Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovationen: KW 19

Forschung:
1. TechnologieAllianz stellt Forschungsergebnisse offen
2. Forschungsförderung der Elektromobilität
3. Sich selbst einfärbendes Glas – kostengünstiges Verschattungssystem
4. Kleines, tragbares und besseres Röntgengerät entwickelt
5. Brille zum selber justieren zum Preis von 1 Dollar entwickelt

Industrie:
6. DB vergibt größten Auftrag ihrer Geschichte an Siemens
7. Blohm + Voss mit Fregattenbau für sieben Jahre Grundauslastung

 

Forschung:

 

TechnologieAllianz stellt Forschungsergebnisse offen
Die TechnologieAllianz e.V. ist der Verband deutscher Technologie- und Patentverwertungs-Agenturen. Sie stellen über 2.000 verschiedene patentierte Forschungsergebnisse aus 14 Branchen nahezu aller deutschen Hochschulen und diverser außeruniversitärer Forschungsstätten öffentlich im Netz zur Verfügung. Unter www.technologieallianz.de wird ein Zugang zu allen weiteren Angeboten der deutschen Forschungslandschaft geboten, genauso wie eine gezielte Unterstützung zur erfolgreichen Vermittlung der Technologien.

 

Forschungsförderung der Elektromobilität
Die deutsche Industrie hat sich im Rahmen der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) auf einen Fahrplan verständigt, wie Deutschland bis zum Jahr 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln werden soll. In den nächsten drei Jahren sollen dafür vier Milliarden Euro in die Forschung investiert werden, vor allem in die Batterieforschung, die Antriebstechnologie, Leichtbauten, die Stromnetze, das Recycling und die Integration all dessen in neue Fahrzeuge. 40 Prozent der Summe soll der Bund investieren, zwei Drittel will die Industrie aufbringen. Insgesamt wollen die Elektro-, die chemische, die Automobilindustrie und die Energiewirtschaft bis 2014 rund 17 Milliarden Euro in diesen Forschungsbereich investieren. Im Gespräch ist auch eine Änderung der Dienstwagenbesteuerung sowie zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, um den Kauf der E-Fahrzeuge zu erleichtern, E-Fahrzeuge könnten zudem für zehn Jahre von der KfZ-Steuer befreit werden. Eine direkte Kaufprämie lehnt die Bundesregierung allerdings weiterhin ab. Die konkreten Förderinstrumente sollen in einem „Aktionsplan Elektromobilität“ gebündelt und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen fahren. Derzeit gibt es rund 10.000.


Sich selbst einfärbendes Glas – kostengünstiges Verschattungssystem
Ein Forscherteam um die Universität Jena ein kostengünstiges, automatisches sogenanntes Verschattungssystem für die Fenster von Wohn- und Bürogebäuden entwickelt, das Rollläden ersetzen kann. Das Fensterglas dunkelt sich je nach einfallender UV-Strahlung selbstständig ab. Dem liegt eine hauchdünne Schicht aus Kartoffelstärke und fotosensiblen Farbstoffen zugrunde, die zusammen den biologischen Kleber bilden, der das Verbundglas zusammenhält. Treffen nun UV-Bestandteile der Sonneneinstrahlung auf die Glasscheibe, färbt sie sich blau ein und dunkelt sich damit selbst ab. Verschwinden die Sonnenstrahlen, ist das Glas binnen weniger Minuten wieder transparent. Wie dunkel die Scheibe dabei wird hängt von der Intensität der UV-Strahlen ab. Der Prototyp soll bereits im kommenden Jahr vorliegen und um ein Vielfaches kostengünstiger sein als herkömmliche sogenannte elektrochrome Systeme. Der europäische Dachverband der Sonnenschutzindustrie hat kürzlich in seiner ESCORP-Studie errechnet, dass allein durch richtig eingesetzten, flexiblen Sonnenschutz zur optimalen Klimatisierung von Räumen 360.000 GWh an Energie pro Jahr eingespart werden können, das entspricht rund 42 der 143 europäischen AKWs (auf die Gebäude in Europa entfallen rund 40 Prozent der Primärenergie).

 

Kleines, tragbares und besseres Röntgengerät entwickelt
Die Forscher des von der EU geförderten Nanoray-Projekts haben ein neues Röntgengerät entwickelt. Das tragbare Gerät vereint mehrere Vorteile: Es ist handlich und passt beispielsweise auch an Bord eines Krankenwagens, es kostet wenig, das Röntgen geht schneller und die Qualität der Bilder wurde verbessert, wodurch die Strahlenbelastung sinkt. Dies wird erreicht, indem die Glühkathode durch eine Kaltkathode ersetzt wird, dadurch kann das sperrige Kühlsystem wegfallen. Dabei werden die Elektronen an der Spitze der Kathode freigesetzt, deren Spitze mit Kohlenstoffnanoröhren umkleidet ist. Dadurch muss das Röntgengerät nicht mehr wie die herkömmlichen Geräte auf bis zu 2.000 Grad erhitzt werden. Die Einsatzbereiche liegen vor allem im Gesundheitsbereich, in der Archäologie und im Ingenieurswesen bei Qualitätskontrollen.

 

Brille zum selber justieren zum Preis von 1 Dollar entwickelt
Der Physikprofessor Joshua Silver von der Universität Oxford hat eine spezielle einfache und günstige Brille entwickelt, die sich die Patienten selber scharf stellen und individuell anpassen können. Die Idee kam dem Professor bereits 1985. Grundlage ist eine Flüssigkeit in den Lisen. Je nach dem, wie stark diese abgepumpt wird oder aufgefüllt wird, ändert sich der Brechungsindex der Gläser. Dadurch kann die Brille einfachst individuell angepasst werden. Weder Augenarzt oder Optiker sind erforderlich. Der Brillenträger muss lediglich auf eine Lesetafel schauen und seine Brille dann scharf stellen. Dadurch eignet sich die günstige Brille einem Minimalpreis von einem Dollar pro Stück speziell für Menschen in Entwicklungsländern. Joshua Silver wurde für den diesjährigen europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Forschung nominiert.

 

Industrie:


DB vergibt größten Auftrag ihrer Geschichte an Siemens
Die Deutsche Bahn hat den größten Auftrag ihrer Geschichte vergeben. 300 Züge einer völlig neuen Generation sollen von 2016 an für einen reibungslosen Fernverkehr sorgen. Der Siemenskonzern wird für 6,3 Milliarden Euro 195 Züge unter dem Projektnamen ICx liefern, die die alte Intercity-Flotte und die ICE-1- und ICE-2-Züge ablösen sollen. Eine weitere Aufstockung auf bis zu 300 Züge ist im Gespräch. Dabei wird die Bezahlung des Auftrages an strikte Qualitätsmaßstäbe gekoppelt – Geld wird erst fließen, wenn die einzelnen Züge auch hundertprozentig funktionieren. Die neuen ICx-Züge werden nicht mehr mit Lokomotiven oder Triebköpfen am Zugende ausgestattet. Stattdessen werden wie beim ICE 3 die Antriebe unter dem Boden der Innenkabinen angebracht. Der Energieverbrauch der ICx-Züge soll 30 Prozent geringer sein als bei den Vorgängerzügen, die Geschwindigkeit wird zwischen 230 und 280 km/h betragen. Die Hauptproduktion soll in dem Siemenswerk Krefeld-Uerdingen stattfinden, wo die Produktion um weitere 500 Stellen ausgeweitet werden wird. Der kanadische Konkurrent Bombardier wird zuliefern.

 

Blohm + Voss mit Fregattenbau für sieben Jahre Grundauslastung
Die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss baut nach zehn Jahren wieder an neuen Marineschiffen und überwindet damit die Auftragsflaute. Für ein Auftragsvolumen von mehr als 2,9 Milliarden Euro werden vier Fregatten des neuen Typs F125 für die deutsche Marine gebaut. Alle vier Schiffe werden bis 2018 in Hamburg endmontiert und ausgerüstet. Die erste 149 Meter lange Fregatte heißt „Baden Württemberg“ und soll Ende März 2016 ausgeliefert werden. Kernelemente der neuen Fregatte ist die mit Atlas Elektronik entwickelte Feuerleittechnik und ein neues Radarsystem. Das Schiff ist auf multinationale Einsätze wie am Horn von Afrika zugeschnitten, was sich in einer dem Klima angepassten robusteren Technologie niederschlägt. Die Fregatten können auch über zwei Jahre ununterbrochenen ohne Instandhaltung im Einsatz sein (im Notfall sogar bis fünfeinhalb Jahre), bislang waren lediglich neun Monate möglich. Aufgrund der geringeren Wartungsarbeiten an Bord sinkt die Zahl der Besatzung von 235 Mann bei der Vorgängergeneration F124 auf 120 Mann. Gleichzeitig bieten die Schiffe Platz für 70 Mann Spezialkräfte. Die „Fregatte ohne Ecken und Kanten“ verfügt über keinen einzigen 90-Grad-Winkel und ist für feindliches Radar nahezu unsichtbar. Die 127-Millimeter-Kanone feuert 100 Kilometer weit und übertrifft damit den Vorgänger um 70 km. An Bord befinden sich auch vier schwer bewaffnete, 74 km/h schnelle Glasfaser-Rennboote mit Granatwerfern, ein ferngesteuertes U-Boot sowie zwei Hubschrauber. Der Fregattenauftrag bedeutet für die Werft eine „Grundauslastung für sieben Jahre“. Blohm + Voss gehört derzeit noch zu der Holding ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), soll aber bis Ende Juni an Abu Dabi Mar (ADM) verkauft werden. Damit sollen auch die Aufträge für Multimillionendollaryachten steigen.

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