Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 02.03.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Norwegen und Russland planen Freihandelsabkommen
2. EuGH verlangt geschlechtsneutrale Versicherungstarife
3. Deutschlands Arbeitslosenquote sinkt auf 7,9%
4. Deutsche Arbeitskosten EU-weit an siebter Stelle
5. Zeitarbeitsfirmen droht 2,4 Milliarden-Nachzahlung
6. Rochade bei Bundesbank perfekt

Automotive:
7. Deutsche Autoindustrie setzte 317 Mrd. Euro um
8. VW beteiligt sich an BMW-Karbonzulieferer SGL Carbon
9. VW erwirbt österreichisches Porsche-Vertiebsgeschäft
10. VW-Tochter Lamborghini – vom Sportwagen ins Komfortsegment
11. Opel startet gut ins neue Jahr
12. Daimler und Renault-Nissan erweitern Kooperation

Weiteres aus Unternehmen:
13. Eon verkauft britisches Stromnetz doch an US-amerikanisches PPL
14. Siemens will sich von Osram trennen
15. ThyssenKrupp verkauft Zulieferer nach Spanien

 

Norwegen und Russland planen Freihandelsabkommen
Norwegen und Russland führen derzeit Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Dies wurde nach einer Sitzung der russisch-norwegischen Regierungskommission für Zusammenarbeit in Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Technik bekannt. Die größten Perspektiven ergeben sich dabei für die Bereiche Hochtechnologien, Umweltschutz und Gasbranche. 70% der norwegischen Exporte gehen in die Europäische Union. Allerdings möchte das Land stärker an derm Wachstum der BRIC-Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China partizipieren.

 

EuGH verlangt geschlechtsneutrale Versicherungstarife
Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) müssen Versicherungen in der EU künftig geschlechtsneutrale Tarife für Frauen und Männer anbieten. Das Geschlecht als Risikofaktor in die Berechnung einzubeziehen, sei unter Hinweis auf die EU- Gleichstellungsrichtlinie aus dem Jahr 2004 diskriminierend. Bis zum 21. Dezember 2012 müssen die Versicherer und Regierungen die Verträge und Gesetze entsprechend ändern. Frauen zahlen bislang beispielsweise in der Rentenversicherung einen höheren Anteil, weil sie ein statistisch höheres Lebensalter erreichen, zahlen aber dafür in der Auto- oder Todesfallversicherung weniger.

 

Deutschlands Arbeitslosenquote sinkt auf 7,9%
Der Arbeitsmarkt hat selbst die optimistischen Volkswirte übertroffen. Trotz eines im bundesdeutschen Durchschnitt vergleichsweise harten Winters ist die Zahl der Erwerbslosen im Februar auf 3,317 Millionen weiter gesunken: 33.000 weniger als im Vormonat und 326.000 weniger als vor einem Jahr. Damit sank die Arbeitslosenquote von 8,7% vor einem Jahr auf nun 7,9%. Unter den 27 EU-Staaten haben nur vier Länder eine niedrigere Arbeitslosenquote: die Niederlande, Österreich und Luxemburg sowie Malta. Die offenen Stellen belaufen sich auf 417.000, 120.000 mehr als vor einem Jahr. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, erwartet, dass die Zahl der Erwerbslosen noch vor dem Sommers unter drei Millionen sinkt.

 

Deutsche Arbeitskosten EU-weit an siebter Stelle
Die Arbeitskosten sind in Deutschland im Jahr 2009 mit 2,3% erneut niedriger gestiegen als im EU-weiten Durchschnitt von 2,9%. Zu den Arbeitskosten zählen vor allem die Bruttolöhne und die Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen. Auf den Zeitraum 2000 bis 2009 gerechnet ergab sich ein ähnliches Bild: Die deutschen Arbeitskosten stiegen nominal um durchschnittlich 1,9% pro Jahr, der Durchschnitt im Euroraum hingegen betrug jährlich 2,9%. Mit im Schnitt 29 Euro pro Stunde lag Deutschland damit im Jahr 2009 an siebter Stelle. Teurer sind die Kosten in Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Schweden und den Niederlanden. Auf gleichem Niveau liegt Finnland, Österreich mit 27,60 Euro knapp darunter. Die niedrigsten Arbeitskosten in der EU existieren derzeit in Ungarn (7,30 Euro) und Polen (7,50 Euro). Die Studie wurde von dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt. Da die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft noch weiter zulegte, wovon der Export profitiert, sorgten sich die Verfasser der Studie vornehmlich um noch immer nicht erreichte „Balance zwischen sehr starker Exportwirtschaft und relativ schwacher Binnennachfrage“.

 

Zeitarbeitsfirmen droht 2,4 Milliarden-Nachzahlung
Das Bundesarbeitsgericht hatte im Dezember der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP), die mit etwa 1.600 verschiedenen Arbeitgebern Tarifverträge für rund 280.000 Zeitarbeiter abgeschlossen hatte, die Tarifmächtigkeit aberkannt. Die Gewerkschaft war zuvor in heftige Kritik geraten, da ihre Abschlüsse sogar weit unter dem so wie so niedrigen Durchschnitt der Branche lagen. Aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahr 2003 müssen daher Sozialbeiträge über 2,4 Mrd. Euro nachgezahlt werden – das Gesetz besagt, dass wenn kein gültiger Tarifvertrag besteht, Zeitarbeiter genau so hoch bezahlt werden müssen, wie die Stammbelegschaft. Die Deutsche Rentenversicherung hat angekündigt, ihre Ansprüche geltend zu machen. Aufgrund des Managementfehlers, Menschen über die Gebühr auszubeten zu wollen, entstanden also hohe finanzielle Schäden. Auch die Kosten des Imageverlusts wie beispielsweise bei der Leiharbeiteraffäre bei Schlecker sind nicht zu unterschätzen.

 

Rochade bei Bundesbank perfekt
Der Vorstand der Bundesbank hat den Umbau des Vorstands abgesegnet. Nach dem Rückzug des noch-Bundesbankchef Axel Weber wird Jens Weidmann zum 1.Mai neuer Präsident der Bundesbank. Weidmann war bisher Wirtschaftsberater der Bundeskanzlerin. Die bisherige Bafin-Exekutivdirektorin Sabine Lautenschläger wird neue Vizepräsidentin.

 

Automotive:

 

Deutsche Autoindustrie setzte 317 Mrd. Euro um
Der asiatische Markt bleibt weiterhin sehr dynamisch, der US-Markt legt wieder deutlich zu (+20% allein im Februar), der westeuropäische erholt sich: Insgesamt dürfte der weltweite Pkw-Absatz 2011 nochmals um 7% auf rund 66 Millionen Einheiten zulegen. 2010 hat die deutsche Autoindustrie als Ganzes ihre Umsätze um 20% auf 317 Mrd. Euro steigern können. Mit dem Aufstieg der asiatischen Märkte ist jedoch auch ein Aufstieg von bislang im Westen eher unbekannten Herstellern aus China und Indien verbunden: So gehört beispielsweise auch die schwedische Volvo Pkws zum chinesischen Hersteller Geely, die britischen Jaguar und Land Rover zu Tata aus Indien.

 

VW beteiligt sich an BMW-Karbonzulieferer SGL Carbon
Zur Überraschung von BMW hat sich VW mit 8,18 Prozent an dem Wiesbadener Kohlefaserspezialisten SGL Carbon beteiligt, bei dem BMW über die Beteiligungsgesellschaft von Susanne Klatten mit 22,25 Prozent bisher Hauptaktionär ist. Im vergangenen Frühjahr wurde zudem ein Joint-Venture von BMW mit SGL Carbon eingegangen. VW wird damit zweitgrößter Anteilseigner. Klatten erwägt nun, ihren SGL-Anteil bis zur Sperrminorität auszubauen. BMW-Chef Norbert Reithofer zeigte sich irritiert und bezeichnete die Beteiligung als "interessant". SGL Carbon will nach eigener Darstellung der führende Karbonlieferant für die weltweite Automobilindustrie werden. Carbon ist 30 Prozent leichter als Aluminium und 50 Prozent leichter als Stahl und wird für die Automobilindustrie zunehmend wichtiger.

 

VW erwirbt österreichisches Porsche-Vertiebsgeschäft
Volkswagen hat für 3,3 Mrd. Euro das Vertriebsgeschäft der Porsche Holding in Salzburg übernommen. Der Kauf war erwartet worden, da es als Teil der Entschuldungsstrategie der Porsche Holding SE Voraussetzung für eine Verschmelzung der beiden Autobauer ist. Die Porsche Holding in Salzburg ist der größte europäische Autohändler mit 21.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 13 Mrd. Euro. Sie stand bislang im Besitz der Familien Porsche und Piech. Der Verkaufserlös soll zu einem Teil die anstehende, fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung der Porsche SE finanzieren.

 

VW-Tochter Lamborghini – vom Sportwagen ins Komfortsegment
Die italienische VW-Sportwagentochter Lamborghini will aus dem Nischensegment der Sportwagen ausbrechen und in den Komfortbereich eindringen. Dafür soll ein neues, drittes Modell konzipiert werden, das somit eine größere Zielgruppe anspricht. Der neue Wagen werde frühestens 2015 auf den Markt kommen. Damit sollen die Absatzzahlen von bislang durchschnittlich 2.000 Fahrzeugen pro Jahr verdoppelt werden.

 

Opel startet gut ins neue Jahr
Opel hat einen guten Start ins neue Jahr hingelegt. Der Marktanteil in Europa stieg im Januar und Februar von 5,5 auf 6,0 Prozent. Auch die Prognosen sind optimistisch, daher würden die Einschnitte bei den Arbeitsplätzen nicht so drastisch ausfallen, wie ursprünglich geplant. Auch das Getriebewerk in Bochum mit 400 Arbeitsplätzen, das bereits Ende 2010 hätte geschlossen werden sollen, werde aufgrund eines Großauftrags von GM Brasilien bis zum Ende 2011 weiter produzieren. Ohne die Kosten für die Restrukturierung könnte Opel bereits 2011 wieder profitabel werden, dies ist aber somit für 2012 vorgesehen. Grund sei der gute Absatz der neuen Modelle Astra, Meriva und Insignia – Opel wird mit fünf neuen Modellen in 2011 die jüngste Autoflotte aller europäischen Hersteller haben. Zudem soll es bereits in zwei Jahren einen kompakteren Nachwuchs für den im Herbst erscheinenden Elektrostromer Ampere geben. Opels Mutter GM will nun verstärkt auf Suche nach Kooperationspartnern in Europa gehen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern sollen die hohen Produktions- und Entwicklungskosten bei Opel gesenkt werden.

 

Daimler und Renault-Nissan erweitern Kooperation
Die beiden Autokonzerne Daimler und Renault-Nissan erweitern ihre vor einem Jahr geschlossene Allianz. Demnach wollen sie nun auch Teile der kleineren Limousinen von Daimler und Nissans Luxusautotochter Infiniti gemeinsam entwickeln. Ursprünglich war die Kooperation auf Klein- und Kompaktwagen beschränkt. Im Gespräch ist nun auch, Antriebe, Aufbauten und ganze Fahrzeugplattformen zusammen zu entwickeln, sowie eine gemeinsame Fertigung von Baugruppen in derselben Fabrik. Um ihre Bekanntheit zu steigern, startete die japanische Premiummarke Infiniti am Dienstag eine Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Rennstall Red Bull.

 

Weiteres aus Unternehmen:

 

Eon verkauft britisches Stromnetz doch an US-amerikanisches PPL
Zunächst war spekuliert worden, der Hongkonger Milliardär Li Ka-shing würde über seine Investmentgesellschaft Cheung Kong Infrastructure das britische Stromnetz des deutschen Energieriesen Eon kaufen. Li Ka-shing hat bereits im vergangenen Jahr das britische Stromnetz des französischen Stromkonzerns Electricite de France (EdF) gekauft. Doch nun ist offenbar doch das US-amerikanische Unternehmen PPL Corporation der Käufer. 4,7 Mrd. Euro nimmt Eon durch diese Veräußerung ein. PPL hatte im vergangenen Jahr bereits für knapp 6 Mrd. Euro die US-Tochter von E.ON erworben. Eon hatte sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2013 rund 15 Mrd. Euro durch Spartenverkäufe einzunehmen. Den Konzern drücken aufgrund einer Einkaufstour in Südeuropa, Skandinavien und Russland Netto-Schulden von 45 Mrd. Euro.

 

Siemens will sich von Osram trennen
Der Münchner Elektronikkonzern Siemens will sich von seiner Licht-Tochter Osram trennen. Osram ist Weltmarktführer für Beleuchtungstechnik mit einem Umsatz von 4,7 Mrd. Euro und 40.000 Mitarbeitern. Derzeit werde die Möglichkeit eines Börsengangs ausgelotet, es sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen. Osram wiederum hatte am Montag die Übernahme des Leuchtenspezialisten Siteco Lighting für Straßenlaternen und Flutlichtanlangen für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag angekündigt. Siteco Lighting hatte bereits bis 1997 zum Siemens-Konzern gehört.

 

ThyssenKrupp verkauft Zulieferer nach Spanien
Der Stahlkonzern ThyssenKrupp verkauft seine Tochter Metal Forming (Geschäft mit Press- und Bauteilen für die Automobilindustrie) an die spanische Gestamp Automoción. Der spanische Automobilzulieferer Gestamp beschäftigt weltweit rund 18.000 Mitarbeitern und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 3 Mrd. Euro. Metal Forming beschäftigt weltweit rund 5.700 Mitarbeitern (ein Drittel davon in Deutschland) und ist auf die Produktion von Fahrwerk- und Karosseriebauteilen spezialisiert. Der Umsatz betrug zuletzt 1,1 Mrd. Euro. ThyssenKrupp selbst will sich stärker auf das Stahlgewerbe fokussieren.

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