laufende Produktionsprozesse ermöglicht. Für Anwendungen wie in der Solartechnik ist dabei von Interesse, dass die Transmission des korrosionsbeständigeren Glases durch die Behandlung maximal um 0,5 Prozent sinkt, die Haltbarkeit jedoch bedeutend steigt.

 

Regierungsprogramm Elektromobilität beschlossen
Die Bundesregierung hat am Mittwoch die milliardenschwere Förderung von Elektroautos beschlossen. Das Regierungsprogramm Elektromobilität enthält Förderzusagen, Steuererleichterungen und weitere Unterstützungen (wie Sonderparkplätze für E-Autos und die Erlaubnis zur Nutzung von Busspuren), mit dem Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge und bis 2030 sechs Millionen auf die deutschen Straßen zu bekommen und Deutschland damit zum weltweiten Leitmarkt für die Elektromobilität zu machen. Der Schwerpunkt des Regierungsprogramms liegt jedoch auf Forschung und Entwicklung – hier werden bis 2013 eine Milliarde Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Die Industrie will bis 2015 weitere zwölf Milliarden Euro investieren. Hauptaugenmerk liegt hier auf einer konkurrenzfähigen Batterietechnik. Steuerliche Anreize für E-Autos und auch Hybridautos bilden die Befreiung von der Kfz-Steuer für zehn Jahre sowie eine Absenkung des Steuersatzes für Dienstwagen. Der Bund selbst will bei dem Ersatz seiner Fahrzeugflotte künftig verstärkt E-Autos ordern. Von den in Deutschland angemeldeten 42 Millionen Pkw sind momentan nur rund 2.300 Elektroautos. Die Mehrkosten für ein Elektrofahrzeug würden derzeit mit rund 11.000 Euro gegenüber einem mit Verbrennungsmotor zu Buche schlagen. Bis 2017 dürfte dies auf eine Größenordnung von 5.000 Euro zurückgehen. Laut der grünen Opposition sowie der Industrie Grund genug, zusätzlich eine Kaufprämie einzuführen, wie beispielsweise in Frankreich. Die Kaufprämie in unserem Nachbarland beträgt 5.000 Euro. Die Bundesregierung lehnt diese Art der Förderung jedoch weiterhin ab.

 

Deutschland will bei Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten
Deutschland will in der Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten. Guido Zielke, Leiter der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität: „Es gibt das konkrete Angebot der deutschen Seite, mit Vertretern Chinas eine gemeinsame Plattform zu gründen.“ Damit sollen Kompetenzen gebündelt und vor allem bei den Themen Forschung und Vermarktung kooperiert werden. Demnach sei die chinesische Seite am deutschen Know-how interessiert, während es für Deutschland unter anderem wichtig sei, auch mit batteriegetriebenen Autos einen Zugang zum chinesischen Markt zu bekommen. China sei zudem ziemlich weit bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien und verfüge nicht zuletzt über große Vorkommen der sogenannten seltenen Erden, die man zum Bau solcher Batterien benötigt werden.

 

Evonik und Daimler vor Serienproduktion von Autobatterien
Der Mischkonzern Evonik und der Autobauer Daimler wollen mit der Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos beginnen. Demnach soll die Produktionskapazität der gemeinsamen Tochter Li-Tec Battery im sächsischen Kamenz ab der zweiten Jahreshälfte von derzeit 300.000 Batteriezellen bis 2013 verzehnfacht werden. Der Batterietyp soll in die nächste Generation des Elektromodells des Kleinwagens Smart eingebaut werden, der im ersten Halbjahr 2012 auf den Markt kommt.

 

Batterien 15% leistungsstärker und 7% billiger durch Nanomaterialien
Forscher des NanoEnergieTechnikZentrum (NETZ) unter Leitung des Center for Nanointegration (CeNIDE) an der Universität Duisburg-Essen haben durch den Einsatz von Nanomaterialien den Energie-Inhalt von Lithium-Ionen-Batterien um 15 Prozent gesteigert und die Kosten dafür gleichzeitig um sieben Prozent gesenkt. Grundlage ist die Verwendung von nanoskaligem Silizium-Kohlenstoff-Kompositmaterial für die Elektroden der Lithium-Ionen-Batterien. Die bisherige Realisierung war an der geringen Verfügbarkeit des Materials gescheitert. Seit 2009 verfügt das Duisburger Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) jedoch über eine Anlage zur Herstellung von Nanopartikeln mit definierten Eigenschaften im Kilogramm-Maßstab. Eingebettet in eine Matrix aus Kohlenstoff verbessern diese nanoskaligen Silizium-Partikel in den Elektroden nun sowohl die Speicherdichte als auch die Leistung der Batterien. Die Industrialisierung der Prozesse soll innerhalb der nächsten zwei Jahre beginnen. Die Wissenschaftler der UDE arbeiten auch eng mit dem Industriekonzern Evonic zusammen, der wiederum mit Daimler zusammen das Joint Venture Li-Tec zur Herstellung von leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und Hybridfahrzeuge betreibt. Daimler seinerseits möchte dieses Joint Venture nun in eine größere Allianz mit Renault-Nissan und dem japanischen Elektronikkonzern NEC einbringen.

 

Toshiba durch 2,3-Mrd.-Übernahme Weltmarktführer bei intelligenten Stromzählern
Der japanische Elektronikriese Toshiba kauft für 2,3 Milliarden Dollar den Schweizer Traditionskonzern Landis+Gyr. Die Schweizer sind auf die Produktion von intelligenten Stromzählern spezialisiert. Toshiba wird in diesem Bereich nun nach eigener Darstellung Weltmarktführer. Neben Toshiba waren auch Siemens, ABB und General Electric als Interessenten gehandelt worden. Neuer Konzernleiter wird der bisherige operative Chef, der Deutsche Andreas Umbach. Bei konventionellen Stromzählern hat Landis+Gyr einen Weltmarktanteil von 11 Prozent. Bei der intelligenten Variante, den sogenannten „smart meters“, mit denen der Stromverbrauch besser gesteuert und damit die Auslastung der Stromnetze gesteigert werden kann, kommt das Unternehmen in Privathaushalten auf einen Marktanteil von weltweit 36 Prozent. Durch den weltweiten Aufbau von intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) wird der Technologie ein weiteres starkes Wachstum bescheinigt.


Öl und Gas:


Siemens bricht mit 60% Wirkungsgrad bisherigen Gasturbinen-Rekord
Die Siemens SGT5-8000H-Gasturbine in dem Kraftwerk Irsching 4 hat im Testlauf die bisherigen Rekorde in Sachen Leistung sowie Wirkungsgrad gebrochen. Die Gasturbine ist auf eine Leistung von 400 MW im reinen Gasturbinenbetrieb und 600 MW im Gas- und Dampfturbinen-Betrieb ausgelegt. Die Anfänge der Entwicklung der innovativen Gasturbinentechnologie liegen bereits zehn Jahre zurück. Bei einer Leistung von 578 MW wurde nun ein Wirkungsgrad von 60,75 Prozent erzielt. Michael Süß, CEO des Siemens-Sektors Energy: „Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Windkraft- und Solaranlagen den Anteil fluktuierender Einspeisung ins Netz stetig erhöhen, sind ausgleichende, schnell reagierende Großkraftwerke für die Stabilität im Stromnetz ganz entscheidend.“ Die neue Generation der GuD-Kraftwerke verbraucht dabei ein Drittel weniger Erdgas pro erzeugter Kilowattstunde als der Durchschnitt der derzeit weltweit installierten GuD-Anlagen. Dadurch sinken auch die CO2-Emissionen um ein Drittel. Nach dem jetzt begonnenen Probebetrieb wird E.ON Irsching 4 noch in diesem Sommer in den kommerziellen Betrieb nehmen. Entwicklung, Bau und Betrieb der Prototypanlage hat Siemens bislang 500 Millionen Euro gekostet.

 

Total übergibt 20% seines Bolivienanteils an Gazprom
In dem südamerikanischen Andenland Bolivien liegen rund 1,5 Billionen Kubikmeter Erdgas und rund 60 Millionen Tonnen Erdöl. 1.000 Kubikmeter Erdgas bringen rund 350 Dollar, somit sind die Reserven nach jetzigem Stand rund 525 Milliarden Dollar wert. Die Tonne Erdöl bringt rund 820 Dollar, damit ergeben die bolivianischen Reserven etwa 49,2 Milliarden Dollar. Zur Relation: Die rund 9,5 Millionen Einwohner erwirtschafteten 2007 ein BIP von rund 12,0 Milliarden Dollar. Bolivien verfügt zudem über die größten Lithium- und Borvorkommen der Welt. 2006 hatte der erste indigene Präsident der Welt, Evo Morales, die Öl- und Gasindustrie unter entsprechenden Entschädigungszahlungen rechtmäßig verstaatlicht, um die Milliardeneinnahmen stärker der Entwicklung des Landes und der Gemeinschaft zugute kommen zu lassen (2007 lebten etwa 60 Prozent der Bevölkerung des rohstoffreichen Landes unter der Armutsgrenze, davon waren 37,7 Prozent extrem arm). Ausländische Konzerne dürfen seitdem nur noch in Joint Ventures – und aus bolivianischer Perspektive unter faireren Konditionen, da für die Förderer höhere Steuern eingeführt wurden und eine Neuordnung der Konzessionsverträge erfolgte – mit den staatlichen Förderkonzernen als Mehrheitseigner tätig werden. Das französische Öl- und Gasunternehmen Total hat nun eine Reorganisation seiner Gas-Förderprojekte Ipati und Aquio vorgenommen: Total reduziert seinen Anteil von 80 auf 50 Prozent und tritt 20 Prozent dieser Aktien an den russischen Gasmonopolisten Gazprom und die restlichen zehn Prozent an die staatliche bolivianische YPEF ab. Das italienisch-argentinische Öl- und Gasunternehmen Tecpetrol, der vierte Partner, bleibt bei seinem Anteil von 20 Prozent. Zusammen sollen rund 850 Millionen Dollar in die Förderprojekte investiert werden, um ab voraussichtlich 2014 mit der Erschließung zu beginnen.

 

Ahmadinedschad nun auch iranischer Ölminister
Der Iran will bis 2015 die Anzahl seiner Minister von 21 auf 17 reduzieren. Nun hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad drei Minister entlassen: Ölminister Seyed Massud Mir Kazemi, Wohlfahrtsminister Sadegh Mahsuli und Industrieminister Ali Akbar Mehrabian. Hintergrund: Das Handelsministerium wird mit dem Industrieministerium zusammengeschlossen, das Transportministerium mit dem Ministerium für Wohnungs- und Städtebau sowie das Ministerium für Sozialfürsorge mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales. Präsident Ahmadinedschad wird nun vorläufig auch das Ölministerium leiten. Derzeit hat der Iran, einer der wichtigsten Ölproduzenten der Welt, den Vorsitz der OPEC inne. Die iranischen Ölreserven – je nach Aussage die hinter Saudi-Arabien zweit oder auch noch hinter Kanada drittgrößten weltweit – belaufen sich auf rund 138 Milliarden Barrel (je 159 Liter), bei rund 100 Dollar pro Barrel ergibt das einen Wert von 13,8 Billionen Dollar. Allerdings hat Venezuela im Februar einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht und mit 296,5 Milliarden Barrel Reserven sogar Saudi-Arabien von der Spitze verdrängt. Die iranischen Gasreserven sind hinter Russland ebenfalls die zweitgrößten weltweit: Die 28,1 Billionen Kubikmeter sind nach jetzigem Stand rund 9,8 Billionen Dollar wert.

 

Auch der libysche Ölminister setzt sich ab
Die Flucht von hochrangigen Regimemitgliedern um den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi setzt sich fort. Nach zahlreichen Armeekommandeuren und Diplomaten hat sich nun laut Medienberichten auch der Vorsitzende der staatlichen Ölgesellschaft NOC, Schukri Ghanim, abgesetzt. Ein Sprecher des Übergangsrates in Bengasi sagte sogar, Ghanim habe sich den Aufständischen angeschlossen. Angeblich sei die Flucht aus Tripolis schwierig, da alle Top-Funktionäre, an deren Loyalität Zweifel bestünden, streng überwacht werden würden. Umstritten ist auch die Medienmeldung, dass sich Gaddafis mächtiger Erstgeborener, Mohammed al-Gaddafi, der Chef der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft (ein lukrativer Posten der bei endemischer Korruption meist Milliarden in die Taschen der Elite spült) ins tunesische Djerba geflogen ist, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. Libyen verfügt über 44,3 Milliarden Barrel Erdöl (rund 4,4 Billionen Dollar wert) und 1,54 Billionen Kubikmeter Gas (im Wert von rund 540 Milliarden Dollar).

 

Atomkraft:


RWE plant AKW-Neubau in den Niederlanden
Der deutsche Stromriese RWE plant den Bau eines neuen AKWs in den Niederlanden. Mit dem niederländischen Energieversorger Delta ist RWE nun in einer Absichtserklärung über den Einstieg bei dem Altmeiler Borssele übereingekommen (Netzanschluss 1973), dessen Laufzeit bis 2034 verlängert werden soll. Der 30-prozentige Einstieg an dem AKW kostet RWE rund 600 Millionen Euro. Der Standort liegt rund 180 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Das AKW Borssele ist derzeit der einzige niederländische Atomreaktor und trägt mit 482 MW Leistung rund 3,7 Prozent zur Stromerzeugung des Landes bei. Nach derzeitigen Plänen soll an dem Standort bereits nächstes Jahr mit dem Bau eines neuen Reaktors mit 1.000-1.600 MW begonnen werden, an dem RWE dann ebenfalls beteiligt wäre. Die Baukosten werden auf bis zu fünf Milliarden Euro projektiert.

 

Iranisches AKW Bushehr hochgefahren
35 Jahre nach Baubeginn hat der Iran das umstrittene Atomkraftwerk Bushehr auf niedriger Stufe hochgefahren. In einem „aktiven Bereich“ eines Reaktors wurde bereits eine „sich selbst erhaltende Kettenreaktion“ in Gang gesetzt, allerdings werde noch keine Energie produziert. Innerhalb der nächsten zwei Monate sollen derzeit noch letzte Sicherheitstests vorgenommen werden, bevor der Leichtwasserreaktor dann an das Stromnetz angeschlossen wird. Der Start des ersten iranischen Atomkraftwerks hatte sich immer wieder verschoben, zuletzt angeblich aus technischen Gründen, die vermutlich durch den mysteriösen Computervirus Stuxnet in den Rechensystemen des Reaktors ausgelöst wurden.

 

Alle chinesischen AKWs haben Sicherheitsüberprüfung bestanden
Vor dem Hintergrund der japanischen Atomkatastrophe haben auch die chinesischen Behörden umfangreiche Sicherheitstests der chinesischen AKWs angeordnet. Die Endergebnisse der Überprüfung sollen erst Ende des Monats veröffentlicht werden, allerdings berichten chinesische Medien vorab, dass die Sicherheit aller 14 chinesischen Kernanlagen den internationalen Standards entsprechen würde. Demnach werde Peking seine Entwicklungspläne für die Kernindustrie nicht revidieren und alle Anlagen am Netz behalten, sowie die 28 derzeit im Bau befindlichen Anlagen zwischen 2011 und 2015 planmäßig in Betrieb nehmen. Allerdings sollen die Sicherheitsanforderungen verschärft werden.

 

Japan schaltet AKW Hamaoka präventiv ab
Die japanische Regierung hat das vollständige Herunterfahren des an der Ostküste gelegenen Atomkraftwerkes Hamaoka angeordnet. Die Reaktoren 1-3 sind bereits heruntergefahren, mit dem Herunterfahren des Reaktors 4 wurde bereits begonnen, nun soll auch der letzte Reaktor 5 abgeschaltet werden. Hintergrund ist eine Erdbebenprognose für die betreffende Region, laut der die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Erdbeben der Stärke 8 oder mehr innerhalb der nächsten 30 Jahre bei 87 Prozent liegt.

 

Russland will Atomanlagen mit modernen Robotern ausrüsten
Der russische Zivilschutzminister Sergej Schoigu hat angekündigt, noch im laufenden Jahr Objekte des staatlichen Atomkonzerns Rosatom und Einheiten des Zivilschutzes mit moderner Robotertechnik auszustatten. Anlässlich der derzeitigen internationalen Ausstellung „Umfassende Sicherheit – 2011“ in Moskau bezeichnete Schoigu die Robotertechnik bei der Beseitigung der Folgen der Havarie im japanischen AKW Fukushima-1 aber auch für das Abkühlen der Reaktoren als unentbehrlich. Auf der Messe wurden nun Neuentwicklungen im Bereich der Robotertechnik vorgestellt, die in lebensgefährlichen Situationen die Folgen eines Reaktorunfalls beseitigen sollen. Die Neuentwickelten Kühlsysteme, die neben mächtigen Pumpanlagen auch die innovative Robotertechnik umfassen, sollen den russischen AKWs noch in diesem Jahr zulaufen.

 

Siemens Atomstrategie beschert 648 Mio. Dollar Strafe
Der Münchner Siemenskonzern wurde von einem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer zur Zahlung von 648 Millionen Euro zuzüglich Zinsen an den bisherigen französischen Atompartner Areva verurteilt. Siemens hatte sein Geschäft mit Atomkraftwerken 2002 in das Gemeinschaftsunternehmen Areva NP eingebracht. Infolge der weltweiten Renaissance der Kernkraft kündigte Siemens 2009 den Joint-Venture-Vertrag und begann Gespräche mit dem russischen Atommonopolisten Rosatom. Daraufhin verklagte Areva Siemens wegen Vertragsbruchs, weil Siemens nach Ansicht der Franzosen eine Konkurrenzausschlussklausel in dem Joint-Venture-Vertrag verletzt habe. Diese Klausel vereinbarte, dass sich die beiden Konzerne nach dem Ende der Kooperation acht Jahre lang keine Konkurrenz beim Bau von Atomkraftwerken machen dürften. Die Argumentation von Siemens, die Klausel sei rechtswidrig, lief weitgehend ins Leere. Die Frist wurde jedoch auf vier Jahre verkürzt: Siemens darf Areva nun bis 2013 keine Konkurrenz machen. Über die Konkurrenzklausel entscheidet allerdings noch die EU-Kommission separat. Damit dürfte nun auch die Partnerschaft mit Rosatom nicht mehr zustande kommen. Siemens-Chef Löscher hatte seinerzeit vorausgesagt, bis 2030 würden weltweit 400 neue Atomreaktoren gebaut und über 1.000 Milliarden Euro dafür investiert. Daher wollte er ursprünglich zusammen mit Rosatom einen neuen Atomtechnik-Giganten schmieden, als fünften Anbieter neben Areva, Mitsubishi, der Toshiba-Tochter Westinghouse und dem Bündnis von GE und Hitachi. Ein vollständiger Atomausstieg von Siemens rückt damit auch angesichts der japanischen Atomkatastrophe von Fukushima näher. Der Konzern bezeichnet sich mit seinem umfangreichen Umweltportfolio auch bereits als "grünen Infrastrukturpionier". 


Nachhaltigkeit und Umwelt:


Puma setzt auf Nachhaltigkeit und legt erstmals seine Umweltschäden offen
Rechnung offen gelegt. Demnach belaufen sich die Schäden an Natur und Umwelt durch sein Wirtschaften, beispielsweise durch Treibhausgasausstoß und den Wasserverbrauch, auf 94,4 Millionen Euro. Puma wertet dies als ersten Schritt zu einer umfassenden ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung – inklusive der gesamten Zulieferkette. Dies soll helfen, Ansätze für ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln und weitere Konzerne zum Mitmachen animieren. In den USA ist der Chemiekonzern Dow Chemical der Vorreiter. Nun warten anscheinend Firmen wie Daimler, Siemens oder Coca-Cola auf die öffentliche Reaktion auf die Umwelt-Rechnung. Sollte das Nachhaltigkeitsprogramm und eventuelle Verbesserungen einen großen Imagegewinn und einen wachsenden Zuspruch durch die zunehmend sensibilisierten und kritischen Konsumenten einbringen, dürfte die Veröffentlichung eines Umwelt-Schadenwertes Schule machen.

 

Ein Drittel der Lebensmittel wird weltweit verschwendet
Laut einer aktuellen Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verschwendet oder geht verloren. In Europa und Nordamerika entspricht das durchschnittlich bis zu 115 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr. In ärmeren Regionen wie Südostasien oder Afrika sind es bis zu elf Kilogramm. In den Entwicklungsländern gehe das hauptsächlich auf den Transport zwischen Ernte und Verkauf zurück, sind in den wohlhabenden Regionen hingegen seien überwiegend Händler und Konsumenten dafür verantwortlich. Häufig führten dort „mangelnde Einkaufsplanung oder übertriebene Vorsicht bei Haltbarkeitsdaten zu großer Verschwendung“. Kongresses "Save Food" vorgestellt. Demnach verschwendet in Europa und Nordamerika jeder Mensch durchschnittlich bis zu 115 Kilogramm Lebensmittel im Jahr. In ärmeren Regionen wie Südostasien oder Afrika sind es bis zu elf Kilogramm. Bei dem internationalen Kongress "Save Food" in Düsseldorf beraten am Montag und Dienstag Experten über das Problem der globalen Nahrungsmittelverluste.

 

Ökofelder sind Insektiziden in der Schädlingsbekämpfung überlegen
Eine Studie der Universität Würzburg hat Ökofelder und konventionelle mit Insektiziden behandelte Fläche auf Blattläuse hin verglichen. Demnach bringt der Einsatz von Insektiziden gegen Blattläuse den Landwirten keine Vorteile. Der Biologe Jochen Krauss: „Der vorbeugende Einsatz von Insektiziden gegen Blattläuse kostet zwar Zeit und Geld, bringt aber nach unseren Ergebnissen keine Vorteile.“ Auf den Ökoflächen fanden sich fünfmal so viele Pflanzenarten und die dreifache Menge an Blattlaus-Feinden, die Menge dieser Schädlinge war dadurch um das Fünffache geringer. Kurzfristig führe das Spritzen zwar zu weniger Blattläusen. Aber bereits nach vier Wochen wurden deutlich mehr Blattläuse als auf den ungespritzten Äckern gefunden. Auf Äckern, die nicht mit Insektiziden gespritzt werden, scheint also die Schädlingskontrolle durch natürliche Feinde besser zu funktionieren, noch größer ist die Vielfalt der Feinde aber auf den Öko-Feldern – diese sparen zudem Zeit, Geld und Gift ein.

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