Wirtschaft

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1. USA – China | Säbelrasseln im Vorfeld eines Handelskriegs:
2. US-Wirtschaft erholt sich besser als erwartet:
3. EU-Finanzminister einigen sich auf regelmäßige Banken-Stresstests:
4. China will Schuldenstaat Griechenland helfen:
5. US-Versicherer AIG will die Staats-Milliarden zurückzahlen:
6. Irlands Bankenkrise wird bis zu 50 Milliarden Euro kosten:
7. Russlands Gold- und Devisenreserven wieder auf 487,7 Mrd. US-Dollar angewachsen:
8. Pharmakonzern Novartis zahlt 422,5 Millionen Dollar Strafe:

 

USA – China | Säbelrasseln im Vorfeld eines Handelskriegs:
Die USA haben Strafzölle auf chinesische Importe verhängt, weil China seine Währung künstlich unterbewertet habe, um sich auf dem Weltmarkt Handelsvorteile zu verschaffen. Bislang fehlt allerdings noch die Zustimmung des US-Senats (erst Anfang November). Der Yuan sei gegenüber dem Dollar mindestens 40 Prozent unterbewertet. Dies habe in den vergangenen zehn Jahren zum Verlust von mehr als zwei Millionen US-Arbeitsplätzen geführt. Peking warnte die USA daraufhin vor einem möglichen Handelskrieg. Das US-Handelsdefizit mit China ist von fünf Milliarden Dollar jährlich auf zuletzt fünf Milliarden Dollar wöchentlich angestiegen. Es wird davon ausgegangen, dass eine Million Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, wenn China seine Währung nicht künstlich nach unten manipulieren würde. China hingegen beklagt, dieser Schritt verstoße gegen die WTO-Regeln und sei ein weiterer Schritt hin zu einem Handelskrieg. Kürzlich hatte China seine Währung minimal aufwerten lassen, was aber überwiegend als vollkommen unzureichend bewertet wurde.

 

US-Wirtschaft erholt sich besser als erwartet:
Die Konjunkturdaten des zweiten Quartals sind besser als prognostiziert. Die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession ist deshalb etwas gedämpft. Das BIP legte im 2. Quartal um 1,7 Prozent zu. Besonders der private Konsum entwickelte sich besser als zunächst angenommen und legte um 2,2 Prozent zu (Prognose: 2,0 Prozent). Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Allerdings zogen die Importe stärker an als die Exporte. Die Importe stiegen um mehr als ein Drittel, während die Ausfuhren nur um gut neun Prozent zulegten. Dieses Defizit in der Handelsbilanz drückte das Wachstum um 3,5 Prozent. Die US-Notenbank denkt daher darüber nach, dieKonjunktur mit neuen Geldspritzen zu unterstützen.

 

EU-Finanzminister einigen sich auf regelmäßige Banken-Stresstests:
Die EU-Finanzminister einigten sich auf regelmäßige Stresstests der europäischen Banken, sowie diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Die Belastungstests sollen sicherstellen, dass die Banken genug Rücklagen gebildet haben, um eine größere Wirtschafts- und Finanzkrise zu überstehen. Dabei werden mehrere Szenarien durchgerechnet. Die ersten europaweiten Belastungstests im Juli hätten sich als äußerst sinnvoll erwiesen. Der Rhythmus der Tests wurde noch nicht mitgeteilt, es wird jedoch von einmal pro Jahr ausgegangen. Darüber hinaus beraten die G20-Finanzminister derzeit über strengere Kapitalanforderungen für Großbanken. Für systemrelevante Finanzinstitute könnten die "Basel-III"-Eigenkapitalregeln um zwei bis drei Prozentpunkte verschärft werden. Bei der Bewertung dieses Vorstoßes herrschen indes verkehrte Welten: Die USA und Großbritannien unterstützten den Vorschlag, während er bei Deutschland, Frankreich und Japan auf Ablehnung stoße.

 

China will Schuldenstaat Griechenland helfen:
Im Zuge des Besuches des chinesischen Premiers Wen Jiabao in Athen vom 2. bis 4. Oktober, will China sein Vertrauen in die wirtschaftlichen Perspektiven Griechenlands mit konkreten Abkommen bestätigen. Dies impliziert praktische Handlungen, um Griechenland und der Europäischen Union zu helfen, die Krise zu überwinden. Wen Jiabao will auch mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou die globale Wirtschaftsverwaltung, die Regelung der Tätigkeit der Kreditagenturen, die Situation in der Region und in der Welt besprechen. Papandreou hatte bereits mehrmals auf die schädlichen Auswirkungen internationaler Spekulationen hingewiesen, denen Griechenland im Frühjahr 2010 zum Opfer gefallen ist. Die Verhinderung von Spekulationsangriffen (Wetten) gegen Staaten auf den Finanzmärkten dürfte nur ein zentrales Thema sein, günstige (risikoaufschlagsfreie) Kredite für Griechenland ein mindestens ebenso gewichtiges.

 

US-Versicherer AIG will die Staats-Milliarden zurückzahlen:
Die staatliche Rettungsaktion für den US-Versicherer AIG vor zwei Jahren gehörte zu den teuersten der Finanzkrise. Das Unternehmen legt nun einen Plan vor, wie es die Milliarden zurückzahlen will. Das vom Staat gehaltene Vorzugskapital in Höhe von 49 Mrd. Dollar soll zunächst in Stammaktien umgewandelt werden, wodurch sich der Staatsanteil zwischenzeitlich auf gut 92% erhöht. Diese Aktien sollen dann nach und nach, möglichst nach Wertsteigerungen der Papiere, an Investoren verkauft werden. Der Staat, also der Steuerzahler soll dadurch einen Gewinn erzielen. Momentan ist die US-Regierung mit knapp 80% an AIG beteiligt. Der Versicherer war 2008 im Zuge der US-Immobilienmarktkrise mit mehr als 180 Mrd. Dollar gestützt worden. Ausschlaggebend war, dass sich der Versicherer mit riskanten Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS) verspekuliert hatte. Derzeit stecken noch über 120 Mrd. Dollar an Steuergeldern in dem Unternehmen.
Insgesamt haben die Empfänger der US-Rettungsaktionen die Kredite schneller zurückbezahlt als zunächst angenommen: Rund 200 der insgesamt 386 Mrd. Dollar an Staatshilfen sind bereits beglichen. Besonders die Bank of America und General Motors haben schneller zurückgezahlt, als die Kritiker erwartet hatten.

 

Irlands Bankenkrise wird bis zu 50 Milliarden Euro kosten:
Irland hat die vermeintlich endgültigen Kosten seiner Bankenkrise veröffentlicht: 50 Mrd. Euro Schaden für die Steuerzahler, die Neuverschuldung des Staates wird einmalig auf 32% des BIP hochschnellen, die Staatsverschuldung am Ende des Jahres knapp unter 100% liegen und eine weitere Bank wird de facto verstaatlicht. Allein die Kapitalisierung der im Januar 2009 verstaatlichten Anglo Irish Bank wird zwischen 29 Mrd. und 34 Mrd. Euro kosten, 23 Mrd. Euro davon waren bereits zugesagt. Die ehemalige Bausparkasse Irish Nationwide braucht doppelt so viel wie bisher bekannt, insgesamt 5,4 Mrd. Euro. Diese zusammen rund 40 Mrd. Euro sind laut dem Gouverneur der irischen Zentralbank, Patrick Honohan, unwiederbringlich verloren. Die Allied Irish Bank wird ferner 3 Mrd. Euro erhalten, um die erforderlichen Kapitalreserven bis Ende Jahr zu erreichen, wodurch der Staat bis zu 90% der Aktien besitzen wird. Die Bondmärkte reagierten gefasst: Sowohl die effektiven Zinsen auf zehnjährige irische Staatsanleihen als auch die entsprechenden Versicherungsprämien fielen sogar marginal, blieben aber dennoch weiter hoch.

 

Russlands Gold- und Devisenreserven wieder auf 487,7 Mrd. US-Dollar angewachsen:
Die russische Zentralbank teilte mit, dass zum 17. September die Gold- und Devisenreserven Russlands den Höchststand seit Krisenbeginn erreicht haben. Die Reserven haben allein in der Woche von 17. bis 24. September um 6,4 Milliarden US-Dollar auf 487,7 Milliarden Dollar zugelegt. Die Reserven setzen sich aus Fremdwährungen, Währungsgold, Sonderziehungsrechten beim Internationalen Währungsfonds, einer Reserveposition beim IWF und weiteren Reserveaktiva zusammen.

 

Pharmakonzern Novartis zahlt 422,5 Millionen Dollar Strafe:
Wegen des Verstoßes gegen Vermarktungsrichtlinien rund um das Epilepsie- Medikament Trileptal und fünf weitere Produkte muss der Pharmakonzern Novartis in den USA 422,5 Millionen Dollar Busse und Strafgelder zahlen. Novartis hatte mit Zahlungsforderungen gerechnet und bereits Rückstellungen vorgenommen. Die Verfahren gehen auf den Vorwurf des „misbrandings“ im Jahr 2005 zurück. Die Marketing-Aktivitäten sind mittlerweile den neuen Richtlinien angepasst worden.

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