Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 01.12.2010

1. Irland plant Radikalumbau des Bankensektors:
2. Verfassungsgericht erlaubt Nutzung von Steuersünder-CD:
3. Wikileaks berichtet als nächstes über eine US-Grossbank:
4. Telekom-Spitzelaffäre endet mit dreieinhalb Jahren Haft:
5. EU-Kartellverfahren gegen Google wegen Manipulation der Suchergebnisse:
6. Google will Gutschein-Website für 5,3 Mrd. Dollar kaufen:
7. US-Bankenrettungspaket deutlich günstiger als gedacht:
8. US-Konsumentenvertrauen steigt deutlicher als erwartet:
9. Katastrophenjahr 2010:
10. Bundesverkehrsminister gegen Förderung von Elektroautos:
11. BaFin macht Weg für Hochtief-Übernahme frei:
12. Italiens Staatsbahn offenbar vor Kauf der DB-Tochter Arriva:
13. BASF will aus dem Geschäft mit Styrolkunststoffen aussteigen:
14. BASF darf Spezialchemieanbieter Cognis übernehmen:
15. Toyota ruft 650.000 Prius zurück und kämpft mit dem Image:
16. EU-Kommission genehmigt VW die Übernahme von Karmann:
17. Porsche-Aktionäre stimmen für 5 Mrd. Euro Kapitalerhöhung:
18. Porsche bekommt Führung für VW-Sportwagensparte:
19. Airbus investiert 1 Mrd. Euro in Spar-Triebwerke für den A320:
20. Lufthansa testet Biosprit in einem Pilotprojekt:
21. Joint Venture der schweizerischen und österreichischen Post:
22. Elektronikriese ABB kauft für 4 Mrd. Dollar in den USA:

 

Irland plant Radikalumbau des Bankensektors:
Irland will seine schwer angeschlagenen Geldhäuser einer drastischen Schrumpfkur („elementare Verkleinerung“) unterziehen und den ganzen Bankensektor radikal neu ordnen. Das Finanzministerium will damit den Bankensektor „ins richtige Verhältnis zur Größe der Volkswirtschaft“ bringen. Die Schwäche des Bankensektors ist der Hauptgrund, dass Irland letztendlich unter den Euro-Rettungsschirm gezwungen wurde. Als Vorbild gelte Island, das nach dem beinahe Kollaps 2008 seine Branche völlig neu aufstellte.

 

Verfassungsgericht erlaubt Nutzung von Steuersünder-CD:
Das Bundesverfassungsgericht erlaubt den deutschen Behörden die Nutzung von angekauften Steuer-CDs für Ermittlungen gegen Steuersünder, selbst wenn die Daten illegal und heimlich kopiert worden sind. Die Begründung ist, dass die Straftat des Informanten nicht dazu führe, dass die Daten nicht ausgewertet werden dürften. Laut dem Verfassungsgericht hatte der BND die Daten lediglich entgegengenommen und weitergeleitet, „nicht aber ihre Herstellung, Beschaffung oder Erfassung veranlasst“.

 

Wikileaks berichtet als nächstes über eine US-Grossbank:
Die Internet-Plattform Wikileaks, die regelmäßig mit Enthüllungen geheimer Dokumente weltweites Interesse erregt, hat angekündigt, Anfang nächsten Jahres eine US-Großbank ins Visier zu nehmen. Zehntausende interne Dokumente sollen dann veröffentlicht werden. Laut dem Wikileaks Mitgründer Assange würde das Material „wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten“ darlegen. Diese Einblicke dürften „vermutlich Untersuchungen und Reformen“ zur Folge haben.

 

Telekom-Spitzelaffäre endet mit dreieinhalb Jahren Haft:
Der Hauptangeklagte in der Telekom-Spitzelaffäre ist wegen Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, Untreue und Betrug zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der frühere Sicherheitschef Klaus Trzeschan (60) hatte Aufsichtsräte, Gewerkschafter und Journalisten ausspioniert. Er wollte herausfinden, wie interne Informationen an die Presse gelangt waren. Darüber hinaus hatte er auch Konzerngelder in Höhe von 170.000 Euro veruntreut. Gegen zwei weitere ehemalige Telekom-Beschäftigte wurde der Prozess wegen geringer Schuld gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt. Die Telekom will nun zivilrechtliche Ansprüche gegen Ex-Vorstandsvorsitzenden Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel weiterverfolgen. Der Konzern fordert eine Entschädigungszahlung von jeweils einer Mio. Euro, eine Vereinbarung mit Ricke und Zumwinkel schließe dabei eine Verjährung aus.

 

EU-Kartellverfahren gegen Google wegen Manipulation der Suchergebnisse:
Die EU-Wettbewerbshüter werfen dem Internetkonzern Google Manipulation der Suchergebnisse und Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung in der Online-Suche vor und haben ein kartellrechtliches Prüfverfahren eingeleitet. Grund sind die Beschwerden von Anbietern von Suchdiensten, die über eine Benachteiligung ihrer Dienste in den Suchergebnissen von Google gegenüber Google-eigenen Diensten geklagt hatten. Die EU-Kommission will den Verdacht untersuchen, ob Google unbezahlte Suchergebnisse, die mit seinen Diensten oder zahlenden Kunden in Konkurrenz stehen, in der Rangfolge herabgestuft habe, um den bevorzugten Diensten einen besseren Rang einzuräumen.

 

Google will Gutschein-Website für 5,3 Mrd. Dollar kaufen:
Die geplante Übernahme der Gutschein-Plattform Groupon für 5,3 Mrd. Dollar wäre der größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte von Google. Groupon mit 20-25 Mio. Nutzern erwirtschaftet derzeit 350 Mio. Euro pro Jahr, weist allerdings ein rasantes Wachstum auf. Google hofft damit, seine lokalen Internet-Angebote zu verbessern und die Käuferprofile on Groupon zu übernehmen. Google besitzt Medienberichten zufolge liquide Mittel von über 33 Mrd. Dollar.

 

US-Bankenrettungspaket deutlich günstiger als gedacht:
Das 700 Mrd. Dollar schwere Rettungspaket für die amerikanische Finanzbranche und Teile der Industrie wird voraussichtlich mit 25 Mrd. Dollar zu Buche schlagen. Ursprüngliche Schätzungen vom März gingen noch von 109 Mrd. Dollar aus. Im August war von Kosten in Höhe von 66 Mrd. Dollar die Rede.

 

US-Konsumentenvertrauen steigt deutlicher als erwartet:
Das US-Konsumentenvertrauen war schon im Oktober überraschend gestiegen. Der Trend setzt sich verstärkt fort. Die Stimmung der amerikanischen Konsumenten hellt sich auch im November stärker auf als erwartet. Der Index stieg von 49,9 auf 54,1 Punkte. Die US-Volkswirtschaft hängt zu rund 70% vom Privatkonsum ab.

 

Katastrophenjahr 2010 kostet 222 Mrd. Dollar:
Verheerende Naturkatastrophen haben das Jahr 2010 zu einem der schlimmsten Katastrophenjahre gemacht. 260.000 Menschen starben allein bei Überschwemmungen und Erdbeben (die höchste Opferzahl seit 1976), der volkswirtschaftliche Schaden verdreifachte sich gegenüber 2009 auf 222 Milliarden Dollar (2009: 63 Mrd. Dollar). Die Kosten für die Versicherer stiegen um 36% gegenüber 2009 auf bislang 36 Mrd. Dollar. Am teuesten wirkte sich für die Versicherungsbranche das schwere Erdbeben in Chile aus (8 Mrd. Dollar). Das verheerende Erdbeben in Haiti schlug dagegen kaum ins Gewicht, da für den größten Teil der Schäden hier kein Versicherungsschutz bestand. Auch die Hurrikansaison in den USA verlief dieses Jahr verhältnismäßig glimpflich.

 

Bundesverkehrsminister gegen Förderung von Elektroautos:
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sieht momentan keinen Anlass für die von den deutschen Autobauern geforderte staatliche Unterstützung für Elektroautos. Er befürchtet damit einen internationalen Subventionswettlauf auszulösen. Automobilindustrie hatte in letzter Zeit vermehrt staatliche Anschubförderungen für E-Autos gefordert. Ramsauer: „Wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen. Deshalb investieren wir zunächst in die Forschung und Entwicklung zur Einführung der Elektromobilität in Deutschland.“

 

BaFin macht Weg für Hochtief-Übernahme frei:
Die Finanzaufsicht BaFin hat das Übernahmeangebot durch den spanischen Konkurrenten ACS genehmigt. Demnach entspreche die Offerte den Anforderungen des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes. Damit verringern sich die Chancen, die drohende Übernahme noch zu verhindern, deutlich. Hochtief kämpft seit Bekannt werden der Übernahmepläne Mitte September gegen die drohende Übernahme. Die deutsche Baubranche reagierte ablehnend. Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Die Behörde muss sich fragen lassen, warum sie den Weg für ein Unternehmen freimacht, das nachweislich überschuldet ist und gegen das derzeit in Spanien ein Verfahren wegen Bilanzfälschung läuft.“ ACS steigt durch die Übernahme zu einem der weltweit führenden Baukonzerne auf. Der kombinierte Jahresumsatz beträgt rund 35 Mrd. Dollar. Eine Zerschlagung oder Massenentlassungen habe ACS nach eigenem Bekunden nicht vor.

 

Italiens Staatsbahn offenbar vor Kauf der DB-Tochter Arriva:
Die italienische Staatsbahn Trenitalia steht offenbar vor dem Kauf des Bus- und Bahnbetreibers Arriva Deutschland. Die Deutsche Bahn muss Arriva vor Jahresende aus Kartellgründen veräußern. Der Umsatz von Arriva Deutschland mit Regionalzügen, Bussen, Werkstätten und Schienennetz beträgt rund 460 Mio. Euro. Das Konsortium aus Trenitalia und dem luxemburgischen Infrastrukturfonds Cube will 300 Mio. Euro bieten.

 

BASF will aus dem Geschäft mit Styrolkunststoffen aussteigen:
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF will bereits seit drei Jahren aus dem Geschäft mit Styrol-Kunststoffen ausscheiden. Bislang ist BASF einer der führenden Produzenten dieser Kunststoffe. Nun hat der Konzern einen ersten Teilerfolg verkündet. So soll das BASF-Styrolgeschäft mit dem des britischen Konkurrenten Ineos fusionieren. Das neue Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Frankfurt würde somit – unter Vorbehalt der Kartellbehörden – einen Umsatz von 5 Mrd. Euro aufweisen. Ineos will dazu eine Ausgleichszahlung in dreistelliger Millionenhöhe an BASF leisten.

 

BASF darf Spezialchemieanbieter Cognis übernehmen:
Die EU-Kommission und chinesische Behörden haben der Übernahme des Spezialchemieanbieters Cognis durch BASF für rund 3 Mrd. Euro zugestimmt. BASF muss sich nun aus wettbewerbrechtlichen Gründen vom Cognis-Geschäft mit bestimmten Chemikalien (Hydroxymonomere) für Beschichtungen und Klebstoffe trennen. Die entsprechenden Anlagen im englischen Hythe entsprechen rund 3% des Umsatzes von Cognis. BASF treibt damit den Umbau von Massenchemikalien (z.B. Styrol-Kunststoffe) hin zu Spezialchemie weiter voran. BASF verspricht sich davon eine größere Unabhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen. Cognis stellt Chemikalien für die Kosmetik-, Lebensmittel- und Gesundheitsbranche sowie für Farbenhersteller her.

 

Toyota ruft 650.000 Prius zurück und kämpft mit dem Image:
Toyota startet erneut eine große Rückrufaktion und will kostenlos bei weltweit 650.000 Prius die Kühlmittelpumpen austauschen. Dies sei eine freiwillige Aktion zur Zufriedenheit der Kunden und kein angeordneter Rückruf. Toyota hat derzeit mit seinem Image zu kämpfen, da innerhalb eines Jahres weltweit rund 10 Millionen Fahrzeuge wegen verschiedener Probleme zurück in die Werkstätten beordert werden mussten.

 

EU-Kommission genehmigt VW die Übernahme von Karmann:
Die EU-Kommission hat VW grünes Licht für die Übernahme großer Teile des insolventen Autozulieferers Karmann gegeben. Der Wettbewerb in Europa würde dadurch nicht beeinträchtigt. VW ist an der technischen Entwicklung, also den Geschäftsbereichen Entwicklung, Auftragsfertigung und Anlagenbau interessiert. Die Dachsparte ging an den finnischen Auftragsfertiger Valmet Automotive. Nun steht nur noch die Übertragung der Sparte Metal Unit aus.

 

Porsche-Aktionäre stimmen für 5 Mrd. Euro Kapitalerhöhung:
Die Porsche-Aktionäre haben einer Kapitalerhöhung von 5 Mrd. Euro zugestimmt und so den Weg zur Fusion mit VW freigemacht. Die Ausgabe der neuen Aktien soll bis Mitte 2011 erfolgen. Die einnahmen dienen der Tilgung von Schulden aus dem gescheiterten Übernahmeversuch von Volkswagen. Danach soll nach dem gültigen Zeitplan die Fusion mit Volkswagen bis Ende 2011 erfolgen.

 

Porsche bekommt Führung für VW-Sportwagensparte:
Nach langen Verhandlungen hat sich Porsche gegen Audi in der konzerninternen Führung bei zwei wichtigen Fahrzeug-Plattformen durchgesetzt. Das Entwicklungszentrum Weissach werde die Verantwortung für den so genannten Sportwagenbaukasten und den Modularen Standardbaukasten übernehmen. Um den Sportwagenbaukasten hatte sich auch Audi bemüht. Im VW-Konzern hat nun die Kernmarke Volkswagen die Hoheit über den Baukasten für Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor, Audi für Fahrzeuge mit längs eingebautem Motor und Porsche für alle Sportwagen des Konzerns, sowie mit dem Standardbaukasten die Hoheit über die Entwicklung von großen Limousinen mit Heck- oder Allradantrieb. Bis zu der Porsche-Übernahme war Audi die sportliche Vorzeigemarke des VW-Konzerns. Audi verliert nun nicht nur dieses Privileg, sondern auch die Hoheit über seine Spitzenlimousine A8, die künftig in Stuttgart entwickelt wird. Audi hat mit seiner Allradtechnologie bislang große Erfolge gefeiert.

 

Airbus investiert 1 Mrd. Euro in Spar-Triebwerke für den A320:
Airbus will seine meistverkaufte Modellreihe modernisieren. Airbus-Chef Thomas Enders hatte in den letzten Monaten noch vor diesem Projekt gezögert, da er bezweifelte, ob Airbus genügend erfahrene Ingenieure habe, um auch noch dieses Projekt zu meistern. Das Projekt A320NEO soll bis Frühjahr 2016 abgeschlossen sein. Kernpunkt sind neuartige Spar-Triebwerke, die 15% weniger Treibstoff verbrauchen sollen. Die Entwicklungskosten liegen bei etwas mehr als 1 Mrd. Euro. Im Gespräch sind Triebwerke des US-Hersteller Pratt & Whitney an dem auch der deutsche Konzern MTU Aero Engines maßgeblich beteiligt ist, sowie Triebwerke des amerikanisch-französischen Konsortiums CFM.

 

Lufthansa testet Biosprit in einem Pilotprojekt:
Die Deutsche Lufthansa testet als weltweit erste Fluggesellschaft Biotreibstoff im Linienverkehr. Ab April wird ein Triebwerk eines Airbus A321 auf der Strecke Hamburg-Frankfurt zur Hälfte mit Biosprit betankt, um die Auswirkungen auf das Triebwerk zu untersuchen. Hintergrund ist der geplante Einbezug des Flugverkehrs in den EU-Handel mit CO2-Rechten. Mit dem Biokerosin soll der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden.

 

Joint Venture der schweizerischen und österreichischen Post:
Die EU-Kommission hat die Bündelung der internationalen Aktivitäten der schweizerischen und österreichischen Post für adressierte Werbesendungen in einem Joint Venture gebilligt. Ab Anfang 2011 werden dann die österreichische Tochter meiller direct GmbH mit Sitz im deutschen Schwandorf sowie die im Geschäftsfeld Direct Mail zusammengefassten Aktivitäten der Swiss Post Solutions im deutschen Bamberg zusammengeführt.

 

Elektronikriese ABB kauft für 4 Mrd. Dollar in den USA:
Der Schweizer Elektrotechnik-Konzern ABB kauft für rund 4,2 Mrd. Dollar den US- Industriemotorenhersteller Baldor Electric und baut damit sein Nordamerika-Geschäft stark aus. Der Umsatz in Nordamerika wächst dadurch um rund ein Drittel, der Gesamtumsatz des Konzerns betrug 2009 insgesamt 31,8 Mrd. Dollar. In dem Kaufpreis sind Nettoschulden von 1,1 Mrd. Dollar enthalten. Die Übernahme mache ABB zum weltweit führenden Anbieter von Bewegungs- und Steuerungsapplikationen im Industriemotor-Geschäft. Durch Synergieeffekte und Einsparungen ergeben sich geschätzte Mehreinnahmen von rund 200 Mio. Dollar jährlich.

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