Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 05.05.2011

Wirtschaftspolitik:
1. 125 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen bis 2014
2. Deutsche vererben dieses Jahr 233 Milliarden Euro
3. Die Reichen werden bis 2020 doppelt so reich
4. Portugal hält 14 größte Goldreserven der Welt
5. Kredit- und Bankkartenbetrug bringt EU-weit 1,5 Mrd. Euro
6. EuGH-Grundsatzurteil weist nationale Kartellwächter in die Schranken
7. CCS-Pilotprojekt in Brandenburg gestartet
8. Arbeiter erstmals wieder im Reaktorgebäude Fukushima-1

Branchen und Unternehmen:

9. Eon baut erste kommerzielle Pilotanlage zur Windstromspeicherung
10. Weltweit führende Rohstoffkonzern Glencore – aus dem nichts zu 61 Mrd. Dollar
11. Rekordgewinner Henkel dreht fleißig weiter an der Zweitrunden-Schraube
12. Autozulieferer Honsel wird kanadisch

 

Wirtschaftspolitik:

 

125 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen bis 2014
Der anhaltende Aufschwung sorgt für ein Einnahmenplus für Bund, Länder und Gemeinden. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) spricht von insgesamt rund 125 Milliarden Euro, die bis 2014 zusätzlich eingenommen werden könnten. Nach einem Plus von 14 Milliarden Euro im laufenden Jahr gegenüber der letzten Schätzung aus dem November, kann das Plus in 2012 auf fast 17 Milliarden Euro steigen, 2013 dann auf knapp 47 Milliarden und 2014 schließlich auf rund 48 Milliarden Euro über dem bisherigen Prognosewert. Auf den Bund würde rund die Hälfte der Zusatzeinnahmen entfallen. Allerdings gab es in den vergangenen 20 Jahren für die deutsche Wirtschaft keine Fünf-Jahres-Phase, in der es nicht zu einem kräftigen Konjunkturabschwung gekommen ist. Daher gebe es laut den IMK-Experten keine Spielräume für Steuersenkungen. Im Gegenteil: Allein die Bundesschuld beträgt derzeit 1,1 Billionen Euro. Dafür werden jährlich rund 37 Milliarden Euro allein an Zinsen fällig. In der aktuellen Finanzplanung rechnet Finanzminister Schäuble, dass die Zinsausgaben des Bundes auf über 50 Milliarden Euro im Jahr 2015 steigen werden – einerseits wegen der neuen Schulden des chronisch defizitären Staatshaushaltes, andererseits wegen zu erwartenden Zinssteigerungen. Die Zinszahlungen sind der zweitgrößte Haushaltsposten nach Arbeit und Sozialem und noch vor Verteidigung sowie der Bildung und Forschung. Jeder sechste Euro der Bundes-Steuereinnahmen fließt direkt in den Schuldendienst. Hinzu kommen noch die 600 Milliarden Euro Schulden der Bundesländer.

 

Deutsche vererben dieses Jahr 233 Milliarden Euro
Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach werden in diesem Jahr rund 233 Milliarden Euro in Deutschland vererbt. Das sind zehn Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Der Wert dürfte bis zum Jahr 2020 auf 330 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen. Die Erbschaftssteuer zur Handhabung des leistungslosen Vermögenszuwaches ist in der Höhe ihrer Freibeträge und in den Steuersätzen im internationalen Umfeld stark unterschiedlich ausgestaltet und kontroversen Diskussionen unterworfen.

 

Die Reichen werden bis 2020 doppelt so reich
Das Beratungsunternehmen Deloitte LLP hat eine Studie veröffentlicht, in der das Vermögenswachstum der Millionäre weltweit kalkuliert wird. Demnach wird es allein in den Industriestaaten bis 2020 rund 55,5 Millionen Dollar-Millionäre geben, davon rund 20 Millionen weiterhin in den USA. Das ist insgesamt ein Anstieg um zwei Drittel. Die Millionäre in den Schwellenländern dürften sich in dem gleichen Zeitraum auf 10 Millionen verdoppeln. Die Gesamtsumme der von diesen Familien gehaltenen Vermögen werden in dann von derzeit 92 Billionen Dollar auf dann 202 Billionen Dollar (137 Billionen Euro) mehr als verdoppeln. Der durchschnittliche Millionär in Indien dürfte dann reicher sein als sein amerikanisches Gegenstück und bereits 2015 könnte Singapur die Schweiz mit einem Durchschnittsvermögen seiner Millionäre von 4,5 Millionen Dollar in diesem Ranking ablösen.

 

Portugal hält 14 größte Goldreserven der Welt
Das schuldengeplagte Portugal hält mit 385 Tonnen Goldreserven die 14. größten Goldreserven der Welt. Das entspricht pro Kopf gerechnet fast genauso viel Gold wie die Reserven der Deutschen Bundesbank, die mit 3.400 Tonnen weltweit den zweitgrößten Goldschatz hortet. Angesichts des Milliarden-Rettungsprogramms geraten nun auch immer stärker Portugals Goldreserven in die Diskussion. Nach aktuellem Marktwert wäre das Gold zwischen 11 und 12 Milliarden Euro wert – das entspricht etwas mehr als einem Achtel des Hilfspakts. Allerdings müssen nach den Vorschriften des portugiesischen Notenbankgesetzes die Erlöse aus solchen Verkäufen auf einem speziellen Reservekonto eingezahlt werden und könnten nicht einfach in den Haushalt oder den Schuldendienst fließen. Portugal hat den Großteil seines Goldschatzes in den Jahren der Diktatur Antonio de Oliveira Salazars (1932-1968) aufgebaut und sich unter anderem auch von Nazi-Deutschland Rohstoffexporte für die Rüstungswirtschaft in Gold bezahlen lassen.

 

Kredit- und Bankkartenbetrug bringt EU-weit 1,5 Mrd. Euro
Gedankenloses Gebrauchen seiner Kredit- und Bankkartendaten im Internet – unzählige missachtete Warnungen und zahlreiche leichtsinnige Überweisungen später summiert sich EU-weit der Schadensfall, oder aus der anderen Perspektive der Gewinn, auf rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Und dieser boomende „Markt“ ist nur ein Teilgeschäft der organisierten Kriminalität. Rob Wainwright, Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol, anlässlich der Publikation des alle zwei Jahre veröffentlichten Lageberichts OCTA (Organised Crime Threat Assessment): „Die Organisierte Kriminalität ist ein Multimilliarden Euro-Geschäft in Europa und nimmt in ihrem Ausmaß zu.“ Die Organisierte Kriminalität dringe dabei in immer mehr Geschäftsbereiche vor und wird vielfältiger in ihren Methoden, Strukturen und auch in ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft, darunter der Betrug mit CO2-Emissionszertifikaten, Kreditkartenbetrug und Produktfälschung. 

 

EuGH-Grundsatzurteil weist nationale Kartellwächter in die Schranken
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat ein Grundsatzurteil zu dem immer wieder kehrenden Kompetenzgerangel zwischen den nationalen Wettbewerbshütern und der EU-Kommission in Brüssel gefällt. Anlass war ein Verfahren der polnischen Wettbewerbsbehörde gegen die polnische Telefongesellschaft Telekomunikacja Polska SA. Dabei hatten die polnischen Kartellwächter nach nationalem Recht entschieden, dass es keinen Missbrauch einer beherrschenden Marktposition gebe, und daraufhin das Verfahren eingestellt – ein sogenannter „Persilschein“. Der EuGH hat dem nun Grenzen aufgesetzt: Nur die EU-Kommission in Brüssel dürfe Unternehmen einen Persilschein ausstellen, wonach sie einen Markt nicht beherrschen. Die Entscheidung einer nationalen Behörde würde dem Urteil zufolge die einheitlichen Wettbewerbsregeln der Europäischen Union beeinträchtigen. Dadurch würde nämlich verhindert werden, dass die EU-Kommission tätig werden könne. Nationale Behörden dürften allenfalls entscheiden, überhaupt nicht tätig zu werden. Ob damit der Kompetenzstreit endgültig beigelegt ist, oder nur in eine weitere Runde geht, bleibt abzuwarten.

 

CCS-Pilotprojekt in Brandenburg gestartet
Die CO2-Abtrennung aus der Verstromung von Kohle und die unterirdische Speicherung in Gesteinsschichten wird als CCS abgekürzt, für „Carbon Capture and Storage“. Die Technologie ist äußerst umstritten. Die Kohlekraftwerksbetreiber argumentieren, dass wegen der knappen und teuren CO2-Verschmutzungsrechte die Kohleverstromung ohne die Technik in absehbarer Zeit nicht mehr wirtschaftlich sein könne. Die CCS-Technik würde zudem helfen, die Klimaschutzziele einzuhalten. Als Kritiker positioniert sich unter anderem die Wasserwirtschaft, die eingehend vor den Gefahren der CO2-Speicherung warnt. Demnach kann das Einpressen des Kohlendioxids zu unkalkulierbaren Risiken für das Trinkwasser und zu einer „irreversiblen Kontamination“ des Grundwassers mit Schadstoffen führen. Nun hat der Energieriese Vattenfall am Mittwoch im brandenburgischen Ketzin einen Pilotversuch zur CCS-Speicherung gestartet. Ein Tanklastzug brachte dafür 23 Tonnen flüssiges CO2 aus der Vattenfall-Pilotanlage Schwarze Pumpe nach Ketzin, das in den kommenden vier Wochen in den 650 Meter tiefen Gesteinsschichten unterirdisch verpresst werden soll. Insgesamt sollen so 2.000 Tonnen CO2 verpresst werden, um zu beobachten, „wie sich das CO2 unter der Erde ausbreitet und welche Wechselwirkung es mit dem unterirdischen Gestein eingeht“, so Michael Kühn, der Leiter des GFZ-Zentrums für CO2-Speicherung. Die schwarz-gelbe Koalition hatte Mitte April mit einem Entwurf für ein sogenanntes CCS-Gesetz den Weg für die umstrittene Technik geebnet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte unterdessen erneut den sofortigen Stopp der unterirdischen CO2-Speicherung. „Das ist ein verantwortungsloses Vorgehen. Die Landesregierung spielt mit dem Leben der Bürger.“ Forschung und Wissenschaft würden längst noch nicht über genügend Erkenntnisse verfügen, welche Auswirkungen die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid habe.

 

Arbeiter erstmals wieder im Reaktorgebäude Fukushima-1
Arbeiter haben erstmals wieder ein Reaktorgebäude in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima-1 betreten. In dem Reaktorgebäude 1 sollen sie Filter installieren, mit denen radioaktive Partikel aus der Innenraumluft entfernet werden sollen. Die Kontamination der Luft in dem Gebäude soll dadurch um 95 Prozent reduziert werden, um anschließend das Kühlsystem wieder installieren zu können. Die Männer sollen in kleinen Gruppen arbeiten, von denen jede nur/bis zu zehn Minuten in dem Reaktor bleiben soll.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Eon baut erste kommerzielle Pilotanlage zur Windstromspeicherung
Der Energieriese Eon plant den Bau einer ersten kommerziellen Anlage für die Wasserstoffelektrolyse, mit der aus Ökostrom zunächst Wasserstoff erzeugt wird, das dann mit CO2 zur Reaktion gebracht Methan ergibt. Dieses lässt sich als Ökogas problemlos in das bestehende Erdgasnetz einschleusen, so dass die bestehende Gasinfrastruktur aus Pipelines und Gasspeichern zum Ökostromspeicher wird. Die Demonstrationsanlage soll in Norddeutschland gebaut werden. Ziel des Projekts ist es zunächst, die technische und betriebliche Machbarkeit der Gewinnung von Wasserstoff aus Windstrom durch Elektrolyse nachzuweisen. Die Inbetriebnahme ist für 2012 oder 2013 geplant. Die Leistung liege zunächst nur bei etwa einem Megawatt, sei aber ausbaubar.

 

Weltweit führende Rohstoffkonzern Glencore – aus dem nichts zu 61 Mrd. Dollar
Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore galt bislang als äußerst verschwiegen und geheimnisumwittert – wie die meisten dieser Branche. Nicht eingehaltene Umweltstandards und prekäre Menschenrechtslagen in rohstoffreichen Krisengebieten zwingen dazu, sich nicht allzu gerne in die Karten schauen zu lassen. Doch nun drängt der weltweit führende Rohstoffkonzern an die Börse, um mit den Einnahmen die Übernahme von Konkurrenten zu finanzieren. 15 bis 20 Prozent seiner Anteile sollen ab dem 19. Mai über die Londoner Börse verkauft werden. Insgesamt schätzt sich der Global Player auf 61 Milliarden Dollar. Gemessen an seinem Umsatz von 145 Milliarden Dollar in 2010 ist Glencore, mit Sitz in dem Niedrigsteuer-Kanton Zug, der größte Schweizer Konzern – noch vor Nestlé, dem Pharmakonzern Novartis und der Großbank UBS. Die weltweit 60.000 Mitarbeiter haben 2010 einen Jahresgewinn von 3,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der ehemalige Kohlehändler und gebürtige Südafrikaner Glasenberg ist sowphl Chef, als auch größter Eigner des Rohstoffgiganten. Ihm dürften bis zu 15 Prozent des 61 Milliarden Dollar schweren Unternehmens gehören.

 

Rekordgewinner Henkel dreht fleißig weiter an der Zweitrunden-Schraube
Der Konsumgüterkonzern Henkel ist nach seinem persönlichen Rekordjahr 2010 auf dem Weg zu neuen Höchstmarken. Das erste Quartal setzte noch einmal einen oben auf – trotz steigender Rohstoffkosten. Diese konnten über Preiserhöhungen an die Kunden weitergereicht werden. Doch nicht genug: Trotz Rekordgewinne sollen die Preise noch weiter erhöht werden, um die Rekordjagd bei den Gewinnen in noch schnellerem Tempo erledigen zu können. Der Konzern will nämlich noch profitabler werden. Die Umsatzrendite soll von zuletzt 12,3 auf 13 Prozent und dann auf 14 Prozent im nächsten Jahr steigen. Zum Vergleich die Zahlen für die deutsche Wirtschaft: Die 30 Dax-Unternehmen erzielten 2010 eine Umsatzrendite von durchschnittlich knapp sieben Prozent. Im Rekordjahr 2007 erreichten die Dax-Konzerne beinahe zehn Prozent. Der bisherige Rekordwert aller deutschen Firmen zusammen wurde ebenfalls 2007 mit 5,2 Prozent realisiert. Durch den grandiosen Rekorderfolg beschwipst geriert sich die Sucht nach immer noch größeren Höhen in immer noch schnellerer Geschwindigkeit bei Henkel also als Inflationstreiber erster Güte. Dabei lassen die Zahlen an für sich keinerlei Grund zur panischen Flucht nach vorne erkennen: Der Hersteller von Pritt, Persil und Schauma steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2011 um weitere 8,9 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn (Ebit) stieg um 1,9 Prozent auf 430 Millionen Euro. Das organische Wachstum werde nach Konzerneinschätzungen rund 3 bis 5 Prozent betragen, die Rohstoffkosten dürften im Gesamtjahr 2011 laut Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach um zehn Prozent steigen.

 

Autozulieferer Honsel wird kanadisch
Der kanadische Konzern Martin Rea hat den Bieterwettbewerb um den insolventen Autozulieferer Honsel mit Sitz in Meschede gewonnen. Der Gläubigerausschuss hat dem Gebot bereits zugestimmt. Honsel ist ein Spezialist für Motorblöcke aus Leichtmetall. 2010 wurden mit 4.000 Beschäftigten rund 540 Millionen Euro umgesetzt. Der Kaufpreis liegt bei rund 100 Millionen Euro. Entscheidend für den Zuschlag an die Kanadier sei das Votum Daimlers gewesen: Daimler ist selbst ein Gläubiger und großer Kunde Honsels und hatte für die Kanadier und gegen das Bündnis des Zulieferers ZF Friedrichshafen und dessen mexikanischen Partner Nemak gestimmt, weil die Kanadier versprochen hatten, stark nach China expandieren zu wollen. ZF galt bislang als Favorit, weil der Konzern seit langem gemeinsam mit Honsel fertigt. Der Betriebsratsvertreter im Gläubigerausschuss hatte gegen die Kanadier gestimmt.

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