Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovationen: KW 06

ITK-Technologie
1. Hackergruppe führt US-Sicherheitsunternehmen vor:
2. Großunternehmen will Arbeitszeit einsparen und Emails abschaffen:
3. 7,4 Mio. Smartphones in Deutschland 2010 verkauft, 2011 werden es 10,1 Mio.:
4. Cisco sagt Anstieg des mobilen Datenverkehrs um das 26-Fache bis 2015 vorher:
5. Weg frei für einheitliche Aufladestecker für Mobiltelefone:

Recycling:

6. Europäisches Recyclingsystem für Seltene Erden:
7. Weltweit erste Recyclinganlage für aussortierte Solarzellen:
8. Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:
9. Neuartiges Lösungsmittel kann zwischen wasserlöslich und -unlöslich wechseln:

Luft- und Raumfahrt:
10. Russland plant atomgetriebene Rakete zum Mars:
11. Japan plant riesiges Stahlnetz zum Einfangen von Weltraumschrott:
12. Russischer Militärsatellit unwiderruflich auf falsche Umlaufbahn geschossen:

Medizin:
13. Universalimpfstoff gegen Grippe in Aussicht:
14. Weitere Impfstoffe gegen Krebs dürften folgen:

Weiteres:
15. Massenproduktion des Nano-Zukunftsmaterials Graphen greifbar:
16. Fälschungssichere Chips mit „Fingerabdruck“ entwickelt:

 

ITK-Technologie

 

Hackergruppe führt US-Sicherheitsunternehmen vor:
Die Hackergruppe Anonymous hatte 2010 zur Unterstützung von Wikileaks Unternehmen, die gegen die Enthüllungsplattform vorgingen, wie Paypal, Visa und Mastercard, angegriffen. Das US-Sicherheitsunternehmen HB Gary Federal wollte nun offenbar Details über die angeblichen Köpfe von Anonymous dem FBI übergeben. In einem schnellen Konter hat die Gruppe nun das Sicherheitsunternehmen bloß gestellt, dessen Website gehackt, mehr als 60.000 E-Mails heruntergeladen und auf der Filesharing-Website The Pirate Bay veröffentlicht, sowie Backups gelöscht und die Website verändert. Das Unternehmen hätte zudem keinerlei Daten von hochrangigen Anonymous-Mitgliedern erfasst, heißt es Seitens der Hacker. Die Gruppe hat auch den Twitter-Account vom HB Gary Federal CEO Aaron Barr kompromittiert und dort private Details wie Adresse, Sozialversicherungsnummer und Handynummer des Managers veröffentlicht. Dabei sind die Hacker offenbar über einen Server für technischen Support in mehrere Systeme des Unternehmens eingedrungen. Zugang zu den E-Mails bekamen sie über einen kompromittierten Webserver, der auch Barrs Administrator-Passwort für andere Konten enthielt. Zudem wurde eine Nachricht hinterlassen: Das Unternehmen habe kürzlich versucht, die Hand von Anonymous zu beißen und habe nun von dieser Hand eine Ohrfeige erhalten: „Was Ihr nicht verstanden habt, ist, dass Ihr, obwohl Ihr den Titel und das Auftreten eines ‚Sicherheits‘-Unternehmens habt, nichts seid im Vergleich zu Anonymous. Ihr wisst wenig bis gar nichts über Sicherheit.“

 

Großunternehmen will Arbeitszeit einsparen und Emails abschaffen:
Das französische IT-Großunternehmen Atos Origin plant innerhalb der nächsten drei Jahre interne E-Mails abzuschaffen. Die Bearbeitung der elektronischen Post würde zu viel Zeit kosten und sei unhaltbar. 2010 sollen die Mitarbeiter täglich im Schnitt 200 E-Mails erhalten haben, 18% davon Spams. Manager würden zwischen fünf und 20 Stunden pro Woche damit verbringen, E-Mails zu lesen und zu schreiben. Stattdessen sollen spezielle neue Kollaborations-Werkzeuge und interne Social-Community-Plattformen die E-Mails ersetzen und den Zeitaufwand reduzieren.

 

7,4 Mio. Smartphones in Deutschland 2010 verkauft, 2011 werden es 10,1 Mio.:
Laut dem Branchenverband Bitkom wurden im Jahr 2010 in Deutschland insgesamt 7,4 Mio. internetfähige Smartphones verkauft. Das entspricht 37,8% aller verkauften Handys in Deutschland. Das Volumen der mobilen Nutzung des Internets wuchs dabei in Jahresfrist von 34 Mio. Gigabyte auf 70 Mio. Gigabyte an. Der Absatz der Geräte dürfte 2011 um weitere 36% auf 10,1 Mio. Einheiten zulegen, der Umsatz mit mobilen Datendiensten um 12% auf 7 Mrd. Euro steigen.

 

Cisco sagt Anstieg des mobilen Datenverkehrs um das 26-Fache bis 2015 vorher:
Das US-Technologieunternehmen Cisco hat die Entwicklung des mobilen Datenverkehrs bis zum Jahr 2015 exploriert. Demnach nimmt die Geschwindigkeit der mobilen Netzanbindung um das Zehnfache zu, die Datenmenge wächst jährlich um 92% (um das 26-fache bis 2015). 2015 dürften dann zudem rund zwei Drittel der mobilen Daten Videos sein. Die Zahl der Tablet-PCs und Smartphones soll dabei auf mehr als 5,6 Milliarden im Jahr 2015 ansteigen. Angesichts des enorm ansteigenden Datenvolumens sei es unbedingt notwendig, den flächendeckenden Breitbandausbau voranzutreiben. Auch die Provider sind gefordert: Sie sollten verlässliche und sichere Netze mit den entsprechenden Kapazitäten zur Verfügung stellen.

 

Weg frei für einheitliche Aufladestecker für Mobiltelefone:
Die nun veröffentlichte Norm EN 62684:2010 ebnet den Weg für die Einführung eines einheitlichen Aufladeanschlusses für Mobiltelefone. Durch die Vereinheitlichung der Ladegeräte mit Micro-USB-Schnittstelle für alle Handy-Typen lässt sich viel überflüssiger Elektronik-Schrott vermeiden. Bislang musste bei dem Kauf eines neuen Handys in der Regel auch ein spezielles Aufladegerät mit erworben werden.

 

Recycling:

 

Europäisches Recyclingsystem für Seltene Erden:
In einer neuen Studie hat das Öko-Institut die wichtigsten Schritte für einen Recyclingkreislauf bei den seltenen und teuren Hightechmetallen Seltene Erden aufgezeigt. Europa ist einer der weltweit größten Seltenen-Erden-Konsumenten. Daher werden hier auch mittelfristig bedeutende Mengen an Seltenen Erden in den zukünftigen Abfallströmen anfallen. Laut der aktuellen Studie sollte ein „Europäisches Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerk“ aufgebaut, eine detaillierte Stoffstromanalyse erstellt und Sammlungs- und Behandlungsanlagen konzipiert werden. Da es einige Jahre dauern wird, bis alle offenen Fragen geklärt sind, wie die technischen, wirtschaftlichen und juristischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Recyclingsystem, empfiehlt die Studie, schon jetzt mit dem Aufbau zu beginnen.

 

Weltweit erste Recyclinganlage für aussortierte Solarzellen:
In Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) errichtet die ITS Halle Cell GmbH derzeit für rund 40 Mio. Euro die weltweit erste Recyclinganlage, in der in einem mehrstufigen innovativen Prüf- und Optimierungsverfahren ursprünglich aussortierte Solarzellen ihre Leistungsfähigkeit zurückerhalten. Die Fabrik soll ab Mai eine Kapazität von bis zu 20.000 Solarzellen verschiedener Hersteller pro Stunde besitzen. Verunreinigungen der Zellen werden dabei isoliert oder entfernt, so dass sie ihre Leistungsfähigkeit zurückerhalten.

 

Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:
Im Landkreis Stade (Wischhafen) wurde für 5 Mio. Euro die europaweit erste Recyclinganlage für kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (so genannte CFK-Verbundwerkstoffe) eröffnet. Die kohlenstofffaserverstärkten Verbundstoffe gelten als der Leichtbauwerkstoff der Zukunft, der momentan noch überwiegend in der Luftfahrtbranche und im Automobilbereich genutzt wird. Mitte 2008 war bereits eine erste Pilotanlage errichtet worden. Die nun realisierte moderne Recyclinganlage verfügt über eine Kapazität von mehr als 1.000 Tonnen ipro Jahr. Der Prozess der Carbonfaser-Rückgewinnung ist dabei ein mehrstufiges Pyrolyseverfahren, bei dem sämtliche CFK-Materialien wertbeständig recycelt werden. Das heißt, dass die Zugfestigkeitseigenschaften der zurück gewonnenen Carbon-Kurzfaser denen von Neufasern entsprechen.

 

Neuartiges Lösungsmittel kann zwischen wasserlöslich und -unlöslich wechseln:
Lösungsmittel waren bislang entweder wasserlöslich oder nicht. Kanadische Forscher haben nun eine Möglichkeit entwickelt, Lösungsmittel zwischen diesen beiden Zuständen ohne größeren Aufwand wechseln zu lassen. Sie schalten ihr Lösungsmittel in den wasserlöslichen Zustand, indem sie es in Gegenwart von Wasser mit Kohlendioxid begasen, wodurch das wasserlösliche Salz Hydrogencarbonat entsteht. Das ursprüngliche Lösungsmittel wird schließlich zurück gewonnen, indem das Edelgas Argon durch die Lösung des Salzes gepresst wird. Das Edelgas schleppt das Kohlendioxid aus der Lösung, so dass das Salz wieder in das wasserunlösliche Lösungsmittel, Wasser und Kohlendioxid zerfällt. Der Zyklus kann nahezu beliebig oft ablaufen. Ein mögliches Anwendungsfeld liegt im bislang schwer recycelbaren Styropor. Styropor besteht zu bis zu 90 Prozent aus Luft und nimmt extrem viel Platz weg. Gebrauchtes Styropor ließe sich nun in dem Lösungsmittel auflösen. Diese Lösung gibt man dann in kohlensäurehaltiges Wasser, so dass das Lösungsmittel wasserlöslich wird und der wasserunlösliche Kunststoff als kompaktes Pulver entnommen werden kann. Anschließend regeneriert man das Lösungsmittel mit Argon und kann es für die nächste Ladung Styropor verwenden.

 

Luft- und Raumfahrt:

 

Russland plant atomgetriebene Rakete zum Mars:
Russland will innerhalb von sechs bis neun Jahren eine Weltraumrakete mit atomgetriebenem Triebwerk entwickeln. Das Atomtriebwerk der Megawattklasse soll bemannte Fernraumflüge wie zum Mars ermöglichen. Dafür wäre die Crew drei Monate unterwegs, inklusive eines 30-tägigen Aufenthaltes auf dem Nachbarplaneten. Die Entwicklungsarbeiten befinden sich derzeit bei der Ausarbeitung der technischen Zeichnungen. Da das internationale Interesse an dem Projekt sehr groß sei, erwäge die russische Weltraumagentur Roskosmos eine internationale Kooperation.

 

Japan plant riesiges Stahlnetz zum Einfangen von Weltraumschrott:
Die rund 500.000 Schrottteile, die mit rund 28.000 km/h um die Erde kreisen, gefährden zunehmend sowohl die bemannte Raumfahrt als auch die Multimilliarden schwere Infrastruktur im Orbit. Die Raumfahrtnation Japan plant nun gemeinsam mit der Fischernetz-Firma Nitto Seimo, den problematischen Weltraumschrott mittels einem Kilometer großen Stahlnetzes einzusammeln. Das Spezialnetz aus Ein-Millimeter-Metallfäden soll mehrere Kilometer groß sein und in die Erdumlaufbahn geschossen werden, wo es auf seinem Weg den Müll einsammeln und schließlich dann beim Wiedereintritt in die Atmosphäre mitsamt seinem Inhalt verglühen soll.

 

Russischer Militärsatellit unwiderruflich auf falsche Umlaufbahn geschossen:
Russland hat letzte Woche einen  militärischen Satelliten (Geo-IK-2) auf eine falsche Umlaufbahn geschossen. Der Militärsatellit, über dessen Funktionen nichts Näheres mitgeteilt wurde, verfügt auch nicht über genug Treibstoff, um auf die ursprünglich geplante Umlaufbahn einzuschwenken. Daher wird er seine Funktionen nur begrenzt und auch nur für kurze Zeit erfüllen können.

 

Medizin:

 

Universalimpfstoff gegen Grippe in Aussicht:
Ein Forscherteam der Universität Oxford hat einen Impfstoff erstmals an Menschen getestet, der die stets gleichen Proteine im Inneren der Grippeviren statt wie bislang die extrem wandlungsfähigen an der Außenhülle bekämpft. Dadurch könnte der neue Impfstoff als Universalimpfstoff sämtliche Varianten der Krankheit abdecken und damit die jährliche Spritze, sowie die jährlichen kostenintensiven Anpassungen an die saisonale Variante überflüssig machen. Weitere Studien sollen in den nächsten Jahren folgen.

 

Weitere Impfstoffe gegen Krebs dürften folgen:
Bei zwei durch Viren verursachten Krebsarten, dem Leberkrebs und dem Gebärmutterhalskrebs, existieren bereits wirksame Impfungen. Professor Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hatte für letzteres 2008 den Medizin-Nobelpreis erhalten. Gegen Gebärmutterhalskrebs sollten sich im übrigen auch junge Männer impfen lassen, weil sie die Viren dann nicht mehr auf ihre Sexualpartnerinnen übertragen könnten, und zum anderen, weil auch Krebserkrankungen im Rachenraum und im Analbereich zu einem Drittel verhindert werden könnten, die ebenfalls von den sogenannten Papillomviren ausgelöst werden. Durch die Impfung beider Geschlechter könnten die Papillomvirustypen zudem vollständig ausgerottet werden. Der Forscher erwartet auch, dass künftig noch mehr Impfungen gegen krebsauslösende Erreger wie etwa gegen ein Magenkrebsbakterium entwickelt werden.

 

Weiteres:

 

Massenproduktion des Nano-Zukunftsmaterials Graphen greifbar:
Für die Grundlagenforschung an dem aus dem nur ein Kohlenstoffatom dicken Nanomaterial Graphen, dem gleichzeitig dünnsten und stärksten von Menschen hergestelltem Material, wurde 2010 der Physiknobelpreis verliehen. Forscher der Universität Bielefeld gelang nun ein wesentlicher Etappensieg auf dem Weg zur günstigen und effizienten Massenproduktion. Sie haben ein einfaches physikalisch-chemisches Verfahren entwickelt, bei dem das Ausgangsmaterial aus organischen Molekülen durch Bestrahlung mit Elektronen zu einer geschlossenen Schicht verbunden wird. Dieses wandelt sich dann bei Erhitzen unter Luftabschluss in Graphen um. Die Massenproduktion würde die Elektrotechnik revolutionieren und könnte beispielsweise unter anderem das extrem seltene und teure Indium bei Flüssigkristallanzeigen (LCD-Monitore) ersetzen.

 

Fälschungssichere Chips mit „Fingerabdruck“ entwickelt:
Um Chips und Elektronikbauteile vor Produktfälschern sicher zu machen haben Fraunhofer-Forscher eine spezielle Sicherheitstechnologie entwickelt, die individuelle Materialeigenschaften von Komponenten nutzt, um daraus einen digitalen Schlüssel zu erzeugen. Die einzigartige Struktur kann dabei nicht kopiert werden. Damit lassen sich zudem auch angriffsresistente Sicherheitslösungen in eingebetteten Systemen realisieren, denn invasive Attacken auf den Chip würden physikalische Parameter verändern – und damit auch die einzigartige Struktur verfälschen oder zerstören. Ein Prototyp wird auf der Messe „embedded world“ vom 01. bis 03. März in Nürnberg vorgestellt.

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