Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft, Energie und Unternehmen: 15.06.2011

Italien: Viertes Industrieland sagt Nein zur Atomkraft
Nach Österreich (1978/1999), Deutschland (2000) und der Schweiz (2011) hat nun auch Italien endgültig „Nein“ zu einem Wiedereinstieg in die Atomkraft gesagt (Schweden hatte 1980 den Ausstieg beschlossen, den Beschluss allerdings 2009 wieder zurückgenommen). Italien hatte bereits 1986 nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl in einer Volksabstimmung den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen und seine vier AKW bis 1990 abgeschaltet. 2008 hatte dann die Mitte-Rechts-Regierung Berlusconis per Dekret einen Wiedereinstieg mit acht neuen Atomreaktoren beschlossen. Dieses Ansinnen wurde nun in dem zweitägigen Referendum von den Bürgern mit einer überwältigenden Mehrheit von über 93 Prozent abgeschmettert. Es wird nun erwartet, dass Italien seine Energiepolitik der Entscheidung anpasst und die Förderung der Erneuerbaren Energien, die zuletzt eher inkonsequent war, forciert. So weist das sonnenreiche mediterrane Land mit knapp 6.000 MW nur rund ein Drittel der in Spanien installierten Kapazitäten auf. Bis 2020 soll allein die Photovoltaikleistung auf 23.000 MW ausgebaut werden. Derzeit werden in Italien 1,9 Prozent mit Geothermie erzeugt, 2,5 Prozent mit Wind und Sonne, 17 Prozent durch Wasserkraft und 78,6 Prozent mit Öl, Gas und Kohle. Rund 15 Prozent des benötigten Stroms wird importiert – laut Fabio Bocchiola, Direktor von Repower Italia, liege das an den verzerrten Preisen des „billigen“ Atomstroms. Im Zuge des Referendums lehnten die Italiener auch die umstrittene Privatisierung der Trinkwasserversorgung sowie Berlusconis Neuregelung der Immunität für Parlamentarier ab, mit der er sich erneut einer drohenden Strafverfolgung entziehen wollte. (http://bit.ly/mpq5BS)


Militärische Spannungen zwischen China und Vietnam um Billionen-Ölfeld
Vietnam hat im Zuge der Spannungen um die großen Ölreserven bei den Spratly- und die Paracel-Inseln im südchinesischen Meer eine Marineübung mit scharfer Munition abgehalten. Auf die Spratly-Inseln erheben Vietnam und China, aber auch die Philippinen, Brunei, Malaysia und Taiwan Anspruch. Der Disput zwischen Vietnam und China schwelt bereits seit einigen Jahren. 1988 waren bei Gefechten zwischen den beiden Ländern in dem umstrittenen Seegebiet mehr als 70 vietnamesische Seeleute getötet worden. Letzten Monat hatten chinesische Schiffe laut vietnamesischen Angaben ein Forschungsschiff zur Ölsuche beschädigt. Vergangene Woche habe dann ein chinesisches Fischerboot „vorsätzlich“ das Erkundungskabel eines weiteren Forschungsschiffes der staatlichen Ölgesellschaft PetroVietnam gekappt. Über das Volumen der vermuteten riesigen Öl- und Gasvorkommen gehen die Spekulationen weit auseinander. So soll allein das Blue Dragon Oil Field im Südchinesischen Meer über mehr als 500 Mil¬liarden Barrel verfügen. Die Schweizer Seite finews.ch berichtet von 300 Milliarden Barrel Öl in den Gewässern der Spratly-Inseln (ein Barrel wird derzeit mit 100-120 Dollar gehandelt). Zum Vergleich: Im Februar 2011 hat Venezuela mit 296,5 Milliarden Barrel Ölreserven Saudi-Arabien als ölreichstes Land überholt. (http://bit.ly/ktSpbJ)

 

Serbien will sich mit militärischen Friedenseinsätzen in die EU kämpfen
Serbien hat sich im Dezember 2009 offiziell um eine EU-Mitgliedschaft beworben. Mit der Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Mladic Anfang des Monats und der kurz darauf begonnen Intensivierung der Beziehungen zu dem Nachbarland und der ehemaligen Provinz Kosovo ebnete Serbien den Weg für einen Beginn der Beitrittsverhandlungen (wahrscheinlich ab Anfang 2012). Nun will das Land, das 1999 im Zuge des Jugoslawienkrieges von den NATO-Truppen massiv bombardiert wurde, an der Seite der EU und der UN aktiv an militärischen Friedensmissionen teilnehmen, um seinen „vollen Beitrag zum Weltfrieden“ zu leisten. Verteidigungsminister Dragan Sutanovac: „Dadurch werden wir unsere Ausrichtung auf die EU-Perspektive Serbiens und die universellen Werte bestätigen. (…) Uns sind die Gefühle aus der Vergangenheit bewusst, wir widmen uns jedoch voll der Zukunft.“ Ökonomisch steht dem Beitritt Serbiens wenig im Weg: Die Wirtschaft ist 2008 um 5,1 Prozent gewachsen, im Krisenjahr 2009 um 3,5 Prozent geschrumpft und 2010 wieder moderat um 1,5 Prozent gewachsen. Für 2011 und 2012 prognostiziert der IWF ein Wachstum von 3-4 Prozent, für 2013 sogar 4,5 Prozent. Die Staatsverschuldung lag Ende 2010 bei 41,8 Prozent des BIP. Neben einem bedeutenden landwirtschaftlichen Potential weist Serbien als Exportgüter vor allem Eisen und Stahl sowie Textilien und Gummiprodukte aus. Problematisch ist allerdings die zuletzt hohe Arbeitslosenquote von 19,2 Prozent (2010). (http://bit.ly/jXYf3t)

 

70 Regionen mit 8 Mio. Deutschen wollen bis 2025-2030 Energieautarkie
70 Regionen und Kommunen haben für ihr Ziel der kompletten Energieautarkie bis 2025 oder 2030 bereits entsprechenden politischen Beschlüsse gefasst. In den 34 Kommunen, 27 Landkreisen und 11 Regionalverbänden leben zusammen acht Millionen Menschen. Zum Vergleich: Der Landkreis Fürstenfeldbruck bei München mit 200.000 Einwohnern hat bislang für seine Energieimporte aus Sibirien (Gas) und Arabien (Öl) jedes Jahr 600 Millionen Euro ausgegeben. Dieses Geld soll nun Jahr für Jahr in der Region verbleiben, sauberen Strom produzieren, Arbeitsplätze schaffen und die regionale Wertschöpfungskette befeuern. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt dabei die Regionen und Kommunen im Rahmen des Forschungsprojekts „deENet“. (http://bit.ly/k5WQ2u)

 

Branchen und Unternehmen:

 

„Global Wind Day“ – Der Tag des Windes
Am heutigen Mittwoch findet wieder der jährliche „Global Wind Day“ statt. In New York startet anlässlich des „Global Wind Days“ die Initiative WindMade zur Entwicklung eines Logos für Unternehmen und Produkte, die Windenergie nutzen beziehungsweise mit Hilfe von Windenergie hergestellt wurden. Die Initiative wird von der European Wind Energy Association (EWEA) und dem Global Wind Energy Council (GWEC) organisiert. Laut dem Global Wind Energy Council (GWEC) wurde die weltweite Windkraftleistung 2010 um 22,5 Prozent (35.800) auf 194.400 MW ausgebaut. Das Investitionsvolumen lag bei 47 Milliarden Euro. Dabei entfielen mit 16.500 MW 46 Prozent des weltweiten Zubaus allein auf China. Es folgten die USA, Deutschland, Spanien und Indien. Ende 2010 drehten sich in Deutschland 21.607 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 27.214 MW. Dabei sind die Städte Berlin (0,02%) und Hamburg (0,6%), sowie die Flächenbundesländer Baden-Württemberg (0,9%) und Bayern (1,0%) gemessen an der Nettostromerzeugung besonders schlecht aufgestellt. Es führen Sachsen-Anhalt (51,1%), Mecklenburg-Vorpomern (45,3%) und Schleswig-Holstein (44,0 %). Die ersten Windenergieanlagen Anfang der 1980er Jahre brachten es gerade einmal auf eine Nennleistung von 50 Kilowatt (kW). Bereits Anfang der 1990er betrug die Nennleistung einer modernen Anlage 300 Kilowatt. Heute verfügen die größten Anlagen über eine maximale Leistung von 7,5 MW (was einem durchschnittlichen Bedarf von 4.800 Haushalten entspricht, die Investitionskosten liegen bei 14 Millionen Euro). Im Jahr 2012 werden 9.359 Anlagen mit zusammen „nur“ 6.104 MW das Alter von mindestens 12 Jahren erreicht haben. Das heißt, alleine in dem Bereich des Repowering alter Anlagen, dem Ersetzen durch leistungsstärkere moderne Anlagen, steckt ein enormes Potential. (http://bit.ly/lH9m1v)

 

Schallschutzwand für Offshore-Bauprojekte
Für die Bauarbeiten des Trianel Windparks Borkum West II wird ein innovativer Schallschutz für die Meerestiere eingesetzt. Hintergrund ist, dass bei der Verankerung der Windrad-Fundamente im Meeresgrund die Stahlpfähle über 30 Meter tief in den Boden gerammt werden. Jeder der dafür notwendigen Rammschläge verursacht dabei starke Schallwellen, die unter Wasser kilometerweit hörbar sind. Um die ansässigen Meeressäuger, insbesondere die Schweinswale, zu schützen, wurde nun ein innovatives Konzept zur Reduzierung des Baulärms entwickelt: Unterwasser-Lärmschutzwände aus Luftblasen. Um jeden der Pfosten wird ein 400 Meter langer Druckluftschlauch verlegt, aus dem eine Wand aus Luftblasen aufsteigt. Die Funktionsweise des so genannten Blasenschleiers beruht auf einem einfachen physikalischen Phänomen, bei dem die Unterwasserschallwellen durch die aufsteigenden Blasen gestreut und gedämpft werden. (http://bit.ly/l3Pj2Q)

 

Stromanbieter Teldafax ist pleite
Teldafax, mit rund 700.000 Kunden Deutschlands größter unabhängiger Stromhändler, hat Insolvenz beantragt. Der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Biner Bähr versucht nun, den Konzern mit 500 Mitarbeitern zu retten. Der Stromdiscounter hatte sich einen ruinösen Konkurrenzkampf geleistet, die Sanierungsbemühungen sind vorerst gescheitert. Grund: Im Gegensatz zur Stromerzeugung gebe es auf der Vertriebsseite nur äußerst geringe Margen, was zu dem teilweise ruinösen Wettbewerb führe. (http://bit.ly/ljXcjU)

 

Müller Milch ab jetzt unter Nordsee-Kommando
Heiner Kamps, Vorsitzender der Geschäftsführung von HK Food (unter anderem Fast-Food-Kette Nordsee), wird zugleich auch neuer Chef des Molkereiriesen Theo Müller (Müller Milch, Weihenstephan). Das Molkereiunternehmen ist seit 2010 Mehrheitsgesellschafter bei HK Food. Kamps will mit beiden Firmen auf Expansionskurs bleiben, der umstrittene Firmenpatriarch Theo Müller (71) zieht sich in den Beirat zurück und positioniert die zweite Generation an Müllers in der Müller-Geschäftsführung, die Söhne Stefan und Theo (junior). Theo Müller war wegen angeblichen Subventionsmissbrauchs (insgesamt 70 Millionen Euro) in der Kritik, ist in die Schweiz gezogen, um seinen mit Steuergeldern geförderten Reichtum vor der Erbschaftssteuer zu schützen und hat Gerüchten zufolge die rechtsextremistische NPD mit Spendengeldern unterstützt, außerdem steht das Unternehmen wegen der Verwendung von gentechnologisch verändertem Futter für die Kühe im Kreuzfeuer der Kritik. (http://bit.ly/kq1HQF)

 

US-Navihersteller Garmin übernimmt Hamburger Navigon
Das Hamburger Unternehmen Navigon beschäftigt 400 Mitarbeiter in Hamburg und Würzburg. Mit dem US-Konkurrenten Garmin wurde nun ein Abkommen gezeichnet, das für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag die Übernahme durch Garmin regelt. Garmin-Präsident Cliff Pemble: „Mit Navigon kommt auch der Anbieter bekannter Navigationsanwendungen für iPhone und Android-Geräte zu uns – dies wird den Umsatz des dann vereinten Unternehmens zusätzlich erhöhen.“ (http://bit.ly/mbmdB1)

 

 

 

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