Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 03.01.2011

Wirtschaft und Wirtschaftspolitik International:
1. Wirtschaftsweiser: Nicht Eurokrise sondern Bankenrettung Grund für Rettungsschirm:
2. Estland führt den Euro ein:
3. Erste russisch-chinesische Pipeline:

Wirtschaft und Wirtschaftspolitik Deutschland:
4. Erwerbstätigkeit in Deutschland erreicht neuen Höchststand:
5. Handwerk und Industrie klagen über Nachwuchsmangel:
6. Selbstanzeigen von Steuersündern bringt 2 Mrd. Euro ein:

Unternehmen:
7. Bank of America rüstet sich präventiv auf Wikileaks Enthüllungen:
8. Porsche mit Etappensieg im milliardenschweren US-Gerichtsprozess:
9. Audi kämpft um eigenen Elektroantrieb:
10.
VW-Chef Winterkorn verlängert Vertrag und ist Deutschlands beliebtester Konzernchef:
11. Facebook erreicht einen Marktwert von 50 Mrd. Dollar:
12. Deutsche Bahn Konkurrenten wollen Marktanteil auf 40% verdoppeln:
13. Lufthansa weitet Personal um 4.000 Stellen aus:

 

Wirtschaft und Wirtschaftspolitik International:

 

Wirtschaftsweiser: Nicht Eurokrise sondern Bankenrettung Grund für Rettungsschirm:
Laut dem Vorsitzenden des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweisen“), Wolfgang Franz, ist der Euro nicht in einer Krise, der Euro-Rettungsschirm sei vielmehr unter anderem auch ein Hilfsprogramm für europäische Banken, die zu viel Risiko im Bondsgeschäft eingegangen seien: „Wir erleben keine Krise des Euro, sondern Krisen in einzelnen Euro-Staaten, zurückzuführen auf finanzpolitisches Fehlverhalten einzelner Länder oder auf ein aus den Fugen geratenes Bankensystem wie in Irland. (…) Der Euro-Rettungsschirm stellt letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken dar. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm.“ Die Indikatoren des Euros hingegen seien stabil: Die Leistungsbilanz des Euro-Raums ist in etwa ausgeglichen, sowie die Neuverschuldung des Euro-Raums in Prozent des Bruttoinlandsprodukts geringer als in Japan, England oder den USA. Laut dem Wirtschaftsweisen geht der kürzlich beschlossene permanenten Krisenmechanismus ab Ende 2013 in die richtige Richtung, auch sollten private Gläubiger an einem Zahlungsausfall eines Landes beteiligt werden müssen: „Es geht doch nicht an, hohe Zinsen einzustreichen, aber die Risiken solcher Anleihen ausschließlich auf die Steuerzahler abzuwälzen.“

 

Estland führt den Euro ein:
Zum Jahreswechsel hat der baltische Tiger Estland (1,3 Mio. Einwohner) als 17. EU-Land den Euro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Nach der Unabhängigkeit hatte die estnische Krone 1992 den sowjetischen Rubel ersetzt. Die Krone war dabei nie unabhängig, sondern von Beginn an an die Deutsche Mark und dann an den Euro gekoppelt. Der Wechselkurs war dabei während den 18 Jahren nie geändert worden. Anders als seine baltischen Nachbarn Lettland und Litauen verfügt Estland über einen ausgeglichenen Haushalt und eine niedrige öffentliche Verschuldungsrate (Wirtschaftswachstum: 2005: 10,2 Prozent; 2006: 11,2 Prozent; 2009: -14,4 Prozent; 2011: +3,3 Prozent / Staatsverschuldung 2009: 7,2 Prozent).

 

Erste russisch-chinesische Pipeline:
Zu Jahresbeginn 2011 wurde die erste Pipeline von Russland, dem weltgrößten Erdölförderer (12,9% der Weltproduktion), nach China, dem weltgrößten Verbraucher, in Betrieb genommen. Damit sollen 15 Millionen Tonnen Öl pro Jahr von Skoworodino in Sibirien in das 1.000 Kilometer entfernte chinesische Ölzentrum Daqing gepumpt werden, die Menge ließe sich jedoch noch erhöhen. Bislang hatte Russland jährlich 9 Millionen Tonnen Öl per Bahn nach China geliefert. Russland versucht, seine Exportabhängigkeit vom europäischen Markt zu verringern. Ab Ende 2015 sollen zudem 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr an die staatliche China Petroleum geliefert werden.

 

Wirtschaft und Wirtschaftspolitik Deutschland:

 

Erwerbstätigkeit in Deutschland erreicht neuen Höchststand:
Die Erwerbstätigkeit hat in Deutschland mit 40,37 Mio. Personen einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl nahm gegenüber 2009 um 0,5% (197.000) zu. Aufgrund der Kurzarbeiterregelung und der flexiblen Arbeitszeitregelungen war der Einbruch 2009 im Verhältnis zum bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 mit minus 45.000 Personen sehr moderat geblieben. Nach vorläufigen Schätzungen sank die Zahl der Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt 2010 um 297.000 (minus 9,2 Prozent) auf 2,93 Millionen Menschen. Die Erwerbslosenquote gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen sank damit von 7,4 Prozent im Jahr 2009 auf 6,8 Prozent.

 

Handwerk und Industrie klagen über Nachwuchsmangel:
Handwerkspräsident Otto Kentzler hat vor einem Mangel an Lehrlingen und Fachkräften gewarnt. 12.300 noch nicht vermittelte Bewerber stehen 19.600 unbesetzten Lehrstellen gegenüber, allerdings dürften etliche Handwerksbetriebe sich noch gar nicht bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet haben. In den neuen Bundesländern ist die Lücke relativ betrachtet deutlich größer, da sich hier die Zahl der Schulabgänger binnen weniger Jahren halbiert hat. Betriebe vor Ort orientieren sich zur Nachwuchsrekrutierung zunehmend Richtung den östlichen Nachbarn. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor einem Fachkräftemangel in der Industrie: Dabei müsse man "alle Instrumente nutzen, um zu verhindern, dass der Fachkräftemangel zur Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft wird". So gelte es neben einer vernünftigen Zuwanderungsregel auch, die Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen früh zu erkennen und zu fördern. Außerdem müssten die Bedingungen für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter verbessert werden. Gleiches äußerte auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann: Er mahnte ein "schlüssiges Gesamtkonzept" der Bundesregierung an, bei dem die Qualität des Bildungssystems verbessert und für einen Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten gesorgt werden müsse. Die Zuwanderung solle "nach kanadischem oder australischem Vorbild Kriterien wie etwa Qualifikation, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse" gesteuert werden.

 

Selbstanzeigen von Steuersündern bringt 2 Mrd. Euro ein:
Nach Informationen des "Handelsblattes" haben Bund, Länder und Gemeinden in 2010 rund 2 Mrd. Euro durch Selbstanzeigen von Steuersündern eingenommen. Insgesamt 26.400 Steuersünder nahmen das Angebot des Staates an, um somit einer Strafverfolgung zu entgehen.

 

Unternehmen:

 

Bank of America rüstet sich präventiv auf Wikileaks Enthüllungen:
Im Herbst 2010 hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks angekündigt, Anfang 2011 sensible Daten einer US-Großbank zu veröffentlichen, die dadurch zu Fall gebracht werden könnte. Es gehe um ungeheuerliche Verstöße und unethische Praktiken, laut Wikileaks-Mitgründer Assange um ein "Ökosystem der Korruption". Zuvor hatte Assange bereits berichtet, Daten von der Festplatte eines Managers der Bank of America zu besitzen. Die Bank konnte/wollte das nach einer internen Überprüfung zunächst nicht bestätigen. Nun hat die US-Großbank ein 20-köpfiges Team unter der Leitung des Risiko-Chefs Bruce Thompson eingerichtet, um Tausende Dokumente zu prüfen. Das Team soll herausfinden, wo die Bank kompromittiert werden könnte.

 

Porsche mit Etappensieg im milliardenschweren US-Gerichtsprozess:
Der Sportwagenkonzern Porsche hat in der milliardenschweren Schadenersatzklage in den USA einen wichtigen Teilerfolg erzielt. Hintergrund der Klage war der gescheiterte Versuch von Porsche, im Jahr 2008 den größeren Konkurrenten Volkswagen zu übernehmen. Durch die damit einhergehenden Wertpapiergeschäfte war ein Höhenflug der VW-Stammaktien ausgelöst worden. Die klagenden 39 Investoren sahen sich dadurch geschädigt, da sie auf fallende Kurse gewettet hatten. Insgesamt hatten sie 2 Mrd. Dollar Schadensersatz gefordert. Das New Yorker Gericht wies aber nun die Klage wegen Unzulässigkeit vollumfänglich ab: Die bundesstaatlichen US-Wertpapiergesetze fänden keine Anwendung auf die betroffenen Geschäfte. Die Klage war bislang als mögliches Hindernis für einen zügigen Zusammenschluss mit VW betrachtet worden. Allerdings können die Kläger innerhalb von 30 Tagen Berufung einlegen.

 

Audi kämpft um eigenen Elektroantrieb:
Im VW-Konzern sollen eigentlich alle technischen Neuerungen einheitlich entwickelt und dann von den Konzernmarken genutzt werden. Damit sollen die Kosten möglichst niedrig gehalten werden. Allerdings erfolgt die Positionierung dann vor allem nur noch über das Design. Audi versucht nun, einen eigenen Antrieb für Elektroautos durchzusetzen und in Serie zu produzieren. Nun muss die VW-Konzernleitung über den Wunsch zur stärkeren Eigenständigkeit entscheiden. Audi will für seinen elektrobetriebenen A1 einen eigenen Elektroantrieb, um sich von der Konkurrenz besser abzusetzen. Dieser soll in dem Modell A1 mit einer Wiederbelebung des Wankelmotors einhergehen. Nach einer Studie von McKinsey könnten im Jahr 2030 in Deutschland in knapp zwei Dritteln aller Neuwagen ein Elektromotor arbeiten: 35% der Neuzulassungen könnten dann Hybridfahrzeuge sein, weitere 16% den Verbrennungsmotor nur noch zum Aufladen der Batterie benötigen, um damit die Reichweite der Fahrzeuge zu erhöhen, hinzu kommen noch rein batterie- und wasserstoffgetriebene Autos.

 

VW-Chef Winterkorn verlängert Vertrag und ist Deutschlands beliebtester Konzernchef:
VW-Chef Martin Winterkorn wurde bei einer Umfrage unter 1.000 Führungskräften mit einer Schulnote von 2,1 zum besten Konzernlenker in Deutschland gewählt. Der VW-Aufsichtsrat hat zudem den bis Ende 2011 laufenden Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Winterkorn einstimmig um weitere fünf Jahre bis Ende 2016 verlängert. Ihm wird besonders angerechnet, den extrem komplexen VW-Konzern fest im Griff zu haben. Auf den letzten Platz der Umfrage landete erstmals Bahn-Chef Grube, der sich von der Schulnote 3,2 auf 3,9 verschlechterte.

 

Facebook erreicht einen Marktwert von 50 Mrd. Dollar:
Der Social-Media-Hype setzt sich fort: Das soziale Netzwerk Facebook erhöht seinen Marktwert auf 50 Mrd. Dollar. Damit ist Facebook mehr wert als eBay, Yahoo oder Time Warner. Hintergrund ist der Einstieg der US-Großbank Goldman Sachs und eines russischen Investors (die Internetbeteiligungsgruppe Digital Sky Technologies) mit 500 Mio. Dollar. Zudem hat Facebook 2010 erstmals den Suchmaschinengiganten Google als meistbesuchte Website in den USA abgelöst. Bislang hatte Firmengründer Mark Zuckerberg immer abgelehnt, an die Börse zu gehen, der Unternehmenswert ist daher nur schwer zu schätzen. Nun scheint jedoch ein Börsengang 2012 denkbar. Noch im September 2010 war Facebook von dem US-Magazin Forbes mit 23 Mrd. Dollar gerade einmal halb so hoch bewertet worden. Damals betrug Zuckerbergs Vermögen geschätzte 6,9 Mrd. Dollar. Dieses dürfte nun auf 15 Mrd. angewachsen sein.

 

Deutsche Bahn Konkurrenten wollen Marktanteil auf 40% verdoppeln:
Die privaten Konkurrenten der Deutschen Bahn (DB) wollen ihren Marktanteil in Deutschland innerhalb der nächsten Jahre von derzeit 20% auf rund 40% verdoppeln. Hintergrund ist, dass in den nächsten fünf Jahren rund 110 Vergabeverfahren anstehen, bei denen knapp die Hälfte aller Regiostrecken auf den Markt kommt. Die Deutsche Bahn hat derweil erklärt, ihren Anteil bei 70% stabilisieren zu wollen. Die Privatbahnen seien laut Wolfgang Meyer, dem Präsidenten des Verbandes der Privatbahnen (Mofair), preiswerter und würden auch mehr Service bieten. Dabei seien Konzepte aus anderen Ländern, in denen schon länger Wettbewerb herrscht, erfolgreich auf Deutschland übertragen worden.

 

Lufthansa weitet Personal um 4.000 Stellen aus:
Die Lufthansa, die größte Fluggesellschaft Europas, will ihr Personal in 2011 um 4.000 neue Stellen in Deutschland aufstocken: 2.200 FlugbegleiterInnen, 900 Mitarbeiter für die Passagierbetreuung am Boden, 270 Pilotenschüler, über 300 neue Auszubildende, sowie offene Stellen für Fachkräfte, Hochschulabsolventen und Studenten in dualen Studiengängen. Bislang beschäftigt die Lufthansa weltweit 117.000 Angestellte, davon 65.000 in Deutschland.
 

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