Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovationen: KW 41

1. Physik-Nobelpreis für die Entdeckung des Graphens:
2. Chemie-Nobelpreis für Palladium-Katalyse:
3. Medizin-Nobelpreis für den Erfinder der In-vitro-Fertilisation:
4. Desertec – Siemens | Staatshilfen wären hilfreich:
5. Warnung vor Transport von Lithium-Akkus:
6. EU-Projekt „DredgDikes“ erforscht den Deichbau der Zukunft
7. Effizientere Herstellung von Leiterplatten durch Plasma-Technik:
8. Erstmals Behandlung mit embryonalen Stammzellen:
9. Beschleunigung des Verfahrens zur Herstellung von Impfstoffen:
10. Flexibles Transportprotein eröffnet neue Medikamentenmöglichkeiten:
11. Kommerzielles Raumschiff absolviert ersten bemannten Testflug:
12. Hawking-Strahlung lässt Schwarze Löcher verdampfen:
13. Erstmals Fahrzeug „automatisch“ im Straßenverkehr:
14. Microsoft stellt Handybetriebssystem Windows Phone 7 vor:

 

Physik-Nobelpreis für die Entdeckung des Graphens:
Die beiden Professoren der Universität Manchester, Andre Geim und Konstantin Novoselov, haben den Nobelpreis 2010 für Physik erhalten. Sie wurden für die Entdeckung und Erforschung des revolutionären Materials Graphen ausgezeichnet. Graphen wird aus Graphit gewonnen und besteht aus nur einer einzigen Molekülschicht Kohlenstoff. Das Material ist extrem dünn und äußerst stark, leitet Elektrizität genauso gut wie Kupfer und übertrifft als Wärmeleiter alles bisher Bekannte.

 

Chemie-Nobelpreis für Palladium-Katalyse:
Die drei Wissenschafter Richard Heck (USA) und die beiden Japaner Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki haben den Chemie-Nobelpreis 2010 für ihre Verdienste um die Palladium-Katalyse erhalten. Die Forschungsarbeiten hätten bewirkt, dass Chemiker Verbindungen des Elements Kohlenstoff (organische Chemie) miteinander verknüpfen und zu hochkomplexen Strukturen aufbauen können. Diese Stoffe besäßen eine überragende Bedeutung für die Herstellung von Medikamenten, Pflanzenschutzmittel und Substanzen für die Elektronikindustrie. Dies sei eines „der raffiniertesten Werkzeuge der heutigen Chemie“ und helfe, Arzneistoffe zu entwickeln, die gegen Krebs, Aids, Herpes und Asthma helfen.


Medizin-Nobelpreis für den Erfinder der In-vitro-Fertilisation:
Der britische Biologe Robert Edwards hat den Medizin-Nobelpreis 2010 erhalten. Robert Edwards ist der Vater der In-vitro-Fertilisation: 1978 kam Louise Brown als erstes im Reagenzglas gezeugtes Kind zur Welt.

 

Desertec – Siemens | Staatshilfen wären hilfreich:
Das Wüstenstromprojekt Desertec ist mit rund 400 Mrd. Euro das größte Infrastrukturprojekt der Geschichte. Bis 2050 sollen in den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens im großen Stil Energie aus Sonne und Wind erzeugt werden, der sowohl den Anrainern zugute kommen als auch nach Europa geleitet werden soll. Der beteiligte Siemens-Konzern hat sich nun für eine staatliche Unterstützung bei der Umsetzung ausgesprochen: Eine stützende Hand des Staates wäre demnach für die (Kredit-/Investitions-)Verhandlungen mit den finanzierenden Banken hilfreich, obwohl  keine grundsätzlichen Zweifel bestünden.

 

Warnung vor Transport von Lithium-Akkus:
Am 3. September war ein Fracht-Jumbo 747-400 des Logistikkonzerns UPS nahe Dubai-Stadt abgestürzt. Mögliche Ursache war eine große Ladung Lithium-Batterien im Frachtraum. Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA hat nun eine Warnung über den Transport von Lithium-Batterien herausgegeben. Seit 2008 ist es bereits verboten, diesen Batterietyp ungesichert im Frachtgepäck aufzugeben, auch der Transport von Lithium-Batterien als Fracht in Passagierflugzeugen ist verboten. Als mögliche Brandursachen werden derzeit Entzündung etwa durch Kurzschluss, durch Überladen, heiße Außentemperaturen oder falsche Behandlung untersucht. Vorgeschlagen wird nun die Beförderung als Gefahrentransport in besonders geschützten und gut löschbaren Behältern.

 

EU-Projekt „DredgDikes“ erforscht den Deichbau der Zukunft:
Das neue EU-Projekt „DredgDikes“ zur Erforschung des Deichbaus der Zukunft wird an der Universität Rostock und der TU Gdansk (Polen) angesiedelt. Das Netzwerk umfasst drei weitere Projektpartner sowie 13 assoziierte Organisationen. Untersucht wird feinkörniges organisches Baggergut des Ostseeraums auf seine Eignung als Baumaterial im Deichbau, in Kombination mit Geokunststoffen und Additiven zur Bodenstabilisierung. Einerseits geht der oft verwendete Mergel als natürlicher Baustoff allmählich zur Neige, andererseits soll ein Leitfaden zur Anwendung von Baggergut im Deichbau erstellt werden, der für Behörden und Planer eine verlässliche Planungs- und Entscheidungsgrundlage bieten soll. Laut Abgaben des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 75-190 cm ansteigen.

 

Effizientere Herstellung von Leiterplatten durch Plasma-Technik:
Fraunhofer-Forscher haben eine neuartige Technologie entwickelt, mit der metallische Leiterbahnen Energie und Material sparender und somit nachhaltiger und kostengünstiger auf Kunststoffstrukturen aufgetragen werden können. Bislang wird eine vollflächig metallisierte Folie als Ausgangsmaterial verwendet, aus der dann durch Entfernen des überschüssigen Metalls (rund 50-80%) die Leiterbahnen erzeugt werden. Die neuartige Technologie P3T (Plasma Printing and Packaging Technology) nutzt das Additivverfahren unter Verwendung von Plasma-Printing, womit die gewünschten Strukturen direkt auf den Folienträger aufgebracht werden können. Das Forschungsvorhaben wird von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Flexible Leiterbahnen, RFID-Antennen und Biosensoren auf Folien werden aktuellen Prognosen zur Folge 2014 ein weltweites Marktvolumen von 16 Mrd. USD besitzen. Erste Ergebnisse werden Ende Oktober auf der Kunststoffmesse K 2010 in Düsseldorf präsentiert.  

 

Erstmals Behandlung mit embryonalen Stammzellen:
In den USA ist erstmals ein Mensch mit Stammzellen behandelt worden, die aus menschlichen Embryonen gewonnen wurden, die bei künstlichen Befruchtungen übrig geblieben sind. Das Krankenhaus für Rückenmarks- und Hirnverletzungen in Atlanta, Georgia, hatte die weltweit erste Genehmigung für diese Behandlungsmethode von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA erhalten. Behandelt werden mehrere querschnittgelähmte Patienten, bei denen die Verletzung des Rückenmarks nicht älter als 14 Tage ist. Die polypotenten embryonalen Stammzellen werden in den geschädigten Bereich gespritzt und sollen die geschädigten Nervenzellen reparieren. Zunächst soll die Sicherheit und Verträglichkeit einer solchen Stammzelltherapie untersucht werden. Kritiker warnen unter anderem vor einem Krebsrisiko infolge der Behandlung, da es nicht sicher sei, ob sich die Zellen wie gewünscht entwickeln.

 

Beschleunigung des Verfahrens zur Herstellung von Impfstoffen:
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat angekündigt, demnächst Influenza-Impfstoffe („Grippe“) in vier statt sechs Monaten produzieren zu wollen. Ermöglichen soll dies eine Kooperation mit dem Unternehmen Craig Venters Synthetic Genomics Vaccines des Genom-Pioniers Craig Venter. Dieses soll Novartis mit Werkzeugen und Technologien zur künstlichen Erzeugung von Virenerbgut ausstatten, so dass eine Bank mit dem Erbgut von allen Influenzastämmen erstellt werden kann. So muss Novartis (die Hersteller) nicht erst bis zu zwei Monate auf die Herstellung der jeweilig aktuellen Virenstämme durch die Weltgesundheitsorganisation WHO warten.

 

Flexibles Transportprotein eröffnet neue Medikamentenmöglichkeiten:
Das Protein Albumin ist der Universaltransporter im menschlichen Blut, es transportiert sowohl Fettsäuren, Hormone als auch Medikamente. Max-Planck-Forscher haben das Protein nun bei der Arbeit beobachten und dabei seine räumliche Struktur unter natürlichen Bedingungen untersuchen können. Die zentralen Regionen des Albumins sind starr, während der Außenbereich flexibel ist, so dass sich die Form anpassen kann. Dadurch wird eine viel höhere Symmetrie für die Eingänge an den Bindungsstellen hergestellt. Die Forscher wollen nun die molekularen Eigenschaften des Proteintransporters weiter analysieren, besonders im Hinblick auf dessen Fähigkeit, Medikamente zu transportieren. (Weitere Informationen hier.)

 

Kommerzielles Raumschiff absolviert ersten bemannten Testflug:
Das als Touristen-Raumschiff konzipierte „SpaceShipTwo“ des Unternehmens Virgin Galactic des britische Milliardärs Richard Branson hat seinen ersten bemannten Testflug absolviert. Das Raumschiff wurde von einem Trägerflugzeug in 13.700 Meter Höhe ausgeklinkt und anschließend sicher zur Erde gesteuert. Ab 2012 soll das Raumschiff, das Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere bietet, von dem Trägerflugzeug in 15 km Höhe gebracht werden und dann selbstständig auf 110 km Höhe steigen. Auf diesen privaten Kurztrips durchs Weltall sollen einige Minuten Schwerelosigkeit herrschen. Derzeit wird im US-Staat New Mexico einen Startplatz mit dem Namen „Spaceport America“ errichtet.

 

Hawking-Strahlung lässt Schwarze Löcher verdampfen:
Italienische Forscher haben in einem Laborversuch erstmals indirekt die 1974 von Stephen Hawking postulierte Hawking-Strahlung von Schwarzen Löchern beobachtet. Dem Gravitationsfeld eines Schwarzen Loches kann nichts entweichen, nicht einmal Licht. Laut Hawking strahlt ein Schwarzes Loch jedoch beständig Strahlung aus. Aufgrund der sogenannten Vakuumfluktuationen entstehen in dem an sich leeren Raum Teilchenpaare, die kurz nach ihrer Entstehung wieder zerfallen. In unmittelbarer Nähe eines Schwarzen Lochs können diese Paare jedoch getrennt werden. Einer der beiden Partner fällt dann in das Schwarze Loch, so dass der andere alleine nicht mehr zerfallen kann und als reales Teilchen abgestrahlt wird. Die Folge ist, dass ein Schwarzes Loch nach und nach verdampft.

 

Erstmals Fahrzeug „automatisch“ im Straßenverkehr:
Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig und des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik haben erstmals weltweit einen PKW vollautomatisch im öffentlichen Straßenverkehr getestet. Mit Hilfe von Sensoren und Lasertechnik kann das automatisierte Fahrzeug selbstständig am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Das Forschungsprojekt „Stadtpilot“ wird in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Institut für Flugführung entwickelt. Die Reaktionszeit ist dabei schneller als bei einem menschlichen Fahrer. Der Internet-Riese Google entwickelt derzeit ebenfalls automatisierte Fahrzeugtechnik. Seit mindestens einem Jahr ist eine Google-Testflotte aus sieben Google-Autos nahezu unbemerkt im Einsatz, die zusammen bereits mehr als 225.000 km zurückgelegt haben. Nach Einschätzung der Google-Ingenieure wird es noch acht Jahre dauern, bis die Autos mit Autopilot marktreif sein werden.

 

Microsoft stellt Handybetriebssystem Windows Phone 7 vor:
Der US-Konzern Microsoft hat sein neues Handybetriebssystem Windows Phone 7 präsentiert. Es sei sehr schnell und einfach zu bedienen. Unabhängige Tests bestätigen demnach die Fortschritte. Das bisherige Windows Mobile 6.5 gilt als schwer bedienbar und unausgereift. Allein die Werbung für das neue System lässt sich Microsoft angeblich 500 Millionen US-Dollar kosten. Zusammen mit den Entwicklungskosten gehen Expertenschätzungen von mehr als einer Milliarden US-Dollar aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.