Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 03.12.2010

1. Estland gibt eigene Euro-Münzen einen Monat vor Beitritt aus:
2. US-Notenbank Fed legt Finanzhilfen während der Krise offen:
3. Rohstoffspekulation seit 2002 mehr als verfünffacht:
4. Deutsche Security-Technik mit 31 Mrd. Euro Umsatz in 2015:
5. Deutsche Automobilindustrie will den Rekord knacken:
6. Automobilindustrie und Zulieferer verkürzen wegen Auslastung Werksferien:
7. E.ON. trennt sich von seinen 3,5 Mrd. Euro Anteilen an Gazprom:
8. Gazprom und Shell vereinbaren globale strategische Partnerschaft:
9. Airline Quantas und Lufthansa verklagen Rolls-Royce wegen Triebwerkspanne:
10. Milliardenbetrüger Madoff verklagt JP Morgan Chase auf 6,4 Mrd. Dollar:
11. Deutsche Bank überlegt Sale-and-Leaseback seiner Twintowers:
12. Rekordumsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar im Online-Handel an einem Tag:
13. Hausinterner TV-Sender der Bundesagentur für Arbeit unter Beschuss:
14. Kartellverfahren gegen Schokoladenhersteller:

 

Estland gibt eigene Euro-Münzen einen Monat vor Beitritt aus:
Das baltische 1,34 Mio. Einwohner zählende Estland („baltischer Tiger“) tritt zum Jahreswechsel der Euro-Zone bei. Bereits ab 01. Dezember geben die estnischen Geschäftsbanken die estnischen Euromünzen heraus. Die Münzen werden von dem finnischen Münzhof in der Stadt Vantaa geprägt. Der Beitritt Estlands zur Eurozone war am 13. Juli 2010 von den EU-Finanzministern endgültig gebilligt worden.

 

US-Notenbank Fed legt Finanzhilfen während der Krise offen:
Die US-Notenbank Fed hat nun Rechenschaft über die Verwendung von Krisenhilfen im Umfang von insgesamt 3.300 Mrd. Dollar abgelegt – und damit innerhalb der USA teilweise für Empörung gesorgt. Größten Anteil hatte der Aufkauf von Hypothekenpapieren im Nennwert von 1.250 Mrd. Dollar. Zweitgrößter Posten war das Krisenprogramm TAF (Term Auction Facility) dem sich die Banken gegen vergleichsweise geringe Sicherheiten kurzfristig mit billigem Geld versorgen konnten. Mittlerweile sind alle TAF-Kredite inklusive Zinsen zurückgezahlt. Allerdings werden in Amerika zwei Punkte an der Umsetzung dieses Programms kritisiert: Die Fed hat auch ausländische Institute mit hunderten Milliarden Dollar versorgt (allein die Dresdner Bank 123 Mrd. Dollar). Senator Bernard Sanders: „Ist die Federal Reserve zur Notenbank der Welt geworden? Ich denke, diese Frage muss untersucht werden.“ Alles in allem war die Citigroup mit Krediten im Umfang von 2.200 Mrd. Dollar der größte Empfänger, gefolgt von der mittlerweile von der Bank of America übernommenen Investmentbank Merrill Lynch (2.100 Mrd. Dollar), Morgan Stanley  (2.000 Mrd. Dollar), die Bank of America (1.100 Mrd. Dollar), die von JP Morgan übernommene Investmentbank Bear Stearns (960 Mrd. Dollar) und Goldman Sachs (620 Mrd. Dollar). Dies ist auch der zweite Punkt, der in den USA für Verärgerung sorgt: Goldman Sachs erzielte im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn. Insgesamt stiegen die Boni der Wall Street Banker auf unglaubliche 139 Milliarden Dollar in 2009 – Rekordwert. 2007 waren 135 Milliarden Dollar an Boni gezahlt worden, im Krisenjahr 2008 122 Milliarden Dollar und 2010 sollen es 144 Mrd. Dollar werden.

 

Rohstoffspekulation seit 2002 mehr als verfünffacht:
Immer mehr Investmentabteilungen von Banken steigen in den Handel mit physischen Rohstoffen ein, um aus Preisdifferenzen Profit zu schlagen. Laut einer Studie der Handelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) hat sich die Anzahl der Futures- und Optionskontrakte an den Warenterminbörsen weltweit seit 2002 mehr als verfünffacht. Auch immer mehr entsprechende Finanzprodukte würden angeboten: Fonds, Zertifikate oder börsengehandelte Indexprodukte. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI): „Die Volatilität der Preise an den Rohstoffmärkten hat sich in den vergangenen Jahren merklich erhöht.“ Experten befürchten langfristige Effekte am Markt. Die Gewinne gehen zulasten der Verbraucher und der Industrie, die damit die Spekulanten mitfinanzieren müssen. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Rohstoffspekulation 2008 hatte der US-Milliardär und Starinvestor George Sorros sogar ein Verbot, bzw. eine starke Reglementierung der Spekulation auf Nahrungsmittel gefordert: "Das ist so, als ob man in einer Hungerkrise heimlich Lebensmittel hortet, um mit den steigenden Preisen Profite zu machen." Diese moralisch fragwürdige Bereicherung lässt sich jedoch auf sämtliche Rohstoffe ausdehnen.

 

Deutsche Security-Technik mit 31 Mrd. Euro Umsatz in 2015:
Deutsche Firmen exportieren angesichts von Terrorismus und organisierter Kriminalität immer mehr zivile Sicherheitstechnik, die Bundesregierung hat jetzt sogar eine Exportinitiative gestartet. Die Branche erwirtschaftet rund 100 Mrd. Euro Umsatz weltweit, mit einer jährlichen Wachstumsrate von fünf Prozent. Deutsche Technik ist dabei besonders gefragt. So soll sich der Umsatz inländischer Unternehmen bis 2015 auf jährlich 31 Mrd. Euro steigern. Bundeswirtschaftsminister Brüderle: „Gute Marktchancen sind sozusagen die Kehrseite der wachsenden Bedrohung. (…) Unter der Dachmarke ‚Security Made In Germany‘ bringen wir unsere Exportinitiative auf den Weg.“

 

Deutsche Automobilindustrie will 2011 den Rekord knacken:
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet für 2010 weltweit 59,7 Millionen verkaufte Einheiten (+ 8% gegenüber 2009). Nach Märkten: Westeuropa 12,65 Mio. Pkw (- 7%); die neuen EU-Ländern 815.000 Pkw (-2%); USA 11,7 Mio. (+ 12%); China 10,9 Mio. Pkw (+ 30%); Indien 2,3 Mio. (+ 27%). In Deutschland wurden 2,92 Mio. Pkw verkauft, der Marktanteil der deutschen Marken stieg im Inland nach 62% 2009 auf 70% in 2010, über 40% davon waren Dieselfahrzeuge (2009 waren es 30%). Insgesamt wurden in Deutschland 5,5 Mio. Fahrzeuge hergestellt (+ 11%), das entspricht dem Vorkrisenniveau von 2008. Für 2011 wird eine weitere Steigerung um 5% auf 5,8 Mio. erwartet, eine neue Bestmarke. Die Kapazitätsauslastung liegt bei über 87%. Die Nachrichtenagentur Reuters kommentiert: „Die deutschen Autobauer fahren mit Vollgas aus der Krise und peilen im nächsten Jahr bereits wieder Rekorde bei Produktion und Export an.“

 

Automobilindustrie und Zulieferer verkürzen wegen Auslastung Werksferien:
Mehrere deutsche Autohersteller wollen wegen der guten Auftragslage ihre Werksferien über die Feiertage verkürzen. Einige Werke von Opel und VW sollen bereits eine Woche früher als üblich, am 3. Januar wieder anfahren, Audi fährt zusätzliche Sonderschichten, BMW verzichtet in den Werken Dingolfing und Leipzig ganz auf Werksschließungen über die Feiertage und auch der Reifenhersteller Conti verkürzt seine Werksferien.

 

E.ON. trennt sich von seinen 3,5 Mrd. Euro Anteilen an Gazprom:
Der deutsche Energieriese E.ON. hat seinen 3,5 prozentigen Anteil an dem russischen Gasmonopolist Gazprom verkauft. 2,7% übernahm die russische Entwicklungsbank VEB, die restlichen 0,8% wurden über den Markt verkauft. Der Verkaufserlös beträgt 3,4 Mrd. Euro. E.ON. plant bis Ende 2013 Desinvestitionen und Portfoliooptimierung in einem Volumen von 15 Mrd. Euro. Ziel ist es, Spielraum für neue strategische Investitionen zu bekommen (vor allem in Asien und Südamerika), sowie die Konzernschulden zu reduzieren. E.ON. kommentierte, dass sich durch die Veräußerung nichts an der Russland-Strategie des Konzerns ändere. Man sei mit Gazprom durch die Beteiligung an mehreren Großprojekten eng verbunden, beispielsweise an der Ausbeutung eines riesigen Erdgasfelds in Westsibirien oder an dem Bau der Gas-Pipeline Nord Stream durch die Ostsee.

 

Gazprom und Shell vereinbaren globale strategische Partnerschaft:
Gazprom und Shell wollen kooperieren anstatt zu konkurrieren. Der Vereinbarung der beiden Energiegiganten erinnert an den Vertrag von Tordesillas, mit dem sich die beiden damals größten Seemächte Portugal und Spanien 1494 die Welt aufteilten. Der russische Gasmonopolist Gazprom (Umsatz 2008: 79,770 Mrd. Euro; Operatives Ergebnis 2008: 28,569 Mrd. Euro) und der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch Shell (Umsatz 2008: 458,361 Mrd. Dollar; Operatives Ergebnis 2008: 51,091 Mrd. Dollar) haben eine globale strategische Partnerschaft gezeichnet. Demnach wollen sich beide gemeinsam an der Verarbeitung und Verteilung von Öl und Gas in Russland und in Europa beteiligen. Darüber hinaus werde Gazprom in Shell-Projekte zur Exploration und Förderung in Drittländern einsteigen.

 

Airline Quantas und Lufthansa verklagen Rolls-Royce wegen Triebwerkspanne:
Die australische Airline Qantas und der Flugzeugbauer Airbus fordern nach der Triebwerkspanne bei einem A380-Großraumflugzeug von dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce Schadenersatz und wollen dies notfalls auch vor Gericht durchsetzen. Qantas schätzt, dass durch die Stilllegung seiner A380-Flotte bereits Kosten von mindestens 100 Mio. Dollar entstanden sind. Die Summe steige mit jedem Tag weiter an. Hinzu komme noch der Imageverlust. Über die Summe, die Airbus verlangt, ist noch nichts Näheres bekannt.

 

Milliardenbetrüger Madoff verklagt JP Morgan Chase auf 6,4 Mrd. Dollar:
Bernard Madoff hatte seine Anleger in einem Schneeballsystem um insgesamt die Rekordsumme von rund 65 Mrd. Dollar betrogen und sitzt dafür seit 2008 150 Jahre Haft ab. Der Treuhänder seiner Firma, Irving Picard, haben nun gegen die zweitgrößte US-Bank JP Morgan Chase Klage über 6,4 Mrd. Dollar eingereicht. Das Finanzinstitut habe dem heute 72-Jährigen bei seinen illegalen Machenschaften geholfen und sei gegen den Milliardenbetrug nicht eingeschritten, obwohl Warnungen eingegangen waren. Picard erklärte, JP Morgan Chase sei „jahrzehntelang eine der Hauptbanken“ von Madoffs Firma gewesen und habe sich so zum „Komplizen“ des Betrugs gemacht. Die Bank streitet jegliche Vorwürfe ab und kündigte Gegenwehr an.

 

Deutsche Bank überlegt Sale-and-Leaseback seiner Twintowers:
Die Deutsche Bank will offenbar ihre frisch renovierten Zwillingstürme in Frankfurt (auch „Soll“ und „Haben“ genannt) in einem Sale-and-Leaseback-Geschäft verkaufen und dann langfristig zurückmieten. Seit der Fertigstellung 1984 war die Bank Mieter von einem eigens aufgelegten Immobilienfonds. 2007 kaufte sie die Türme für 272 Mio. Euro, um für die Renovierungsarbeiten im Umfang von rund 200 Mio. Euro freie Hand zu haben (wegen der verwendeten Umwelttechnik werbewirksam als „Greentowers“ oder „Ökotürme“ bezeichnet). Wegen der anziehenden Immobilenpreise wird der Wert der beiden Türme momentan auf rund 500 Millionen Euro geschätzt.

 

Rekordumsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar im Online-Handel an einem Tag:
Der Online-Handel in den USA hat erstmals mehr als eine Milliarde Dollar Tagesumsatz erreicht. Der Rekorumsatz wurde am „Cyber Monday“, dem Montag nach Thanksgiving, erreicht (+ 16% gegenüber dem Vorjahr). Die US-Unternehmen locken an diesem Tag traditionell ihre Kunden mit Aktionen und Sonderangeboten.

 

Hausinterner TV-Sender der Bundesagentur für Arbeit unter Beschuss:
Der Bundesrechnungshof hat unumwunden den hausinternen TV-Sender der Bundesagentur für Arbeit (BA) kritisiert und im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung die Einstellung des Mitarbeiterfernsehens angemahnt. Der interne TV-Sender der Bundesagentur für Arbeit wird über das hauseigene Datennetz ausgestrahlt und soll die Beschäftigten emotional ansprechen, so dass wichtige Themen besser verinnerlicht werden. Mitarbeiter der Agentur sprechen hingegen von Dauerwerbesendungen für den Vorstand und seine Getreuen. Die Kosten liegen bei rund 600.000 Euro. Paradoxer weise hatte die BA das Fernsehprogramm gegenüber dem Bundesrechnungshof mit einer Medienstudie gerechtfertigt, aus der letzterer jedoch genau das Gegenteil schlussfolgert: „Ihre Auffassung, dass sich aus den Erkenntnissen der Medienforschung ein Bedarf für das Mitarbeiterfernsehen ableiten lässt, teilen wir nicht.“

 

Kartellverfahren gegen Schokoladenhersteller:
Im Visier der Kartellwächter stehen Ritter Sport, Kraft (Milka), Nestlé (Kitkat-Riegel), Mars, Haribo, Ferrero und Storck. Die Maximalstrafe beträgt 10% des Umsatzes, wird aber der Ertragslage angepasst. Ritter Sport warnte nun, dass die Maximalstrafe für das schwäbische Unternehmen rund 30 Mio. Euro betragen könnte, was das Aus bedeuten würde. Man habe wie andere Hersteller auch vor drei Jahren die Preise erhöht, weil die Rohstoffkosten gestiegen seien. Ritter Sport sogar um rund ein fünftel mehr als die Konkurrenz, da man besonders hochwertige Rohstoffe verarbeite. In den Jahren zuvor habe man sogar Verluste eingefahren. Die jetzigen schwarzen Zahlen seien zudem relativ klein…

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