Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 05.04.2011

Branchen:
1. Industrie schraubt Wachstumsprognosen kräftig nach oben
2. Deutscher Automarkt mit Rekordzahlen
3. Biotechnologiebranche knüpft an Vorkrisenniveau an
4. Energieriesen hätten von AKW-Abschaltung kaum Verluste

Unternehmen:

5. Trancocean stellt mit Ölkatastrophe eigenen „Sicherheitsrekord“ auf
6. Deutscher Biotechnologieführer übernimmt Australier
7. Sultanat Oman steigt mit 15% bei Hapag-Lloyd ein
8. China kauft für 6,5 Mrd. Dollar Afrikas größte Kupfermine
9. Texas Instruments schluckt für 6,5 Mrd. Dollar National Semiconductor
10. Belgische Chemie schluckt französische Konkurrenz
11. Vodafon trennt sich von französischem Partner
12. Französische Total steigt mit 12% in Russland ein
13. Lukoil hat alle Minen in seinen irakischen Ölfeldern geräumt

Weiteres:
14. Obama beginnt mit dem Einsammeln von Wahlkampfspenden

 

Branchen:

 

Industrie schraubt Wachstumsprognosen kräftig nach oben
Die drei wichtigen Branchen Maschinenbau, Elektroindustrie und Stahlproduktion haben ihre Wachstumspläne für 2011 kräftig nach oben korrigiert, auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhöhte seine Konjunkturprognose auf „etwas mehr“ als 2,5 Prozent. Die deutsche Elektroindustrie (816.000 Beschäftigte) rechnet laut dem Branchenverbands ZVEI statt mit sieben nun mit zehn Prozent Produktionswachstum und einem Umsatz von 180 Milliarden Euro (2010: 164 Milliarden Euro). Der Maschinenbau (933.000 Beschäftigte) wird laut dem Branchenverband VDMA um 14 Prozent statt den zuvor erwarteten zehn Prozent zulegen. Die Stahlbranche (71.000 Beschäftigte) verdoppelte ihre Prognosen auf plus vier Prozent.

 

Deutscher Automarkt mit Rekordzahlen
Im März haben die deutschen Autobauer so viele Fahrzeuge hergestellt wie noch nie zuvor in diesem Monat (576.700 Einheiten), auch der Export erreichte einen neuen März-Rekord (449.100). Insgesamt wurden im ersten Quartal 2011 1,49 Millionen Autos produziert (+8%) und davon 1,16 Millionen Fahrzeuge exportiert (+11%). Damit lief das erste Quartal sogar noch besser als zu Jahresbeginn erwartet. Trotz der kleinen Delle durch den Absatzeinbruch in Japan (schätzungsweise minus 1,1 Millionen Autos), wird dieses Jahr laut dem Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen ein Rekordergebnis erreicht. Demnach werden 2011 rund 62,1 Millionen Fahrzeuge verkauft, das wäre ein plus von 3,19 Millionen Einheiten, bzw. von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland stieg die Zahl der Neuzulassungen im ersten Quartal um 14% auf 763.000 Autos, den höchsten Wert seit 2006, wenn man das Jahr 2009 mit der Abwrackprämie herausrechnet.

 

Biotechnologiebranche knüpft an Vorkrisenniveau an
Die 400deutschen Biotechnologieunternehmen haben die Krise hinter sich gelassen und wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Die Umsätze stiegen 2010 um sieben Prozent auf 1,06 Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten stieg um zwei Prozent auf 10.043. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung kletterten 2010 um vier Prozent auf 809 Millionen Euro. Inklusive Unternehmen ohne Stammsitz in Deutschland wuchs der Umsatz mit 15.480 Mitarbeitern sogar um neun Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

 

Energieriesen hätten von AKW-Abschaltung kaum Verluste
Laut Analysten würden die vier Energieriesen, Monopolisten und AKW-Betreiber in Deutschland (Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, zusammen über 80% der deutschen Energieversorgung) kaum Verluste aus einer vorzeitigen Abschaltung ihrer Atomkraftwerke. Grund: ein leicht steigender Strompreis würde die Verluste nahezu ausgleichen. Aber auch unabhängig davon können die Oligopolmitglieder aufgrund ihrer hohen Gewinne das einer solchen Risikotechnologie innewohnende unternehmerische Risiko gut meistern und immer noch vernünftige Umsatzrenditen aufweisen. Matthias Heck von der Investmentbank Macquarie bestätigt dies: „Letztlich sind die Auswirkungen auf die Gewinnschätzung und den fairen Aktienwert minimal.“ Dies zeigen auch die jüngsten Preisentwicklungen an der Energiebörse EEX. Die Notierungen für Strom sind seit der Kehrtwende der Bundesregierung in der Atompolitik vor zwei Wochen um mehr als zehn Prozent auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. Laut der Financial Times Deutschland rechnen auch die Stromkonzerne nicht mehr damit, dass die acht vorläufig stillgelegten Reaktoren wieder ans Netz gehen. (Unternehmenszahlen: Eon 2010: Umsatz 92,9 Mrd. Euro, Ebit 11,2 Mrd. Euro; RWE 2010: Umsatz 53,3 Mrd. Euro, Ebit 6,5 Mrd. Euro; EnBW 2010:  Umsatz 17,5 Mrd. Euro, Ebit 1,93 Mrd. Euro; Vattenfall Europe 2009: Umsatz 14,5 Mrd. Euro, operatives Ergebnis 1,5 Mrd. Euro). Der ehemalige Bundesumweltministers Klaus Töpfer (CDU), Vorsitzender der derzeitigen Kontrollgruppe für die AKW-Sicherheit, bekräftigte die gängige Expertenmeinung (einzig die Lobbyaussagen des alten Energieoligopols weichen davon ab), Deutschland könne aus der Atomenergie aussteigen, ohne negative Folgen für die Wirtschaft zu verursachen. „Wir werden es belegen, dass eine wirtschaftlich starke Nation wie Deutschland diese Stärke auch behalten kann.“ Teile der Wirtschaft hätten erkannt, welche riesigen Möglichkeiten eine grüne Technologiewelle böte. „Das sind große Chancen für zukunftsorientierte Arbeitsplätze.“ Dies zeigt auch gerade die weltgrößte Industriemesse in Hannover, deren Themenschwerpunkte die boomenden Branchen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind.

 

Unternehmen:

 

Trancocean stellt mit Ölkatastrophe eigenen „Sicherheitsrekord“ auf
Transocean war der Betreiber der im April 2010 harvarierten BP-Plattform "Deepwater Horizon". Durch Bedienungsfehler war es zu einem Blowout gekommen, der die Plattform und das zuvor bereits defekte Sicherheitsventil am Grund in der Tiefsee zerstörte und damit zur zweitschlimmsten Ölkatastrophe der Geschichte führte. Neun der elf getöteten Arbeiter auf der Plattform kamen von Trancocean. Nun hat das Unternehmen ernsthaft behauptet, 2010 statistisch gesehen einen eigenen Sicherheitsrekord aufgestellt zu haben – 2009 sei es nämlich gleich zu vier schweren Vorfällen gekommen, weswegen damals keine Boni ausgezahlt wurden. Zur Belohnung erhalten die Manager für 2010 diesmal wieder satte Bonuszahlungen. So soll allein Steve Newman, der Chef des Unternehmens, einen Bonus von 374.062 Dollar erhalten, als Teil einer Gesamtvergütung von 5,8 Millionen Dollar. „Das Jahr 2010 war das beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Daran ändern auch die neun bei der Explosion getöteten Angestellten nichts: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte hingegen unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung berichtet, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter vor allem jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt 136 Plattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee.

 

Deutscher Biotechnologieführer übernimmt Australier
Deutschlands größtes Biotechunternehmen Qiagen will das australische Diagnostikunternehmen Cellestis übernehmen. Dafür bietet Qiagen mit rund 250 Millionen Euro einen Aufschlag von 32 Prozent auf den Aktienkurs. Cellestis zeigte sich gegenüber der Offerte offen. Die Übernahme würde Qiagen einen exklusiven Zugang zu Technologien für frühe Krankheits- und Infektionsdiagnostik ermöglichen.

 

Sultanat Oman steigt mit 15% bei Hapag-Lloyd ein
TUI will sich von seinen 38,4 Prozent an der mit 6,2 Milliarden Euro Umsatz sechstgrößten Containerreederei der Welt trennen. Ein entsprechender Börsengang war im März jedoch vor dem Hintergrund der Unsicherheit an den Börsen wegen der Japankatastrophe und dem Libyeneinsatz verschoben worden. Nun gibt es eine überraschende Wende und statt eines Börsengangs soll es zum Verkauf an ausländische Investoren kommen. Das Staatsunternehmen Onyx Investments des Sultanats Oman hat 15 Prozent der Anteile übernommen. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Angeblich werde derzeit auch mit einem chinesischen Interessenten, der Fluggesellschaft HNA, über weitere 15 Prozent verhandelt. Das strategisch günstig im Südosten der arabischen Halbinsel gelegene Oman (frühere Seehandelsmacht) werde viel Geld in den Ausbau seiner Häfen investieren, um damit in den Routenplan von Hapag-Lloyd aufgenommen zu werden.


China kauft für 6,5 Mrd. Dollar Afrikas größte Kupfermine
Chinas größter Metallhändler Minmetals Resources will für 6,5 Milliarden Dollar den kanadischen Bergbaukonzern Equinox kaufen und sich dadurch den Zugang zu Kupferminen in Sambia (der größten Kupfermine Afrikas) und Saudi-Arabien verschaffen. China verbraucht 39 Prozent der weltweiten Kupferproduktion. Im Rahmen des Ausbaus der chinesischen Stromnetze wird weiterhin viel Kupfer benötigt. Recyceltes Kupfer macht derzeit nur rund ein Sechstel der weltweiten Produktion aus.

 

Texas Instruments schluckt für 6,5 Mrd. Dollar National Semiconductor
Der führende US-Chiphersteller und Halbleiter-Gigant Texas Instruments (TI) übernimmt für 6,5 Milliarden Dollar den Rivalen National Semiconductor (Aufpreis von 72 Prozent). Die Zustimmung der Wettbewerbshüter steht noch aus. Texas Instruments ist mit 14 Prozent Marktanteil führend bei analogen und integrierten Prozessoren für einfache Rechenaufgaben. Semiconductor kommt auf drei Prozent.

 

Belgische Chemie schluckt französischen Konkurrenten
Der belgische Chemiekonzern und Kunststoffhersteller Solvay will seinen französischen Konkurrenten Rhodia für 3,4 Milliarden Euro schlucken und bietet damit einen Aufschlag von 50 Prozent auf den Schlusskurs der Papiere. Mit der Übernahme würde ein Spezialchemie-Weltmarktführer mit 12 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr entstehen. Das Geld kommt aus eigenen Mitteln – 2009 hatten die Belgier ihr zunehmend schwieriges Pharmageschäft für 4,5 Milliarden Euro an den US-Konzern Abbott Laboratories verkauft. Schon damals wurde die Absicht bekundet, das Chemie- und Kunststoffgeschäft zu stärken. Durch den Zukauf soll das operative Ergebnis auf rund zwei Milliarden Euro verdoppelt werden.

 

Vodafon trennt sich von französischem Partner
Der britische Mobilfunkriese Vodafone trennt sich nach rund zehn Jahren von seinem französischen Partner Vivendi. Vodafon möchte sich nach Jahren der Expansion von nicht-strategischen Beteiligungen trennen und Vivendi erhält mit dem Rückkauf die volle Kontrolle über seine Mobilfunktochter SFR zurück, die Nummer zwei im französischen Markt. SFR brachte Vivendi im vergangenen Geschäftsjahr rund 43 Prozent seiner Gesamterlöse ein. Die 44% Anteile an SFR haben einen Kaufpreis von 7,75 Milliarden Euro. Damit geht die Konsolidierung im Telekomgeschäft weiter. Ende März erst hatte sich die Deutsche Telekom für 39 Milliarden Dollar  von ihrer US-Mobilfunksparte T-Mobile USA getrennt und kurz darauf mit der France Télécom eine weitreichende Kooperation (gemeinsamer Netzaufbau) in Ost- und Mitteleuropa beschlossen (Österreich, Polen, Rumänien).

 

Französische Total steigt mit 12% in Russland ein
Der französische Öl- und Gasriese Total ist mit 12,09 Prozent beim größten unabhängigen russischen Gasproduzenten NOVATEK eingestiegen. Für insgesamt vier Milliarden Dollar sollen in den nächsten drei Jahren weitere 7,4 Prozent erworben werden. Bereits 2004 wollte Total eine Sperrminorität an NOVATEK für eine Milliarde Dollar erwerben. NOVATEK hat seine Vorkommen und Förderlizenzen im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen, wo fast 20 Prozent der weltweiten Gasvorräte und mehr als 90 Prozent des gesamten russischen Gases lagern.

 

Lukoil hat alle Minen in seinen irakischen Ölfeldern geräumt
Das größte private russische Erdölunternehmen Lukoil hat das Räumen der irakischen Ölfelder Westkurna-2 in der südirakischen Provinz Basra von Minen abgeschlossen. Lukoil hatte im September 2010 mit dem Minenräumen auf dem 29 Quadratkilometer großen Gelände begonnen. Nun wurden die Vorbereitungen für die Bohrarbeiten eingeleitet, die ab 2013 beginnen sollen. In der ersten Etappe sollen 400.000 Barrel pro Tag gewonnen werden. Insgesamt sollen in die Erschließung dieses Ölvorkommens 30 Milliarden Dollar investiert werden.

 

Weiteres:

 

Obama beginnt mit dem Einsammeln von Wahlkampfspenden
US-Präsident Barack Obama will eine zweite Amtszeit. Die Wahl wird am 6. November 2012 stattfinden. Bis dahin wird er schätzungsweise die aus demokratietheoretischem Verständnis heraus unvorstellbare Summe von einer Milliarde Dollar in seinen Wahlkampf stecken. Daher hat er bereits jetzt, eineinhalb Jahre davor, mit seiner Kampagne zum Einsammeln der Wahlkampfspenden begonnen. Obamas Gegner aus den Reihen der Republikaner wird sich vermutlich im April zu erkennen geben.
 

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