Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovationen: KW 02

Elektronik und IT:
1. Elektronikmesse CES feiert das Ende der Krisenzeit:
2. Gesetzliche Auflagen zur Email-Archivierung werden häufig ignoriert:
3. Neue Speichertechnik vereint Arbeitsspeicher und Festplatten:

Umwelt- und Energietechnologie:
4. Ab 2020 Benzin aus Wasser, Sonne und Kohlendioxid:
5. Erdatmosphäre unempfindlicher gegen Schadstoffe als befürchtet:
6. Klimawissenschaftler warnen vor zu großer energetischer Nutzung der Biomasse:

Sonstiges:
7. Laser der neusten Generation:
8. DLR bestreitet Bau eines Hightech-Spionagesatelliten für die USA:
9. Studie: Bonuszahlungen verschlechtern Teamleistung und schaden Unternehmen:
10. Digitalisierung des kulturellen Erbes Europas kostet 100 Mrd. Euro:

 

Elektronik und IT:

 

Elektronikmesse CES feiert das Ende der Krisenzeit:
Die Elektronikmesse CES in Las Vegas hat deutlich gestiegene Besucher- und Ausstellerzahlen verkündet. Insgesamt 2.700 Technologie-Unternehmen präsentierten ihre neuesten Produkte und Entwicklungen. Die Zahl der Besucher stieg im Vergleich zum Vorjahr um 20.000 auf insgesamt 140.000, davon 30.000 aus dem Ausland. 158.000 Tweets zum Thema CES über den Kurznachrichten-Dienst Twitter hätten das große Interesse an der Messe dokumentiert. Heraus ragten laut dem Branchendienst cnet.com Motorolas Tablet-Computer „Xoom“ (mit Googles Betriebssystem Android 3.0), das mehr Funktionen habe als das iPad, sowie Intels neuer Chips „Sandy Bridge“ mit integrierter Grafik und Toshibas Prototyp eines Displays, das 3D-Effekte ohne Brillen ermöglicht.

 

Gesetzliche Auflagen zur Email-Archivierung werden häufig ignoriert:
Laut der Internetagentur billiton internet services missachten viele Unternehmen die gesetzlichen Auflagen zur Emailarchivierung: Alle E-Mails, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Anbahnung, Abwicklung und Administration eines geschäftlichen Vorgangs stehen, müssen sechs Jahre aufbewahrt werden. Rechnungen, Verträge und alle buchhaltungsrelevanten Inhalte sogar zehn Jahre lang. Bei Verstößen gegen das seit 2002 geltende Gesetz aufgrund falscher Speicherung kann es kostspielig werden. Darüber hinaus  sind komplexe Vorgaben zu beachten, die die korrekte Form der abgespeicherten Inhalte betreffen. Dies sei eben nicht nur eine reine Speicherung, sondern eine Archivierung wie im Originalzustand.

 

Neue Speichertechnik vereint Arbeitsspeicher und Festplatten:
Eine neue Speichertechnik, sogenannte Racetrack-Speicher, sollen die Vorzüge von Festplatten und Halbleiterspeichern vereinen. Magnetischen Speichermedien wie Festplatten sind vergleichsweise schwerfällig, erlauben aber, riesige Datenmengen billig und dauerhaft zu speichern. Auf Halbleitern basierende Arbeitsspeicher sind zwar schnell, dafür ist der Preis pro Bit aber fast 100-mal so hoch wie bei einer Festplatte. Zudem gehen die Daten im Arbeitsspeicher verloren, sobald man den Strom abschaltet. Sie müssen deshalb bei jedem Neustart von der Festplatte in den Arbeitsspeicher hochgeladen und nach dem Ende einer Sitzung wieder auf der Festplatte abgelegt werden. Die Computerindustrie arbeitet schon seit Jahren an entsprechenden Speichertechniken, die die Vorzüge von Festplatte und Halbleiterspeicher in sich vereinen. Zukunftsweisend ist der sogenannte Racetrack-Speicher des IBM-Forschungszentrums in Almaden, Kalifornien, der auf ferromagnetischen Nanodrähten aus einer Nickel-Eisen-Legierung basiert. Dieser Racetrack-Speicher ist wie die magnetische Festplatte ein nichtflüchtiges Speichermedium, so dass die Informationen auch ohne Stromfluss erhalten bleiben. Die Nanodrähte können zudem nicht nur horizontal, sondern auch vertikal auf einem Substrat angeordnet werden. Durch die Nutzung der dritten Raumdimension lassen sich auf der lateralen Fläche von einem Bit 10 bis 100 Bits speichern, wodurch Speicherdichten erreicht werden können, die mit einem Halbleiterspeicher nicht zu erreichen sein dürften. Die hohen Zugriffszeiten von einigen zehn Nanosekunden entsprechen ungefähr den Zugriffszeiten der heute als Arbeitsspeicher verwendeten DRAM (dynamic random access memory). Der Halbleitermarkt der Arbeitsspeicher bekommt allerdings auch von zwei weiteren Projekten Konkurrenz: MRAM (magnetoresistive random access memory), die heute schon in Nischenprodukten zu finden sind, sowie Phasenwechselspeicher die ebenfalls bereits als Prototypen existieren. Zu einem möglichen Zeithorizont wollten sich die Forscher allerdings nicht äußern.

 

Umwelt- und Energietechnologie:

 

Ab 2020 Benzin aus Wasser, Sonne und Kohlendioxid:
Forschern der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts (PSI) haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA Benzin allein aus den Zutaten Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid erzeugt. Mittels eines Solar-Reaktors (konzentrierte Solarstrahlung) entsteht aus Wasser und Kohlendioxid (CO2) ein synthetisiertes Gas aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, das so genannte Syngas – eine Vorstufe von Benzin, Kerosin und anderen flüssigen Treibstoffen. Mit diesem umweltfreundlichen Flüssigtreibstoff kann Sonnenenergie lange Zeit gespeichert und über weite Strecken transportiert werden. Der Prototyp des Reaktors erreichte einen Wirkungsgrad von 0,8 Prozent, was um zwei Grössenordnungen über dem liegt, was mit herkömmlichen photokatalytischen Methoden erzielt wurde. Der Wirkungsgrad ließe sich laut den Forschern noch auf rund 19 Prozent erhöhen. Ab 2020 soll dann die erste industrielle Solartreibstoff-Anlage in Betrieb gehen und einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Energieerzeugung leisten.

Erdatmosphäre weniger empfindlicher gegen Schadstoffe als befürchtet:
Ein internationales Forscherteam um die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in den USA und dem Max-Planck-Instituts für Chemie hat in einer Studie belegt, dass sich die Atmosphäre besser selbst reinigt als nach Untersuchungen in den 1980er und 1990er Jahre bislang befürchtet. Demnach bleibt die Konzentration der Schadstoff abbauenden Hydroxylradikale (ein Wasserstoff- und ein Sauerstoffatom) in der Luft weltweit stabil. Hydroxylradikale bauen organische Stoffe wie etwa das klimaschädliche Methan und Abgase aus Industrie und Verkehr ab und reinigen dadurch die Luft. Einige Forscher hatten bislang angenommen, dass sie sich die weltweite Menge der Hydroxylradikale aufgrund der Luftverschmutzung um bis zu 25 Prozent verändern könnte. Auch war unklar, wie gut die Atmosphäre tatsächlich Schadstoffe oxidieren und damit sich selbst reinigen kann. Dennoch sollten wir nach Meinung der Forscher alles dafür tun, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen und Schadstoffen so weit wie möglich zu verringern.

 

Klimawissenschaftler warnen vor zu großer energetischer Nutzung der Biomasse:
Mit Hilfe aufwendiger biogeochemischer Computersimulationen ermittelten Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Potenzial und Risiken der Energiegewinnung aus Biomasseplantagen. Ausgegangen von einer Deckung des weltweiten Energiebedarfs 2050 zu 20% durch Biomasse – davon die Hälfte aus Biomasseplantagen – müsste die genutzte Landfläche um 10-30% ausgeweitet werden. Der Wasserbedarf könnte sich zudem im Extremfall verdoppeln. Angesichts eines steigenden Nahrungsbedarfs aufgrund einer weltweit wachsenden Bevölkerung und zunehmender Wasserknappheit dürfe man die Umweltkosten daher nicht vernachlässigen, vor allem in bereits gestressten oder sensiblen Ökosystemen. Die Potenziale der Biomasse sind jedoch enorm und an geeigneten Standorten sowie nachhaltig erzeugt ein integraler Bestandteil, die angestrebten Klimaschutzziele zu erreichen.

 

Sonstiges:

 

Laser der neusten Generation:
Weltweit führende Theoretiker des europäischen Projekts „Extreme Light Infrastructure“ (ELI) berechneten die Leistung der kommenden Lasergeneration. Bisher waren alle Experten davon ausgegangen, dass sich die kürzesten Laserpulse nur durch immer stärkere Laserleistung erzielen lassen. Der Zusammenhang ist allerdings wohl umgekehrt: Um eine höhere Pulsintensität zu erreichen muss die Pulsdauer kürzer werden. Der aktuelle Weltrekord von 80 Attosekunden (10 hoch 18 Sekunden) für einen Puls wird erreicht, indem ein kohärenter Femtosekundenstrahl (Titan-Saphir-Laser) im Vakuum Elektronen aus einem Gasatom schlägt, die dann ihre Energie in Form von extrem kurzwelligem Licht wieder abgeben. Ab der Energie von 1.018 Watt pro Quadratzentimeter gelten jedoch andere Gesetze, denn dann bewegen sich die Elektronen nicht mehr linear zur eingestrahlten Energie, sondern verhalten sich relativistisch und ändern ihre Masse im eingestrahlten Laserlicht. Ein energiereicher Laserpuls von wenigen Attosekunden erzeugt dann eine dünne fliegende Scheibe von Elektronen, die das Licht wie ein Spiegel reflektiert. Das so erzeugte Licht hat eine Wellenlänge, die im Bereich der harten Röntgen- oder sogar Gammastrahlung liegt und zudem kohärent ist. Der derzeit im Bau befindliche weltweit leistungsstärksten Laser (ELI-Projekt) in der Nähe von Bukarest/Rumänien soll einen Puls von der Dauer von 100 Yoktosekunden (10 hoch 24 Sekunden) und eine Leistung von etwa 1.024 Watt pro Quadratzentimeter erreichen. Der geplante ELI-Laser soll dann erstmals auch die Möglichkeit bieten, zu sehen, was in einem Atomkern passiert.

 

DLR bestreitet Bau eines Hightech-Spionagesatelliten für die USA:
Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks entwickelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit den USA geheime Hightech-Spionagesatelliten. Diese sollen ab 2012/13 hoch auflösende Bilder in wesentlich kürzerer Zeit als bisher liefern und auch nachts hochauflösende Infrarot-Fotos erstellen können. Die Kosten des HiROS-Projekts belaufen sich auf 205 Mio. Euro. Offiziell sei das HiROS-Projekt dabei als Projekt für zivile Zwecke deklariert (v.a. zum Krisenmanagement bei Naturkatastrophen und für wissenschaftliche Nutzungen), stehe allerdings unter vollständiger Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes. Das an dem sensiblen Projekt nicht beteiligte Frankreich soll heftig protestiert haben, allerdings wollten Berlin und Paris den Bericht zunächst nicht kommentieren. Der Vorstandsvorsitzende des DLR, Johann-Dietrich Wörner, hat dem Bericht nun widersprochen: „Das DLR plant keinen Spionagesatelliten.“ Die Projektidee für einen „nationalen optischen Satelliten HIROS“ basiere lediglich auf Überlegungen, den erfolgreichen Radarzwillingssatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X eine hochauflösende optische Fähigkeit hinzuzufügen.

 

Studie: Bonuszahlungen verschlechtern Teamleistung und schaden dem Unternehmen:
Eine im „Management Science“ veröffentlichte Studie des Wirtschaftsethikers und Unternehmensentwicklers Bernd Irlenbusch (Uni Köln) belegt, dass Bonuszahlungen an die vermeintlich besten Mitarbeiter in der Realität die Teamleistung verschlechtern und den Unternehmen daher insgesamt schaden. Die Experimente zeigten, dass regelmäßig die Kooperation zwischen den Mitarbeitern zusammenbrach, weil alle nur noch den Bonus und somit ihren eigenen Vorteil im Auge hatten. Der Egoismus setzte sich also an die Stelle der Teamarbeit – destruktiv aus der Sicht des Unternehmens. Irlenbusch: „Je höher der Bonus war, desto mehr strengten sich die Mitarbeiter an, aber auch die Sabotage wuchs, und die stieg im Verhältnis stärker an als die Produktivität der Mitarbeiter.“ Ein zweites Experiment zeigte, dass ein insgesamt hoher Festlohn, ohne Aussicht auf Boni, die Sabotage verringerte und die Produktivität steigerte. Hohe erfolgsabhängige Boni erhöhen nicht nur den unproduktiven Egoismus, sondern auch die Risikobereitschaft und kurzfristiges Denken, und gelten als eine der Hauptursachen, die das Finanzdesaster im Vorfeld der Weltfinanzkrise befeuert haben.

 

Digitalisierung des kulturellen Erbes Europas kostet 100 Mrd. Euro:
Eine Expertengruppe zur Digitalisierung des kulturellen Erbes Europas der EU-Kommission hat in ihrem Abschlussbericht empfohlen, Bücher, Filme und Gemälde aus Museen und Bibliotheken für EU-Bürger von 2016 an im Internet frei zugänglich zu machen (Digitalisierung). Die Mitgliedstaaten müssten ihre Anstrengungen intensivieren und ihre Mittel dafür aufstocken. Um das gesamte europäische Kulturerbe online aufzubereiten wären demnach rund 100 Mrd. Euro notwendig. Auf die Weise würde das kulturelle Erbe für viele Generationen bewahrt und der Zugang extrem vereinfacht werden. Der Bericht ist Teil der sogenannten Digitalen Agenda für Europa. Herzstück ist die kostenlose Online-Bibliothek Europeana.

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