Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 02.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. EU-Strategiepapier gegen Rohstoffspekulation:
2. EU hat Probleme bei der Besetzung der EU-Finanzaufsicht:
3. Exportgarantien des Bundes für Ägyptengeschäfte summieren sich auf 187 Mio. Euro:

Branchen und Unternehmen:
4. Zweitgrößter Handelskonzern der Welt will sich in drei Teile zerschlagen:
5. Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:
6. BP nach Ölkatastrophe mit 4,9 Milliarden Verlust:
7. Exxon Mobil verdient über 30 Mrd. Dollar in 2010:
8. US-Automarkt zieht besonders bei Spritschluckern wieder an:
9. RTL erstmals mit Milliardengewinn:
10. BayernLB nach Milliardenverlust wieder mit deutlichem Gewinn:
11. Deutsche Bank mit Gewinneinbruch aufgrund der Übernahmen:

 

Wirtschaftspolitik:

 

EU-Strategiepapier gegen Rohstoffspekulation:
Die EU-Kommission wird am heutigen Mittwoch ein Strategiepapier herausgegeben, wie die exzessiven Spekulationsgeschäfte mit Rohstoffen verhindert werden können. Sowohl der reale als auch der Derivate-Markt müssten dabei transparenter und strenger geregelt werden, heißt es. Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits den Kampf gegen Rohstoff-Spekulationen zu einem Schwerpunkt seiner G20-Präsidentschaft in diesem Jahr erklärt. Dabei könnte die Einführung eines Limits für die Zahl der Positionen, die Investoren am Rohstoff-Markt eingehen dürfen, nicht ausgeschlossen werden. Die Rohstoff-Strategie sieht zur Sicherung der europäischen Versorgung insgesamt drei Ansätze: Erstens, durch Investitionshilfen sollen Entwicklungsländer, vor allem in Afrika, beim Abbau und beim Transport unterstützt werden. Zweitens, der Abbau von Rohstoffen auf dem eigenen Gebiet soll intensiviert werden. Und drittens, soll die Wiederverwertung und das Recycling von Rohstoffen massiv verbessert werden.

 

EU hat Probleme bei der Besetzung der EU-Finanzaufsicht:
Die Nominierungen für die EU-Finanzaufsicht (insgesamt drei Behörden) wurden von dem Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments auf Eis gelegt. Wegen angeblich zu niedriger Gehälter gebe es nicht genug Bewerber, die Altersgrenze von 60 Jahren sei unangemessen, und es gebe nicht genug Frauen. Zudem protestierte das EU-Parlament damit dagegen, bei der Vorauswahl der Bewerber durch die Kommission nicht mit einbezogen worden zu sein. Zweifel bestehen auch an der Finanzausstattung der Behörden. Die gemeinsame Finanzaufsicht sollte eine Reaktion auf die Finanzkrise sein und ein schlagkräftiges Kontrollsystem für Börsen, Banken und Versicherungen bilden. Für den Krisenfall soll sie mit Durchgriffsrechten über die nationalen Behörden hinweg ausgestattet werden.

 

Exportgarantien des Bundes für Ägyptengeschäfte summieren sich auf 187 Mio. Euro:
Der durchwegs erfreuliche Ausdruck politischer Mündigkeit der Ägypter gegen ihr repressives Regime mit über 30 Jahren ununterbrochenem Notstands, der den Behörden weitreichende Befugnisse gewährt, die Opposition im Keim zu ersticken, könnte die deutschen Steuerzahler einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Mit den so genannten Hermes-Bürgschaften garantiert der Bund für Exportgeschäfte mittelständischer Unternehmen bis zu einem Volumen von 5 Mio. Euro. Kommt es nun zu Exportausfällen, könnten sich die Zahlungsverpflichtungen auf 187,4 Mio. Euro summieren. Die Deckungszusagen für noch im Verhandlungsstadium befindliche Geschäfte haben eine Höhe von 61,4 Mio. Euro.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Zweitgrößter Handelskonzern der Welt will sich in drei Teile zerschlagen:
Der weltweit zweitgrößte Handelskonzern Carrefour (Frankreich) prüft die eigene Zerschlagung in drei jeweils börsennotierte Firmen. Derzeit würden Investmentbanker die Abspaltung zweier Konzernteile durchrechnen. Demnach sollen vor allem die Supermarkt-Immobilien versilbert werden, auch soll das gesamte Geschäft mit Discountläden abgestoßen werden. Carrefour hatte 2010 rund 101 Mrd. Euro umgesetzt. Offenbar setzen die Großaktionäre darauf, dass drei separat notierte Firmen an der Börse mehr wert sind als einer. Auch würde dadurch die Dividendenausschüttung insgesamt wahrscheinlich zunehmen. Die Aktie des Konzerns war zuletzt nach zwei Gewinnwarnungen in Folge um insgesamt rund ein Drittel abgestürzt.

 

Europaweit erste Recyclinganlage für Kohlenstofffasern:
Im Landkreis Stade (Wischhafen) wurde das europaweit erste Recycling-Center für kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK-Verbundwerkstoffe) eröffnet. Die moderne Recyclinganlage verfügt über eine Kapazität von mehr als 1000 Tonnen im Jahr. Der Prozess der Carbonfaser-Rückgewinnung ist ein mehrstufiges Pyrolyseverfahren, das sämtliche CFK-Materialien wertbeständig recycelt. Zurückgewonnen wird eine qualitativ hochwertige Carbon-Kurzfaser, deren Zugfestigkeitseigenschaften denen von Neufasern entsprechen. Mitte 2008 war eine erste Pilotanlage errichtet worden, an der mit Hochdruck getestet wurde. Die jetzige Recyclinganlage hat Investitionen in Höhe von rund 5 Mio. Euro benötigt. Die kohlenstofffaserverstärkten Verbundstoffe gelten als der Leichtbauwerkstoff der Zukunft. Momentan wird er noch vorwiegend in der Luftfahrtbranche genutzt.

 

BP nach Ölkatastrophe mit 4,9 Milliarden Verlust:
Nachdem der britische Ölriese BP 2009 noch knapp 14 Mrd. Dollar Gewinn realisierte, hat die Ölkatastrophe Mitte 2010 ein tiefes Loch in die Finanzen gerissen. Erstmals seit 1992 wurde somit ein Verlust verzeichnet (4,9 Mrd. Dollar). Die Folgen der Havarie der Ölplattform „Deepwater Horizon“ dürfte wohl insgesamt mit 41 Mrd. Dollar zu Buche schlagen. Der Großteil von 30 Mrd. Dollar soll dabei über den Verkauf von Firmenbeteiligungen erfolgen (22 Mrd. sind realisiert). Im Schlussquartal 2010 sah es für BP aufgrund des gestiegenen Ölpreises wieder gut aus: Der Gewinn für BP betrug 4,6 Mrd. Dollar. 2011 werde laut dem Konzern wieder ein Jahr der Erholung und der Konsolidierung sein.

 

Exxon Mobil verdient über 30 Mrd. Dollar in 2010:
Exxon Mobil, der weltgrößte Ölkonzern, hat allein im Schlussquartal 9,3 Mrd. Dollar verdient. Auf das Jahr gerechnet waren es 30,5 Mrd. Dollar. Zugelegt haben dabei sowohl die Gewinne aus der Förderung von Öl und Gas als auch aus der Weiterverarbeitung in den Raffinerien. Ausschlaggebend waren neben der gestiegenen Nachfrage, einer höheren Produktion (+19%) und höheren Preisen aber auch niedrigere Steuern. Der Jahresumsatz stieg um 23% auf 383,2 Mrd. Dollar.

 

US-Automarkt zieht besonders bei Spritschluckern wieder an:
Der Automarkt hat in den USA im Januar überraschend stark um 18% angezogen. Viele Autokonzerne meldeten zweistellige Zuwachsraten im Vorjahresvergleich, allen voran die drei US-Marktführer GM (+22%), Ford (+13%) und Chrysler (+ 23%). Dabei schnellten die Verkaufszahlen für spritschluckende große Pick-up-Trucks um bis zu 30% nach oben. Auch die deutschen Hersteller konnten durch die Bank von dem Verkaufsplus profitieren. Die Erholung sei dabei erstmals auch wieder vom privaten Konsum getrieben worden, bislang war die Erholung auf dem US-Automarkt eher von den Firmenkunden, speziell von den Autovermietern getragen worden.

 

RTL erstmals mit Milliardengewinn:
Der Gewinn des größten europäischen Unterhaltungskonzerns RTL hat 2010 erstmals die Milliardengrenze geknackt. Die Umsätze stiegen um 8,5% auf 5,6 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um fast 40% auf rund 1,1 Mrd. Euro. Grund sei vor allem der wieder deutlich anziehende Werbemarkt.

 

BayernLB nach Milliardenverlust wieder mit deutlichem Gewinn:
Die skandalgeplagte bayerische Landesbank hatte 2009 noch einen operativen Verlust von 2,7 Mrd. Euro verbucht. 2010 konnte nun wieder ein Gewinn vor Steuern von 800 Mio. Euro realisiert werden. Dieses vorläufige Jahresergebnis liege auch deutlich über den eigenen Geschäftsplänen. Die Risikovorsorge für faule Kredite sank von fast 3,3 Mrd. Euro in 2009 auf unter 800 Mio. Euro in 2010.

 

Deutsche Bank mit Gewinneinbruch aufgrund der Übernahmen:
Die Deutsche Bank hat im Schlussquartal 2010 mit 600 Mio. Euro nur halb so viel verdient wie im Vorjahreszeitraum. Dabei schlugen hohe Rückstellungen aufgrund der Übernahmen der Postbank und der Privatbank Sal. Oppenheim zu Buche. Der Gewinneinbruch wurde dabei anscheinend provoziert, indem viele Lasten ins alte Jahr gepackt wurden, um für das Gesamtjahr 2011 das angepeilte Gewinnziel von über 10 Mrd. Euro erstmals erreichen zu können.

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