Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 04.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Konsumausgaben und Binnenmarkt legen weiter zu:
2. Bundesländer haben deutlich weniger Schulden aufgenommen als befürchtet:
3. Diskussion um mögliche Frauenquote für Führungsetagen:
4. Lebensmittelpreis auf Rekordniveau, Ausschreitungen nehmen zu:

Branchen und Unternehmen:
5. Deutsches Milchkontor wird größter Molkerei-Konzern:
6. JP Morgan im Madoffs-Korruptionsfall auf 6,4 Mrd. Dollar verklagt:
7. Shell mit Nettogewinn von 20,1 Mrd. Dollar:

Personalien:

8. Wirtschaftsforschungsinstitut DIW verliert seinen Präsidenten:
9. Ex-Vodafone-Manager Harris neuer Sponsoringchef bei VW:
10. Ex-Porsche-Oberentwickler Dürheimer neuer Bentley- und Bugatti-Chef:
11. Fuhrmann Nachfolger von Salzgitter-Chef Leese:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Konsumausgaben und Binnenmarkt legen weiter zu:
Laut dem größten deutschen Marktforschungsinstitut, dem Nürnberger GfK, stiegen die Konsumausgaben 2010 um insgesamt 0,5%. 2011 soll der private Verbrauch nun um inflationsbereinigte 1,5% deutlich stärker zulegen. Dabei würde zudem auch immer mehr auf Qualität geachtet werden. Der Konsumindex sei im Januar bereits auf den höchsten Stand seit Ende 2006 gestiegen. Die Konsumausgaben betragen rund 1,5 Bio. Euro im Jahr – primär für Mieten, Lebensmittel, Möbel, Reisen und Dienstleistungen – und tragen damit rund 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

 

Bundesländer haben deutlich weniger Schulden aufgenommen als befürchtet:
Die 16 Bundesländer haben 2010 offenbar besser gewirtschaftet als zunächst befürchtet. Insgesamt mussten sie 21,5 Mrd. Euro an neuen Schulden aufnehmen. Das sind 13 Mrd. Euro weniger als in den Haushalten prognostiziert. Sieben der 16 Länder machten 2010 weniger neue Schulden als 2009. Nordrhein-Westfalen verzeichnete mit 6,2 Mrd. Euro das höchste Defizit. Das höchste Pro-Kopf-Defizit machte Bremen mit 1.871 Euro – rund siebenmal so viel wie im Bundesdurchschnitt. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen weisen weniger als 100 Euro Neuschulden pro Kopf aus.

 

Diskussion um mögliche Frauenquote für Führungsetagen:
Kanzlerin Angela Merkel hat sich „fürs Erste“ gegen eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote in Führungsetagen ausgesprochen. Stattdessen soll die Wirtschaft eine zweite Chance erhalten und ohne Zwang eine Erhöhung des Frauenanteils in den Chefetagen erreichen. Die Fortschritte müssten allerdings in einem „überschaubaren Zeitraum“ erfolgen und nicht auf den „Sankt-Nimmerleins-Tag“ geschoben werden. Besonders die CSU und die FDP hatten sich gegen eine Zwangsquote gestellt, hauptausschlaggebend müsse immer noch die Qualität sein. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hingegen hatte für die Einführung eines festen 30-Prozent-Schlüssels in Vorständen und Aufsichtsräten plädiert, der notfalls auch mit Sanktionen durchgesetzt werden sollte. Dies sieht sie nun für den Zeitraum nach 2018 möglich. SPD-Chef Gabriel forderte mindestens 40 Prozent, allerdings nur für die Aufsichtsratsposten, nicht für die Vorstände. Laut kürzlich veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW waren 2010 nur vier (2,2 Prozent) der 182 Vorstände der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen Frauen. Unter den größten 200 Unternehmen waren es 3,2 Prozent.

 

Lebensmittelpreis auf Rekordniveau, Ausschreitungen nehmen zu:
Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Spekulations- (also Gier) getriebenen Teuerungen bei Lebensmitteln und Unruhen in ärmeren Ländern, wenn sich die jeweiligen Bevölkerungen kaum noch die Grundnahrungsmittel leisten können. Dies ist auch ein wichtiger Faktor bei den derzeitigen Revolten im arabischen Raum. Bereits bei der letzten extremen Teuerung 2007/08, als zahlreiche Investoren die Zeichen der Zeit erkannt hatten und im Vorfeld der Lehmann Bank Pleite in Rohstoffe flüchteten, was einen gigantischen Preisanstieg zur Folge hatte (Höhepunkt Juni 2008 mit zahlreichen Hungerrevolten weltweit). Die Preisindizes sind nun aber bereits über diesen alten Höchststand auf neue Rekordwerte geklettert. Die zwischen Dezember und Januar verzeichnete Teuerung ist die höchste jemals festgestellte. Sie stieg zum siebten Mal in Folge. Die Weltbank hat daher nun die Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer (G20) zum Handeln aufgefordert. Das Thema Ernährung gehöre endlich ganz oben auf die Agenda.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Deutsches Milchkontor wird größter Molkerei-Konzern:
Die Molkereien Nordmilch AG und Humana Milchindustrie GmbH haben beschlossen, zur Deutschen Milchkontor GmbH (DMK) zu fusionieren. Durch den Zusammenschluss entsteht Deutschlands größter Molkerei-Konzern mit einem Umsatz von vier Mrd. Euro und 5.500 Mitarbeitern. Europaweit wird das Deutsche Milchkontor mit 6,7 Mrd. Kilo verarbeiteter Milch von mehr als 11.000 Milchbauern zum sechstgrößten Produzenten.

 

JP Morgan im Madoffs-Korruptionsfall auf 6,4 Mrd. Dollar verklagt:
Die US-Großbank JP Morgan Chase soll von dem 65-Mrd.-Dollar-Anlagebetrug des Starinvestors Bernard Madoff gewusst haben ohne Kunden davon zu informieren. Madoff hatte mit einem Schneeball-System den größten Betrugsfall der Finanzgeschichte verursacht und war im Juni 2009 zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Treuhänder Picard verklagt nun JP Morgan Chase auf 6,4 Mrd. Dollar, um Entschädigungszahlungen für die Madoff-Betrugsopfer aufzubringen. Das Finanzinstitut will sich zur Wehr setzen. Die Klage verdrehe Tatsachen und beuge das Recht.

 

Shell mit Nettogewinn von 20,1 Mrd. Dollar:
Der britisch-niederländische Ölmulti Royal Dutch konnte seinen Nettogewinn 2010 um 61% auf 20,1 Mrd. Dollar steigern. Allein im Schlussquartal wurden aufgrund des hohen Ölpreises 6,79 Mrd. Dollar Nettogewinn erzielt. Der Umsatz stieg im Gesamtjahr von 278,2 auf 368,1 Mrd. Dollar. Die Fördermenge stieg um sechs Prozent auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag. Branchenprimus bleibt Exxon Mobil, der weltgrößte Ölkonzern. Allein im Schlussquartal hat dieser 9,3 Mrd. Dollar verdient. Auf das Jahr gerechnet waren es 30,5 Mrd. Dollar (Umsatz: 383,2 Mrd. Dollar). Einzig BP hat aufgrund der gigantischen Ölkatastrophe (rund 41 Mrd. Dollar Schaden) einen Verlust von 4,9 Mrd. Dollar eingefahren. Allerdings verdiente BP im Schlussquartal bereits wieder 4,6 Mrd. Dollar (im Gesamtjahr 2009 14 Mrd. Dollar).

 

Personalien:

 

Wirtschaftsforschungsinstitut DIW verliert seinen Präsidenten:
Schwere Vorwürfe des Landesrechnungshofs, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue und eine zum großen Teil verbitterte und demoralisierte Belegschaft haben dem skandalumwitterten Chef des Berliner Wirtschaftsforschungsinstituts DIW, Klaus Zimmermann, den Posten gekostet. Die Bundesregierung und das Land Berlin haben ihm nun die Unterstützung entzogen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Die Mitarbeiter reagierten erleichtert. Der Arbeitsmarktexperte hatte das traditionell keynesianische inspirierte Haus zu einer 180-Gradwende direkt in den profillosen Mainstream gedreht, der dann von der Finanzkrise in seiner Grundlage erschüttert worden war. Sein Markenzeichen, alle paar Monate die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 25 Prozent zu fordern, wurde gleichfalls meist mit Kopfschütteln registriert.

 

Ex-Vodafone-Manager Harris neuer Sponsoringchef bei VW:
Der ehemalige Vodafone-Manager Harris soll bei VW als neuer Sponsoringchef die vielfältigen Aktivitäten der zehn Markentöchter bündeln. Durch die zunehmende Vielfalt an Marken sei eine koordinierende Position nötig geworden, die nun geschaffen wurde.

 

Ex-Porsche-Oberentwickler Dürheimer neuer Bentley- und Bugatti-Chef:
Der ehemalige Porsche-Oberentwickler Wolfgang Dürheimer (52) hat die Herausforderung übernommen, zwei Traditionsmarken Bentley und Bugatti wiederzubeleben. Er wird damit Nachfolger von dem ehemaligen Audi-Chef Franz-Josef Paefgen, der diesen Posten seit 2002 inne hat und sich nun mit 65 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Die neuen Flaggschiffe der beiden Luxusmarken sollen künftig auf einem Baukasten des Konzerns aufbauen, um Kosten zu sparen.

 

Fuhrmann Nachfolger von Salzgitter-Chef Leese:
Heinz Jörg Fuhrmann übernimmt den Chefposten bei Salzgitter. Der bisherige Chef Wolfgang Leese geht in den Ruhestand. Der neue Vorstandsvorsitzende wird die Aufgabe haben, den Konzern unabhängiger vom volatilen Stahlgeschäft zu machen. Genügend Finanzmittel für Zukäufe seien vorhanden.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.