Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 05.01.2011

International:
1. US-Staatsschulden überschreiten 14 Billionen Dollar:
2. EZB-Zinsen steigen zur Jahresmitte an um Inflation zu dämpfen:
3. Italien verbietet seit dem Jahreswechsel die Vermarktung von Plastiktüten:
4. Schäden durch Katastrophen beliefen sich 2010 auf 130 Mrd. Dollar:

Deutschland:

5. Rentendurchschnittsalter in Deutschland bei 63,2 Jahren:
6. Weiterer Testfall für mittelständische Anleihen:

Branchen und Unternehmen:

7. US-Bergbaukonzern will 21% des Weltbedarfs an Seltenen Erden in 2012 decken:
8. ACS mit wichtigem Teilerfolg bei der Hochtief-Übernahme:
9. Weltmarktführer Samsung investiert 29 Mrd. Euro in 2011:
10. Fiat spaltet sich auf – und wirft Auge auf Mehrheit bei Chrysler:
11. Schiesser hat offiziell die Insolvenz beendet:

 

International:

 

US-Staatsschulden überschreiten 14 Billionen Dollar:
Die Staatsschulden der USA haben Ende Dezember erstmals 14 Billionen Dollar überschritten. Im Juni 2010 lag der Schuldenstand noch bei 13 Billionen, Ende 2008 bei 10 Billionen Dollar (Deutschland: rund 1,7 Billionen Euro). Sparmaßnahmen bei Sozialem und Gesundheit werden wohl folgen, allerdings sind 61% der Amerikaner dafür, erst einmal die Steuern für die Reichen zu erhöhen. Die Republikaner hatten jedoch noch im Dezember ein Auslaufen der noch unter Bush beschlossenen Steuerkürzungen für besser Verdienende über 250.000 Dollar im Jahr verhindert. Der Umfrage nach kommen an zweiter Stelle Einsparungen im Rüstungsetat. Der Militärhaushalt für 2011 beträgt geplante 708 Mrd. Dollar.

 

EZB-Zinsen steigen zur Jahresmitte an um Inflation zu dämpfen:
Seit Mai 2009 liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank EZB auf dem Rekordtief von 1,0%. Aufgrund der überraschend starken Teuerungsrate in der EU von 2,2% im Dezember (Quelle: Eurostat) rückt nun aber eine Zinswende in Aussicht. Vor allem die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise trieben die Inflationsrate erstmals seit Oktober 2008 über die „Schmerzgrenze“ der Währungshüter von 2%. Daher wird erwartet, dass die EZB den Leitzins ab der zweiten Jahreshälfte anheben wird, womit sich Kredite allgemein verteuern – zum Leidwesen der Konjunktur und der Schuldenländer wie Griechenland und Portugal. Allerdings herrschen auch hier geteilte Meinungen: Laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer beträgt die Kernrate der Inflation ohne die volatilen Energiepreise nur rund 1,2%, daher sehe er keinen geldpolitischen Handlungsbedarf. Die Teuerungsrate vollzog sich dabei im Euroraum ungleichmäßig: In Deutschland stieg sie von 1,5% auf 1,7%, in Spanien von 2,2% auf 2,9%.

 

Italien verbietet seit dem Jahreswechsel die Vermarktung von Plastiktüten:
In Italien ist ab sofort die Vermarktung von Plastiktüten verboten, sie werden durch biologisch abbaubare Tüten und Ökotaschen ersetzt. Die Restbestände dürfen nur noch unentgeltlich abgegeben werden. Das entsprechende Umweltschutzgesetz war kurz vor Weihnachten verabschiedet worden. Die biologisch abbaubaren Tüten werden statt bisher fünf Cent rund zehn Cent kosten. Italien war bisher das Land der Plastiktüten in Europa: 25 Milliarden Stück pro Jahr, das sind rund 300 pro Kopf.

 

Schäden durch Katastrophen beliefen sich 2010 auf 130 Mrd. Dollar:
Die Naturkatastrophen im Jahr 2010 haben laut Angaben des weltgrößten Rückversicherers Munich Re insgesamt 130 Mrd. Dollar Schaden angerichtet. Davon waren rund 37 Mrd. Dollar versichert. 2010 war damit das sechst schadenintensivste Jahr für die Assekuranz seit 1980. Mit 950 Naturkatastrophen wurde die zweithöchste Zahl seit 1980 registriert. Etwa 90% davon waren wetterbedingt, also Stürme, Unwetter oder Überschwemmungen. Den Großteil der 295.000 Todesopfer forderten die fünf Ereignisse, die gemäß der Definition der Vereinten Nationen in die oberste Kategorie einzuordnen waren: Die Erdbeben in Haiti (12. Januar / 220.000 Tote), in Chile (27. Februar) und in Zentral-China (13. April) sowie die Hitzewelle in Russland (Juli bis September) und die Überschwemmungen in Pakistan (ebenfalls Juli bis September).

 

Deutschland:

 

Rentendurchschnittsalter in Deutschland bei 63,2 Jahren:
Laut der Rentenstatistik für 2009 gingen 41,2 Prozent der Männer und 48,7 Prozent der Frauen vorzeitig in Altersrente und müssen dafür Abschläge hinnehmen. Trotz des gesetzlichen Rentenalters von 65 ging der Durchschnitt tatsächlich mit 63,2 Jahren in den Ruhestand, was eine durchschnittliche Reduzierung der Monatsrente von 127,44 Euro zur Folge hat. Hintergrund seien sowohl der Wunsch nach dem Ruhestand, sowie auch die schlechten Beschäftigungschancen. Im Schnitt kamen die Männer auf eine Rente von 1060,28 Euro, Frauen auf 621,60 Euro.

 

Weiterer Testfall für mittelständische Anleihen:
Der deutsche Werkzeugmaschinen-Hersteller MAG IAS will an der Stuttgarter Börse über Anleihen (Bonds) 50 Millionen Euro einsammeln. Die Emission gilt als Testfall für die Stuttgarter Börse, ob Anleihen von Mittelständlern genug Anleger finden. Die Anleihe ist auf fünf Jahren Laufzeit ausgelegt und dürfte mit rund 7,25 Prozent verzinst sein. Mit dem Geld sollen keine Bankverbindlichkeiten oder alte Anleihen abgelöst werden, sondern das weitere Wachstum und die Weiterentwicklung der Technologien finanzieren. Da Unternehmensanleihen höhere Renditen bieten als viele Staatsanleihen, wird die Nachfrage von Analysten als hoch bewertet.

 

Branchen und Unternehmen:

 

US-Bergbaukonzern will 21% des Weltbedarfs an Seltenen Erden in 2012 decken:
China produziert derzeit 97% der weltweit verfügbaren seltenen Erden. Das liegt vor allem an den hohen Förderkosten, die mit den erheblichen Umweltbelastungen des Abbaus einhergehen (können). Bei den seltenen Hightech-Metallen stellt sich jedoch zunehmend ein Engpass ein, da China sukzessive einen steigenden Anteil im Inland selber verarbeiten will. Daher werden weltweit neue Lagerstätten erschlossen und stillgelegte Minen wieder eröffnet. Der US-Bergbaukonzern Molycorp besitzt das größte erschlossene Vorkommen der begehrten Rohstoffe außerhalb Chinas. Seine wichtigste Mine, in Kalifornien, wurde aus Rentabilitätsgründen 2002 geschlossen, soll aber bis 2012 zur modernsten der Welt ausgebaut werden. Mit einer angepeilten Jahresproduktion von fast 40.000 Tonnen in 2012 könnte das Unternehmen dann 21% des Weltmarktes abdecken. Südkorea hat am Dienstag angekündigt, seinerseits im Verbund mit Japan Ressourcen in Vietnam, Australien, Kirgistan und Südafrika zu erschließen.

 

ACS mit wichtigem Teilerfolg bei der Hochtief-Übernahme:
Der spanische Konkurrent und Großaktionär ACS steigerte seinen Anteil an Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief über die wichtige 30-Prozent-Hürde (30,34%). Damit kann ACS nun sein Hochtief-Aktienpaket bis zum erklärten Ziel der Mehrheit weiter aufstocken, ohne ein teures Pflichtangebot abgeben zu müssen. Die Frist der ACS-Offerte war am 29. Dezember abgelaufen. Das gesamte Angebotsverfahren dürfte Anfang Februar 2011 abgeschlossen sein. Gelänge die geplante Übernahme, würde mit einem gemeinsamen Umsatz von rund 33,8 Milliarden Euro das größte Bauunternehmen der westlichen Welt entstehen, das weltweit nur noch von zwei chinesischen Unternehmen für den Eisenbahn-Bau übertroffen werden würde. Mit einem Auslandsanteil am Umsatz von über 85 Prozent ist Hochtief nach eigenen Angaben der „internationalste Baudienstleister der Welt“.
Die letzte Hoffnung für Hochtief ist die Deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin: Sie soll prüfen, ob es verbotene Absprachen zwischen ACS und einem Investor gab.

 

Weltmarktführer Samsung investiert 29 Mrd. Euro in 2011:
Der südkoreanische Elektronikmischkonzern Samsung erhöht seine Investitionen in 2011 um 18% auf die Rekordhöhe von 29 Mrd. Euro. Damit sollen neue Geschäftsfelder erschlossen und die weltweit führende Stellung bei Speicherchips und Flachbildschirmen ausgebaut werden. Die Neueinstellungen sollen um 11% auf 25.000 zulegen. Zu der Samsung-Gruppe gehören rund 70 Unternehmen

 

Fiat spaltet sich auf – und wirft Auge auf Mehrheit bei Chrysler:
Zum Jahreswechsel hat sich der Fiat-Konzern in eine Auto- (Fiat S.P.A.) und eine hoch rentable Industriesparte (Fiat Industrial) aufgeteilt. Nun peilt der Autobauer, der bereits 20% an dem US-Konkurrenten Chrysler hält, eine Mehrheit bei seinem US-Partner an. Bereits 2011 könne ein Anteil von 51% realisiert werden, eine baldige transatlantische Fusion sei hingegen nicht geplant.

 

Schiesser hat offiziell die Insolvenz beendet:
Nach fast zweijähriger Insolvenz ist der Wäsche-Hersteller Schiesser wieder eigenständig. Nachdem das Amtsgericht Konstanz das Insolvenzverfahren offiziell beendet hat, steht dem geplanten Börsengang nun nichts mehr im Weg. Der bisherige Insolvenzverwalter Volker Grub wechselt in den Aufsichtsrat des Unternehmens aus Radolfzell. Im abgelaufenen Jahr 2010 konnte das Unternehmen erstmals seit sechs Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben.

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